Zum Inhalt springen

Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 5

Aus Wikiversity



Euklidische Bereiche

Ringe, in denen man eine Division mit Rest sinnvoll durchführen kann, bekommen einen eigenen Namen.


Ein euklidischer Bereich (oder euklidischer Ring) ist ein Integritätsbereich , für den eine Abbildung existiert, die die folgende Eigenschaft erfüllt:

Für Elemente mit    gibt es    mit

Die in der Definition auftauchende Abbildung nennt man auch euklidische Funktion. Die ganzen Zahlen bilden also einen euklidischen Ring mit dem Betrag als euklidischer Funktion.



Es sei eine fixierte positive natürliche Zahl.

Dann gibt es zu jeder ganzen Zahl eine eindeutig bestimmte ganze Zahl und eine eindeutig bestimmte natürliche Zahl , , mit

Zur Existenz. Bei    ist    eine Lösung. Es sei positiv. Da positiv ist, gibt es ein Vielfaches  .  Daher gibt es auch eine Zahl mit und . Es sei  .  Dann ist

und daher ist    wie gewünscht. Bei negativ kann man    schreiben nach dem Resultat für positive Zahlen. Daraus ergibt sich

Im zweiten Fall erfüllen und die Bedingungen.
Zur Eindeutigkeit. Es sei

wobei die Bedingungen jeweils erfüllt seien. Es sei ohne Einschränkung  .  Dann gilt  .  Diese Differenz ist nichtnegativ und kleiner als , links steht aber ein Vielfaches von , sodass die Differenz sein muss und die beiden Darstellungen überein stimmen.



Es sei ein Körper und sei der Polynomring über . Es seien    Polynome mit  

Dann gibt es eindeutig bestimmte Polynome    mit

Wir beweisen die Existenzaussage durch Induktion über den Grad von . Wenn der Grad von größer als der Grad von ist, so ist und eine Lösung, sodass wir dies nicht weiter betrachten müssen. Bei    ist nach der Vorbemerkung auch  ,  also ist ein konstantes Polynom, und damit ist (da und ein Körper ist) und eine Lösung. Es sei nun    und die Aussage für kleineren Grad schon bewiesen. Wir schreiben und mit . Dann gilt mit    die Beziehung

Dieses Polynom hat einen Grad kleiner als und darauf können wir die Induktionsvoraussetzung anwenden, d.h. es gibt und mit

Daraus ergibt sich insgesamt

sodass also    und    eine Lösung ist. Zur Eindeutigkeit sei    mit den angegebenen Bedingungen. Dann ist  .  Da die Differenz einen Grad kleiner als besitzt, ist aufgrund der Gradeigenschaften diese Gleichung nur bei    und    lösbar.


Für einen Körper ist der Polynomring in einer Variablen ein euklidischer Bereich, wobei die euklidische Funktion durch die Gradfunktion gegeben ist. Viele Parallelen zwischen dem Polynomring und beruhen auf dieser Eigenschaft. Die Gradfunktion hat die Eigenschaft




Nullstellen von Polynomen



Es sei ein Körper und sei der Polynomring über . Es sei    ein Polynom und  

Dann ist genau dann eine Nullstelle von , wenn ein Vielfaches des linearen Polynoms ist.

Wenn ein Vielfaches von ist, so kann man

mit einem weiteren Polynom schreiben. Einsetzen ergibt

Im Allgemeinen gibt es aufgrund der Division mit Rest eine Darstellung

wobei    oder aber den Grad besitzt, also so oder so eine Konstante ist. Einsetzen ergibt

Wenn also    ist, so muss der Rest    sein, und das bedeutet, dass    ist.



Es sei ein Körper und sei der Polynomring über . Dann ist ein Polynom vom Grad zwei oder drei genau dann irreduzibel,

wenn es keine Nullstelle in besitzt.

In einer echten Primfaktorzerlegung von , , muss ein Polynom vom Grad eins vorkommen, also ein lineares Polynom. Ein lineares Polynom teilt aber nach Lemma 5.5 das Polynom genau dann, wenn    ist.



Das Polynom ist im Reellen stets positiv und hat daher keine reelle Nullstelle. Daher besitzt es in nach Lemma 5.5 auch keinen linearen Faktor. Wegen der Zerlegung

ist das Polynom aber nicht irreduzibel.




Es sei ein Körper und sei der Polynomring über . Es sei    ein Polynom () vom Grad .

Dann besitzt maximal Nullstellen.

Wir beweisen die Aussage durch Induktion über . Für    ist die Aussage offensichtlich richtig. Es sei also    und die Aussage sei für kleinere Grade bereits bewiesen. Es sei eine Nullstelle von (falls keine Nullstelle besitzt, sind wir direkt fertig). Dann ist    nach Lemma 5.5 und hat den Grad , sodass wir auf die Induktionsvoraussetzung anwenden können. Das Polynom hat also maximal Nullstellen. Für    gilt  .  Dies kann nach Lemma 1.23 nur dann sein, wenn einer der Faktoren ist, sodass eine Nullstelle von gleich ist oder aber eine Nullstelle von ist. Es gibt also maximal Nullstellen von .



Es sei ein Körper und es seien verschiedene Elemente    und Elemente    gegeben.

Dann gibt es ein eindeutiges Polynom    vom Grad derart, dass    für alle ist.

Beweis

Siehe Aufgabe 5.1.



Die Irreduzibilität eines Polynoms hängt wesentlich vom Grundkörper ab. Zum Beispiel ist das reelle Polynom    irreduzibel, dagegen zerfällt es als Polynom in als

Ebenso ist das Polynom    irreduzibel, aber über hat es die Zerlegung

Übrigens kann die Zerlegung über einem größeren Körper manchmal dazu benutzt werden um zu zeigen, dass ein Polynom über dem gegebenen Körper irreduzibel ist.



Gaußsche Zahlen als Gitterpunkte in der komplexen Zahlenebene

Eine Gaußsche Zahl ist durch    gegeben, wobei und ganze Zahlen sind. Die Menge dieser Zahlen wird mit bezeichnet. Die Gaußschen Zahlen sind die Gitterpunkte, d.h. die Punkte mit ganzzahligen Koordinaten, in der komplexen Ebene. Sie bilden mit komponentenweiser Addition und mit der induzierten komplexen Multiplikation einen kommutativen Ring.

Eine euklidische Funktion ist durch die Norm gegeben, die durch    definiert ist. Man kann auch    schreiben, wobei die komplexe Konjugation bezeichnet. Die Norm ist das Quadrat des komplexen Absolutbetrages und wie dieser multiplikativ, also  

Mit der Norm lassen sich auch leicht die Einheiten von bestimmen: ist  ,  so ist auch  ,  also  .  Damit sind genau die Elemente diejenigen Gaußschen Zahlen, die Einheiten sind.



Der Ring der Gaußschen Zahlen ist mit der Normfunktion

ein euklidischer Bereich.

Es seien  ,   .  Wir betrachten den Quotienten

Dies ist eine komplexe Zahl mit rationalen Koeffizienten, also  .  Es gibt ganze Zahlen mit  .  Damit ist

mit  .  Ferner ist

Multiplikation mit ergibt

Der rechte Summand gehört dabei zu , da man ihn als schreiben kann. Aus der Multiplikativität der Norm folgt




Hauptidealbereiche

Ein kommutativer Ring, in dem jedes Ideal ein Hauptideal ist, heißt Hauptidealring.



Es sei ein von verschiedenes Ideal. Betrachte die nichtleere Menge

Diese Menge hat ein Minimum , das von einem Element , herrührt, sagen wir  .  Wir behaupten, dass    ist. Dabei ist die Inklusion „ “ klar. Zum Beweis der Inklusion „ “ sei    gegeben. Aufgrund der Definition eines euklidischen Bereiches gilt    mit    oder  .  Wegen    und der Minimalität von kann der zweite Fall nicht eintreten. Also ist    und ist ein Vielfaches von .



Die Untergruppen von sind genau

die Teilmengen der Form

mit einer eindeutig bestimmten nichtnegativen Zahl .

Eine Teilmenge der Form ist aufgrund des Distributivgesetzes eine Untergruppe. Es sei umgekehrt    eine Untergruppe. Bei    kann man    nehmen, sodass wir voraussetzen dürfen, dass neben noch mindestens ein weiteres Element enthält. Wenn negativ ist, so muss die Untergruppe auch das Negative davon, also enthalten, welches positiv ist. D.h. enthält auch positive Zahlen. Es sei nun die kleinste positive Zahl aus . Wir behaupten  .  Dabei ist die Inklusion    klar, da mit alle (positiven und negativen) Vielfachen von dazugehören müssen. Für die umgekehrte Inklusion sei    beliebig. Nach der Division mit Rest gilt

Wegen und ist auch  .  Nach der Wahl von muss wegen    gelten:  .  Dies bedeutet    und damit  ,  also  



Der Ring der ganzen Zahlen

ist ein Hauptidealbereich.

Zunächst ist ein Integritätsbereich. Es sei    ein Ideal. Damit ist insbesondere eine (additive) Untergruppe von und hat nach Korollar 5.15 die Gestalt  .  Damit handelt es sich um ein Hauptideal.



Ein Polynomring über einem Körper

ist ein Hauptidealbereich.

Dies ist eine direkte Folge von Bemerkung 5.4 und Satz 5.14.



<< | Kurs:Kommutative Algebra/Teil I | >>

PDF-Version dieser Vorlesung

Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)