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Fourierreihen/Maßraum/Einführung/Textabschnitt

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Unter den periodischen Funktionen spielen die trigonometrischen Funktionen cosx und sinx bzw. die komplexe Exponentialfunktion eiz eine besondere Rolle, die die Periode 2π haben. Neben diesen enthält man weitere periodische Funktionen, indem man das Argument x bzw. z durch ganzzahlige Vielfache nx bzw. nz ersetzt. Diese haben die kleineren Perioden 2πn, aber 2π bleibt eine Periode. Im Rahmen der Fourieranalysis (man spricht auch von harmonischer Analysis) möchte man periodische Funktionen als Reihen von trigonometrischen Funktionen darstellen. Eine periodische Funktion mit Periode T ist vollständig bestimmt durch ihren Verlauf auf dem Intervall [0,T[. Wir arbeiten im Kontext von Hilberträumen und insbesondere in L2([0,T]), der Übergang vom halboffenen zum abgeschlossen Intervall ist für diesen Funktionenraum unerheblich. Besonders wichtig sind die Periodenlängen 1 und 2π, wir werden zumeist eine beliebige Periodenlänge T zulassen und dann  ω=2πT  setzen.

Die Funktionen e2πTint sind auf [0,T] quadratintegrierbar, wie sofort aus der Beschränktheit folgt. Daher sichert Fakt, dass die folgenden Definitionen sinnvoll sind. Insbesondere kann man sie auf messbare beschränkte periodische Funktionen und auf stückweise stetige Funktionen auf [0,T] anwenden.


Es sei  T>0  und sei f: eine auf [0,T] quadratintegrierbare T-periodische Funktion. Dann nennt man (zu n)

cn=1T0Tf(t)e2πiTntdt

den n-ten (komplexen) Fourierkoeffizienten.

Bis auf den Vorfaktor ist dieser Koeffizient gleich dem L2-Skalarprodukt  f,e2πTnt=0Tf(t)e2πTntdt


Es sei  T>0  und sei f: eine auf [0,T] quadratintegrierbare T-periodische Funktion. Dann nennt man (zu n bzw. n+ für die b-Koeffizienten)

an=2T0Tf(t)cos(2πTnt)dt

und

bn=2T0Tf(t)sin(2πTnt)dt

die n-ten (reellen) Fourierkoeffizienten.

Nur wenn f reellwertig ist sind die Koeffizienten an bzw. bn reell, die Koeffizienten cn sind auch in diesem Fall nicht reell.



Lemma  

Es sei  T>0  und sei f: eine auf [0,T] quadratintegrierbare T-periodische Funktion.

Dann besteht zwischen den reellen und den komplexen Fourierkoeffizienten von f die Beziehungen

c0=a02,
cn=12(anibn),
cn=12(an+ibn),
a0=2c0,
an=cn+cn,
bn=i(cncn).

Beweis  

Unter Verwendung von Fakt  (1) ist

cn=1T0Tf(t)e2πiTntdt=1T0Tf(t)(cos(2πTnt)+isin(2πTnt))dt=1T0Tf(t)cos(2πTnt)dt+iT0Tf(t)sin(2πTnt)dt=1T0Tf(t)cos(2πTnt)dtiT0Tf(t)sin(2πTnt)dt.

Bei  n0  ist dies 12an+12ibn, bei  n<0  muss man zum Negativen übergehen und noch einmal Fakt  (3) verwenden.



Lemma  

Es sei  T>0  und  ω=2πT

Dann bildet die Familie

fn=1Teωinx

zu  n  ein Orthonormalsystem im Hilbertraum L2([0,T],).

Beweis  

Es ist

fm,fn=0Tfmfndx=0T1Teωimx1Teωinxdx=1T0Teωimxeωinxdx=1T0Teωi(mn)xdx.

Bei  m=n  ist dies

1T0Te0dx=1T0T1dx=1.

Bei  mn  ist dies

1T0Teωi(mn)xdx=1Tωi(mn)(eωi(mn)x)|0T=12πi(mn)(eTωi(mn)e0)=12πi(mn)(e2πi(mn)e0)=12πi(mn)(11)=0.



Lemma  

Es sei  T>0  und  ω=2πT

Dann besteht die von den

fn=1Teωinx

zu  n  erzeugte -Algebra aus allen endlichen Summen nrnfn.

Diese Algebra enthält mit jeder Funktion auch ihre komplex-konjugierte Funktion und trennt die Punkte aus [0,T[.

Beweis  

Wegen

fmfn=1Teωimx1Teωinx=1Teωi(m+n)x

ist die Familie (bis auf den skalaren Vorfaktor) unter Multiplikation abgeschlossen. Daher sind die endlichen Linearkombinationen der fn auch multiplikativ abgeschlossen und bilden eine -Algebra, der Fall  n=0  sichert, dass auch die Konstanten dazu gehören. Wegen

fn=fn

ist die Algebra auch unter komplexer Konjugation abgeschlossen. Die Trennung ist allein schon durch die Funktion eiωx gesichert.


Ausdrücke der Form

nrnfn=nrnTeωinz

zu einer endlichem Indexmenge nennt man auch trigonometrische Polynome. Zumeist schreibt man sie als n=NNrnTeωinz.



Satz  

Es sei  T>0  und  ω=2πT

Dann bildet die Familie

fn=1Teωinx

zu  n  ein vollständiges Orthonormalsystem im Hilbertraum L2([0,T],).

Beweis  

Die Orthonormalitätsrelationen wurden in Fakt gezeigt. Nach Fakt ist die von den eωinx erzeugte Algebra punktetrennend und stimmt mit dem erzeugten Vektorraum überein. Nach dem komplexen Satz von Stone-Weierstrass gibt es zu jeder stetigen Funktion

h:[0,T]

und jedem  ϵ>0  ein trigonometrisches Polynom p mit

|h(x)p(x)|ϵ

für alle x. Die entsprechende Approximationseigenschaft gilt dann auch in der L2-Norm. Die beschriebene Algebra ist also dicht in  C([0,T],)L2([0,T],).  Nach Fakt ist die Algebra dann auch dicht in L2([0,T],).


Aus Fakt folgt mit Fakt, dass jede quadratintegrierbare Funktion

f:[0,T]

eine konvergente Darstellung

f=nfn,1Teωint1Teωint

besitzt, die Konvergenz ist dabei im Sinne der L2-Norm zu verstehen. Im Allgemeinen liegt keine punktweise Konvergenz vor. Es ist

fn,1Teωint=0Tf(t)1Teωintdt=1T0Tf(t)eωintdt

und somit

f=n1T(0Tf(t)eωintdt)eωint=ncneωint

mit den komplexen Fourierkoeffizienten cn. Diese beziehen sich also nicht unmittelbar auf das Orthonormalsystem, sondern auf eine skalierte Version davon. Die Darstellung ncneinωt nennt man die Fourierreihe zu f, auch wenn über aufsummiert wird. Man spricht auch von der Fourierentwicklung. Die Umformung

ncneωint=c0+n+(cneωint+cneωint)=c0+n+(cn(cosωnt+isinωnt)+cn(cosωntisinωnt))=c0+n+((cn+cn)cosωnt+i(cncn)sinωnt)=a02+n+ancosωnt+bnsinωnt

unter Verwendung von Fakt ergibt die Darstellung mit den reellen Koeffizienten.