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Kurs:Invariantentheorie (Bochum 2003)/Vorlesung 2

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Zu  n  heißt die Untergruppe

An:={σSnsgn(σ)=1}

der geraden Permutationen die alternierende Gruppe.

Zur Erinnerung: Das Signum einer Permutation gibt an, ob die Anzahl der Transpositionen zu ihrer Darstellung gerade oder ungerade ist. Im ersten Fall ist sgn(σ)=1 und die Permutation heißt gerade, im zweiten Fall ist sgn(σ)=1 und die Permutation heißt ungerade.

Die alternierende Gruppe An operiert wie die volle Permutationsgruppe auf K[X1,,Xn]. Ein symmetrischen Polynom ist natürlich erst recht invariant unter allen geraden Permutationen, daher

K[X1,,Xn]SnK[X1,,Xn]AnK[X1,,Xn].

Zur Beschreibung des Invariantenringes unter der alternierenden Gruppe ist der Begriff des Charakters sinnvoll.

Zur Erinnerung: Ein Charakter einer Gruppe G in einem Körper K ist ein Gruppenhomomorphismus

χ:G(K×,1,).

Dabei ist K× die Einheitengruppe des Körpers. Das ist das Gleiche wie die allgemeine lineare Gruppe GL1(K). Einen Charakter kann man also auch als eine eindimensionale Darstellung ansehen.

Der bekannteste Charakter für die GLn(K) ist die Determinante. Jede Darstellung GGLn(K) induziert durch

GGLn(K)detK×

einen Charakter.


Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und

G×VV

eine lineare Operation einer Gruppe G auf V. Es sei

χ:GK×

ein Charakter. Dann nennt man

K[V]χG:={fK[V]fσ=χ(σ)f für alle σG}

die χ-relativen Invarianten oder Semiinvarianten.

Die Invarianten sind also die Semiinvarianten relativ zum trivialen Charakter. Die χ-relativen Invarianten sind ein K[V]G-Untermodul von K[V]: Wenn g invariant ist und f χ-invariant, so ist

(gf)σ=(g)σ(f)σ=g(χ(σ)f)=χ(σ)gf.



Lemma  

Es sei K ein Körper der Charakteristik 2.

Dann gilt für die natürliche Operation der Permutationsgruppe Sn auf dem Polynomring die Gleichheit

K[X1,,Xn]sgnSn=K[X1,,Xn]Sn,

wobei  =j<i(XiXj)  die Vandermondesche Determinante ist.

Beweis  

Das Polynom hat die Eigenschaft, dass es signumsinvariant ist, dass sich also sein Vorzeichen bei einer ungeraden Permutation umkehrt. Hierzu muss man sich nur klar machen, dass sich bei einer Transposition das Vorzeichen um 1 ändert. Dabei kann man sich sogar auf solche Transpositionen beschränken, die zwei Nachbarn i und i+1 miteinander vertauschen. Dann wird aus dem Faktor Xi+1Xi der Faktor XiXi+1 und alle anderen Faktoren werden allenfalls vertauscht. Insgesamt wird auf abgebildet.
Wir müssen also zeigen, dass jedes signumsinvariante Polynom F ein Vielfaches von ist. Der andere Faktor ist dann automatisch Sn-invariant.

Für diese Teilerbeziehung genügt es wegen der Faktorialität von K[V] zu zeigen, dass XiXj ein Teiler von F ist (ij). Wir schreiben F in den neuen Variablen Xk,ki,j,Xi+Xj,XiXj als

F=n=0mGn(Xk,Xi+Xj)(XiXj)n.

Dann ist einerseits

F(XiXj)=n=0m(1)nGn(Xk,Xi+Xj)(XiXj)n

und anderseits (da F signumsinvariant ist)

F(XiXj)=F=n=0mGn(Xk,Xi+Xj)(XiXj)n.

Daraus folgt wegen  char(K)2,  dass für n gerade  Gn=0  sein muss. Insbesondere ist  G0=0.  Also ist  F=H(XiXj),  wie behauptet.


Nochmal explizit: Es geht um die Polynome, die relativ inveriant sind zur Signumsabbildung, für die also  Fσ=sgn(σ)F  für alle Permutationen gilt. Für eine gerade Permutation σ muss also Fσ=F sein, für eine ungerade Permutation dagegen Fσ=F. Insbesondere sind solche Polynome invariant unter der alternierenden Gruppe.



Proposition  

Es sei R×GR eine Operation einer Gruppe G auf einem kommutativen Ring durch Ringautomorphismen. Es sei  HG  eine Untergruppe. Dann gelten folgende Aussagen.

  1.  RGRH
  2. Sind H1 und H2 Untergruppen in G mit  G=H1H2,  so ist
    RH1RH2=RG.
  3. Ist H ein Normalteiler in G, so operiert die Restklassengruppe G/H auf RH durch
    f[σ]:=fσ.

    Dabei ist

    RG=(RH)G/H.

Beweis  

(1) ist klar.
(2). Die Voraussetzung bedeutet, dass man  σ=i=1nσi  mit gewissen  σiH1  oder  σiH2  schreiben kann.

Die Inklusion ist nach (1) klar. Die Inklusion ist wegen

fσ=fi=1nσi=fσ1i=2nσi=fi=2nσi=f

klar.
(3). Die Operation ist zunächst wohldefiniert, d.h. unabhängig vom Repräsentanten. Es seien dazu  σ,σG  mit  σσ1H  gegeben und  fRH.  Dann ist

fσ=fσσ1σ=fσ.

Wegen der Normalteilereigenschaft gibt es für  σG  und  τH  ein  τH  mit  στ=τσ.  Für  fRH  ist

(fσ)τ=fτσ=fσ

und somit gehört fσ ebenfalls zu RH. Wir haben also eine Abbildung

RH×GRH.

Diese Abbildung ist in der Tat eine Gruppenoperation. Das neutrale Element wirkt identisch und die Assoziativität ergibt sich aus

f([σ][τ])=f[στ]=f(στ)=(fσ)τ=(f[σ])τ=(f[σ])[τ].

Es liegt also eine Operation von G auf RH vor, und da die Elemente  σH  identisch wirken, induziert dies eine Operation von G/H auf RH. Bei den Abbildungen ffσ handelt es sich um Ringautomorphismen auf RH, da es sich um Einschränkungen von Ringautomorphismen auf R handelt, wobei sich die Surjektivität aus der Existenz von σ1 ergibt.

Wir kommen zur Gleichheit

RG=(RH)G/H.

Zum Beweis der Inklusion sei  fRG.  Dann ist insbesondere  fRH.  Wegen  f[σ]=fσ=f  ist f auch G/H- invariant. Zum Beweis der Inklusion sei  f(RH)G/HRH.  Doch dann ist für  σG  wiederum  fσ=f[σ]=f



Satz  

Es sei K ein Körper der Charakteristik  char(K)2.  Die alternierende Gruppe An operiere natürlich auf  V=Kn

Dann ist

K[V]An=K[V]SnK[V]sgnSn=K[E1,,En]K[E1,,En].

Beweis  

Die Gleichheit rechts ergibt sich aus Fakt ***** und Fakt *****. Auf K[V]An operiert die Restklassengruppe  Sn/An={1,1}=/(2)  wie in Fakt ***** beschrieben. Es sei τ das nichttriviale Element daraus. Dieses wird repräsentiert durch eine beliebige ungerade Permutation, etwa durch eine Transposition. Es sei  FK[V]An  ein Polynom, das invariant unter der alternierenden Gruppe ist. Nach Fakt *****  (3) ist Fτ unabhängig von dem gewählten Repräsentanten τ. Es ist

F=12(F+Fτ)+12(FFτ),

wobei die beiden Summanden symmetrisch bzw. signumsinvariant sind. Dies überprüft man, indem man die (geraden oder ungeraden) Permutationen darauf anwendet. Die Summe ist direkt, da der Durchschnitt 0 ist: Ein Polynom, das sowohl symmetrisch als auch signumsinvariant ist, muss 0 sein.



Die natürliche Operation der alternierenden Gruppe  A3/(3)  auf dem K3 wird durch den Zyklus

e1e2,e2e3,e3e1

erzeugt. Besitzt K dritte primitive Einheitswurzeln, so kann man die zugehörige Matrix diagonalisieren und man erhält eine neue Basis (vergleiche Fakt *****) mit den Eigenvektoren

e1+e2+e3,e1+ζe2+ζ2e3,e1+ζ2e2+ζe3.

Wir führen die neuen Variablen

U=X+Y+Z,V=X+ζY+ζ2Z,W=X+ζ2Y+ζZ
ein. In dieser Basis ist der erzeugende Automorphismus durch
UU,VζV,Wζ2W

gegeben und der Invariantenring ist in dieser Basis gleich

K[U,V3,VW,W3].

Die einzige Relation ist durch  V3W3=(VW)3  gegeben.

Wie sieht der Unterring der symmetrischen Polynome aus? Die Transposition YZ lässt U unverändert und vertauscht V und W. Das bedeutet für den alternierenden Invariantenring, dass V3 und W3 vertauscht werden. Der symmetrische Invariantenring ist daher

K[U,VW,V3+W3].

Dabei sind

VW=X2+Y2+Z2+ζXY+ζ2XY+ζXZ+ζ2XZ+ζYZ+ζ2YZ
V3=X3+Y3+Z3+6XYZ+3ξ2XY2+3ξX2Y+3ξXZ2+3ξ2X2Z+3ξ2YZ2+3ξY2Z

und

W3=X3+Y3+Z3+6XYZ+3ξXY2+3ξ2X2Y+3ξ2XZ2+3ξX2Z+3ξYZ2+3ξ2Y2Z.

Für die Vandermondesche Determinante gilt

=(YX)(ZX)(ZY)=XY2X2Y+X2ZXZ2+YZ2Y2Z=13(ξ2ξ)(V3W3).