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Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 24

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Der Hilbertsche Nullstellensatz

Im Folgenden werden für eine - Algebra die Begriffe endlich und endlich erzeugt wichtig sein. Ersteres bedeutet, dass , aufgefasst als - Modul, endlich erzeugt ist, das zweite, dass als Algebra endlich erzeugt ist. Der Polynomring ist im letzteren Sinne endlich erzeugt, und zwar bilden die Variablen ein endliches Algebra-Erzeugendensystem. Der Polynomring ist aber nicht als Modul endlich erzeugt, das einfachste Modul-Erzeugendensystem ist durch alle Monome gegeben.

Wir wollen die algebraische Version des Hilbertschen Nullstellensatzes beweisen. Dazu benötigen wir die beiden folgenden Lemmata.



Es sei ein noetherscher kommutativer Ring und eine endlich erzeugte -Algebra. Es sei    eine -Unteralgebra, über der endlich (als -Modul) sei.

Dann ist auch eine endlich erzeugte -Algebra.

Wir schreiben    und    mit  .  Wir setzen und mit Koeffizienten  .  Wir betrachten die von diesen Koeffizienten erzeugte -Unteralgebra von und den - Untermodul  .  Die Produkte gehören wieder zu diesem Modul, daher ist sogar eine -Algebra. Weil die ebenfalls zu gehören, gilt sogar  .  Dies bedeutet, dass ein endlicher -Modul ist. Nach Korollar 14.5 ist ein noetherscher Ring und nach Satz 23.3 ist der -Untermodul    ebenfalls endlicher -Modul. Die Kette    zeigt schließlich, dass eine endlich erzeugte -Algebra ist.



Es sei ein Körper und    der zugehörige rationale Funktionenkörper.

Dann ist keine endlich erzeugte -Algebra.

Es sei angenommen, dass die rationalen Funktionen , , ein endliches Erzeugendensystem von bilden, mit , . Durch Übergang zu einem Hauptnenner kann man annehmen, dass die Nenner    gleich sind. Die Annahme bedeutet also insbesondere, dass der Körper der rationalen Funktionen sich durch Nenneraufnahme an nur einem Element ergeben würde. Da keine Konstante ist (sonst wäre , was nicht der Fall ist), ist    und daher ist  .  Also gibt es eine Darstellung

mit einem geeigneten . Daraus folgt  .  Da und das Einheitsideal in erzeugen, folgt daraus, dass bereits das Einheitsideal erzeugt, also selbst eine Einheit ist. Dann wäre aber doch eine Konstante, was es nicht ist.


Die folgende Aussage ist die algebraische Version des Hilbertschen Nullstellensatzes.


Es sei ein Körper und sei    eine Körpererweiterung, die (als -Algebra) endlich erzeugt sei.

Dann ist endlich über .

Wir setzen  .  Es sei der Quotientenkörper von (innerhalb von ). Wir haben also eine Körperkette

Wir wollen zeigen, dass endlich über ist, und dazu genügt es nach Korollar 18.25 zu zeigen, dass jeder Schritt in der Körperkette endlich ist. Es sei angenommen, dass    nicht endlich ist, aber alle folgenden Schritte endlich sind. Wir wenden Lemma 24.1 auf

an und erhalten, dass endlich erzeugt über ist. Dann ist insbesondere auch endlich erzeugt über . Andererseits ist der Quotientenkörper von . Wir haben also eine Kette

wo endlich erzeugt über ist, aber nicht endlich. Wäre algebraisch über , so auch endlich, und dann wäre bereits ein Körper nach Aufgabe 18.2. Dann wäre die letzte Kette insgesamt endlich, im Widerspruch zur Wahl von . Also ist transzendent über . Dann ist aber isomorph zu einem Polynomring in einer Variablen und ist isomorph zum rationalen Funktionenkörper über . Dieser ist aber nach Lemma 24.2 nicht endlich erzeugt, sodass sich erneut ein Widerspruch ergibt.



Es sei ein Körper und seien und zwei -Algebren von endlichem Typ. Es sei ein - Algebrahomomorphismus.

Dann ist für jedes maximale Ideal aus auch das Urbild ein maximales Ideal.

Es sei ein maximales Ideal aus . Wir wissen nach Aufgabe 10.3, dass unter jedem Ringhomomorphismus das Urbild eines Primideals wieder prim ist, also ist zunächst ein Primideal, das wir nennen. Wir erhalten induzierte Ringhomomorphismen

wobei ein Körper ist und wobei beide Homomorphismen injektiv und von endlichem Typ sind. Da die Gesamtabbildung von endlichem Typ ist und und Körper sind, folgt aus Satz 24.3, dass diese Abbildung endlich ist. Wir wollen zeigen, dass der Zwischenring ein Körper ist. Dies folgt aber aus Aufgabe 18.4.



Es sei ein Körper und sei eine -Algebra von endlichem Typ.

Dann ist jedes Radikal in der Durchschnitt von maximalen Idealen.

Nach Aufgabe 10.5 ist jedes Radikal der Durchschnitt von Primidealen. Es genügt also zu zeigen, dass jedes Primideal in einer endlich erzeugten Algebra der Durchschnitt von maximalen Idealen ist. Es sei ein Primideal und  .  Dann ist ein Primideal in der Nenneraufnahme  .  Es gibt ein (in ) maximales Ideal    oberhalb von . Wir fassen als endlich erzeugte -Algebra auf und betrachten

Dann ist    und  .  Nach Satz 24.4 ist maximal.



Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper und sei eine endlich erzeugte - Algebra.

Dann ist jeder Restklassenkörper von isomorph zu .

Anders formuliert: Jedes maximale Ideal in ist ein Punktideal.

Es sei ein maximales Ideal der endlich erzeugten -Algebra und betrachte

Hier ist ein Körper und zugleich eine endlich erzeugte -Algebra. Nach Satz 24.3 muss also eine endliche -Algebra sein. Da algebraisch abgeschlossen ist, muss    sein.




Noethersche Normalisierung

Die geometrische Idee zur noetherschen Normalisierung ist, dass man eine abgeschlossene Untervarietät    durch eine geeignete (und zwar generische) Projektion auf einen niedrigerdimensionalen affinen Raum als geometrisches Objekt mit endlichen Fasern über einer Varietät (wobei nicht klar ist, warum das Bild wieder affin-algebraisch ist)    realisieren kann. Bei    ist man fertig, andernfalls projiziert man weiter. Die Endlichkeit der Fasern wird durch die stärkere Eigenschaft, dass die Abbildung ein endlicher Morphismus ist, sichergestellt. Dass es hinreichend viele Projektionsmöglichkeiten gibt, erfordert im Fall eines endlichen Grundkörpers eine besondere Vorsicht.



Es sei ein Körper und    ein von verschiedenes Polynom.

Dann gibt es einen - Algebraautomorphismus des Polynomringes derart, dass die Form

mit    und mit    für    besitzt.

Wir nehmen zusätzlich an, dass der Körper unendlich viele Elemente besitzt. Wir betrachten lineare Automorphismen der Form    für    und  .  Es sei

die Zerlegung in die homogenen Komponenten. Wir setzen  .  in ein, wobei aus einem Monom vom maximalen Grad der Ausdruck

wird. Wenn man dies ausmultipliziert, so erhält man einen Ausdruck plus eine Summe von Monomen mit Koeffizienten, in denen neben zumindest noch eine weitere Variable vorkommt. Die Summe über alle Ausdrücke der Form zu vom Grad stimmt dabei mit

überein. Wegen    und da der Körper unendlich ist, gibt es Tupel derart, dass dies nicht ist.



Es sei ein Körper und eine - Algebra vom endlichen Typ.

Dann gibt es algebraisch unabhängige Elemente    derart, dass

endlich ist.


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