Projekt:OERlabs Openbook/Hochschulen zwischen Erforschung und Gestaltung

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(Design) Principles
Kommunikation zwischen Verstehen und Verständigung | In Hochschulen gehen und verändern wollen | Hochschulen zwischen Erforschung und Gestaltung

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3 Fragen 3 Antworten

Hochschulen zwischen Erforschung und Gestaltung[Bearbeiten]

Was bleibt von den OERlabs? Eine Frage wie diese stellt sich in projektorientierter Forschung zwangsläufig, wenn Anfang und Ende eines Projekts durch die zeitlichen Grenzen bestimmt sind (kritisch Zierer, 2011[1]) und das Feld in der gegenwärtigen Konstellation auch wieder verlassen werden muss. So bleiben nach Projektende vor allem die persönlichen Erinnerungen an die OERlabs und die gemachten Erfahrungen im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Aktivitäten (vgl. Nachwort Reinmann in Dürnberger/Hofhues/Sporer, 2011[2]), aber auch die ein oder anderen neu geknüpften Verbindungen. Darüber hinaus, davon gehen wir aus, lebt der ‚Geist der OERlabs‘ an den jeweiligen Hochschulen und darüber hinaus weiter: So wurden dialogische Formate bereits kopiert und andernorts wieder eingesetzt (#mischenpossible); studentische Beteiligung wurde als hilfreich und nicht als dauerkritisch empfunden; (Medien-)Labore wurden physisch initiiert, sofern sie organisational fehlten, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

In einem Praxis- und Entwicklungsprojekt, das in Hochschule und Lehrerbildung auf Sensibilisierung einzelner Akteure und letztlich auf Kulturveränderung („Change“, Walter & Riegler, 2016[3]) in Schule und Hochschule zielt, sind die genannten Beispiele schon beträchtliche Erfolge. Sie manifestieren sich allerdings weniger in (nach außen) sichtbaren Strukturen, sondern sie lassen sich zusammenfassen mit dem Stichwort Kommunikation und phänomenorientierte Vernetzung. Weil wir über anderthalb Jahre mit vielen Akteuren der Lehrer*innenbildung sowie allen medien- und lehrbezogenen Einrichtungen in unterschiedlichsten Formen (von Dialogformaten über offenen Labformaten bis hin zum social web in Twitter und Podcast) im Gespräch waren, wissen wir nun vergleichsweise genau, wo der Schuh drückt. Ebenfalls wurde deutlich, dass die eigentlichen Herausforderungen in der Zusammenarbeit hinter den aktuell diskutierten Phänomenen liegen: Es geht nicht (nur) um OER, sondern (auch) um Fragen kooperativer Lehrentwicklung. In solchen Fällen haben wir Akteure ermutigt, selbst tätig zu werden oder sich zusammenzutun und sog. OERhubs als Knotenpunkte zu bilden. Denn Expertise liegt an vielen Stellen in den Organisationen vor, sie muss „nur“ offengelegt und gebündelt werden.

OERhubs verstehen wir als Knotenpunkte im Netzwerk derjenigen Akteurinnen und Akteure, die an den OERlabs beteiligt waren oder sich aufgrund thematisch ähnlicher Ideen und Interessen in netzwerkartiger Form zusammengetan haben. OERhubs sind zum jetzigen Zeitpunkt virtuelle Hubs, die sich verändern können. Durch das Vorgehen im Projekt ist angelegt, dass sich Akteurinnen und Akteure um dezentrale Problemlösungen selbst bemühen und ihre Hubs auf diese Weise institutionalisiert werden können.

Damit lässt sich ein zentrales Prinzip extrahieren, das für die Erforschung und Gestaltung von Schulen und Hochschulen unseres Erachtens hilfreich ist: Mit den OERlabs haben wir den Versuch unternommen, nicht von (Qualifikations- oder Kompetenz-)Defiziten der Akteure auszugehen, sondern ihr individuelles Wissen und Können angesprochen wie auch ihre subjektiven Haltungen als wesentlich für die Gestaltung von Schule oder Hochschule angenommen. In unserem Förderantrag heißt es dazu:

Es ist allerdings weniger die Handhabung von OER als Informationsressource oder Bildungsmaterial, die von Studierenden oder Dozierenden gelernt werden müsste. Unseres Erachtens ist eher die gemeinsame Erstellung und die Weitergabe/-verarbeitung von OER für die Beteiligten her- ausfordernd: Unsere Lehrveranstaltungen mit OER-Bezug legen u.a. offen, wie gut oder schlecht Studierende, Dozierende oder Lehrer*innen kooperieren können, wie viel oder wenig sie über Medien und insbesondere medientechnische und medienrechtliche Fragen wissen und dass Medien selten als Teil eines didaktischen Arrangements, sondern eher als „Add-on“ zur Motivierung oder Aktivierung von Lernenden gesehen werden etc. (...)

Entsprechend gehen wir nicht davon aus, dass Lehramtsstudierende, Lehrer*innen oder Multiplikator*innen eine spezifische Gestaltungskompetenz für OER fehlt; stattdessen setzen wir an den Erfahrungen und Wissens- bzw. Handlungsressourcen an, um in den OERlabs rasch wirksam zu werden und über das Projektende hinaus OER-bezogene Erkenntnisse sukzessive in bestehende oder neue Aus- und Weiterbildungsangebote zu überführen.

Mit dem pädagogischen Prinzip des Empowerment geht einher, die Akteure vor allem für eigenes Tun zu begeistern oder ihnen im eigenen Tun eine Möglichkeit zur (systematischen) Reflexion anzubieten (vgl. Den Ouden in Dürnberger/Hofhues/Sporer 2011[4]). Dies scheint für den Umgang mit aktuellen Phänomenen sowie Medien besonders angemessen, begegnet man den Akteurinnen und Akteuren doch so auf Augenhöhe. Sowohl die Art und Weise, wie wir uns in den OERlabs begegnen, als auch das Ziel der Netzwerkbildung zur kooperativen oder kollaborativen Problemlösung findet Ankerpunkte und Entsprechungen in der Forschungsliteratur. Im Blick haben wir dabei nicht nur die Erfahrungen, die jede*r Beteiligte in den OERlabs macht, sondern auch die Organisation sowie spezifische Formen der Organisiertheit innerhalb und zwischen traditionellen Vorstellungen von Organisation (zur relationalen Hochschulentwicklung vgl. Hofhues, Pensel & Möller, 2018[5]).

Insofern machen die OERlabs mit ihrer Verankerung an zwei (medien-)pädagogisch/didaktisch orientierten Professuren deutlich, dass zum einen der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis durch Reflexion und Kommunikation möglich ist und zum anderen auch Forschung in Entwicklungsprojekten stattfinden kann. Ohne das eigene Verständnis von Forschung als Mit-Gestaltung (vgl. Hofhues et al., i.Dr.[6]) wäre dieser Weg aber nur schwer gangbar. Mit den Handlungsprinzipien der OERlabs angesprochen ist damit aus unserer Perspektive auch das Spezifische der Bildungsorganisationen Schule und Hochschule: Hier wird seit Jahren über die Bedeutung adaptiv-evolutionärer Innovationen diskutiert (Altrichter et al.[7]; 1. Synergie-Beitrag der OERlabs[8]). Von Interesse ist für uns also nicht, ein Trendthema oder eine technische Innovation per se bzw. dieses am Bedarf der Menschen vorbei zu implementieren, sondern letztlich soziale Innovationen durch die Übernahme bestimmter (Kommunikations- und Handlungs-)Praxen zu adressieren. Jene Veränderungen sind sichtbar und wir können anekdotisch über sie berichten. Wie sich (hoch-)schulische Praxis im weiteren Verlauf genau darstellt, müsste mit rekonstruktiven Verfahren empirischer Sozialforschung näher erforscht werden (Bezug You(r) Study).

Schließen wir also das Projekt ab und bewegen wir uns aus dem Feld, indem die Türen der OERlabs in ihrer spezifischen Projektförmigkeit geschlossen werden? Oder nehmen wir die Feld-Metapher ernst und haben das Feld erst bestellt, um es nun gemeinsam zu beackern und zu sehen, wie die Samen aufgehen, weil wir diverse Möglichkeiten der Ackerbewirtschaftung und Sozialraumgestaltung in Betracht ziehen konnten? Müssen also die Ergebnisse eines Projekts schon zu Projektende vorliegen oder zeigt sich Nachhaltigkeit erst, indem etwas entstehen kann? Die Perspektiven hierauf sind unterschiedlich je nach Sichtweise auf ein Projekt, auf Forschung als (eigene) Arbeit innerhalb einer wissensbasierten Organisation, auf den Beitrag der Forschung zur Gestaltung von Praxis oder bezüglich der Fähigkeiten, die auch wir erst im Verlauf eines solchen Projekts (weiter-)entwickelt haben. So konnte niemand im Vorfeld des Projekts ahnen, wie wichtig z.B. ein ansprechendes und angenehmes Catering-Angebot für alle Beteiligten werden würde (siehe MSD Köln) oder warum wir als Fangemeinde immer wieder exponiert wurden (siehe MSD Köln). Was sich für Lesende möglicherweise mit einem Schmunzeln darstellt, projiziert die Projektrealität ins OpenBook und macht möglich, dass wir uns davon notwendigerweise lösen müssen. Schließlich möchten wir uns nur in Pausen mit Bienenstich beschäftigen und ansonsten eher über Fragen von (Medien-)Bildung nachdenken.

Auch deshalb passt es, das OpenBook mit einem Bild zu schließen, das seit längerem im Projekt kursiert und zur Lab-Metapher passt: Mit den OERlabs haben wir allerhand Themen und potenzielle neue Projekte unter dem Teppich digitaler Medien und der (formalen) Organisiertheit von Bildung aufgewirbelt (vgl. Blogbeitrag Flickenteppich OER). Erforschung und Gestaltung sind daher untrennbar miteinander verbunden, auch über die OERlabs hinaus.

Auch deshalb passt es, das OpenBook mit einem Bild zu schließen, das wir oben schon angerissen haben: Mit den OERlabs haben wir allerhand Themen und potenzielle neue Projekte auf der weiten Flur der Organisation Hochschule entdeckt, die sonst eher wild vor sich hinwachsen. Sichtbar ist aber geworden, dass es ein kontinuierliches Beackern des Feldes braucht, dass Kommunikation und die Gestaltung von Erfahrungsräumen wie ein Dünger funktioniert - Erforschung und Gestaltung sind daher untrennbar miteinander verbunden, auch über die OERlabs hinaus.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Zierer, K. (2011). Wider den Projektzwang. Erziehungswissenschaft, 22(42), 9-18.
  2. Nachwort Reinmann in Dürnberger/Hofhues/Sporer, 2011
  3. Walter, C., & Riegler, P. (2016). Perspektiven auf Wandel: Conceptual Change, Change Management, Change Leadership – eine Synthese. In T. Brahm, T. Jenert & D. Euler (Hrsg.), Pädagogische Hochschulentwicklung: Von der Programmatik zur Implementierung (S. 281-294). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.
  4. Den Ouden in Dürnberger/Hofhues/Sporer 2011
  5. Hofhues, S., Pensel, S. & Möller, F. (2018/in Druck). Begrenzte Hochschulentwicklung: das Beispiel digitaler Lerninfrastrukturen. In M. Kerres et al. (Hrsg.), Digitalisierung und Hochschulentwicklung. Reihe Medien in der Wissenschaft. Münster: Waxmann (weitere Daten n. bek.)
  6. Hofhues, S.; Reder, C. & Schiefner-Rohs, M. (eingereicht). OER an der Hochschule – Gestaltungsorientierte Perspektiven auf ein junges Phänomen in medienpädagogischer Forschung und Lehre. Medienpädagogik. [weitere Daten noch nicht bekannt]
  7. Altrichter, H. & Wiesinger, S. (2005). Implementation von Schulinnovationen – aktuelle Hoffnungen und Forschungswissen. Journal für Schulentwicklung, 4/2005, 28–36.
  8. Andrasch, M., Hofhues, S., Reder, C. & Schiefner-Rohs, M. (2017). Von Lizenzfragen zum Remix-Prinzip: Wie OERlabs zum Türöffner für Medienbildung werden. Synergie. Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre. 3, 50-53.


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