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Invariantentheorie/Galoistheorie/Beziehung für Integritätsbereich/Textabschnitt

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Es sei eine Gruppe, die auf einem Integritätsbereich als Gruppe von Ringautomorphismen operiere. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. Der Invariantenring ist ein Integritätsbereich.
  2. Die Operation induziert eine Operation von auf dem Quotientenkörper als Gruppe von Körperautomorphismen.
  3. Es ist  
  4. Es ist

(1) ist wegen    klar.
(2). Es sei    der Quotientenkörper von . Zu jedem    setzt sich der Ringautomorphismus aufgrund der universellen Eigenschaft der Nenneraufnahme zu einem Körperautomorphismus fort.
(3). Ein Element aus dem Quotientenkörper hat die Form mit invarianten Elementen  .  Es ist also insbesondere invariant unter der induzierten Operation auf . Daher gilt  
(4). Die Inklusion    ist direkt klar. Die andere Inklusion ergibt sich, da die Operation von auf eingeschränkt auf die ursprüngliche Operation ist. Wenn also    ist und aufgefasst in invariant ist, so ist es überhaupt invariant.



Bei einer endlichen Gruppe gilt in Fakt  (3) sogar Gleichheit, wie die folgende Aussage zeigt.


Es sei eine endliche Gruppe, die auf einem Integritätsbereich als Gruppe von Ringautomorphismen operiere.

Dann ist

Die Inklusion    gilt nach Fakt  (3) für jede Gruppe. Zum Beweis der Umkehrung seien , , mit    gegeben. Wir betrachten

Dann gelten in die Identitäten

Nach Voraussetzung ist der Bruch und in dieser Darstellung offenbar auch der Nenner (siehe Aufgabe) invariant. Also muss auch der Zähler invariant sein und somit ist  



Es sei ein unendlicher Körper. Wir betrachten auf    die Operation von durch skalare Multiplikation. Zu    gehört also der durch gegebene -Algebrahomomorphismus. Der Invariantenring dazu ist , also ein Körper. Der Quotientenkörper von ist der Funktionenkörper in zwei Variablen. Sein Invariantenring unter der Operation ist , also der Funktionenkörper in einer Variablen. In dieser Situation gilt also


Mit Fakt hängt die Invariantentheorie von Integritätsbereichen eng mit der Galoistheorie des Quotientenkörpers zusammen. In der Situation des Satzes ist bei endlichem die Körpererweiterung    eine Galoiserweiterung, wie aus dem Satz von Artin folgt. ist ja gerade der Fixring unter den Körperautomorphismen zu . Die Untergruppen    liefern Zwischenkörper    und    ist der zugehörige Zwischenring (man darf aber nicht erwarten, dass es eine bijektive Korrespondenz zwischen Zwischenringen und Untergruppen gibt). Häufig besitzen Aussagen der Invariantentheorie stärkere Analoga in der Galoistheorie. Zu Fakt  (3) vergleiche man etwa die Rückrichtung von Fakt  (1).

Es gibt aber auch erhebliche Unterschiede zwischen Invariantentheorie und Galoistheorie. Beispielsweise geht man in der klassischen Galoistheorie eher von einem Grundkörper aus und untersucht Körpererweiterungen    zusammen mit der -Automorphismengruppe von , während man in der klassischen Invariantentheorie eher mit dem Erweiterungsring anfängt und versucht, die Fixringe zu einer gewissen Operation zu bestimmen. Auch in der Invariantentheorie wird häufig ein Grundkörper vorausgesetzt, doch tritt dieser kaum als Invariantenring auf, sondern übernimmt die Rolle, dass alle beteiligten Ringe -Algebren über diesem Körper und alle Ringhomomorphismen -Algebrahomomorphismen sind. Beispielsweise ist die Bestimmung von Invariantenringen zum Polynomring zu (linearen) Gruppenoperationen schon ein riesiges Teilgebiet der Invariantentheorie.