Zum Inhalt springen

Maßraum/Integralkern/Einführung/Textabschnitt

Aus Wikiversity

Es seien (M,μ) und (N,ν) σ-endliche Maßräume mit dem Produktraum M×N. Es sei

K:M×N⟶𝕂

eine messbare Funktion, die in diesem Zusammenhang ein Integralkern oder kurz Kern heißt. Mit Hilfe eines solchen Integralkernes kann man unter gewissen Integrationsbedingungen messbare Funktionen auf M in messbare 𝕂-wertige Funktionen auf N transformieren, indem man die transformierte Funktion  T(f)=TK(f)  durch

(T(f))(y)=∫MK(x,y)f(x)dμ

definiert. In dieses sehr allgemeine Konzept kann man die Fouriertransformation, die Laplacetransformation und Integralgleichungen einordnen.


Es sei [a,b] ein kompaktes Intervall und sei

K:[a,b]×[a,b]⟶ℝ

eine stetige Funktion. Einer stetigen Funktion f:[a,b]→ℝ wird die mittels K transformierte Funktion T(f) zugeordnet,

(T(f))(y)=∫abK(x,y)f(x)dx.

Wenn man die unterschiedlichen Rollen betonen möchte, so arbeitet man beispielsweise mit einer Zeitvariablen t und einer Frequenzvariablen u, aber eine allgemein stimmige Bezeichnungsphilosophie scheint nahezu unmöglich. Wir erwähnen einige typische Integralztransformationen.


Integralkern Integrationsgebiet Typischer Ausdruck (Tf)(u)
Fourier 1(2π)n/2e−i⟨u,t⟩ ℝn 1(2π)n/2∫ℝne−i⟨u,t⟩f(t)dt
Laplace e−ut ℝ+ ∫0∞e−utf(t)dt
Mellin tu−1 ℝ+ ∫0∞tu−1f(t)dt

Die Mellin-Transformation kommt beispielsweise bei der Definition der Γ-Funktion vor, es ist

Γ(u)=Fak⁡(u−1):=∫0∞tu−1e−tdt.

Hier ist also  f(t)=e−t. 


Zu einer integrierbaren Funktion f:ℝn→ℂ nennt man die Funktion

f̂:ℝn⟶ℂ,

die durch

f̂(𝔲):=1(2π)n/2∫ℝne−i⟨𝔲,𝔱⟩f(𝔱)d𝔱

definiert ist, die Fourier-Transformation von f.

Hier ist also e−i⟨u,t⟩ der Integralkern. Für den Vorfaktor gelten unterschiedliche Konventionen, der gewählte passt am besten zur Rücktransformation.



Lemma  

Es sei (M,μ) ein endlicher Maßraum mit dem Produktraum M×M und sei

K:M×M⟶𝕂

ein beschränkter messbarer Integralkern.

Dann ist die zugehörige Transformation

TK:L2(M)⟶L2(M),f⟼TK(f),

mit

(TK(f))(u)=∫MK(u,t)f(t)dμ(t)

eine stetiger linearer Operator.

Beweis  

Es sei  K(u,t)≤S  eine Schranke. Die Funktion K(u,t)f(t) ist dann insbesondere auf dem endlichen Maßraum integrierbar, sodass das Integral existiert. Dabei gilt

(T(c1f1+c2f2))(u)=∫MK(u,t)(c1f1(t)+c2f2(t))dμ(t)=c1∫MK(u,t)f1(t)dμ(t)+c2∫MK(u,t)(f2(t))dμ(t)=c1(T(f1))(u)+c2(T(f2))(u)=(c1(T(f1))+c2(T(f2)))(u)

nach Fakt.

‖T(f)‖2=∫M|T(f)(u)|2dμ(u)=∫M|∫MK(u,t)f(t)dμ(t)|2dμ(u)≤∫M(∫M|K(u,t)f(t)|dμ(t))2dμ(u)≤S2∫M(∫M|f(t)|dμ(t))2dμ(u)≤S2∫M(μ(M)∫M|f(t)|2dμ(t))dμ(u)=S2⋅μ(M)2⋅‖f‖2.

Zitat.

◻



Lemma  

Es sei M ein kompakter metrischer Raum mit einem endlichen Maß μ auf M. Es sei

K:M×M⟶𝕂

ein stetiger Integralkern.

Dann ist die zugehörige Transformation

TK:L2(M)⟶L2(M),f⟼TK(f),

mit

(TK(f))(u)=∫MK(u,t)f(t)dμ(t)

ein kompakter Operator.

Beweis  

Ein stetiger linearer Operator liegt nach Fakt vor.

◻