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Kurs:Grundkurs Mathematik/Teil I/20/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21
Punkte 3 3 4 2 5 3 1 8 2 4 5 4 3 2 2 1 1 2 2 4 2 63




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Produktmenge aus zwei Mengen L und M.
  2. Eine Relation auf einer Menge M.
  3. Die Menge der ganzen Zahlen.
  4. Ein gemeinsames Vielfaches zu natürlichen Zahlen a1,,ak.
  5. Ein Prozent.
  6. Eine wachsende Abbildung f:KK auf einem angeordneten Körper K.


Lösung

  1. Man nennt die Menge
    L×M={(x,y)xL,yM}

    die Produktmenge der Mengen L und M.

  2. Eine Relation R auf einer Menge M ist eine Teilmenge der Produktmenge M×M, also  RM×M
  3. Die Menge der ganzen Zahlen besteht aus der Menge aller positiven natürlichen Zahlen +, der 0 und der Menge {nn+}, die die negativen ganzen Zahlen heißen.
  4. Die natürliche Zahl b heißt ein gemeinsames Vielfaches der a1,,ak, wenn b ein Vielfaches von jedem ai ist, also von jedem ai geteilt wird.
  5. Ein Prozent ist 1100.
  6. Die Abbildung f:KK heißt wachsend, wenn für je zwei Elemente x,xK mit  xx  auch  f(x)f(x)  gilt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Beziehung zwischen der Multiplikation und endlichen Mengen.
  2. Die Division mit Rest für natürliche Zahlen.
  3. Die Bernoulli-Ungleichung für einen angeordneten Körper K.


Lösung

  1. Es seien M und N endliche Mengen mit m bzw. n Elementen. Dann besitzt die Produktmenge M×N genau mn Elemente.
  2. Es sei d eine fixierte positive natürliche Zahl. Dann gibt es zu jeder natürlichen Zahl n eine eindeutig bestimmte natürliche Zahl q und eine eindeutig bestimmte natürliche Zahl r, 0rd1, mit
    n=qd+r.
  3. Für x1 und n ist
    (1+x)n1+nx.


Aufgabe (4 Punkte)

Hanny, Nanny, Fanny und Sanny leben auf dem Ponyhof. Heute machen sie einen Ausflug mit den Ponies Pona, Pone, Pono und Ponu. Jedes der Mädchen sitzt dabei genau auf einem Pony, und sie reiten hintereinander. Folgende Fakten sind bekannt.

  1. Fanny sitzt nicht auf Pona.
  2. Pone und Ponu vertragen sich nicht so gut und laufen daher nicht direkt hintereinander.
  3. Nanny sitzt auf Pone oder auf Pono.
  4. Sanny reitet auf Pona oder auf Pone.
  5. Nanny reitet direkt hinter Sanny.
  6. Auf Ponu sitzt nicht Sanny.
  7. Pona läuft direkt zwischen Pone und Pono.
  8. Auf Pono sitzt weder Fanny noch Hanny.
  9. Sanny reitet weiter vorne als Hanny.

Wer sitzt auf welchem Pony und in welcher Reihenfolge laufen sie?


Lösung

Nach (7) liegt der Ponyabschnitt Pone-Pona-Pono oder Pono-Pona-Pone vor. Nach (2) sind somit nur die Ponyreihenfolgen Pone-Pona-Pono-Ponu oder Ponu-Pono-Pona-Pone möglich. Nach (8) sitzt auf Pono Nanny oder Sanny, nach (4) sitzt aber Sanny auf Pona oder Pone. Deshalb sitzt Nanny auf Pono. Nach (5) reitet Nanny direkt hinter Sanny. Bei der Reihenfolge Ponu-Pono-Pona-Pone müsste also Sanny auf Ponu reiten, was nach (4) ausgeschlossen ist. Also ist die Reihenfolge Pone-Pona-Pono-Ponu und Sanny reitet auf Pona. Nach (9) reitet Hanny auf Ponu und folglich reitet Fanny auf Pone.

Reihenfolge Pony Reiterin
1 Pone Fanny
2 Pona Sanny
3 Pono Nanny
4 Ponu Hanny


Aufgabe (2 Punkte)

Führe die erste binomische Formel für rationale Zahlen auf die erste binomische Formel für ganze Zahlen zurück.


Lösung

Wir schreiben die beteiligten rationalen Zahlen als

a=km und b=rs.

Unter Verwendung von grundlegenden Rechenregeln für Brüche erhalten wir

(a+b)2=(km+rs)2=(ks+rmms)2=(ks+rm)2(ms)2=(ks)2+2ksrm+(rm)2(ms)2=(ks)2(ms)2+2ksrm(ms)2+(rm)2(ms)2=(km)2+2ksmsrmms+(rs)2=a2+2ab+b2.


Aufgabe (5 (3+2) Punkte)

Zu  n  sei f(n) der minimale Eurobetrag, für den man mindestens n Euromünzen/Scheine braucht, um diesen Betrag zu begleichen.

  1. Erstelle eine Tabelle, aus der die Werte für f(n) ablesbar sind!
  2. Was ist f(1000000)?


Lösung

  1. Gemäß Satz 3.1 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027)) ist die minimale Darstellung einer Zahl mit den Eurozahlen eindeutig, man erhält sie, indem man rekursiv die größtmöglichen Scheine/Münzen einsetzt. Damit gelangt man zu folgender Tabelle.
    n 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
    f(n) 0 1 3 8 18 38 88 188 388 888 1388 1888

    Für alle weiteren n muss man 500 dazuaddieren.

  2. Es ist
    f(1000000)=1388+999990500=1388+499995000=499996388.


Aufgabe (3 Punkte)

Die Hochschule „Tellerrand“ bietet lediglich 4 Fächer an, nämlich Hethitologie, Assyriologie, Ägyptologie und Semitistik. Sie bietet lediglich 2-Fächer-Bachelor an in beliebiger Fächerkombination. Wie viele Fächerkombinationen gibt es (es wird nicht zwischen Erst- und Zweitfach unterschieden)? Skizziere ein Mengendiagramm, das die Studentenschaft mit ihren Fächern wiedergibt. Die zu einem Fach gehörenden Studenten und Studentinnen sollen dabei durch ein zusammenhängendes Gebiet dargestellt werden.


Lösung

Es gibt 6 Möglichkeiten.


Aufgabe (1 Punkt)

Professor Knopfloch ist soeben aufgestanden und noch etwas schläfrig. Er setzt sich seine zwei Kontaktlinsen in seine Augen. Beim Frühstück stellt er fest, dass in seinem linken Auge keine Kontaktlinse ist. Er ist sich sicher, dass keine Kontaktlinse verloren ging, jede Kontaklinse landete in einem seiner Augen. Ist die Abbildung, die die Zuordnung an diesem Morgen der Kontaktlinsen zu den Augen beschreibt, surjektiv, injektiv, bijektiv?


Lösung

Die einzige Möglichkeit ist, dass beide Kontaklinsen im rechten Auge gelandet sind. Somit ist die Abbildung nicht injektiv (2 Elemente haben den gleichen Wert), und auch nicht surjektiv, da das linke Auge nicht getroffen wird. Insbesondere ist die Abbildung nicht bijektiv.


Aufgabe (8 Punkte)

Es seien L,M,N endliche Mengen mit ,m bzw. n Elementen. Wir betrachten die Abbildung

Ψ:Abb(L,M)×Abb(M,N)Abb(L,N),(f,g)gf,

die durch die Hintereinanderschaltung von Abbildungen gegeben ist. Zeige, dass Ψ genau dann surjektiv ist, wenn

mmin(,n)

ist.


Lösung

Es sei zuerst

m<min(,n).

Wir nennen das Minimum rechts k. Wir wählen Teilmengen  S=L  und  T=N  mit jeweils k Elementen und eine bijektive Abbildung

h~:ST.

Diese erweitern wir zu einer Abbildung

h:LN,

indem wir die Werte zu Elementen aus LS irgendwie festlegen. Das Bild von h besitzt zumindest k Elemente. Diese Abbildung kann nicht durch M faktorisieren, da M weniger als k Elemente besitzt. Die Gesamtabbildung ist also nicht surjektiv.

Es sei nun

mmin(,n).

Dabei sei zunächst

=min(,n).

Daher gibt es eine injektive Abbildung von L nach M, und wir fixieren eine injektive Abbildung

f:LM.

Es sei

h:LN

vorgegeben. Wir definieren

g:MN

durch

g(y)={h(x), falls y=f(x)z sonst,

wobei  zN  fixiert ist. Dabei ist

(gf)(x)=g(f(x))=h(x)

nach Konstruktion.

Es sei nun

n=min(,n).

Bei  n=0  ist die Aussage direkt klar, sei also  n1.  Dann gibt es eine surjektive Abbildung von M nach L, und wir fixieren eine surjektive Abbildung

g:MN.

Es sei

h:LN

vorgegeben. Wir definieren

f:LM

durch

f(x)=y,

wobei  yM  ein Element mit

g(y)=h(x)

ist. Dabei ist

(gf)(x)=g(f(x))=h(x)

nach Konstruktion.


Aufgabe (2 Punkte)

Auf wie viele Arten kann man die 5 als Summe von positiven natürlichen Zahlen darstellen (Darstellungen, die man durch Vertauschen der Reihenfolge ineinander überführen kann, gelten dabei als gleich; 5=5 ist eine Darstellung)?


Lösung

Wir müssen nur die Darstellung zählen, wo die Summanden in absteigender Größe geordnet sind.

5=5,
5=4+1,
5=3+2,
5=3+1+1,
5=2+2+1,
5=2+1+1+1,
5=1+1+1+1+1,

also 7 Darstellungen.


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass für positive natürliche Zahlen a,n,k die Beziehung

a(nk)=((((an)n)n)n)nk Potenzierungen

gilt.


Lösung

Wir führen Induktion nach k (für beliebiges a,n). Bei

k=1

steht links

a(n1)=an

und rechts steht die einfache Potenzierung an, das stimmt also überein. Zum Induktionsschluss nehmen wir an, dass die Aussage für ein bestimmtes k schon bewiesen sei und wir müssen die entsprechende Aussage für k+1 zeigen. Unter Verwendung von Lemma 10.8 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027)) und der Induktionsvoraussetzung ist

a(nk+1)=a(nkn)=(a(nk))n=(((((an)n)n)n)nk Potenzierungen)n=(((((an)n)n)n)n)nk+1 Potenzierungen,

was den Induktionsschritt beweist. Nach dem Induktionsprinzip ist die Aussage allgemein bewiesen.


Aufgabe (5 Punkte)

Beweise die Kürzungsregel für natürliche Zahlen.


Lösung

Wir führen Induktion nach n. Bei  n=0  ist  0k=0  nach Lemma 10.2 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027))  (1). Also ist

0=mk

und wegen  k0  folgt mit Lemma 10.4 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027)) daraus  m=0=n.  Es sei die Aussage für ein n (und beliebige k0 und m) bewiesen. Die Aussage ist für den Nachfolger n zu zeigen. Die Bedingung

nk=mk

kann bei  m=0  wegen Lemma 10.4 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027)) nicht gelten. Also ist m ein Nachfolger, sagen wir  m=.  Somit ist

nk+k=nk=mk=k=k+k.

Aus der Abziehregel folgt

nk=k

und aus der Induktionsvoraussetzung folgt

n=,

also

n==m.


Aufgabe (4 (3+1) Punkte)

Es seien k,n natürliche Zahlen mit  2kn2

  1. Zeige, dass der Binomialkoeffizient (nk) zumindest 2 Primteiler besitzt.
  2. Man gebe ein Beispiel mit  k3,  wo (nk) das Produkt von zwei Primzahlen ist.


Lösung erstellen


Aufgabe (3 Punkte)

Im Eindeutigkeitsbeweis für die Division mit Rest „ n durch d “ stehen folgende Notationsmöglichkeiten zur Auswahl.

  1. qd+r=n=q~d+r~.
  2. qd+r=n=pd+s.
  3. q1d+r1=n=q2d+r2.

    Diskutiere Vor- und Nachteile der einzelnen Notationen.


Lösung erstellen


Aufgabe (2 Punkte)

Betrachte im 13er System mit den Ziffern 0,1,,8,9,A,B,C die Zahl

BA4C.

Wie sieht diese Zahl im Zehnersystem aus?


Lösung

Es ist

BA4C=11133+10132+413+12=112197+10169+52+12=24167+1690+64=25921.


Aufgabe (2 Punkte)

Führe die Multiplikation 8092714 mit dem Jalousie-Verfahren durch.


Lösung

27|91|41|||06|30|24|||||80|00|90|8||||||5|60|03|6|||||0|80|0|||3|2|115777688


Aufgabe (1 Punkt)

Es sei N die Nachfolgerabbildung und V die Vorgängerabbildung auf den ganzen Zahlen. Berechne

(VNNNVVVNVVVNNNV)(2).


Lösung

Es wird siebenmal der Nachfolger und achtmal der Vorgänger genommen, also insgesamt einmal der Vorgänger. Das Ergebnis ist daher 3.


Aufgabe (1 Punkt)

Beschreibe den Verlauf der skizzierten Funktion in Worten.


Lösung erstellen


Aufgabe (2 Punkte)

Der Energiebedarf (durch Nahrung) eines Menschen beträgt pro Tag etwa 12.000kJ (Kilojoule). Die durchschnittliche Sonneneinstrahlung in Osnabrück beträgt pro Tag etwa 3kWh pro m2 (3 Kilowattstunden pro Quadratmeter). Wie viele Fläche benötigt man pro Person, um ihren Energiebedarf durch die Sonneneinstrahlung abzudecken?


Lösung

Eine Kilowattstunde sind 3600kJ, die Sonneneinstrahlung pro Quadratmeter ist  33600=10800  Kilojoule am Tag. Der Flächenbedarf ist also

1200010800=109=1,11...

Quadratmeter pro Person.


Aufgabe (2 Punkte)

Beschreibe Analogien zwischen der Größergleichbeziehung und der Teilerbeziehung auf den natürlichen Zahlen.


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Aufgabe (4 Punkte)

Beweise die Bernoulli-Ungleichung für einen angeordneten Körper.


Lösung

Wir führen Induktion über n. Bei  n=0  steht beidseitig 1, sodass die Aussage gilt. Es sei nun die Aussage für n bereits bewiesen. Dann ist

(1+x)n+1=(1+x)n(1+x)(1+nx)(1+x)=1+(n+1)x+nx21+(n+1)x,

da Quadrate (und positive Vielfache davon) in einem angeordneten Körper nichtnegativ sind.


Aufgabe (2 Punkte)

Erläutere das Prinzip Beweis durch Widerspruch.


Lösung

Man möchte eine Aussage A beweisen. Man nimmt an, dass A nicht gilt. Daraus leitet man durch logisch korrektes Schließen einen Widerspruch her. Somit kann ¬A nicht gelten und also muss A gelten.