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Differenzierbare Mannigfaltigkeit/Tangentialraum über Wege/Einführung/Textabschnitt

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Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und  PM  ein Punkt. Es seien

γ1:I1M

und

γ2:I2M

zwei auf offenen Intervallen  0I1,I2  definierte differenzierbare Kurven mit  γ1(0)=P=γ2(0).  Dann heißen γ1 und γ2 tangential äquivalent in P, wenn es eine offene Umgebung  PU  und eine Karte

α:UV

mit  Vn  derart gibt, dass

(α(γ1|γ11(U)))(0)=(α(γ2|γ21(U)))(0)

gilt.

Wir brauchen einige einfache Lemmata, um nachzuweisen, dass es sich hierbei um einen sinnvollen Begriff handelt.


Lemma  

Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und  PM  ein Punkt. Es seien

γ1:I1M

und

γ2:I2M

zwei auf offenen Intervallen  0I1,I2  definierte differenzierbare Kurven mit  γ1(0)=P=γ2(0)

Dann sind γ1 und γ2 genau dann tangential äquivalent in P, wenn für jede Karte

α:UV

mit  PU  und  Vn  die Gleichheit

(α(γ1|γ11(U)))(0)=(α(γ2|γ21(U)))(0)

gilt.

Beweis  

Für eine differenzierbare Kurve

γ:IM

mit  0I  und  γ(0)=P  und eine Karte

α:UV

(mit PU und  Vn ) ändert sich der Ausdruck

(α(γ|γ1(U)))(0)

nicht, wenn man zu einem kleineren offenen Intervall  0II  und einer kleineren offenen Menge  PUU  (mit der induzierten Karte) übergeht. Wir können also davon ausgehen, dass γ1 und γ2 auf dem gleichen Intervall definiert sind und ihre Bilder in U liegen, und dass es für dieses U zwei Karten

α1:UV1

und

α2:UV2

gibt. Dann folgt aus

(α1γ1)(0)=(α1γ2)(0)

nach der Kettenregel unter Verwendung der Differenzierbarkeit der Übergangsabbildung α2α11 sofort

(α2γ1)(0)=((α2α11)(α1γ1))(0)=(D(α2α11))α1(P)((α1γ1)(0))=(D(α2α11))α1(P)((α1γ2)(0))=(α2γ2)(0).



Lemma  

Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und  PM  ein Punkt.

Dann ist die tangentiale Äquivalenz von differenzierbaren Kurven durch P eine Äquivalenzrelation.

Beweis  

Die Reflexivität und die Symmetrie der Relation sind unmittelbar klar. Zum Nachweis der Transitivität seien drei differenzierbare Kurven

γ1,γ2,γ3:IM

gegeben, wobei wir sofort annehmen dürfen, dass sie auf dem gleichen offenen Intervall  0I  definiert sind. Es seien  PU1,U2  offene Mengen, mit denen man die tangentiale Gleichheit von γ1 und γ2 bzw. von γ2 und γ3 nachweisen kann. Dann kann man nach Fakt mit  U=U1U2  die tangentiale Gleichheit von γ1 und γ3 nachweisen.


Aufgrund dieses Lemmas ist die folgende Definition sinnvoll.


Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und  PM  ein Punkt. Unter einem Tangentialvektor an P versteht man eine Äquivalenzklasse von tangential äquivalenten differenzierbaren Kurven durch P. Die Menge dieser Tangentialvektoren wird mit

TPM

bezeichnet.



Lemma  

Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit,  PM  ein Punkt,  PUM  offen und

α:UV

eine Karte. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Die Abbildung
    TPMn,[γ](αγ|γ1(U))(0),

    ist eine wohldefinierte Bijektion.

  2. Die durch diese Abbildung auf TPM definierte Vektorraumstruktur ist unabhängig von der gewählten Karte.

Beweis  

(1). Die Wohldefiniertheit der Abbildung ist wegen Fakt klar. Die Injektivität folgt unmittelbar aus der Definition. Zur Surjektivität sei  vn.  Wir betrachten die affin-lineare Kurve

θ:n,tθ(t)=α(P)+tv,

dessen Ableitung in 0 gerade v ist. Wir schränken diese Kurve auf ein Intervall  0I  derart ein, dass  θ(I)V  ist und betrachten

γ=α1θ:IM.

Für diese Kurve gilt

γ(0)=(α1θ)(0)=α1(θ(0))=α1(α(P))=P

und

(αγ)(0)=(α(α1θ))(0)=θ(0)=v.

(2). Durch Übergang zu kleineren offenen Mengen können wir annehmen, dass zwei Karten

α1:UV1

und

α2:UV2

vorliegen. Die Übergangsabbildung

α2α11:V1V2

ist ein C1-Diffeomorphismus und für ihr totales Differential in α1(P) gilt nach der Kettenregel die Beziehung

(D(α2α11))α1(P)((α1γ)(0))=(α2γ)(0).

Das bedeutet, dass das Diagramm

TPMnn,

wobei vertikal das totale Differential zu α2α11 steht, kommutiert. Da das totale Differential eine lineare Abbildung ist, die in der gegebenen Situation bijektiv ist, macht es keinen Unterschied, ob man die Addition und die Skalarmultiplikation auf TPM unter Bezug auf die obere oder die untere horizontale Abbildung definiert.



Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und  PM  ein Punkt. Unter dem Tangentialraum an P, geschrieben TPM, versteht man die Menge der Tangentialvektoren an P versehen mit der durch eine beliebige Karte gegebenen reellen Vektorraumstruktur.

Die Dimension des Tangentialraumes stimmt mit der Dimension der Mannigfaltigkeit überein. Jede Karte induziert einen Isomorphismus zwischen TPM und dem n, aber diese Isomorphismen hängen von der gewählten Karte ab. Insbesondere gibt es auf dem Tangentialraum keine Standardbasis.