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Ebene kubische Kurven/Projektiv/Weierstraßform/Textabschnitt

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Wir betrachten affine kubische Gleichungen in den Variablen x,y. Eine Gleichung der Form

y2+a1xy+a3y=x3+a2x2+a4x+a6

nennt man eine lange Weierstraß-Gleichung und eine Gleichung der Form

y2=x3+ax+b

eine kurze Weierstraß-Gleichung. Die homogene Gestalt der langen Weierstraß-Gleichungen ist

Y2Z+a1XYZ+a3YZ2=X3+a2X2Z+a4XZ2+a6Z3

und die homogene Gestalt der kurzen Weierstraß-Gleichung ist

Y2Z=X3+aXZ2+bZ3.

Auf die lange Form kann man eine elliptische Kurve über einem algebraisch abgeschlossenen Körper der Charakteristik ≠2,3 nach Fakt stets bringen, aber auch, wie wir jetzt sehen, auf die kurze Form. Wenn man  Z=0  setzt, also den Durchschnitt mit der unendlich fernen Geraden V+(Z) betrachtet, so erhält man  X3=0,  also den einzigen Schnittpunkt (0,1,0), den man üblicherweise als Nullpunkt der Gruppenverknüpfung auf der elliptischen Kurve wählt.



Lemma  

Es sei eine affine kubische Gleichung

y2+a1xy+a3y=x3+a2x2+a4x+a6

über einem Körper der Charakteristik ≠2,3 gegeben.

Dann gibt es eine lineare Variablensubstitution derart, dass in den neuen Variablen u,v die Gleichung die Form

v2=u3+au+b

besitzt.

Beweis  

Wir schreiben

v=y+a12x+a32.

Dann ist

v2=(y+a12x+a32)2=y2+a1xy+a3y+12a1a3x+14a12x2+14a32=x3+a2x2+a4x+a6+12a1a3x+14a12x2+14a32=x3+b2x2+b1x+b0,

wobei wir für dieses kubische Polynom neue Bezeichnungen für die Koeffizienten eingeführt haben. Mit der Transformation  u=x+b23  können wir den quadratischen Term b2x2 eliminieren.

◻



Wir möchten die Fermat-Kubik

X3+Y3+Z3=0

in Charakteristik ≠2,3 auf die kurze Weierstraßform transformieren. Die Hesse-Matrix ist

(6X0006Y0006Z).

Daher ist (0,1,−1) ein Wendepunkt der Kurve, den wir nach (0,1,0) transformieren wollen. Wir erreichen dies mit den neuen Variablen X=X,Y=Y,W=Y+Z. Die Gleichung wird zu

X3+Y3+(W−Y)3=X3+W3−3W2Y+3WY2=0.

Die (projektive) Tangente in (0,1,0) wird durch  W=0  beschrieben. Die Dehomogenisierung bezüglich W führt auf die affine Gleichung

x3=1−3y+3y2,

durch eine quadratische Ergänzung und Normierung entsteht eine Gleichung der Form

y~2=x3+b

mit  b≠0,  was man wiederum über einem algebraisch abgeschlossenen Körper zu 1 normieren kann.




Lemma  

Es seien

y2=x3+ax+b

und

y'2=x'3+a′x′+b′

kubische Kurven in kurzer Weierstraßform über einem Körper K.

Dann gibt es genau dann eine lineare Variablentransformation, die die erste Gleichung in die zweite überführt, wenn es ein c∈K, c≠0, mit

c4a′=a

und

c6b′=b

gibt.

Beweis  

Es sei

(xy)=(rstu)(x′y′).

Wenn man für x den Term rx′+sy′ einsetzt, so entsteht bei  s≠0  ein y'3-Term, den man durch eine Substitution

y=tx′+uy′

nicht wegbekommt. Also muss  s=0  sein. Damit muss auch  t=0  sein, da andernfalls ein x'2-Term entsteht. Es sei also x=rx′ und y=uy′, was auf die neue Gleichung

u2y'2=r3x'3+arx′+b

führt. Damit man diese sowohl in x′ als auch in y′ normieren kann, muss

u2=r3

sein. Dies ist nach Aufgabe genau dann der Fall, wenn es ein  c∈K×  mit u=c3, r=c2 gibt. Die Normierung wird dann mittels Division durch c6 durchgeführt, was auf a′=ac2/c6=ac−4 und b′=b/c6=bc−6 führt.

◻



Es sei E eine elliptische Kurve über einem Körper K in kurzer Weierstraßform

y2=x3+ax+b.

Dann nennt man

Δ=−16(4a3+27b2)

die Diskriminante von E.

Vergleiche zur Diskriminante eines kubischen Polynoms auch Fakt und Beispiel. Die Diskriminante ist genau dann ≠0, wenn das kubische Polynom x3+ax+b keine mehrfache Nullstelle besitzt, was nach Fakt die Glattheit der Kurve bedeutet, siehe Aufgabe.


Es sei E eine elliptische Kurve über einem Körper K in kurzer Weierstraßform

y2=x3+ax+b.

Dann nennt man

j=−123(4a)3Δ,

wobei Δ die Diskriminante zu E bezeichnet, die j-Invariante von E.

Bei der in Fakt beschriebenen Transformation ändert sich die j-Invariante der Kurve nicht, siehe Aufgabe.