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Riemannsche Fläche/Analytische Fortsetzung/Ausbreitungsraum/Textabschnitt

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Satz  

Es sei X eine riemannsche Fläche mit dem Ausbreitungsraum p:E→X zur Strukturgarbe. Es sei

γ:[0,1]⟶X

ein stetiger Weg mit  γ(0)=x,   γ(1)=y  und seien  f∈𝒪X,x  und  g∈𝒪X,y  holomorphe Keime in den Endpunkten.

Genau dann ist g eine analytische Fortsetzung von f längs γ, wenn es eine Liftung

γ~:[0,1]⟶E

zu γ mit  (x,f),(y,g)∈E  als Endpunkte gibt.

Beweis  

Es gebe eine analytische Fortsetzung von f nach g. D.h. es gibt eine Intervallunterteilung

0=t0<t1<…<tn−1<tn=1,

zusammenhängende offene Mengen  Ui⊆X  mit  γ([ti−1,ti]⊆Ui  und holomorphe Funktionen  fi∈Γ(Ui,𝒪X)  derart, dass  f1=f,   fn=g  und fi und fi+1 in einer offenen Umgebung von γ(ti) übereinstimmen. Die zugehörigen offenen Mengen  (Ui,f)⊆E  bilden unter p nach Fakt homöomorph auf Ui ab. Wir definieren die Liftung γ~ durch

γ~=(p|(Ui,fi))−1∘γi.

In einer offenen Umgebung von γ(ti) (innerhalb von Ui∩Ui+1) stimmen fi und fi+1 überein und daher stimmen darauf die stückweisen Liftungen überein.

Wenn umgekehrt eine Liftung γ~ existiert, so wird die kompakte Bildkurve  γ~([0,1])⊆E  durch endlich viele offene Mengen der Form (Ui,fi), i=1,…,n, mit

(Ui,fi)∩(Ui+1,fi+1)≠∅

überdeckt. Diese Daten konstituieren eine analytische Fortsetzung.

◻



Korollar  

Es sei X eine riemannsche Fläche mit dem Ausbreitungsraum p:E→X zur Strukturgarbe. Es seien  x,y∈X  Punkte und seien  f∈𝒪X,x  und  g∈𝒪X,y  holomorphe Keime.

Genau dann ist g eine analytische Fortsetzung von f (bezüglich irgendeines stetigen Weges), wenn (x,f) und (y,g) der gleichen Zusammenhangskomponente von E angehören.

Beweis  

Dies folgt direkt aus Fakt und daraus, dass auf (wegen Fakt) der Mannigfaltigkeit E die Zusammenhangskomponenten wegzusammenhängend sind.

◻



Lemma  

Es seien X und Y zusammenhängende riemannsche Flächen und sei p:Y→X eine Überlagerung. Es sei f eine holomorphe Funktion auf Y und es seien  y1,y2∈Y  Punkte über x1 bzw. x2

Dann entstehen die holomorphen Funktionskeime  fi∈𝒪X,xi  die aus f durch die induzierten Ringisomorphismen

θi:𝒪Y,yi⟶𝒪X,xi

gestiftet werden, wechselseitig durch analytische Fortsetzung.

Beweis  

Es sei γ~:[0,1]→Y ein stetiger Weg von  γ~(0)=y1  nach  γ~(1)=y2.  Der Bildweg  γ=p∘γ~  verbindet dann x1 und x2 und längs dieses Weges kann man f1 in f2 überführen. Dazu wählt man eine Überdeckung von γ~([0,1]) mit offenen Mengen, die unter p homöomorph auf offene Mengen von X abgebildet werden, wozu eine endliche Teilüberdeckung gehört.

◻



Korollar  

Es seien X und Y zusammenhängende riemannsche Flächen und sei p:Y→X eine Überlagerung. Es sei f eine holomorphe Funktion auf Y und es seien  y1,y2∈Y  Punkte über  x∈X. 

Dann entstehen die holomorphen Funktionskeime  f1,f2∈𝒪X,x  die aus f durch die induzierten Isomorphismen

θi:𝒪Y,yi⟶𝒪X,x

gestiftet werden, wechselseitig durch analytische Fortsetzung.

Beweis  

Dies ist ein Spezialfall von Fakt.

◻



Lemma  

Es sei X eine riemannsche Fläche,  P∈X  und  f∈𝒪X,P  ein holomorpher Funktionskeim. Dann besitzt diejenige Zusammenhangskomponente Z des Ausbreitungsraumes E zur Strukturgarbe, die den Punkt (P,f) enthält, folgende Eigenschaften.

  1. Es gibt eine holomorphe Funktion g:Z→ℂ, die den Keim f (aufgefasst in 𝒪Z,(P,f)) fortsetzt.
  2. Das Bild von
    Z⟶X

    besteht aus allen Punkten  Q∈X,  für die es eine analytische Fortsetzung von f zu einem Keim in Q gibt.

Beweis  

  1. Dies ergibt sich durch Einschränkung der holomorphen Auswertungsabbildung aus Fakt auf  Z⊆E. 
  2. Dies folgt aus Fakt.
◻



Wir betrachten die riemannsche Fläche

X=ℂ×=ℂ∖{0}.

Zur komplexen Exponentialfunktion

exp⁡:ℂ⟶ℂ×

gibt es lokal Umkehrfunktionen, die komplexe Logarithmen heißen. Die Existenz folgt aus dem Satz über die Umkehrabbildung oder aus der lokalen Existenz für Stammfunktionen zu 1/w. Auf einer offenen Teilmenge  U⊆ℂ×  unterscheiden sich zwei Logarithmen um ein additives Vielfaches von 2πi. Im Punkt 1 ist die Potenzreihe

∑k=1∞(−1)k+11k(w−1)k

die Taylorreihe eines Logarithmus mit Konvergenzradius 1. Diese Potenzreihe lässt sich auf einfach zusammenhängendes U eindeutig fortsetzen, aber nicht auf ℂ×. Die Fortsetzung auf ℂ∖ℝ≤0 nennt man auch den Hauptzweig des komplexen Logarithmus.

Nach Fakt (mit f=z) gehen die verschiedenen Logarithmen in einem Punkt auseinander durch analytische Fortsetzung hervor. Mit jeder Umdrehung des Nullpunktes erreicht man eine Verschiebung des Logarithmus um 2πi.