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Kurs:Lineare Algebra/Teil I/44/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Punkte 3 3 1 2 1 3 2 4 4 1 3 3 4 8 3 2 6 8 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine injektive Abbildung
    f:LM.
  2. Die Assoziativität einer Verknüpfung
    :M×MM,(x,y)xy.
  3. Ähnliche Matrizen M,NMatn(K).
  4. Der Eigenraum zu λK und einem Endomorphismus
    φ:VV

    auf einem K-Vektorraum V.

  5. Die Teilerbeziehung zwischen den Polynomen T und P aus K[X].
  6. Eine Jordanmatrix zu einem Eigenwert λ.


Lösung

  1. Die Abbildung
    f:LM

    ist injektiv, wenn für je zwei verschiedene Elemente x,yL auch f(x) und f(y) verschieden sind.

  2. Eine Verknüpfung
    :M×MM,(x,y)xy,

    heißt assoziativ, wenn für alle x,y,zM die Gleichheit

    (xy)z=x(yz)

    gilt.

  3. Die Matrizen M,N heißen ähnlich, wenn es eine invertierbare Matrix B mit  M=BNB1  gibt.
  4. Man nennt
    Eigλ(φ):={vVφ(v)=λv}

    den Eigenraum von φ zum Wert λ.

  5. Man sagt, dass ein Polynom TK[X] ein Polynom PK[X] teilt, wenn es ein Polynom QK[X] mit
    P=TQ

    gibt.

  6. Unter einer Jordanmatrix (zum Eigenwert λ) versteht man eine quadratische Matrix der Form
    (λ1000λ10000λ1000λ100λ).


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Lösungsmenge zu einem linearen Gleichungssystem in Dreiecksgestalt über einem Körper K.
  2. Die Dimensionsformel für eine lineare Abbildung
    φ:VW.
  3. Der Satz über die algebraische Struktur des Signums.


Lösung

  1. Es sei ein inhomogenes lineares Gleichungssystem über einem Körper K in Dreiecksgestalt
    a11x1+a12x2+a1mxm+a1nxn=c10a22x2+a2nxn=c2=00ammxm+amnxn=cm

    gegeben, wobei vorne die Diagonalelemente alle ungleich 0 seien. Dann stehen die Lösungen (x1,,xm,xm+1,,xn) in Bijektion zu den Tupeln

     (xm+1,,xn)Knm
  2. Unter der Bedingung, dass V endlichdimensional ist, gilt
    dimK(V)=dimK(kernφ)+dimK(bildφ).
  3. Die durch das Signum gegebene Zuordnung
    Sn{1,1},πsgn(π),

    ist ein

    Gruppenhomomorphismus.


Aufgabe (1 Punkt)

Lege in der Skizze für die drei Häuser überschneidungsfrei Wege zu den zugehörigen gleichfarbigen Gartentoren an.


Lösung


Aufgabe (2 Punkte)

Die Partei „Zukunft für alle“ hat zwei Ziele.

  1. Millionäre entschädigungslos enteignen.
  2. Ein bedingungsloses monatliches Grundeinkommen von 1200 Euro für jeden Erwachsenen.

Hans hat kein Geld und hat mit Geld auch nichts am Hut, er ist jetzt gerade 18 geworden und lebt allein auf einem kleinen Bauernhof als Selbstversorger, ohne Einnahmen, ohne Ausgaben, und das soll in seinem Leben auch so bleiben. Vorausgesetzt, das Parteiprogramm wird Gesetz, wie alt muss Hans (in Jahren und Monaten) werden, bis er enteignet wird?


Lösung

Er wird enteignet, wenn das angesammelte Grundeinkommen die Millionengrenze erstmals überschreitet. Im Jahr bekommt er 14400 Euro. Es ist

1000000:14400=69,44...

Jahre, also braucht er 69 Jahre und 6 Monate. Er muss also 87 einhalb Jahre alt werden.


Aufgabe (1 Punkt)

Es sei K ein Körper und xK, x0 ein Element. Erläutere, warum es sinnvoll ist, für das inverse Element zu x die Bezeichnung x1 zu verwenden.


Lösung

Das inverse Element zu x ist durch die Eigenschaft  xy=1  ausgezeichnet. Die Bezeichnung x1 für dieses y ermöglicht es, die Potenzschreibweise auszudehnen, da dann

xx1=x1x1=x11=x0=1

gilt.


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Wir betrachten die Menge U der 2×2-Matrizen der Form

(abba)

mit  a,b

a) Zeige, dass U ein Untervektorraum im Raum aller 2×2-Matrizen ist.


b) Bestimme eine Basis von U.


c) Bestimme die Dimension von U.


Lösung


a) Die Nullmatrix erhält man für  a=b=0,  ferner sind

(abba)+(cddc)=(a+cb+db+da+c)

und

s(abba)=(sasbsdsa)

wieder von dieser Bauart.


b) Wegen

(abba)=a(1001)+b(0110)

bilden (1001) und (0110) eine Basis von U.


c) Damit ist die Dimension von U gleich 2.


Aufgabe (2 Punkte)

Beweise den Satz über den Basiswechsel.


Lösung

Dies folgt direkt aus

u=j=1nsjvj=j=1nsj(i=1ncijwi)=i=1n(j=1nsjcij)wi

und der Definition der Matrizenmultiplikation.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei eine lineare Abbildung

φ:32

mit

φ(410)=(51),φ(116)=(05) und φ(342)=(32)

gegeben. Berechne

φ(223).


Lösung

Wir lösen zuerst das lineare Gleichungssystem

a(410)+b(116)+c(342)=(223).

Die Zeilenoperation  IV=I+4II  führt auf

(IV)5b13c=6

und  V=5III+6IV  führt auf

(V)88c=21.

Damit ist

c=2188

und

b=65135c=651352188=528273440=255440=5188

und

a=b4c+2=518842188+2=5184+17688=4188.

Also ist

φ(223)=φ(4188(410)+5588(116)+2188(342))=188(41(51)+55(05)+21(32))=188(2056341+275+42)=188(142358)=144(71179).


Aufgabe (4 Punkte)

Man gebe ein Beispiel für eine lineare Abbildung

φ:22,

die nicht injektiv ist, deren Einschränkung

22

aber injektiv ist.


Lösung

Wir betrachten die durch die Matrix

(1200)

gegebene lineare Abbildung

22.

Dies ist nicht injektiv, das Element (21) gehört zum Kern. Wir betrachten diese Abbildungsvorschrift nun als -lineare Abbildung

22,(xy)(x+y20).

Wenn auch diese Abbildung einen nichttrivialen Kern hätte, so würde es rationale Zahlen  x,y0  mit

x+y2=0

geben. Doch dann wäre

x/y=2,

was der Irrationalität von 2 widerspricht.


Aufgabe (1 Punkt)

Man gebe ein Beispiel einer Abbildung

nn,

die jeden Untervektorraum auf sich selbst abbildet, die aber nicht linear ist.


Lösung erstellen


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die inverse Matrix zu

(1120301002).


Lösung

(1120301002) (100010001)
(11200361001) (1003100012)
(11200360001) (10031120012)
(1120010001) (1001121361720012)
(100010001) (013161121361720012)


Aufgabe (3 Punkte)

Es seien V,W Vektorräume über dem Körper K. Zeige, dass die Abbildung

V×HomK(V,W)W,(v,φ)φ(v),

bilinear ist.


Lösung

Es sei zunächst  vV  fixiert. Für  φ1,φ2HomK(V,W)  ist

(φ1+φ2)(v)=φ1(v)+φ2(v)

und für  sK  ist

(sφ)(v)=sφ(v)

aufgrund der Definition der Vektorraumstruktur auf dem Homomorphismenraum. Es sei nun  φHomK(V,W)  fixiert und  v1,v2V.  Es ist

φ(v1+v2)=φ(v1)+φ(v2)

und

φ(sv)=sφ(v)

aufgrund der Linearität von φ.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die komplexen Zahlen z, für die die Matrix

(zz+30123zz4)

nicht invertierbar ist.


Lösung

Die Matrix ist genau dann invertierbar, wenn ihre Determinante nicht 0 ist. Es ist

det(zz+30123zz4)=z(8+3z)(z+3)(43z)=6z2+13z12.

Die Lösungen von

z2+136z2=0

sind

z1,2=±13262+81362=±169+288361362=±4571312.

Für diese Werte ist also die Matrix nicht invertierbar.


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Satz, dass die Determinante alternierend ist.


Lösung

Wir beweisen die Aussage durch Induktion über n, wobei es für  n=1  nichts zu zeigen gibt. Es sei also  n2  und  M=(v1vn)=(aij)ij.  Die relevanten Zeilen seien vr und vs mit  r<s.  Nach Definition ist  detM=i=1n(1)i+1ai1detMi.  Nach Induktionsvoraussetzung sind dabei  detMi=0  für  ir,s,  da ja dann zwei Zeilen übereinstimmen. Damit ist

detM=(1)r+1ar1detMr+(1)s+1as1detMs,

wobei  ar1=as1  ist. Die beiden Matrizen Mr und Ms haben die gleichen Zeilen, allerdings tritt die Zeile  z=vr=vs  in Mr als die (s1)-te Zeile und in Ms als die r-te Zeile auf. Alle anderen Zeilen kommen in beiden Matrizen in der gleichen Reihenfolge vor. Durch insgesamt sr1 Vertauschungen von benachbarten Zeilen kann man Mr in Ms überführen. Nach der Induktionsvoraussetzung und Fakt ***** unterscheiden sich daher die Determinanten um den Faktor (1)sr1, also ist  detMs=(1)sr1detMr.  Setzt man dies oben ein, so erhält man

detM=(1)r+1ar1detMr+(1)s+1as1detMs=ar1((1)r+1detMr+(1)s+1(1)sr1detMr)=ar1((1)r+1+(1)2sr)detMr=ar1((1)r+1+(1)r)detMr=0.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei K ein Körper und sei K[X] der Polynomring über K. Betrachte die Abbildungen, bei der ein Polynom auf seine entsprechende Polynomfunktion abgebildet wird. Geben Sie einen Körper an, sodass die Abbildung injektiv ist und einen, für den sie es nicht ist.


Lösung

Die Abbildung, die einem Polynom ihre Polynomfunktion zuordnet, ist immer linear. Für  K=  ist diese Abbildung injektiv. Wenn nämlich  P0  den Grad d besitzt, so besitzt sie nach Korollar 19.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) höchstens n Nullstellen. Da es unendlich viele Elemente in gibt, kann die zugehörige Polynomfunktion nicht die Nullfunktion sein.

Wenn K der Körper mit den zwei Elementen 0 und 1 ist, so ist das Polynom

X(X+1)=X2+X

nicht das Nullpolynom, aber die zugehörige Polynomfunktion ist die Nullfunktion, da sie an beiden Stellen den Wert 0 besitzt.


Aufgabe (2 Punkte)

Führe in [X] die Division mit RestP durch T“ für die beiden Polynome P=8X3+X1 und T=2X2+5 durch.


Lösung

Es ist

8X3+X1=(2X2+5)4X19X1.


Aufgabe (6 (1+1+4) Punkte)

Wir betrachten die reelle Matrix

M=(764335002).


a) Bestimme das charakteristische Polynom von M.


b) Bestimme die Faktorzerlegung des charakteristischen Polynoms von M.


c) Bestimme die Eigenräume zu M.


Lösung


a) Es ist

χM=det((X000X000X)(764335002))=det(X7643X+3500X2)=((X7)(X+3)18)(X2)=(X24X39)(X2)=X36X231X+78.


b) Die GLeichung

X24X39=0

besitzt die reellen Lösungen

x1,2=±16+156+42=±172+42=±43+2.

Die Faktorzerlegung des charakteristischen Polynoms ist also

χM=(X243)(X2+43)(X2).


c) Der Eigenraum zu 2 ist der Kern von

(564355000).

Dessen Berechnung führt auf das lineare Gleichungssystem

5x6y+4z=0,
3x+5y5z=0.

Die Kombination 5I+4II ergibt die Gleichung

37x10y=0.

Wir setzen

x=10

und

y=37,

was auf

z=14(50222)=43

führt. Der Eigenraum zum Eigenwert 2 ist also (103743).

Der Eigenraum zu 2+43 ist der Kern von

(5+436435+4350043).

Dieser ist (5+4330).

Der Eigenraum zu 243 ist der Kern von

(54364354350043).

Dieser ist (54330).


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Satz über die Dimension der Haupträume.


Lösung

Wir schreiben das charakteristische Polynom zu φ als

χφ=(Xλ)kQ,

wobei (Xλ) in Q nicht als Linerarfaktor vorkommt, d.h. k ist die algebraische Vielfachheit von λ. Dann sind P=(Xλ)k und Q teilerfremd und nach Lemma 26.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist dann

V=kernP(φ)kernQ(φ)

und

P(φ)=(φλId)k:kernQ(φ)kernQ(φ)

ist eine Bijektion. Es ist ferner

H:=Hauptλ(φ)=kernP(φ),

wobei die Inklusion klar ist und die andere Inklusion sich daraus ergibt, dass höhere Potenzen von φλId wegen der eben erwähnten Bijektivität auf kernQ(φ) keine weiteren Elemente annullieren. Für das charakteristische Polynom gilt wegen der direkten Summenzerlegung nach Lemma 23.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) die Beziehung

χφ=χ1χ2,

wobei χ1 das charakteristische Polynom zu φ|H und χ2 das charakteristische Polynom zu φ|kernQ(φ) ist. Da (φλId)k auf H die Nullabbildung ist, ist das Minimalpolynom zu φ|H und damit auch das charakteristische Polynom χ1 eine Potenz von (Xλ), sagen wir

χ1=(Xλ)d,

wobei

d=dimK(H)

sei. Insbesondere ist somit  dk,  da χ1 ein Teiler von χφ ist. Bei  d<k  müsste λ eine Nullstelle von χ2 sein und λ wäre ein Eigenwert von φ|kernQ(φ). Dies ist aber ein Widerspruch dazu, dass P(φ) auf diesem Raum eine Bijektion ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei E ein affiner Raum über dem K-Vektorraum V. Es seien Pi, iI, und P,Q Punkte in E und iIaiPi eine baryzentrische Kombination. Zeige, dass

PQ+iIaiPi=QP+(iIaiPi),

wobei der linke Ausdruck als baryzentrische Kombination zu lesen ist.


Lösung

Es sei  RE  ein Punkt, von dem aus wir die baryzentrischen Kombinationen interpretieren. Dann ist

PQ+iIaiPi=R+RPRQ+iIaiRPi=R+RP+QR+iIaiRPi=R+QP+iIaiRPi=QP+(R+iIaiRPi)=QP+(iIaiPi).