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Kurs:Grundkurs Mathematik/Teil I/9/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21
Punkte 3 3 3 1 3 2 2 3 2 5 2 4 4 4 2 5 2 4 4 3 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Kontraposition zu einer Implikation αβ.
  2. Die Potenzmenge zu einer Menge M.
  3. Eine injektive Abbildung
    f:LM.
  4. Die n-te Potenz zu einer natürlichen Zahl a.
  5. Die Größergleichrelation auf den ganzen Zahlen.
  6. Eine rationale Zahl.


Lösung

  1. Zur Implikation αβ heißt die Implikation ¬β¬α die Kontraposition.
  2. Zu einer Menge M nennt man die Menge aller Teilmengen von M die Potenzmenge von M.
  3. Die Abbildung
    f:LM

    ist injektiv, wenn für je zwei verschiedene Elemente x,yL auch f(x) und f(y) verschieden sind.

  4. Unter der n-ten Potenz von a versteht man die n-fache Multiplikation von a mit sich selbst
    aaaa

    (n Faktoren).

  5. Die Größergleichrelation ist durch
    ab,

    wenn es eine natürliche Zahl n mit

    a=b+n

    gibt, festgelegt.

  6. Unter einer rationalen Zahl versteht man einen Ausdruck der Form
    ab,

    wobei a,b und b0 sind, und wobei zwei Ausdrücke ab und cd genau dann als gleich betrachtet werden, wenn ad=bc (in ) gilt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Eindeutigkeit der Addition auf einem Peano-Modell.
  2. Der Satz über die Verträglichkeit der Größergleichrelation auf mit der Addition und mit der Multiplikation.
  3. Das Lemma von Euklid.


Lösung

  1. Auf den natürlichen Zahlen gibt es genau eine Verknüpfung
    ×,(x,y)x+y,

    mit

    x+0=x für alle x und x+y=(x+y) für alle x,y.
  2. Die Verträglichkeit mit der Addition besagt: Es ist
    ab

    genau dann, wenn

    a+cb+c

    ist.

    Die Verträglichkeit mit der Multiplikation besagt: Aus

    ab

    folgt

    cacb.
  3. Es sei p eine Primzahl und p teile ein Produkt ab von natürlichen Zahlen a,b. Dann teilt p einen der Faktoren.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass der aussagenlogische Ausdruck

(r(p¬q))(¬p(¬rq))

allgemeingültig ist.


Lösung

Wir müssen zeigen, dass für jede Wahrheitsbelegung λ der Variablen r,p,q der Wahrheitswert der Gesamtaussage gleich 1 ist. Bei  λ(p)=1  ist  λ(¬p)=0  und damit ist der Nachsatz und die Gesamtaussage wahr. Es sei also im Folgenden  λ(p)=0.  Dann ist  λ(p¬q)=0.  Bei  λ(r)=1  ist der Vordersatz falsch und somit die Gesamtaussage wahr. Es sei also  λ(r)=0.  Dann ist der Vordersatz wahr und wir müssen zeigen, dass auch der Nachsatz wahr ist. Es ist dann  λ(¬r)=1  und  λ(¬rq)=1,  also ist auch in diesem Fall der Nachsatz und die Gesamtaussage wahr.


Aufgabe (1 Punkt)

Wir betrachten den Satz „Lucy Sonnenschein tanzt auf allen Hochzeiten“. Negiere diesen Satz durch eine Existenzaussage.


Lösung

Es gibt eine Hochzeit, auf der Lucy Sonnenschein nicht tanzt.


Aufgabe (3 Punkte)

Erläutere das Prinzip Beweis durch Widerspruch für eine Aussage der Form „Aus A folgt B “.


Lösung

Man möchte zeigen, dass aus einer Aussage A eine weitere Aussage B folgt. Beim Beweis durch Widerspruch nimmt man an, dass gleichzeitig A und nicht B gelten. Unter diesen Voraussetzungen zeigt man, dass sich ein Widerspruch ergibt. Dies bedeutet, dass A und nicht B nicht gleichzeitig gelten können, was eben die Implikation AB bedeutet.


Aufgabe (2 (1+1) Punkte)

Wir betrachten auf der Menge

M={a,b,c,d}

die durch die Tabelle

a b c d
a c a a a
b d d b b
c a b c c
d b a d d

gegebene Verknüpfung .

  1. Berechne
    b(c(da)).
  2. Besitzt die Verknüpfung ein neutrales Element?


Lösung

  1. Es ist
    b(c(da))=b(cb)=bb=d
  2. Die Verknüpfung besitzt kein neutrales Element, da die Leitzeile in der Verknüpfungstabelle nicht als Ergebniszeile wiederkehrt.


Aufgabe (2 Punkte)

Es seien L,M,N Mengen und F:LM und G:MN surjektive Abbildungen. Zeige, dass die Hintereinanderschaltung GF ebenfalls surjektiv ist.


Lösung

Sei  zN  gegeben. Aufgrund der Surjektivität von G gibt es ein  yM  mit

G(y)=z.

Aufgrund der Surjektivität von F gibt es ein  xL  mit

F(x)=y.

Insgesamt ist

(GF)(x)=G(F(x))=G(y)=z,

es gibt also ein Urbild von z und somit ist die Gesamtabbildung surjektiv.


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise durch Induktion, dass die Summe von aufeinanderfolgenden ungeraden Zahlen (beginnend bei 1) stets eine Quadratzahl ist.


Lösung

Eine ungerade Zahl hat die Form 2k1, die Summe der ersten n ungeraden Zahlen ist also gleich

k=1n(2k1).

Wir behaupten, dass dies gleich n2 ist. Für  n=1  ist die Aussage richtig, da die Summe gleich  1=12  ist. Es sei die Aussage nun für ein n schon bewiesen. Dann ist

k=1n+1(2k1)=k=1n(2k1)+2n+1=n2+2n+1=(n+1)2.


Aufgabe (2 Punkte)

Finde die kleinste natürliche Zahl  n2,  die sowohl eine Quadratzahl als auch eine Kubikzahl ist.


Lösung

Die Antwort ist

64=82=43.

Die Kubikzahlen unterhalb davon sind 1,8,27, die bis auf 1 keine Quadratzahlen sind, und 1 ist von vornherein ausgeschlossen.


Aufgabe (5 (1+4) Punkte)

Ein Cocktailmixer verfügt über zwei Verarbeitungstechniken, nämlich schütteln und rühren, wobei in jedem Arbeitsgang stets zwei Grundzutaten bzw. Zwischenprodukte miteinander verarbeitet werden. Bei jedem Cocktail wird jede Grundzutat bei genau einem Arbeitsvorgang verarbeitet (wobei die dabei entstehenden Zwischenprodukte weiterverarbeitet werden können). Als Grundzutaten stehen Orangensaft, Zitronensaft, Pfefferminzblätter und Rum zur Verfügung.

  1. Beschreibe die Zubereitung eines Cocktails, sodass jede Verarbeitungstechnik mindestens einmal vorkommt.
  2. Auf wie viele Arten kann er aus den Zutaten einen Cocktail mixen?


Lösung

  1. Eine Möglichkeit ist, zuerst den Rum mit dem Zitronensaft zusammen schütteln, dieses Zwischenprodukt mit den Pfefferminzblättern zusammen rühren und dieses Zwischenprodukt mit dem Orangensaft zusammen schütteln.
  2. Für die Verarbeitung gibt es grundsätzlich die beiden skizzierten Verarbeitungsbäume.

    An den äußeren „Blättern“ gehen die Grundzutaten ein, und an jeder Vereinigungstelle kann geschüttelt oder gerührt werden. Betrachten wir zunächst den linken Verarbeitungsbaum. Da die Situation symmetrisch ist, kann man ohne Einschränkung sagen, dass eine fixierte Zutat (beispielsweise der Orangensaft) im linken Paar verarbeitet wird. Daher gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten, wie die Zutaten paarweise aufgeteilt werden. Für jede Zutatenaufteilung kann man sich in jedem Verarbeitungsschritt entscheiden, ob man schüttelt oder rührt. Somit gibt es  38=24  Möglichkeiten im linken Verarbeitungsbaum.

    Betrachten wir nun den rechten Verarbeitungsbaum. Es gibt  (42)=6  zweielementige Teilmengen und somit sechs Auswahlmöglichkeiten für das zuerst zu verarbeitende Zutatenpaar. Für die mit dem daraus resultierenden Zwischenprodukt zu verarbeitende Zutat gibt es jeweils zwei Möglichkeiten, also gibt es 12 Möglichkeiten für die Zutatenreihenfolge. Unter Berücksichtigung der Verarbeitungstechniken gibt es hier somit  128=96.  Insgesamt gibt es also  24+96=120  mögliche Cocktails.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei n eine natürliche Zahl. Wann ist die Zahl n21 eine Primzahl?


Lösung

Es gilt generell die Zerlegung

n21=(n1)(n+1).

Bei n3 sind beide Faktoren 2 und daher kann n21 nicht prim sein. Bei n=2 ist

221=3

eine Primzahl. Bei n=0,1 liegt keine Primzahl vor.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei M eine n-elementige Menge und sei

B={F:MM AbbildungF bijektiv}.

Zeige, dass

#(B)=n!

ist.


Lösung

Wir zeigen etwas allgemeiner, dass es zwischen zwei endlichen Mengen M und N, die beide n Elemente besitzen, n! bijektive Abbildungen gibt. Dies zeigen wir durch Induktion nach n, wobei der Fall  n=1  klar ist. Die Aussage sei nun für n schon bewiesen und es liegen zwei (n+1)-elementige Mengen M und N vor. Es sei  xM  ein fixiertes Element. Dann gibt es für die Bilder φ(x) genau n+1 Möglichkeiten, nämlich die Anzahl der Menge N. Wenn dies festgelegt ist, so entsprechen die bijektiven Abbildungen von M nach N mit

φ(x)=y

den bijektiven Abbildungen von M{x} nach N{y}. Nach Induktionsvoraussetzung gibt es n! solche bijektiven Abbildungen. Daher ist die Anzahl der bijektiven Abbildungen zwischen M und N gleich

(n+1)n!=(n+1)!.


Aufgabe (4 (1+3) Punkte)

  1. Berechne 32 im Vierersystem, 42 im Fünfersystem und 92 im Zehnersystem.
  2. Zeige, dass im kleinen Einmaleins (ohne die Zehnerreihe) zur Basis n3 rechts unten die Zahl mit den Ziffern n2 und 1 steht.


Lösung

  1. Es ist in den jeweiligen Systemen
    32=21,
    42=31

    und

    92=81.
  2. Im kleinen Einmaleins steht rechts unten das Produkt der höchsten einstelligen Ziffer mit sich selbst, also (n1)(n1). Nach der zweiten binomischen Formel ist dies
    (n1)(n1)=n22n+1=(n2)n+1.

    Wegen  0<n2<n  ist die Ziffernentwicklung dieser Zahl gerade n21.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme in mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von 5371400 und 695700.


Lösung

Es ist offenbar 100 ein gemeinsamer Teiler der beiden Zahlen, deshalb bestimmen wir den größten gemeinsamen Teiler von 53714 und 6957. Der Euklidische Algorithmus liefert:

53714=76957+5015
6957=15015+1942
5015=21942+1131
1942=11131+811
1131=1811+320
811=2320+171
320=1171+149
171=1149+22
149=622+17
22=117+5
17=35+2
5=22+1
2=21+0.

Daher sind die beiden um 100 gekürzten Zahlen teilerfremd und der größte gemeinsame Teiler der beiden Ausgangszahlen ist 100.


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme den Exponenten zu 3 von 72657.


Lösung

Es ist

72657=324219=328073=332691=34897=35299.

Wegen

299=993+2

ist 299 nicht durch 3 teilbar, also ist der Exponent zu 3 von 72657 gleich 5.


Aufgabe (5 (1+1+1+2) Punkte)

Ein Zug ist 500 Meter lang (ohne Lokomotive) und bewegt sich mit 180 Stundenkilometer. Lucy Sonnenschein hat ihr Fahrrad mit in den Zug genommen und fährt mit einer Geschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde von ganz vorne nach ganz hinten.

  1. Wie viele Sekunden benötigt Lucy für die gesamte Zuglänge?
  2. Welche Geschwindigkeit (in Meter pro Sekunde) hat Lucy bezogen auf die Umgebung?
  3. Welche Entfernung (in Meter) legt der Zug während der Fahrradfahrt zurück?
  4. Berechne auf zwei verschiedene Arten, welche Entfernung Lucy während ihrer Fahrradfahrt bezogen auf die Umgebung zurücklegt.


Lösung

  1. Lucy benötigt 25 Sekunden für den 500 Meter langen Zug.
  2. In Meter pro Sekunde hat der Zug eine Geschwindigkeit von
    1800003600=180036=50.

    Da die beiden Bewegungen sich überlagern, aber in umgekehrter Richtung ausgerichtet sind, ist die Gesamtgeschwindigkeit von Lucy gleich 30 Meter pro Sekunde.

  3. In den 25 Sekunden legt der Zug
    2550=1250

    Meter zurück.

  4. Man kann von der vom Zug zurückgelegten Strecke die von Lucy im Zug zurückgelegte Strecke subtrahieren, dies ergibt
    1250500=750

    Meter. Ebenso kann man mit ihrer Geschwindigkeit bezogen auf die Umgebung rechnen, und erhält ebenfalls

    2530=750

    Meter.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei K ein angeordneter Körper und x,y0. Zeige, dass  xy  genau dann gilt, wenn  x2y2  gilt.


Lösung

Wenn xy ist, so folgt daraus durch Multiplikation mit y0 die Abschätzung

xyy2

und durch Multiplikation mit x0 auch

x2xy,

woraus sich insgesamt

x2y2

ergibt.

Es sei nun

x2y2

vorausgesetzt. Wenn

x<y

gelten würde, so würde sich mit der Hinrichtung direkt

y2x2

ergeben, also insgesamt

x2=y2.

Wegen x,y0 folgt daraus

x=y,

ein Widerspruch.


Aufgabe (4 Punkte)

Es seien x,y rationale Zahlen. Zeige, dass

xx=yy

genau dann gilt, wenn es ein n mit y=x+n gibt.


Lösung

Es sei  xx=yy.  Da x,y ganze Zahlen sind, ist  n=yx  ganzzahlig. Damit gilt

y=y+(yy)=y+(xx)=x+yx=x+n.

Es sei nun y=x+n mit n. Aus der definierenden Beziehung

xx<x+1

folgt

x+nx+n<x+n+1,

daher muss

x+n=x+n

sein. Somit ist

yy=x+nx+n=x+n(x+n)=xx.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise die Bernoulli-Ungleichung für einen angeordneten Körper.


Lösung

Wir führen Induktion über n. Bei  n=0  steht beidseitig 1, sodass die Aussage gilt. Es sei nun die Aussage für n bereits bewiesen. Dann ist

(1+x)n+1=(1+x)n(1+x)(1+nx)(1+x)=1+(n+1)x+nx21+(n+1)x,

da Quadrate (und positive Vielfache davon) in einem angeordneten Körper nichtnegativ sind.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme vom achten Teil des Dezimalbruches

760982393473,90354771045729

die dritte Nachkommaziffer.


Lösung

Wir müssen die Zahl dreimal hintereinander halbieren. Beim Halbierungsvorgang hängt die i-te Ziffer gemäß Lemma 28.13 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027))

nur von der i-ten und der (i+1)-ten Ziffer der zu halbierenden Zahl ab. Für die Berechnung der dritten Nachkommastelle des achten Anteils sind also nur die Ziffern a0a1a2a3 relevant. Wir müssen also nur
3,903
achteln. Die Hälfte davon ist nach dem Algorithmus gleich

(die Ziffern ab der vierten Nachkommastelle muss man nicht ausrechnen)

1,9515,

die Hälfte davon ist

0,97575,

die Hälfte davon ist

0,487875,

die dritte Nachkommaziffer der Achtelung ist also 7.


Aufgabe (3 Punkte)

Im Bruch

30241312

sind Zähler und Nenner im Fünfersystem gegeben. Rechne ihn ins Zehnersystem um.


Lösung

Es ist

30241312=353+25+4153+352+15+2=3125+25+41125+325+15+2=375+10+4125+75+5+2=389207.

Diese Darstellung ist gekürzt.