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Endliche Körper/Existenz und Eindeutigkeit/Textabschnitt

Aus Wikiversity


Lemma  

Es sei K ein endlicher Körper.

Dann besitzt K genau pn Elemente, wobei p eine Primzahl ist und  n1

Beweis  

Der endliche Körper kann nicht die Charakteristik 0 besitzen, und als Charakteristik eines Körpers kommt ansonsten nach Fakt nur eine Primzahl in Frage. Diese sei mit p bezeichnet. Das bedeutet, dass K den Körper /(p) enthält. Damit ist aber K ein Vektorraum über /(p), und zwar, da K endlich ist, von endlicher Dimension. Es sei n die Dimension,  n1.  Dann hat man eine /(p)-Vektorraumisomorphie

K(/(p))n

und somit besitzt K gerade pn Elemente.


Die vorstehende Aussage gilt allgemeiner für endliche Ringe, die einen Körper enthalten.

Endliche Körper der Anzahl pn konstruiert man, indem man in (/(p))[X] ein irreduzibles Polynom vom Grad n findet. Ob ein gegebenes Polynom irreduzibel ist, lässt sich dabei grundsätzlich in endlich vielen Schritten entscheiden, da es ja zu jedem kleineren Grad überhaupt nur endlich viele Polynome gibt, die als Teiler in Frage kommen können. Zur Konstruktion von einigen kleinen endlichen Körpern siehe die Aufgabe.



Lemma  

Es sei K ein Körper der Charakteristik p, es sei  q=pe,   e1.  Es sei

M={xKxq=x}.

Dann ist M ein Unterkörper von K.

Beweis  

Zunächst gilt für jedes Element  x/(p)K,  dass

xpe=(xp)pe1=xpe1==x

ist, wobei wir wiederholt den kleinen Fermat benutzt haben. Insbesondere ist also  0,1,1M.  Es ist  zq=Fe(z)  und der Frobeniushomomorphismus

F:KK,xxp,

ist ein Ringhomomorphismus nach Aufgabe. Daher ist für  x,yM  einerseits

(x+y)q=Fe(x+y)=Fe(x)+Fe(y)=xq+yq=x+y

und andererseits

(xy)q=xqyq=xy.

Ferner gilt für xM, x0, die Gleichheit

(x1)q=(xq)1=x1,

sodass auch das Inverse zu M gehört und in der Tat ein Körper vorliegt.



Lemma  

Es sei K ein Körper der Charakteristik  p>0,  sei q=pe, e1. Das Polynom XqX zerfalle über K in Linearfaktoren.

Dann ist

M={xKxq=x}

ein Unterkörper von K mit q Elementen.

Beweis  

Nach Fakt ist M ein Unterkörper von K, und nach Fakt besitzt er höchstens q Elemente. Es ist also zu zeigen, dass  F=XqX  keine mehrfache Nullstelle hat. Dies folgt aber aus der formalen Ableitung  F=1  und Aufgabe.


Wenn es also einen Erweiterungskörper  /(p)K  gibt, über dem das Polynom XqX in Linearfaktoren zerfällt, so hat man bereits einen Körper mit q Elementen gefunden. Es gibt aber generell zu jedem Körper und jedem Polynom einen Erweiterungskörper, über dem das Polynom in Linearfaktoren zerfällt.



Lemma  

Es sei K ein Körper und F ein Polynom aus K[X].

Dann gibt es einen Erweiterungskörper  KL  derart, dass F über L in Linearfaktoren zerfällt.

Beweis  

Es sei  F=P1Pr  die Zerlegung in Primpolynome in K[X], und sei P1 nicht linear. Dann ist

KK[Y]/(P1(Y))=:K

eine Körpererweiterung von K nach Fakt. Wegen  P1(Y)=0  in K ist die Restklasse y von Y in K eine Nullstelle von P1. Daher gilt nach Fakt in K[X] die Faktorisierung  P1=(Xy)P~,  wobei P~ einen kleineren Grad als P1 hat. Das Polynom F hat also über K mindestens einen Linearfaktor mehr als über K. Induktive Anwendung von dieser Konstruktion liefert eine Kette von Erweiterungen  KKK,  die stationär wird, sobald F in Linearfaktoren zerfällt.



Satz  

Es sei p eine Primzahl und  e+

Dann gibt es bis auf Isomorphie genau einen Körper mit  q=pe  Elementen.

Beweis  

Existenz. Wir wenden Fakt auf den Grundkörper /(p) und das Polynom XqX an und erhalten einen Körper L der Charakteristik p, über dem XqX in Linearfaktoren zerfällt. Nach Fakt gibt es dann einen Unterkörper M von L, der aus genau q Elementen besteht.

Eindeutigkeit. Es seien K und L zwei Körper mit q Elementen. Es sei xK× ein primitives Element, das nach Fakt existiert. Daher ist  K/(p)[X]/(F),  wobei  F/(p)[X]  das Minimalpolynom von  xK  ist. Da K× die Ordnung q1 besitzt, gilt für jede Einheit zq1=1 und damit überhaupt  zq=z  für alle  zK.  D.h., dass jedes Element von K eine Nullstelle von XqX ist und dass daher XqX über K in Linearfaktoren zerfällt. Da insbesondere  xqx=0  ist, muss das Minimalpolynom F ein Teiler von XqX sein, also  XqX=FG.  Nun zerfällt (aus den gleichen Gründen) das Polynom XqX auch über L und insbesondere hat F eine Nullstelle  λL.  Der Einsetzungshomomorphismus liefert einen Ringhomomorphismus

K/(p)[X]/(F)L.

Da beides Körper sind, muss dieser injektiv sein. Da links und rechts jeweils q-elementige Mengen stehen, muss er auch surjektiv sein.


Es sei p eine Primzahl und  e+.  Der aufgrund von Fakt bis auf Isomorphie eindeutig bestimmte endliche Körper mit  q=pe  Elementen wird mit

𝔽q

bezeichnet.