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Kurs:Lineare Algebra/Teil I/45/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Punkte 3 3 2 5 4 2 1 6 3 3 2 7 6 1 4 8 4 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine surjektive Abbildung
  2. Ein Untervektorraum in einem -Vektorraum .
  3. Eine Linearform auf einem - Vektorraum , wobei ein Körper ist.
  4. Eine rationale Funktion über einem Körper .
  5. Die geometrische Vielfachheit von einem Eigenwert zu einer linearen Abbildung

    auf einem endlichdimensionalen - Vektorraum .

  6. Eine affin unabhängige Familie von Punkten in einem affinen Raum .


Lösung

  1. Die Abbildung heißt surjektiv, wenn es für jedes mindestens ein Element mit gibt.
  2. Die Teilmenge heißt Untervektorraum, wenn die folgenden Eigenschaften gelten.
    1. .
    2. Mit ist auch .
    3. Mit und ist auch .
  3. Es sei ein Körper und sei ein -Vektorraum. Eine lineare Abbildung

    heißt auch eine Linearform auf .

  4. Zu zwei Polynomen , , heißt die Funktion

    wobei das Komplement der Nullstellen von ist, eine rationale Funktion.

  5. Man nennt

    die geometrische Vielfachheit des Eigenwerts.

  6. Man nennt die Punktfamilie affin-unabhängig, wenn eine Gleichheit

    mit

    nur bei

    für alle    möglich ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Die Dimensionsabschätzung für den Lösungsraum eines linearen Gleicungssystems.
  2. Der Satz über die Charakterisierung von invertierbaren Matrizen mit Rang und linearer Unabhängigkeit.
  3. Der Satz über Nullstellen und lineare Faktoren eines Polynoms .


Lösung

  1. Es sei ein homogenes lineares Gleichungssystem aus Gleichungen in Variablen gegeben. Dann ist die Dimension des Lösungsraumes des Systems mindestens gleich .
  2. Es sei ein Körper und sei eine - Matrix über . Dann sind folgende Aussagen äquivalent.
    1. ist invertierbar.
    2. Der Rang von ist .
    3. Die Zeilen von sind linear unabhängig.
    4. Die Spalten von sind linear unabhängig.
  3. Ein Element    ist genau dann eine Nullstelle von , wenn ein Vielfaches des linearen Polynoms ist.


Aufgabe (2 Punkte)

Professor Knopfloch und Dr. Eisenbeis stehen am Ufer des Rubbenbruchsees und können sich nicht einigen, ob sie mit dem oder gegen den Uhrzeigersinn drumrum laufen sollen. Deshalb läuft Professor Knopfloch gegen den Uhrzeigersinn und Dr. Eisenbeis mit dem Uhrzeigersinn. Das Verhältnis ihrer Geschwindigkeiten ist , und daher läuft Knopfloch fünfmal um den See und Eisenbeis viermal um den See. Wie oft begegnen sie sich (Begegnung ganz am Anfang und am Ende mitzählen)?


Lösung

Die erste Begegnung (nach der Begegnung am Start) findet statt, wenn Knopfloch und Eisenbeis des Sees umrundet haben. Dieser Rhythmus bleibt konstant, d.h. Eisenbeis begegnet Knopfloch stets nach einer Wegstrecke von des Seeumfanges. Da sie viermal den See umrundet, sind das insgesamt Begegnungen ().


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei ein Körper und    ein beliebiges Element. Bestimme, welche Potenzen man (ausgehend von und bei optimaler Verwertung von Zwischenschritten) mit einer, zwei, drei oder vier Multiplikationen erhalten kann.


Lösung

Wir gehen rekursiv vor, da jede Potenz sich durch Multiplikation einer zuvor erhaltenen Potenz ergibt. Wenn dabei die Faktoren gleiche Potenzen verwenden, müssen diese nicht doppelt gezählt werden, da man ja die Ergebnisse von Zwischenmultiplikationen wiederverwenden kann.

Mit einer Multiplikation kann man offenbar nur    erhalten.

Mit zwei Multiplikationen kann man

und

erhalten und sonst keine Potenz, da ja alle möglichen Multiplikationen notiert wurden.

Mit drei Multiplikationen kann man

erhalten. kann man nicht mit drei Multiplikationen erreichen, da in (dem einzigen ernsthaften Kandidat) schon vier Multiplikationen drin sind.

Mit vier Multiplikationen kann man

und

erhalten. Weitere Möglichkeiten gibt es nicht. Wenn nämlich nicht als Faktor vorkommt, so gibt es von den noch nicht abgedeckten Potenzen nur , doch dieser Aufbau braucht fünf Multiplikationen.


Aufgabe (4 Punkte)

Löse das inhomogene lineare Gleichungssystem


Lösung

Wir eliminieren zuerst die Variable , indem wir die zweite Gleichung dreimal von der ersten Gleichung abziehen. Dies führt auf

Nun eliminieren wir die Variable , indem wir (bezogen auf das vorhergehende System) und ausrechnen. Dies führt auf

Mit ergibt sich

und

Rückwärts gelesen ergibt sich

und


Aufgabe (2 Punkte)

Zeige, dass man in den Vektor als Linearkombination der beiden Vektoren und erhalten kann.


Lösung

Aufgrund der Nullen kommt nur das Koeffiziententupel in Frage, und in der Tat ist


Aufgabe (1 Punkt)

Bestimme die Umkehrfunktion zur linearen Funktion


Lösung

Die Umkehrfunktion ist

da

ist.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Satz, dass die Zuordnung zwischen linearen Abbildungen und Matrizen (bei gegebenen Basen) bijektiv ist.


Lösung

Wir zeigen, dass beide Hintereinanderschaltungen die Identität sind. Wir starten mit einer Matrix    und betrachten die Matrix

Zwei Matrizen sind gleich, wenn für jedes Indexpaar die Einträge übereinstimmen. Es ist

Es sei nun eine lineare Abbildung, und betrachten wir

Zwei lineare Abbildungen stimmen nach Satz 10.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) überein, wenn man zeigen kann, dass sie auf der Basis übereinstimmen. Es ist

Dabei ist nach Definition der Koeffizient die -te Koordinate von bezüglich der Basis . Damit ist diese Summe gleich .


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die inverse Matrix zu


Lösung


Aufgabe (3 Punkte)

Bestätige den Determinantenmultiplikationssatz für die beiden Matrizen


Lösung

Die Determinante von ist

und die Determinante von ist

Das Produkt der beiden Matrizen ist

Die Determinante davon ist

Dies stimmt mit dem Produkt der beiden einzelnen Determinanten überein.


Aufgabe (2 Punkte)

Ersetze im Term die Variable durch den Term und vereinfache den entstehenden Ausdruck.


Lösung

Es ist


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz über die Division mit Rest im Polynomring über einem Körper .


Lösung

Wir beweisen die Existenzaussage durch Induktion über den Grad von . Wenn der Grad von größer als der Grad von ist, so ist und eine Lösung, sodass wir dies nicht weiter betrachten müssen. Bei    ist nach der Vorbemerkung auch  ,  also ist ein konstantes Polynom, und damit ist (da und ein Körper ist) und eine Lösung. Es sei nun    und die Aussage für kleineren Grad schon bewiesen. Wir schreiben und mit . Dann gilt mit    die Beziehung

Dieses Polynom hat einen Grad kleiner als und darauf können wir die Induktionsvoraussetzung anwenden, d.h. es gibt und mit

Daraus ergibt sich insgesamt

sodass also    und    eine Lösung ist. Zur Eindeutigkeit sei    mit den angegebenen Bedingungen. Dann ist  .  Da die Differenz einen Grad kleiner als besitzt, ist aufgrund der Gradeigenschaften diese Gleichung nur bei    und    lösbar.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Satz über die Charakterisierung von diagonalisierbar mit Vielfachheiten.


Lösung

Wenn diagonalisierbar ist, so kann man sofort annehmen, dass bezüglich einer Basis aus Eigenvektoren durch eine Diagonalmatrix beschrieben wird. Die Diagonaleinträge dieser Matrix sind nach Beispiel 21.4 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) die Eigenwerte, und diese wiederholen sich gemäß ihrer geometrischen Vielfachheit. Das charakteristische Polynom lässt sich nach Beispiel 23.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) auch direkt aus dieser Diagonalmatrix ablesen, jeder Diagonaleintrag trägt als Linearfaktor bei.

Für die Umkehrung seien die verschiedenen Eigenwerte und

seien die (geometrischen und algebraischen) Vielfachheiten. Da nach Voraussetzung das charakteristische Polynom in Linearfaktoren zerfällt, muss die Summe dieser Zahlen gleich    sein. Nach Lemma 22.6 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist die Summe der Eigenräume

direkt. Nach Voraussetzung ist die Dimension links ebenfalls gleich , sodass Gleichheit vorliegt. Nach Lemma 22.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist diagonalisierbar.


Aufgabe (1 Punkt)

Bestimme die Eigenvektoren der Funktion , .


Lösung

Jede reelle Zahl    ist ein Eigenvektor zum Eigenwert .


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme das charakteristische Polynom, die Eigenwerte mit Vielfachheiten und die Eigenräume zur reellen Matrix


Lösung

Das charakteristische Polynom ist

Somit sind , und die Eigenwerte mit algebraischer und geometrischer Vielfachheit . Der Eigenraum zu ist der Kern von , dieser ist

Der Eigenraum zu ist der Kern von , dieser ist

Der Eigenraum zu ist der Kern von , dieser ist


Aufgabe (8 Punkte)

Es sei ein Körper und sei

eine lineare Abbildung. Zeige, dass es eine Basis des derart gibt, dass in der beschreibenden Matrix von bezüglich dieser Basis mindestens neun Einträge gleich sind (man darf verwenden, dass man bei der entsprechenden Aufgabe für den vier Nullen erreichen kann).


Lösung

Wenn es einen Vektor    derart gibt, dass die Vektoren eine Basis bilden, so wird bezüglich dieser Basis durch eine Matrix der Form

beschrieben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es keinen nichttrivialen -invarianten Untervektorraum gibt. In diesem Fall kann man jeden Vektor    nehmen.

Wir können also davon ausgehen, dass zu jedem Vektor    die sukzessiven Bildvektoren in einem höchstens dreidimensionalen invarianten Untervektorraum liegen.

Betrachten wir den Fall, dass es einen eindimensionalen invarianten Untervektorraum gibt, also einen Eigenvektor , mit Eigenwert . Das charakteristische Polynom sei

mit

Nach Lemma 26.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gibt es eine direkte Summenzerlegung

in -invariante Untervektorräume, wobei    der Hauptraum zu ist. Je nach der Dimension dieses Hauptraumes ist die beschreibende Matrix gleich einer Blockmatrix

Im ersten Fall kann man in der -Blockmatrix vier Nullen erreichen.

Es gebe also keinen Eigenwert.

Wenn es einen dreidimensionalen -invarianten Untervektorraum gibt, so hat eine beschreibende Matrix, die eine Basis dieses Raumes verwendet, die Form

Doch dann zeigt das charakteristische Polynom, dass ein Eigenwert ist, was wir schon behandelt haben.

Wenn es einen zweidimensionalen -invarianten Untervektorraum gibt, so betrachten wir ein  .  Dann erzeugt ebenfalls einen zweidimensionalen -invarianter Untervektorraum . Bei    würde es wieder einen eindimensionalen invarianten Untervektorraum geben, also einen Eigenwert.

Daher ist    und damit

Bezüglich Basen für diese Untervektorräume wird durch die Blockmatrix

beschrieben. In den beiden Zweierblöcken kann man jeweils noch eine Null erreichen.


Aufgabe (4 Punkte)

Finde eine affine Basis für die Lösungsmenge der inhomogenen Gleichung


Lösung

Eine spezielle Lösung der Gleichung ist durch

gegeben. Für die zugehörige homogene Gleichung sind

Lösungen, die offenbar linear unabhängig sind. Da der Rang des Gleichungssystems ist, handelt es sich um eine Basis des Lösungsraumes der homogenen Gleichung. Daher bildet

eine affine Basis der Lösungsmenge der inhomogenen Gleichung.