Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 20
- Homomorphismen und Matrizen
Es sei ein kommutativer Ring und , zwei endliche - Moduln mit den Erzeugendensystemen und .
Zu einem Modulhomomorphismus
- Matrix
wobei die -te Komponente von bezüglich einer Darstellung im Erzeugendensystem ist, eine beschreibende Matrix zu bezüglich der Erzeugendensysteme.
Wenn zudem linear unabhängig ist, also eine Basis ist, dann heißt zu einer Matrix der durch
gemäß Satz 19.11 definierte Modulhomomorphismus der durch festgelegte Modulhomomorphismus.
Es sei ein kommutativer Ring und seien und endlich erzeugte freie Moduln über . Es sei eine Basis von und eine Basis von mit den zugehörigen Abbildungen
und
Es sei
ein - Modulhomomorphismus mit beschreibender Matrix .
Dann ist
d.h. das Diagramm
ist kommutativ.
Zu einem Vektor kann man ausrechnen, indem man das Koeffiziententupel zu bezüglich der Basis bestimmt, darauf die Matrix anwendet und zu dem sich ergebenden -Tupel den zugehörigen Vektor bezüglich berechnet.
Es sei ein kommutativer Ring und sei ein freier Modul mit einer Basis und sei ein freier Modul mit einer Basis .
Dann sind die in Definition 20.1 festgelegten Abbildungen
invers zueinander.
Wir zeigen, dass beide Hintereinanderschaltungen die Identität sind. Wir starten mit einer Matrix und betrachten die Matrix
Zwei Matrizen sind gleich, wenn für jedes Indexpaar die Einträge übereinstimmen. Es ist
Es sei nun ein Modulhomomorphismus, und betrachten wir
Zwei Modulhomomorphismen stimmen nach Lemma 19.4 überein, wenn man zeigen kann, dass sie auf der Basis übereinstimmen. Es ist
Dabei ist nach Definition der Koeffizient die -te Koordinate von bezüglich der Basis . Damit ist diese Summe gleich .
Bei der Korrespondenz zwischen Modulhomomorphismen zwischen freien Moduln und Matrizen entsprechen sich die Hintereinanderschaltung von Homomorphismen und die Matrizenmultiplikation.
Damit ist folgendes gemeint: es seien freie - Moduln über einem kommutativen Ring mit Basen
Es seien
Modulhomomorphismen. Dann gilt für die beschreibenden Matrizen von und der Hintereinanderschaltung die Beziehung
Wir betrachten die Abbildungskette
Bezüglich der Basen werde durch die -Matrix und durch die -Matrix beschrieben. Die Hintereinanderschaltung wirkt auf einen Basisvektor folgendermaßen.
Dabei sind diese Koeffizienten gerade die Einträge in der Produktmatrix .
Es seien und endlich erzeugte freie Moduln über einem kommutativen Ring. Es seien und Basen von und und Basen von . Es sei
ein - Modulhomomorphismus, der bezüglich der Basen und durch die Matrix beschrieben werde.
Dann wird bezüglich der Basen und durch die Matrix
beschrieben, wobei und die Übergangsmatrizen sind, die die Basiswechsel von nach und von nach beschreiben.
Die linearen Standardabbildungen bzw. zu den Basen seien mit bezeichnet. Wir betrachten das kommutative Diagramm
wobei die Kommutativität auf Lemma 18.17 und Lemma 20.2 beruht. In dieser Situation ergibt sich insgesamt
Es sei ein kommutativer Ring und es sei ein endlich erzeugter freier Modul über . Es sei
ein Modulhomomorphismus. Es seien und Basen von .
Dann besteht zwischen den Matrizen, die die lineare Abbildung bezüglich bzw. (beidseitig) beschreiben, die Beziehung
Dies folgt direkt aus Lemma 20.5.
Es sei ein kommutativer Ring und es sei
ein - Modulhomomorphismus, der bezüglich der Standardbasis durch die - Matrix beschrieben werde. Dann sind folgende Eigenschaften äquivalent.
- ist bijektiv.
- Die Matrix ist invertierbar.
- Die Spalten der Matrix bilden eine Basis von .
Diese Eigenschaften können nur bei erfüllt sein.
Die Äquivalenz von (1) und (2) beruht auf Satz 20.4. Wenn bijektiv ist mit der Umkehrfunktion , und wenn die Matrix zu bezeichnet, so sind und die Einheitsmatrix, da diese der Identität entspricht. Wenn umgekehrt eine inverse Matrix besitzt, so gehört zu ihr wiederum eine lineare Abbildung , die mit verknüpft die Identität sein muss. Die Äquivalenz von (1) und (3) beruht auf Lemma 19.12 (3). Der Zusatz ergibt sich aus Satz 18.15.
- Die Spur
Es sei ein kommutativer Ring und sei ein endlicher freier Modul über . Es sei ein Modulhomomorphismus, die bezüglich einer Basis durch die Matrix beschrieben werde. Dann nennt man die Spur von , geschrieben .
Nach Aufgabe 20.1 ist dies unabhängig von der gewählten Basis.
- Die Dimensionsformel
Die folgende Aussage heißt Dimensionsformel.
Es sei ein Körper, und seien - Vektorräume und
sei eine - lineare Abbildung und sei endlichdimensional.
Dann gilt
Es sei . Es sei der Kern der Abbildung und seine Dimension (). Es sei
eine Basis von . Aufgrund des Basisergänzungssatzes gibt es Vektoren
derart, dass
eine Basis von ist. Wir behaupten, dass
eine Basis des Bildes ist. Es sei ein Element des Bildes . Dann gibt es ein mit . Dieses lässt sich mit der Basis als
schreiben. Dann ist
sodass sich als Linearkombination der schreiben lässt. Zum Beweis der linearen Unabhängigkeit der , , sei eine Darstellung der Null gegeben,
Dann ist
Also gehört zum Kern der Abbildung und daher kann man
schreiben. Da insgesamt eine Basis von vorliegt, folgt, dass alle Koeffizienten sein müssen, also sind insbesondere
.
Es sei ein Körper, und seien - Vektorräume und
sei eine - lineare Abbildung und sei endlichdimensional. Dann nennt man
den Rang von .
Die Dimensionsformel kann man auch als
ausdrücken.
Es sei eine lineare Abbildung mit endlichdimensional. Die Dimensionsformel besitzt die folgenden Spezialfälle. Wenn die Nullabbildung ist, so ist und
Wenn injektiv ist, so ist und
Der Rang liegt stets zwischen und der Dimension des Ausgangsraumes . Wenn surjektiv ist, so ist
und
Wir betrachten die durch die Matrix
gegebene lineare Abbildung
Zur Bestimmung des Kerns müssen wir das homogene lineare Gleichungssystem
lösen. Der Lösungsraum ist
und dies ist der Kern von . Der Kern ist also eindimensional und daher ist die Dimension des Bildes nach der Dimensionsformel gleich .
Es sei ein Körper und es seien und Vektorräume über der gleichen Dimension . Es sei
eine lineare Abbildung.
Dies folgt aus der Dimensionsformel und Lemma 5.12 (Einführung in die Algebra (Osnabrück 2009)) .
- Exaktheit
Es sei ein kommutativer Ring. Ein Kettenkomplex (oder einfach Komplex) ist eine Folge , , von - Moduln zusammen mit einer Folge von Modulhomomorphismenzusatz1
mit der Eigenschaft
für alle .
Dies bedeutet, dass an jeder Stelle
gilt.
Ein Kettenkomplex über einem kommutativen Ring heißt exakt an der Stelle , wenn
gilt. Er heißt exakt, wenn er an jeder Stelle exakt ist.
Dies bedeutet wiederum, dass an jeder Stelle
gilt.
Es sei ein kommutativer Ring und seien - Moduln. Man nennt ein Diagramm der Form
eine kurze exakte Sequenz von -Moduln, wenn ein -Untermodul von ist, und wenn ein Restklassenmodul von ist, der isomorph zu ist.
Zu einem Untermodul gehört stets die kurze exakte Sequenz
Es sei ein kommutativer Ring, und
eine kurze exakte Sequenz von -Moduln. Es sei ein Nichtnullteiler für .
Dann ist die Sequenz
ebenfalls exakt.
Die Exaktheit von
ergibt sich wegen
(nach Proposition 32.7 (2)) aus der Rechtsexaktheit des Tensorproduktes (Proposition 32.4 (2)). Es ist also noch die Injektivität von zu zeigen. Es sei hierzu vorgegeben mit der Eigenschaft, dass das Bild davon in gleich ist. Das bedeutet
in mit einem . Wegen
in und der Nichtnullteilereigenschaft ist
Das bedeutet und somit
in .
| << | Kurs:Kommutative Algebra/Teil I | >> |
|---|