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Kurs:Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2011)/Permutationsgruppen/Textabschnitt

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Permutationsgruppen

Zu einer Menge M nennt man die Menge

Aut(M)=Perm(M)={φ:MMφ bijektiv}

der bijektiven Selbstabbildungen die Automorphismengruppe oder die Permutationsgruppe zu M.

Eine bijektive Selbstabbildung φ:MM nennt man auch eine Permutation. Für eine endliche Menge I={1,,n} schreibt man Sn=Perm(I). Eine endliche Permutation kann man beispielsweise mit einer (vollständigen) Wertetabelle oder mit einem Pfeildiagramm beschreiben.



Lemma  

Es sei M eine endliche Menge mit n Elementen.

Dann besitzt die Permutationsgruppe  Perm(M)Sn  genau n! Elemente.

Beweis  

Es sei  M={1,,n}.  Für die 1 gibt es n mögliche Bilder, für 2 gibt es noch n1 mögliche Bilder, für 3 gibt es noch n2 mögliche Bilder, usw. Daher gibt es insgesamt

n(n1)(n2)21=n!

mögliche Permutationen.



Lemma  

Es sei M eine Menge und NM eine Teilmenge.

Dann gibt es eine natürliche injektive Abbildung

Perm(N)Perm(M),σσ~,

wobei σ~ auf N gleich σ und auf MN die Identität ist.

Mittels dieser Abbildung ist Perm(N) eine Untergruppe von Perm(M).

Beweis  

Offenbar ist die Abbildung wohldefiniert. Sie ist injektiv, da aus  σ~=τ~  sofort folgt, dass  σ=τ  ist. Die Abbildung liefert eine Bijektion zwischen Perm(N) und der Menge der Permutationen auf M, die MN fest lassen. Diese Permutationen bilden eine Untergruppe.



Zyklendarstellung für Permutationen

Sei M eine endliche Menge, σPerm(M) eine Permutation und  xM.  Dann kann man die Folge

σ0(x)=id(x)=x,σ1(x)=σ(x),σ2(x),σ3(x),

betrachten. Da M endlich ist, gibt es eine Wiederholung σi(x)=σj(x) mit i<j. Durch Multiplikation mit σi sieht man, dass es ein minimales k+ gibt mit σk(x)=σ0(x)=x, und dass alle σj(x) für j, 1j<k, verschieden sind. Ist y=σj(x), so durchläuft auch σi(y) dieselbe Teilmenge aus M.


Es sei M eine endliche Menge und π eine Permutation auf M. Man nennt π einen Zyklus der Ordnung r (oder der Länge r), wenn es eine r-elementige Teilmenge  ZM  derart gibt, dass π auf MZ die Identität ist und π die Elemente aus Z zyklisch vertauscht. Wenn  Z={z,π(z),π2(z),,πr1(z)}  ist, so schreibt man einfach

π=z,π(z),π2(z),,πr1(z).

Dabei kann man statt z jedes andere Element aus Z als Anfangsglied nehmen. Die Menge Z heißt auch der Wirkungsbereich des Zyklus, und die (geordnete) Auflistung heißt die Wirkungsfolge des Zyklus.


Eine Transposition auf einer endlichen Menge M ist eine Permutation auf M, die genau zwei Elemente miteinander vertauscht und alle anderen Elemente unverändert lässt.

Eine Transposition ist also ein besonders einfacher Zyklus mit der Zyklendarstellung x,y, wenn die Transposition die Punkte x und y vertauscht.



Lemma  

Jede Permutation auf einer endlichen Menge M

kann man als Produkt von Transpositionen schreiben.

Beweis  

Wir beweisen die Aussage durch Induktion über die Anzahl der Menge M. Für  #(M)=1  ist nichts zu zeigen, sei also  #(M)2.  Die Identität ist das leere Produkt aus Transpositionen. Es sei also π nicht die Identität, und sei  π(x)=yx.  Es sei τ die Transposition, die x und y vertauscht. Dann ist y ein Fixpunkt von πτ, und man kann πτ auffassen als eine Permutation auf  M=M{y}.  Nach Induktionsvoraussetzung gibt es dann Transpositionen τj auf M mit  πτ=jτj  auf M. Dies gilt dann auch auf M, und daher ist  π=(jτj)τ



Satz  

Es sei M eine endliche Menge und σ eine Permutation auf M.

Dann gibt es eine Darstellung

σ=σ1σk,

wobei die σi Zyklen der Ordnung 2 sind mit disjunkten Wirkungsbereichen.

Dabei ist die Darstellung bis auf die Reihenfolge eindeutig.

Beweis  

Es sei F die Fixpunktmenge von σ und es seien Z1,,Zk diejenigen Teilmengen von M mit mindestens zwei Elementen derart, dass σ die Elemente aus jedem Zi zyklisch vertauscht. Dann ist M die disjunkte Vereinigung aus F und den Zi. Zu i, 1ik, sei σi der Zyklus auf M, der auf MZi die Identität ist und auf Zi mit σ übereinstimmt. Wir behaupten

σ=σ1σk.

Um dies einzusehen, sei  xM  beliebig. Bei  xF  ist x ein Fixpunkt für alle σi und daher kommt links und rechts wieder x raus. Es sei also x kein Fixpunkt der Permutation. Dann gehört  xZi  für genau ein i. Für alle ji ist x ein Fixpunkt von σj. Da

y=σ(x)

ebenfalls zu Zi gehört, ist auch y ein Fixpunkt von σj für alle  ji.  Wendet man daher die rechte Seite auf x an, so wird x auf x abgebildet bis man zu σi kommt. Dieses bildet x auf y ab und die folgenden σj bilden y auf y ab, sodass die rechte Seite insgesamt x auf y schickt und daher mit σ übereinstimmt.


Aufgrund von diesem Satz können wir allgemein eine Zyklendarstellung für eine beliebige Permutation definieren.


Es sei M eine endliche Menge und σ eine Permutation auf M. Es seien Z1,,Zk die Wirkungsbereiche der Zyklen von σ mit  ni=#(Zi).  Es sei  xiZi  und  Zi={xi,σ(xi),,σni1(xi)}.  Dann nennt man

x1,σ(x1),,σn11(x1)x2,σ(x2),,σn21(x2)xk,σ(xk),,σnk1(xk)

die Zyklendarstellung von σ.



Das Signum einer Permutation

Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Dann heißt die Zahl

sgn(π)=i<jπ(j)π(i)ji

das Signum (oder das Vorzeichen) der Permutation π.

Das Signum ist 1 oder 1, da im Zähler und im Nenner die positive oder die negative Differenz ±(ij) steht. Es gibt für das Signum also nur zwei mögliche Werte. Bei sgn(σ)=1 spricht man von einer geraden Permutation und bei sgn(σ)=1 von einer ungeraden Permutation.


Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Dann heißt ein Indexpaar

i<j

ein Fehlstand von π, wenn  π(i)>π(j)  ist.



Lemma  

Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Es sei  k=#(F)  die Anzahl der Fehlstände von π.

Dann ist das Signum von π gleich

sgn(π)=(1)k.

Beweis  

Wir schreiben

sgn(π)=i<jπ(j)π(i)ji=(i,j)Fπ(j)π(i)ji(i,j)∉Fπ(j)π(i)ji=(1)k(i,j)Fπ(i)π(j)ji(i,j)∉Fπ(j)π(i)ji=(1)k,

da nach dieser Umordnung sowohl im Zähler als auch im Nenner das Produkt aller positiven Differenzen steht.



Wir betrachten die Permutation

x 1 2 3 4 5 6
σ(x) 2 4 6 5 3 1

mit der Zyklendarstellung

1,2,4,5,3,6.

Die Fehlstände sind

(1,6),(2,5),(2,6),(3,4),(3,5),(3,6),(4,5),(4,6),(5,6),

es gibt also 9 Stück davon. Das Signum ist also  (1)9=1  gemäß Lemma 18.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)), und die Permutation ist ungerade.




Satz  

Die durch das Signum gegebene Zuordnung

Sn{1,1},πsgn(π),

ist ein Gruppenhomomorphismus.

Beweis  

Es seien zwei Permutationen π und ρ gegeben. Dann ist

sgn(πρ)=i<j(πρ)(j)(πρ)(i)ji=(i<j(πρ)(j)(πρ)(i)ρ(j)ρ(i))i<jρ(j)ρ(i)ji=(i<j,ρ(i)<ρ(j)π(ρ(j))π(ρ(i))ρ(j)ρ(i))(i<j,ρ(i)>ρ(j)π(ρ(j))π(ρ(i))ρ(j)ρ(i))sgn(ρ)=(i<j,ρ(i)<ρ(j)π(ρ(j))π(ρ(i))ρ(j)ρ(i))(i<j,ρ(i)>ρ(j)π(ρ(i))π(ρ(j))ρ(i)ρ(j))sgn(ρ)=k<π()π(k)ksgn(ρ)=sgn(π)sgn(ρ).



Lemma  

Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Es sei

π=τ1τr

als ein Produkt von r Transpositionen geschrieben.

Dann gilt für das Signum die Darstellung

sgn(π)=(1)r.

Beweis  



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