Projekt:OERlabs Openbook/Field Notes (OER-Seminare)

Aus Wikiversity
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Fieldbook
Getting in/Getting on

Instruments
Multistakeholder Dialog (MSD): Field Notes: Wie ist das Setting? | Projekt: Wir sind wir vorgegangen? | Lessons lOERned: Welche Erfahrungen haben wir gemacht? | Headnotes: Woran sind diese Anschlussfähig bzw. womit sind die Erfahrungen erklärbar? | Openlabs: Field Notes | Projekt | Lessons lOERned | Headnotes | OER-Seminare: Field Notes | Projekt | Lessons lOERned | Headnotes | Studentische Beteiligung: Field Notes | Expert*innenbefragung OER | Machtverhältnisse an Hochschulen | Headnotes: Woran sind diese Anschlussfähig bzw. womit sind die Erfahrungen erklärbar? | Podcast: Field Notes | Projekt | Lessons lOERned | Headnotes | Weblog: Projekt | Lessons lOERned | Twitter: Lessons lOERned

(Design) Principles
Kommunikation zwischen Verstehen und Verständigung | In Hochschulen gehen und verändern wollen | Hochschulen zwischen Erforschung und Gestaltung

People
3 Fragen 3 Antworten

Material
Content Buffet

Universität zu Köln[Bearbeiten]

OERlabs Seminare - Breit gefächerte Detailarbeit[Bearbeiten]

Universitäts- und Lehrentwicklung stellen in den OERlabs einen grundlegenden Teil der Projektbestrebungen dar. Hierzu gab es eine innerhalb des Projektes strukturelle Verbindung zwischen den Teilbereichen bzw. den involvierten Stakeholdern. Einen dieser Stakeholder stellt die Gruppe der Studierenden, genauer gesagt die Auseinandersetzung Studierender innerhalb der Lehrer*innenbildungskette mit frei verfügbaren Bildungsmaterialien und offenen Praktiken, dar. Die Durchführung der runden Tische (siehe MSD Aufbau) stellt im Rahmen des Projektes eine übergeordnete Makroebene der nachhaltigen Universitäts- und Lehrentwicklung dar. Unsere OERlabs-Seminare spielen indes eine Rolle auf Meso- und Mikroebene im Projektverlauf. Die Seminare beschäftigen sich einerseits mit der OER-Thematik und schlagen andererseits eine Brücke zwischen Wissenschaft und Beruf/Praxis. Schließlich wird die Nachhaltigkeit nicht alleine durch institutionelle Veränderungen gesichert, sondern ebenso durch die Akteure und Stakeholder, die eine Thematik aufnehmen, akzeptieren und praktisch umsetzen.

Wie kommen OER unter die Studierende?[Bearbeiten]

In der Theorie würde sich diese Frage einfach beantworten lassen, allerdings müssen bei der Formulierung einer Antwort entsprechende institutionelle Rahmenbedingungen beachtet werden (siehe Anzahl Studierender: Link zu UzK Steckbrief?).Genauer betrachtet liegt der Fokus bei der OER-Thematik nicht in der Definition des Feldes (z.B.:„Was sind OER?“; „Was sind Lizenzen?“), da diese Punkte sowohl durch die Forschung, als auch die praktische Community (siehe Creative Commons) klar definiert vorliegen. Viel mehr tritt die Frage nach der Haltung und der Einstellung hinsichtlich Offenheit, Kooperation und Kollaboration in den Vordergrund. Dementsprechend stellen OER für Studierende weniger ein Problem in der Handhabung als Informationsressource oder Bildungsmaterial dar, sondern das Ausschöpfen des tatsächlichen Potenzials basierend auf den 5R bzw. 5V Definitionen von Open Educational Resources:

  1. Verwahren & Vervielfältigen
  2. Verwenden
  3. Verarbeiten
  4. Vermischen
  5. Verbreiten

Durch bisherige Erfahrungen in der Lehre kristallisiert sich eher die gemeinsame Erstellung und Weitergabe/-verarbeitung von OER als Schwierigkeit in der Hochschullandschaft heraus. Dies betrifft nicht nur Studierende, sondern ebenso Dozierende oder Lehrer*innen, denn Kooperation und Kollaboration sind auf allen Ebenen möglich. Verständlicherweise kommt erschwerend hinzu, dass Beteiligte über unterschiedlich breites Wissen über medientechnische bzw. medienrechtliche Fragestellungen verfügen. Teilweise werden (digitale) Medien als Teil eines mediendidaktischen Arrangements gesehen, teilweise jedoch als reines „Add-on“ zur Motivierung oder Aktivierung von Lernenden eingesetzt. Um Kooperation und Wissensteilung entlang der Lehrer*innenbildungskette anzustoßen und alle relevanten Akteure ins kooperative Handeln zu bringen, sollten an der UzK praxisorientierte Lösungen für OER als Unterrichtsmaterial, sowie offene und kollaborative Bildungspraxis mit Hinblick auf Schule und Unterricht entsprechend ihren Platz finden, nämlich unter Studierenden, zukünftigen Lehrer*innen, sowie ihren Dozierenden. Um all dies zu ermöglichen waren die OERlabs in der grundständigen Lehre in den Praxisphasen des Lehramtsstudiums, sowie passenden Modulen in weiteren Studiengängen eingebunden.

Praxisphasen des Lehramtsstudiums und Mediendidaktik[Bearbeiten]

Die OERlabs-Seminare waren an den Schnittstellen zum Refendariat bzw. zur Lehrer*innenbildung/-fortbildung angesiedelt. Durch die Anbindung an die Praxisphasen des Lehramtsstudiums und Modulverbindung innerhalb der Mediendidaktik war eine stärkere Auseinandersetzung mit der Thematik möglich als bisher. Um zunächst einen Überblick über den grundlegenden Aufbau der OER-Seminare zu geben, sei erwähnt, dass die entsprechenden Lehrveranstaltungen jeweils im Tandem (koopeartiv und kollaborativ) aus erfahrenen Lehrer*innen und Universitätslehrenden durchgeführt wurden. Dies führte mit sich, dass Themen praxisnah in die Lehrveranstaltungen genommen und bearbeitet wurden. Des Weiteren waren die Praxisphasen prädestiniert für eine Beschäftigung mit der praktischen Umsetzung der 5-V der OER, da, wie im Folgenden genauer beschrieben, Lehramtsstudierende in dieser Phase wichtige Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis erkennen, erleben und verstehen sollten. Aus diesem Grund wurden diese Lehrveranstaltungen auch durch das Zentrum für Lehrer*innenbildung (ZfL) koordiniert, d.h. dass die Lehrplanung in den Händen eines beteiligten Kooperationspartners lag. Zusätzlich wurde eine OER-Lehrveranstaltung curricular im Lehrangebot der Juniorprofessur Mediendidaktik eingebettet, da die Projektleitung als Juniorprofessorin mit der Hälfte des Lehrdeputats hier in der Lehre ohnehin eingebunden war.

Berufsfeldpraktika - Digitale Lehre[Bearbeiten]

Die Berufsfeldpraktika sind Teil des Lehramtsstudiums an der UzK und finden in der zweiten Praxisphase im Bachelorstudium statt. Hierbei haben die Studierenden drei unterschiedlichen Möglichkeiten, das Berufsfeldpraktikum (BFP) zu absolvieren: Durch Zeit an einer Schule bzw. im außerschulischen Berufsfeld in Zusammenhang mit einem Begleitseminar; eine Anerkennung einer Tätigkeit vor dem Studium, sowie ein Begleitseminar; oder als Durchführung eines Projektes im Rahmen eines Seminars. Zur Auswahl standen drei themenspezifische Seminare:

  • Coden mit Raspberry Pi
  • Gestaltung und Produktion digitalen Lernmaterials
  • Mobile Learning in der Schule

Diese drei Projektseminare wurden im Rahmen der OERlabs durchgeführt, und folgten dabei folgenden Grundsätzen:

  • Produktorientierung
  • Praxisbezug
  • Anwendungsbezug
  • Kollaboration/Zusammenarbeit in Lernteams
  • Vielfältigkeit der digitalen Angebote
  • Selbstorganisation
  • Enge Betreuung durch Dozierende
  • Ausgangspunkt: Curriculare Vorgaben (Kernlehrplan)
  • Nicht (nur) OER, sondern OEP

Gestaltung und Produktion digitalen Lernmaterials[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den zuvor erwähnten BFP-Seminaren, die sich nur an Lehramtsstudierende richten, konnten sich im OERlabs-Seminar an der Juniorprofessur für Medienpädagogik und Mediendidaktik Studierende aus unterschiedlichen Studiengebieten anmelden und teilnehmen, darunter aus den Bildungswissenschaften und Erziehungswissenschaften, der Pädagogik, sowie Musikvermittlung und dem Studiengang Intermedia. Dieses Seminar beschäftigte sich mit aktuellen Forschungs- und Praxisfragen der Mediendidaktik, und Studierende hatten die Möglichkeit,eigene Lernmaterialien im Rahmen einer Projektarbeit zu konzipieren, entwickeln und wenn möglich und gewünscht, auch praktisch umzusetzen. Abschließend wurden die jeweiligen Projekte bzw. Produkte von einer externen Jury aus dem Medien-, Verlags- und pädagogischen und hochschulischen Umfeld präsentiert und beurteilt.

Praxisbezogene Produktorientierung im Projekt[Bearbeiten]

Durch den Aufbau der Seminare bzw. durch die Einbindung der OER-Thematik entstand in den OERlabs-Seminaren ein eigener Arbeitsprozess, der zum Einen die Haltung gegenüber offenen Praktiken und frei verfügbarem Material unter den Studierenden beeinflusst hat, als auch zum Anderen durch das Format die Notwendigkeit kooperativen und kollaborativen Arbeitens in den Vordergrund gerückt hat. Der Praxisbezug und der Theoriezusammenhang beider Seminarformen führte Studierende in der Lehrer*innenbildungskette ihrer zukünftigen Arbeitswelt nahe und sensibilisierte gleichermaßen für die Verwendung von OER-Material im eigenen Unterricht.

Im Hinblick auf die Umsetzung der Studierendenprojekte nahmen die OERlabs-Seminare auf viele Aspekte der Projektmethode nach Frey (2010) aufgrund ihrer Thematik, sowie der Akteure und der Zielstellung wesentlich Bezug. Die Beschäftigung mit OER wurde stark auf die 5-V aufgebaut, wodurch das handlungsorientierte Lernen in den Vordergrund gerückt wurde. Hierbei war in vielen Fällen die Anweisung ausgegeben, auf bereits vorhandenes Material zurückzugreifen und dieses Material den eigenen Vorstellungen nach anzupassen, um damit weiterarbeiten zu können. Stets stand die praktische Auseinandersetzung mit Material auf dem Plan, es wurde jedoch darauf hingewiesen, und von den Lehrenden selbst entsprechend produziert (siehe Seminarangaben/Aufgaben für Studierende und Analyseblatt für digitale Tools), dass frei verfügbare Materialien gefunden, verwendet und angepasst werden sollen.

Die Projektgruppen wurden auch entsprechend angeleitet, gemeinsam über Projektschritte zu reflektieren, vor allem in den ersten Schritten der Konzeption stand die gemeinsame Reflexion im Vordergrund. Obwohl die Zielstellung ausgegeben war, mussten die Projektgruppen zunächst entsprechende Themenstellungen formulieren, um das Projekt durchführen zu können. Dabei mussten die Gruppen stets im Auge behalten, dass die Projekte bzw. das Produkt den praktischen Wert für Lernen, Lehren bzw. Schule und Unterricht nicht verlieren sollte. Basierend auf der Semesterlogik – im Lehrplan integrierte Seminare folgen dem regulären Semesterablauf, hingegen folgen BFP-Seminare einem Blockseminar-Ablauf (z.B. finden einige Einheiten als Blockseminar an einem Wochenende statt, und werden durch Blendet-Learning Selbstlernphasen ergänzt) – dauerte die Projektarbeit meist ein gesamtes Semester. Dadurch standen die Projektgruppen vor der Herausforderung eine möglichst offene Kommunikation über den individuellen Arbeitsprozess und den Status der eigenen Arbeit zu praktizieren, sowie damit zusammenhängend mit Situationen und Dynamiken innerhalb der Gruppe selbstständig umzugehen lernen.

Abschließend konnten die Studierenden auf einen projektbasierten Arbeitsprozess zurückblicken, der nicht nur ein entsprechendes OER-Produkt mit sich zog, sondern ihnen viel mehr die offenen Praktiken und deren Potenziale aufzeigen konnte. In den OERlabs-Seminaren sollten die Studierenden die Möglichkeit und die Perspektive bekommen, sowohl (selbst erstellte/selbst bearbeitete) Materialien, als auch offene Praktiken in ihrer zukünftigen Arbeitswelt der Schule mitnehmen und anwenden können.

Technische Universität Kaiserslautern[Bearbeiten]

Die OER-Seminare an der TU Kaiserslautern werden in die Veranstaltungen des bildungswissenschaftlichen Teils des Lehramtsstudiums integriert. Da es in Rheinland-Pfalz curriculare Standards der Lehrerbildung gibt, wird ein Modul gesucht, in das die Inhalte gut eingebettet werden können. Aus der Struktur der Lehrerbildung kamen drei Seminare in die engere Auswahl: Einmal das Seminar „Einführung in die Medienpädagogik“, welches im Modul 2 für Bachelor-Studierende des 2./3. Semesters angeboten wird (vgl. Field Note TUK). Inhalte sind lt. Modulhandbuch „Reflexiver, selbstbestimmter und kreativer Umgang mit Medien unter technischem, praktischem, ästhetisch-bildendem und emanzipatorischem Aspekt: Bildung und Medienkompetenz, Medienbegriff, Medienentwicklung und Konzepte der Medienpädagogik, Kommunikation und Medien auch im Zusammenhang mit individuellen Beeinträchtigungen […]“. Studierende „können den eigenen Mediengebrauch reflektieren und Medien entsprechend unterrichtlicher Ziele und unter Berücksichtigung individueller Lernvoraussetzungen auswählen und gestalten“[1]. Darüber hinaus gibt es im Masterbereich im Modul 6 ein Seminar „Ansätze und aktuelle Trends der Schulentwicklung“, in welchem auch OER eine Heimat finden könnte, ist das Thema kooperative Entwicklung von Lehr-Lernmaterial und offene Bildung ein Schwerpunkt, welches enge Schnittmengen zu Schulentwicklungsfragen aufwerfen. Ein drittes Seminar, das in Frage kommt, beschäftigt sich mit dem Inhalt „Didaktik des E-Learning“. Studierende „kennen die wichtigsten medienspezifischen Gestaltungsmöglichkeiten und können ihre Anwendung beurteilen“, so lauten die Lernziele in diesem Seminar.

Die Konzeption der Seminare sollte zwei Bedingungen Rechnung tragen: Zum einen dem Kooperationsproblem in der Lehrer*innenbildung (A) und zum zweiten dem Problem der Anreizstrukturen für Neues (B).

A) Kooperationsproblem in der Lehrer*innenbildung[Bearbeiten]

Es ist das erklärte Ziel der Projektmaßnahmen eine kooperative Kultur zu gründen und aufzubauen. Eine solche Kultur profitiert von gegenseitigem Austausch der Beteiligten über intellektuelle Ressourcen und Wissen und stellt dieses Wissen wiederum zur Verfügung, wodurch ein kollektives Wissen erst entstehen kann. Kooperation ist zentrales Konstrukt für Schulqualität und Schuleffektivität (Fend 1998; Dalin & Rolff 1990; Dalin 1999; Ditton 2000, Rolff 1998), wird jedoch vor allem im Kontext der Organisations-entwicklung untersucht (z.B. Bauer 2002; Dalin & Rolff 1990), selten(er) im Zusammenhang mit Professionalisierungsfragen. Fragen von kooperativem Medienhandeln entlang der Lehrer*innen-bildungskette bleiben aus medienpädagogischer Sicht daher größtenteils unbeantwortet. Kooperatives Medienhandeln meint dabei das gemeinsame Entwickeln und den Austausch, das bloße Tauschen von Materialien untereinander betrifft es weniger. Denn knapp zwei Drittel der Lehrkräfte tauschen untereinander bereits regelmäßig Lehrmaterialien aus (Richter & Pant, 2016). So verbleiben diese Materialien aber stets nur im gleichen Bewertungskreis, wo sich wenig ihres Entwicklungs- und Individualisierungspotenzials entfalten kann. Die beruflichen Leistungen von Lehrkräften werden so von den Möglichkeiten ausgeschlossen, in wachsenden Netzwerken bekannt, geteilt und weiterentwickelt zu werden, wodurch Fachwissen verloren geht und die Zusammenarbeit in größeren Netzwerken quasi unmöglich wird (vgl. Manila 2013[2]). So konstatieren Richter & Pant (2016): „Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die meisten Lehrkräfte in Deutschland regelmäßig unterrichtsbezogene Informationen und Materialien im Kollegium austauschen, jedoch zeitaufwendige und komplexe Formen der Kooperation selten und nur bei einer kleinen Gruppe von Lehrkräften zu beobachten sind.“ (Richter & Pant, 2016, S. 34)). Ergänzend dazu zeigen Befunde aus anderen empirischen Untersuchungen, dass auch Lehr-Lernmaterialien kaum gemeinsam entwickelt werden (Ihme et al., 2009). Es geht in den OERlabs also darum, eine Kultur des gemeinsamen »Erschaffens« und Teilens zu etablieren, die Anlässe zur Kollaboration in allen Stufen der OER Nutzung, Produktion und Verbreitung schafft. Dies wollten wir auch in den Seminaren abbilden. So war es uns wichtig, dass wir das Thema Lehramtsstudierende für OER sensibilisieren auch kooperativ gestalten und die Schulpraxis von Anfang an integrieren. Lehrhandeln ist in weiten Teilen noch individuelles Handeln, Kooperation findet kaum statt. Gleichzeitig sind die OERlabs-Seminare aber auch die Möglichkeit, Kooperation nicht nur durch das Seminarthema sichtbar werden zu lassen, sondern auch in der Gestaltung zu leben. Teamteaching ist eine Möglichkeit, kooperatives Lehrhandeln sichtbar werden zu lassen (Krick & Reich, 2016[3]). Daher haben wir nach Lehrpersonen aus der Praxis gesucht, welche uns bei der Gestaltung der Seminare unterstützen könnten. Die OERlabs werden von einer externen Lehrbeauftragten begleitet, die für die richtige Balance zwischen Beratung und Förderung der Studierenden und deren Peer-to-Peer-Learning Prozessen im Sinne des lab-Konzeptes sorgen wird. Als Studiendirektorin, Fachleiterin am Staatlichen Studienseminar des Saarlandes und OER-Coach bringt sie sowohl eine alternative (offene) Praxis mit, und hat bereits den Beraterkreis initiieren, indem die Studierenden sich mit Fachwissen auseinandersetzen, sich über eigenes generiertes Wissen austauschen und sich so offenen Bildungspraktiken nähern[4]. Eine studentische Hilfskraft hat den Aufbau dieser OERlabs-Seminare unterstützt und durch die Entwicklung hin zum OER-Coach das Tutor*innen-Modell begründen. Sie fungiert als zusätzliche Kommunikatorin zwischen Expert*innen, Berater*innen und Studierenden.

B) Arbeitsprozessorganisation und Wissensmanagement[Bearbeiten]

Selbst in Schulen, die digitale Medien einsetzen und motivierte Lehrkräfte beschäftigen, werden Medien meist verengt auf den bildungstechnologischen Ansatz gesehen, der Lehrkräfte dahin führt, Technologien nur für das Lernen zu nutzen (vgl. Schiefner-Rohs & Hofhues 2015) und so mit ihren Konzepten, Materialien und Erfahrungen meistens bei sich oder kollegiumsintern zu bleiben. Medien zur Unterstützung des alltäglichen Arbeitsprozesses – auch in der Unterrichtsvor- und Nachbereitung – werden meist wenig thematisiert. Somit wird neben dem Kooperationsproblem auch ein verengter Medienbegriff sowie der Blinde Fleck der Arbeitsprozessorganisation zum Thema der OERlabs. Zusätzlich stehen der Beschäftigung mit OER auch individuelle Vorbehalte gegenüber. Diese betreffen beispielsweise das potenzielle „Verschenken“ geistigen Eigentums, aus dem andere einen unfairen Vorteil ziehen könnten (vgl. Malina & Bonarius 2013[5]). Diese Vorbehalte können ein produktives Wissensmanagement unter Lehrkräften verhindern. An diesen Stellschrauben setzten die OERlabs an, um neue Anreizstrukturen für Lehrkräfte zu schaffen, sich mithilfe von OER kollaborativem Medienhandeln zu nähern.

In den OERlabs-Seminaren werden darüber hinaus folgende Aspekte in den Mittelpunkt gestellt:

  • Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen bezüglich Digitalisierung, Migration und Inklusion, die zu immer heterogeneren Lern- (und Lehr)gruppen führen und daher anpassbaren, individualisierbaren Unterricht und dementsprechende Materialien und Methoden unverzichtbar machen. Diese Unterrichtsführung wird durch OER-Praktiken möglich.
  • OER werden interessant aus Gründen der Unabhängigkeit: Unterrichtsstoff kann stetig aktualisiert werden, ohne dass auf neue Bücher oder Materialien gewartet werden muss. Außerdem profitieren Lehrkräfte von den Erfahrungen anderer mit einem ganz bestimmten Unterrichtsthema, zudem es eventuell noch keine Publikationen gibt.
  • In den Seminarevaluationen der Lehramtsangebote wird meist kritisiert, dass nur über Medieneinsatz und medienpädagogische Kompetenzausbildung in der Theorie gesprochen und diskutiert werden kann, aber der konkrete Praxisbezug ausbleibt. Das ändert sich durch die konkreten Arbeitsaufträge, die mit der Erstellung von OER und dem Austausch darüber verbunden sind. An der TU KL werden verschiedene Kooperationspartner auch konkrete Anlässe und Unterstützung in den labs bei der Produktion von Medien bieten.
  • Bezüglich des Urheberrechtsschutzes ist die Lizenzierung von OER ein sehr sicherer Weg, das geistige Eigentum zu schützen. Digitale Inhalte werden in der heutigen Zeit so leicht auf verschiedensten Wegen verbreitet und geteilt, dass die Lizenz zumindest die Zuschreibung des Materials zum ursprünglichen Verfasser sicherstellen kann und so den Reiz für andere verringert, keine Quellenangabe zu machen.

Die OER-Seminare orientieren sich zum einen handlungsorientierter Medienpädagogik (Schorb, 2008[6]), in der „im Mittelpunkt der medienpädagogischen Bemühungen (...) nicht die Medien, sondern die aneignenden Individuen in ihrem gesellschaftlichen Kontext, in dem Medien eine wesentliche Rolle spielen“ (ebd., S. 77) aber auch am Projektlernens nach Frey (2002[7]) wie beispielsweise Studierendenorientierung (eigene Fragestellungen der Studierenden stehen im Fokus), Wirklichkeitsorientierung (komplexe Phänomene des aktuellen gesellschaftlichen Diskurses werden adressiert) und Produktorientierung (z.B. durch die Gestaltung einer Weiterbildungsveranstaltung oder die Produktion von Lehr-Lernmaterial). Beide Aspekte dienen insbesondere im Lehramt der Professionsentwicklung Studierender hinsichtlich des Erwerbs arbeitsprozessrelevanter Kompetenzen.

Im Sommersemester 2017 gibt es an der TU KL insgesamt im Seminar Medienpädagogik zwischen Mai und Juli fünf Präsenztermine à vier Stunden für Bachelorstudierende, die den ersten OERlabs einen Rahmen geben. In den Sitzungen geht es um die Auffindbarkeit, das Erstellen und Teilen und später auch um die Weiterentwicklung, die Qualitätssicherung und die Einsatzmöglichkeiten für und von OER. Das Seminar greift auch medienpädagogische Theorien und Konzepte auf und setzt Handlungspraxen von OER dazu in Bezug. Als „Höhepunkt“ und quasi „Produkt“ des ersten OERlabs-Seminars bereiten die Studierenden einen Workshop auf der iMedia[8] in Mainz am 30. Mai zum Open Educational Resources Forum für die Teilnehmer*innen eigenverantwortlich vorbereiten, gestalten, durchführen und reflektieren (wurde im Blog und Wiki dokumentiert! (siehe Projektwiki/OERlab). Indem die OER Praktiken anderen (Lehrkräften) zugänglich gemacht werden, wird die Sicherheit im eigenen Umgang mit OER gefestigt und neue Impulse und konzeptionelle Gedanken aus den Workshops werden für den Fortgang der OERlabs erhoben. Im Seminar „Didaktik des E-Learning“ (Master-Stufe) wurde eine Seminareinheit für das Thema Urheberrecht mit OER-Einschub genutzt. Studierende des Bachelorseminars Medienpädagogik haben dazu einen Vortrag erarbeitet und in der Gruppenarbeitsphase ein Urheberrecht/Lizenz Memory erstellen lassen. Dadurch wurde nicht nur eine Vernetzung mit der Schulpraxis sichtbar, sondern auch eine vertikale Vernetzung zwischen Studierenden der Bachelor- und Masterphase.

Im Wintersemester 2017/2018 wurde dieses Konzept ähnlich umgesetzt, nur an der ein oder anderen Stelle verfeinert bzw. der Semesterstruktur angepasst. Auch hier stand wieder die Gestaltung einer Weiterbildungsveranstaltung auf der iMedia als Produkt im Fokus, allerdings diesmal mit dem Fokus auf Schulentwicklung. Die Lehrperson wurde per Skype zur Unterstützung integriert, die Dokumentation fand in einem OLAT-Kurs statt. Studierende haben in diesem Seminar OpenLabs Termine gestaltet. Im Sommersemester 2018 sollte das Seminar auf Schulentwicklungsfragestellungen ausgeweitet werden, fand aber aufgrund mangelnder Anmeldezahlen nicht wie geplant statt.

Im Wintersemester 2017/2018 wurde dieses Konzept ähnlich umgesetzt, nur an der ein oder anderen Stelle verfeinert bzw. der Semesterstruktur angepasst. Auch hier stand wieder die Gestaltung einer Weiterbildungsveranstaltung auf der iMedia als Produkt im Fokus, allerdings diesmal mit dem Fokus auf Schulentwicklung. Die Lehrperson wurde per Skype zur Unterstützung integriert, die Dokumentation fand in einem OLAT-Kurs statt. Studierende haben in diesem Seminar OpenLabs Termine gestaltet. Im Sommersemester 2018 sollte das Seminar auf Schulentwicklungsfragestellungen ausgeweitet werden, fand aber aufgrund mangelnder Anmeldezahlen nicht wie geplant statt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://landesrecht.rlp.de/jportal/portal/t/1tc/page/bsrlpprod.psml?doc.hl=1&doc.id=VVRP-VVRP000003736&documentnumber=14&numberofresults=14&doctyp=vvrp&showdoccase=1&doc.part=F&paramfromHL=true#ivz11
  2. Malina, B. & Bonarius, N. (2013). Leitfaden zu Open Educational Resources in der Hochschulbildung https://www.unesco.de/sites/default/files/2018-01/DUK_Leitfaden_OER_in_der_Hochschulbildung_2015_barrierefrei-1.pdf
  3. Kricke, M. & Reich, K. (2016) Teamteaching. Weinheim u.a.: Beltz.
  4. So sind beispielsweise die OERlabs-Seminare öffentlich dokumentiert, so z.B. das 2017er Seminar unter http://projektwiki.zum.de/wiki/OERlab
  5. Malina, B. & Bonarius, N. (2013). Leitfaden zu Open Educational Resources in der Hochschulbildung https://www.unesco.de/sites/default/files/2018-01/DUK_Leitfaden_OER_in_der_Hochschulbildung_2015_barrierefrei-1.pdf
  6. Schorb, B. (2008). Handlungsorientierte Medienpädagogik. In U. Sander, F. von Gross & K.-U. Hugger (Hrsg.), Handbuch Medienpädagogik (S. 75-86). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  7. Frey, K. (2002). Die Projektmethode. Weinheim: Beltz.
  8. Die iMedia ist die größte Weiterbildungsveranstaltung des Landes Rheinland-Pfalz für Lehrer*innen. Sie „wird im Auftrag des Bildungsministeriums vom Pädagogischen Landesinstitut für Lehrkräfte aller Schularten nach jährlich wechselnden Themenschwerpunkten konzipiert und durchgeführt. (...)Sie versteht sich als Forum für den praxisorientierten Austausch und möchte wichtige Impulse setzen. Im Zentrum des wissenschaftlichen Impulsvortrages zu Beginn und einer Vielzahl von Infoshops im Verlauf des Tages geht es darum, die Potenziale digitaler Medien für ein innovatives und motivierendes, differenzierendes und inklusives Lehren und Lernen zu erkunden. Die Beschäftigung mit dem Lernen mit und über digitale Medien verfolgt dabei das Ziel, zur Erhöhung der Qualität und Effizienz von Bildungsprozessen beizutragen“ (https://imedia.bildung-rp.de/ueber-die-imedia.html)


CC-Zero-badge.svg

Dieser Artikel steht unter einer freien CC0 Lizenz. Damit kannst du ihn frei verwenden, bearbeiten und weiterverbreiten. Eine Quellenangabe ist erwünscht, aber nicht notwendig. Bildrechte können davon abweichen. Angaben dazu finden sich auf den Beschreibungsseiten der jeweiligen Bilder.