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Satz über Umkehrabbildung/R/Textabschnitt

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Der Satz über die (lokale) Umkehrabbildung gehört zu den wichtigsten Sätzen der mehrdimensionalen Analysis. Er besagt, dass eine stetig differenzierbare Abbildung φ zwischen endlichdimensionalen reellen Vektorräumen, für die das totale Differential in einem Punkt P bijektiv ist (was voraussetzt, dass die Dimension des Definitionsraums mit der Dimension des Zielraums übereinstimmt), die Abbildung selbst auf geeigneten kleinen offenen Umgebungen von P und von φ(P) eine Bijektion ist. D.h. die Abbildung verhält sich lokal so wie das totale Differential.

Wir brauchen einige Vorbereitungen. Der Beweis des folgenden Lemmas ist schon eine gute Einstimmung für den Beweis des folgenden Hauptsatzes.



Lemma  

Es seien V1 und V2 endlichdimensionale reelle Vektorräume, U1V1 und U2V2 offene Teilmengen und sei

φ:U1U2V2

eine bijektive differenzierbare Abbildung. Sei  PU1.  Das totale Differential

(Dφ)P

sei bijektiv und die Umkehrabbildung

ψ:U2U1

sei stetig in  Q=φ(P)

Dann ist die Umkehrabbildung differenzierbar in Q und für ihre Ableitung gilt

(Dψ)Q=((Dφ)P)1.

Beweis  

Zuerst kann man durch Verschiebungen im Definitionsraum und im Zielraum annehmen, dass  P=0  und  φ(P)=0  ist. Es sei  D=(Dφ)P  die durch das totale Differential gegebene bijektive lineare Abbildung mit der linearen Umkehrabbildung D1. Wir betrachten die Gesamtabbildung

U1φV2D1V1.

Diese ist wieder differenzierbar, und das totale Differential davon ist  D1D=Id  nach der Kettenregel. Wenn wir für diese zusammengesetzte Abbildung die Aussage zeigen können, so folgt die Aussage auch für φ, da eine lineare Abbildung differenzierbar ist. Wir können also annehmen, dass φ eine differenzierbare Abbildung mit  φ(0)=0  ist, deren totales Differential in 0 die Identität ist.
Nach diesen Reduktionen bedeutet die Differenzierbarkeit von φ in 0, dass der Limes

limv0φ(v)vv=0

ist. Wir müssen entsprechend für die Umkehrabbildung ψ die Beziehung

limw0ψ(w)ww=0

zeigen. Es genügt, dies für jede Folge wn0 nachzuweisen. Eine solche Folge kann man eindeutig als  wn=φ(vn)  (mit vn=ψ(wn)) schreiben und aufgrund der vorausgesetzten Stetigkeit von ψ konvergiert auch die Folge (vn)n gegen 0. Also ist

ψ(wn)wnwn=ψ(φ(vn))φ(vn)φ(vn)=vnφ(vn)φ(vn)=φ(vn)vnφ(vn).

Wegen  φ(v)=v+vr(v)  mit  limv0r(v)=0  gibt es eine hinreichend kleine Umgebung von 0 derart, dass

φ(v)=v+vr(v)12v.

Daher lässt sich die obere Gleichungskette (für n hinreichend groß) fortsetzen durch

2φ(vn)vnvn,

und dies konvergiert gegen 0.


Im Allgemeinen ist eine differenzierbare Abbildung nicht bijektiv. Man kann das Lemma aber häufig anwenden, indem man zu einer kleineren offenen Umgebung des Punktes P übergeht und für diese die Bijektivität auf das Bild zeigt.


Der folgende Satz, der Satz über die lokale Umkehrabbildung, besagt, dass eine stetig differenzierbare Abbildung in einer geeigneten offenen Umgebung eines Punktes bijektiv ist, wenn die Ableitung in diesem Punkt bijektiv ist. D.h., dass sich die Abbildung lokal so verhält wie die lineare Approximation. Die Bedingung, dass das totale Differential in einem Punkt bijektiv ist, lässt sich einfach mit der Determinante überprüfen.



Satz  

Es seien V1 und V2 endlichdimensionale reelle Vektorräume, sei  GV1  offen und es sei

φ:GV2

eine stetig differenzierbare Abbildung. Es sei  PG  ein Punkt derart, dass das totale Differential

(Dφ)P

bijektiv ist.

Dann gibt es eine offene Menge  U1G  und eine offene Menge  U2V2  mit  PU1  und mit  φ(P)U2  derart, dass φ eine Bijektion

φ|U1:U1U2

induziert, und dass die Umkehrabbildung

(φ|U1)1:U2U1

ebenfalls stetig differenzierbar ist.

Beweis  

  Wir beginnen mit einigen Reduktionen. Zuerst kann man durch Verschiebungen im Definitionsraum und im Zielraum annehmen, dass  P=0  und  φ(P)=0  ist. Es sei  D=(Dφ)P  die durch das totale Differential gegebene bijektive lineare Abbildung mit der linearen Umkehrabbildung D1. Wir betrachten die Gesamtabbildung

GφV2D1V1.

Diese ist wieder stetig differenzierbar, und das totale Differential davon ist  D1D=Id.  Wenn wir für diese zusammengesetzte Abbildung die Aussage zeigen können, so folgt die Aussage auch für φ, da eine lineare Abbildung stetig differenzierbar ist. Wir können also annehmen, dass φ:V1V1=V2 eine stetig differenzierbare Abbildung mit  φ(0)=0  ist, deren totales Differential in 0 die Identität ist. Wir werden dennoch von V1 und V2 sprechen, um klar zu machen, ob sich etwas im Definitionsraum oder im Zielraum abspielt.
Sei  yV2  fixiert. Wir betrachten die Hilfsabbildung

Hy:GV2,xHy(x)=xφ(x)+y.

Diese Hilfsabbildung erfüllt folgende Eigenschaft: Ein Punkt  xG  ist genau dann ein Fixpunkt von Hy, also ein Punkt mit  Hy(x)=xφ(x)+y=x,  wenn  φ(x)=y  ist, d.h. wenn x ein Urbild von y unter φ ist. Die Abbildungen Hy sind selbst stetig differenzierbar und es gilt  (DHy)x=Id(Dφ)x
  Wir möchten den Banachschen Fixpunktsatz auf Hy anwenden, um dafür einen Fixpunkt zu gewinnen und diesen als Urbildpunkt von y unter φ nachweisen zu können. Wir fixieren eine euklidische Norm. Wegen der Stetigkeit von x(Dφ)x und wegen

(Dφ)0=Id

gibt es ein r, r>0, derart, dass für alle  xB(0,r)  die Abschätzung

(DHy)x=Id(Dφ)x12

gilt. Für jedes  xB(0,r)  gilt daher nach der Mittelwertabschätzung die Abschätzung

xφ(x)=H0(x)=H0(x)H0(0)12x.

Für yB(0,r2) und xB(0,r) gilt

Hy(x)=xφ(x)+yxφ(x)+yx2+r2r2+r2=r.

Für jedes  yB(0,r2)  liegt also eine Abbildung

Hy:B(0,r)B(0,r)

vor.
Wegen der oben formulierten Ableitungseigenschaft und aufgrund der Mittelwertabschätzung gilt für zwei Punkte  x1,x2B(0,r)  die Abschätzung

Hy(x1)Hy(x2)12x1x2,

sodass Hy eine stark kontrahierende Abbildung ist. Da ein euklidischer Vektorraum und damit auch die abgeschlossene Kugel B(0,r) vollständig sind (siehe Aufgabe und Aufgabe), besitzt jede Abbildung Hy aufgrund des Banachschen Fixpunktsatzes genau einen Fixpunkt aus B(0,r2), den wir mit ψ(y) bezeichnen. Aufgrund der eingangs gemachten Überlegung ist  φ(ψ(y))=y
Zu  yU(0,r2)  gehört das eindeutige Urbild  xB(0,r)  zur offenen Kugel U(0,r), wie die obige Abschätzung zeigt. Wir setzen U2=U(0,r2) und U1=φ1(U2)U(0,r), wobei U1 aufgrund der Stetigkeit von φ offen ist. Die eingeschränkte Abbildung

φ|U1:U1U2,xφ(x)

ist wieder stetig und bijektiv. Insbesondere gibt es eine Umkehrabbildung

ψ:U2U1,

die wir als stetig differenzierbar nachweisen müssen.
Wir zeigen zuerst, dass ψ Lipschitz-stetig ist mit der Lipschitz-Konstanten 2. Seien  y1,y2U2  gegeben mit den eindeutigen Elementen  x1,x2U1  mit φ(x1)=y1 und φ(x2)=y2. Es gelten die Abschätzungen

x2x1=H0(x2)+φ(x2)H0(x1)φ(x1)H0(x2)H0(x1)+φ(x2)φ(x1)12x2x1+φ(x2)φ(x1),

wobei die letzte Abschätzung auf obiger Überlegung beruht. Durch Umstellung ergibt sich

ψ(y2)ψ(y1)=x2x12y2y1.

Aufgrund von Fakt ist ψ auch differenzierbar und es gilt die Formel

(Dψ)y=((Dφ)ψ(y))1.

Aus dieser Darstellung lässt sich auch die stetige Abhängigkeit der Ableitung von y ablesen, da ψ stetig ist, da das totale Differential von φ nach Voraussetzung stetig von  x=ψ(y)  abhängt und da das Bilden der Umkehrmatrix ebenfalls stetig ist.