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Implizite Abbildung/R/Bemerkungen und Beispiele/Tangentialraum/Textabschnitt

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Den Satz über implizite Abbildungen kann man auch so formulieren: Es seien V und W endlichdimensionale reelle Vektorräume,  GV  offen und es sei φ:GW eine stetig differenzierbare Abbildung. Es sei  aG  ein Punkt, in dem das totale Differential (Dφ)a surjektiv sei, und es sei  V=E1E2  eine direkte Summenzerlegung von V in Untervektorräume E1 und E2 (mit a=(a1,a2)) derart, dass  E1=kern(Dφ)a  und (Dφ)a|E2 surjektiv (und damit bijektiv) ist (dadurch ist E1, aber nicht E2 eindeutig festgelegt). Dann gibt es offene Mengen  a1U1E1  und  a2U2E2  mit  U1×U2G  und eine stetig differenzierbare Abbildung

θ:U1U2

derart, dass der Graph von θ, also

Γ={(x,θ(x))xU1},

mit der Faser über  b=φ(a),  geschnitten mit U1×U2, also

{(x,v)U1×U2φ(x,v)=b},

übereinstimmt. Sind auf E1 und E2 jeweils Basen fixiert mit Koordinaten (x1,,xnm) bzw. (v1,,vm) (n und m seien die Dimensionen von V und W), so wird lokal die Faser durch den Graphen von m Funktionen θ1,,θm in den nm Variablen (x1,,xnm) gegeben. Die Faser ist dann nach den Variablen (v1,,vm) „aufgelöst“, d.h. diese Koordinaten lassen sich unter der impliziten Bedingung, dass die Punkte zur Faser gehören sollen, explizit durch die anderen, frei wählbaren Koordinaten (x1,,xnm) ausdrücken.



Es seien V und W endlichdimensionale reelle Vektorräume, es sei  GV  offen und sei

φ:GW

eine stetig differenzierbare Abbildung. Es sei  PG  ein Punkt, in dem das totale Differential (Dφ)P surjektiv sei, und sei Y die Faser von φ durch P. Dann nennt man

TPY:=kern(Dφ)P={vV(Dφ)P(v)=0}

den Tangentialraum an die Faser Y in P.

Häufig wird auch der an P angelegte affine Raum

P+kern(Dφ)P={P+v(Dφ)P(v)=0}

als Tangentialraum bezeichnet. In diesem Sinne ist der Tangentialraum kein Untervektorraum von V, da er nicht durch den Nullpunkt verlaufen muss, er ist aber die Verschiebung eines Untervektorraums. Solche Räume nennt man affin-lineare Unterräume. Sie besitzen eine sinnvoll definierte Dimension, nämlich die Dimension des zugehörigen Vektorraumes. Der Tangentialraum an einem regulären Punkt zu einer Abbildung φ:nm besitzt die Dimension nm. Der Satz über implizite Abbildungen besagt, dass eine offene Teilmenge des Tangentialraumes an P sich bijektiv und differenzierbar auf eine offene Umgebung von P auf der Faser abbilden lässt. Der Tangentialraum ist also eine lineare Approximation der Faser.


Wir betrachten die differenzierbare Funktion

φ:×({0}),(x,y)xy.

Die Jacobi-Matrix dieser Funktion ist

(1y,xy2),

sodass die Funktion in jedem Punkt regulär ist und der Satz über implizite Abbildungen anwendbar ist. In diesem Fall kann man die Fasern auch direkt bestimmen. Die Bedingung

xy=c

mit  c  führt auf  x=cy,  sodass die Fasern der Abbildung die punktierten Geraden (d.h. ein Punkt ist rausgenommen) durch den Nullpunkt sind (außer der x-Achse, auf der die Abbildung nicht definiert ist). Damit hat man explizit eine Auflösung der Faser nach x gegeben. Dass die Fasern unter dieser Divisionsabbildung (punktierte) Geraden sind, ist ein Ausdruck davon, dass man Brüche erweitern kann, ohne ihren Wert zu ändern.

Der Tangentialraum in  P=(x,y)  wird nach der Definition durch den Kern der Jacobi-Matrix gegeben, und dieser wird durch den Vektor (x,y) selbst aufgespannt. Der Tangentialraum an P ist hier also die Gerade, die durch P und den Nullpunkt definiert ist, und stimmt (bis auf den Nullpunkt) mit der Faser überein.



Die Fasern der Abbildung (x,y)xy für c=e (rot) und c=e (grün).

Wir betrachten die Abbildung

φ:+×,(x,y)xy

und knüpfen an Beispiel an. Der einzige kritische Punkt ist  P=(1,0),  ansonsten ist die Abbildung in jedem Punkt regulär und daher lassen sich lokal die Fasern als Graphen beschreiben. Die Faser über 1 besteht aus der durch  x=1  gegebenen Geraden und der durch  y=0  gegebenen Halbgeraden, die sich im kritischen Punkt senkrecht schneiden. Ansonsten sind die Fasern durch die Gleichung

xy=c

mit einem  c+,   c1,  bestimmt (für nichtpositives c sind die Fasern leer). Wir schreiben diese Bedingung als  e(lnx)y=c  und daher als

(lnx)y=lnc.

Wegen  x1  kann man dies zu  y=lnclnx  auflösen und wegen  y0  zu

x=elncy.

Die Faser besteht jeweils aus zwei Komponenten, die  x>1  bzw.  x<1  entsprechen.