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Kurs:Studienprojekt:Modultheorie über Hauptidealbereichen (Osnabrück 2011-2012)/Torsion und Annullator/Textabschnitt

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Elemente in allgemeinen Moduln können im Gegensatz zu Vektoren manchmal durch Multiplikation eines von 0 verschiedenen Ringelementes annulliert werden. Dies führt zu folgenden Definitionen.


Eine Teilmenge 𝔞 eines kommutativen Ringes R heißt Ideal, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  1.  0𝔞
  2. Für alle  a,b𝔞  ist auch  a+b𝔞
  3. Für alle  a𝔞  und  rR  ist auch  ra𝔞

Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring. Es sei  TR  eine Teilmenge der Grundmenge von R.

Dann ist T genau dann ein Ideal von R, wenn T ein Untermodul des R-Moduls R ist.

Beweis  

Dies folgt direkt aus den Definitionen.




Annullator

Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Zu einem festen  xM  heißt

AnnR(x)={rRrx=0}

der Annullator von x. Die Menge aller  rR,  die M annullieren, für die also  rx=0  für alle  xM  gilt, heißt Annullator AnnR(M).

Ist  AnnR(M)=0,  gibt es also außer 0 keine Ringelemente, die alle Modulelemente annullieren, so heißt M treu.

Die Annullatoren AnnR(x) und AnnRM sind Ideale, weil Vielfache und Summen von annullierenden Elementen ebenfalls annullieren. Aus der Definition folgt direkt AnnRM=xMAnnR(x) und die Beziehung AnnRR/I=I für ein Ideal I im kommutativen Ring R ist auch klar. Für von einem Element erzeugte Ideale Rx1 lässt sich auch Rx1R/AnnR(x1) leicht nachvollziehen.

Nun sollen ein paar einfache Zusammenhänge zum Annullator festgehalten werden.


Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und M ein Modul mit der direkten Summenzerlegung  M=iIMi

Dann gilt für die Annullatoren

AnnRM=iIAnnRMi.

Beweis  

Es sei aAnnRM. Es sei iI und xiMi. Weil xi als Element in M aufgefasst werden kann ist axi=0. Daher ist aAnnRMi für alle iI.

Es sei umgekehrt aAnnRMi für alle iI. Es sei xM. Weil M=iIMi gibt es eine Darstellung x=iJIxi, mit xiMi und J endlich. Daher ist ax=iJIaxi=0. Deshalb ist aAnnRM.



Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Es sei U ein Untermodul von M.

Dann gilt für die zugehörigen Annullatorideale

(AnnRU)(AnnRM/U)AnnRM(AnnRU)(AnnRM/U).

Beweis  

Es sei aAnnRU und bAnnRM/U. Es sei xM und [x] die Restklasse von x in M/U. Es gilt b[x]=0, bx ist daher nach Definition der Quotientenmenge in U enthalten. Damit ist aber abx=0. Deshalb liegt ab in AnnRM. Daher ist insgesamt (AnnRU)(AnnRM/U)AnnRM, was die erste Teilmengenbeziehung beweist.

Für die zweite Beziehung betrachten wir ein Element aAnnRM. Das Ringelement a annulliert alle Elemente in M, daher auch alle in U. Die Restklasse [0]M/U von 0M ist auch das Nullelement in M/U. Deshalb gilt auch die zweite Beziehung.




Torsion

Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Ein Element  mM  heißt Torsionselement, wenn es einen Nichtnullteiler  rR  mit

rm=0

gibt.

Gegeben ein Torsionselement x ist für alle rR auch rx Torsionselement, wegen der Assoziativität der Skalarmultiplikation. Auch Summen von Torsionselementen sind wieder Torsionselemente, da das Produkt jener Ringelemente, die die jeweiligen Summanden annullieren, die Summe annulliert. Deshalb verwendet man folgende Bezeichnung.


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Die Menge aller Torsionselemente von M bildet den Torsionsuntermodul von M.


Ein Modul, der nur aus Torsionselementen besteht heißt Torsionsmodul.


Ein Modul, der außer 0 keine Torsionselemente enthält, heißt torsionsfrei.

Über einem nullteilerfreien Ring ist daher trivialerweise jeder torsionsfreie Modul treu. Die Umkehrung gilt jedoch nicht.