Kurs:Diskrete Mathematik/3/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 2 | 6 | 3 | 4 | 3 | 4 | 3 | 3 | 7 | 7 | 4 | 5 | 3 | 4 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Die Fakultät einer natürlichen Zahl .
- Eine linksvollständige Relation .
- Eine obere Schranke zu einer Teilmenge in einer geordneten Menge .
- Der Typ einer Permutation auf einer endlichen Menge .
- Die Lapace-Matrix zu einem Multigraphen .
- Die chromatische Zahl eines Graphen.
- Unter der Fakultät von versteht man die Zahl
- Die Relation heißt linksvollständig, wenn es zu jedem ein mit gibt.
- Ein Element heißt obere Schranke für , wenn für jedes gilt.
- Man nennt das Tupel
mit
wobei die Anzahl der in vorkommenden Zyklen (einschließlich der Fixpunkte) bezeichnet und die die Längen dieser Zyklen bezeichnen, den Typ der Permutation.
- Zu einem
Multigraphen
versteht man unter der
Laplace-Matrix
die Differenz
aus Gradmatrix und Adjazenzmatrix .
- Die chromatische Zahl eines Graphen ist die minimale Anzahl an Farben, die man für eine zulässige Färbung benötigt.
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die Anzahl in der Potenzmenge zu einer endlichen Menge.
- Der Satz über die Beschreibung des Durchschnitts von Untergruppen von .
- Der Fünf-Farben-Satz.
- Es sei eine endliche Menge mit Elementen. Dann besitzt die Potenzmenge genau Elemente.
- Es seien ganze Zahlen. Dann ist
wobei das kleinste gemeinsame Vielfache
der ist. - Für jeden ebenen Graphen besteht eine zulässige Färbung mit höchstens fünf Farben.
Aufgabe (2 Punkte)
Ein Mann steht mit einem Wolf, einer Ziege und einem Kohl am Ufer eines Flusses und möchte diesen überqueren. Es steht ein Boot zur Verfügung, in dem neben ihm nur ein weiterer Passagier Platz hat. Wie kann er den Fluss überqueren, ohne dass dabei der Wolf die Ziege oder die Ziege den Kohl frisst?
- Er fährt mit der Ziege ans andere Ufer.
- Er fährt allein zurück.
- Er fährt mit dem Wolf ans andere Ufer.
- Er fährt mit der Ziege zurück.
- Er fährt mit dem Kohl ans andere Ufer.
- Er fährt allein zurück.
- Er fährt mit der Ziege ans andere Ufer.
Aufgabe (6 Punkte)
Beweise den Satz über die Wohldefiniertheit der Anzahl einer endlichen Menge.
Es seien die bijektiven Abbildungen
und
gegeben. Da man bijektive Abbildungen umkehren kann und da die Hintereinanderschaltung von bijektiven Abbildungen nach Aufgabe 3.27 (Mathematik für Anwender (Osnabrück 2020-2021)) (3) wieder bijektiv ist, ist auch
bijektiv. Wir müssen also nur die endlichen Standardmengen untereinander vergleichen. Wir müssen also zeigen, dass, wenn eine bijektive Abbildung
vorliegt, dann
ist. Dies zeigen wir durch Induktion nach . Wenn ist, so ist die Menge links leer und somit muss auch die rechte Menge leer sein, also ist dann auch . Es seien nun nicht , sodass sie also jeweils einen Vorgänger haben. Es sei der Vorgänger von und der Vorgänger von . Diese Zahlen sind eindeutig bestimmt, da die Nachfolgerabbildung injektiv ist. Wir setzen
Dann gibt es nach der Herausnahme von bzw. eine bijektive Abbildung
Nach Lemma 1.2 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) gibt es eine bijektive Abbildung zwischen und . Somit gibt es dann auch insgesamt eine bijektive Abbildung zwischen und . Nach Induktionsvoraussetzung ist , also auch
Aufgabe (3 (1.5+1.5) Punkte)
Ein Zug fährt Kilometer den Rhein abwärts mit einer Geschwindigkeit von kmh. Auf dem Rhein fahren Schiffe in beide Richtungen, alle mit einer Geschwindigkeit von kmh, wobei sie zu den gleichgerichteten Schiffen einen konstanten Abstand von km einhalten. Zu Beginn der Fahrt ist der Zug gleichauf mit zwei Schiffen (in beide Richtungen).
- Wie vielen entgegenkommenden Schiffen begegnet der Zug?
- Wie viele Schiffe überholt der Zug?
Wir denken uns die Rheinstrecke skaliert von bis , der Startort ist beim Nullpunkt und der Zielpunkt des Zuges ist bei . Aufgrund der Anfangsbedingung befinden sich zum Startzeitpunkt Schiffe in beide Richtungen in den Positionen
- Die entgegenkommenden Schiffe sind die in Gegenrichtung fahrenden Schiffe, die sich zum Startzeitpunkt an den Positionen bis befinden (das Schiff in der Position ist nach einer Stunde an der Position und begegnet zum Endzeitpunkt dem Zug). Dies sind insgesamt Schiffe.
- Die eingeholten Schiffe sind die in gleicher Richtung fahrenden Schiffe, die sich zum Startzeitpunkt an den Positionen bis befinden (das Schiff in der Position ist nach einer Stunde an der Position und wird zum Endzeitpunkt vom Zug eingeholt). Dies sind insgesamt Schiffe.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise die folgende Form des allgemeinen Distributivgesetzes für einen kommutativen Halbring durch Induktion über , wobei der Fall verwendet werden darf (dabei sind natürliche Zahlen und ).
Es sei die Aussage für ein bestimmtes bewiesen. Für Faktoren ist dann unter Verwendung der Induktionsvoraussetzung und unter Verwendung des Falles von zwei Faktoren
Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)
Die Karte zeigt Österreich mit seinen Bundesländern und den zugehörigen Hauptstädten (die Hauptstadt des Bundeslandes Wien ist Wien, Tirol ist ein Bundesland). Es sei die Menge der Bundesländer und sei die Relation auf , die die Angrenzungsbeziehung (Nachbarschaftsbeziehung) beschreibt. Dabei legen wir fest, dass ein Land auch zu sich selbst benachbart ist.
- Welche Eigenschaften einer Äquivalenzrelation erfüllt diese Relation?
- Bestimme die Faser zu Kärnten.
- Gibt es eine Kette in mit für alle , bei der jedes Bundesland genau einmal vorkommt?
- Die Relation ist offenbar symmetrisch und aufgrund der Festlegung auch reflexiv. Sie ist nicht transitiv, da beispielsweise Kärnten und Steiermark und Steiermark und Niederösterreich benachbart sind, aber nicht Kärnten und Niederösterreich.
- Die Faser zu Kärnten besteht aus Kärnten, Steiermark, Salzburg, Tirol.
- Das ist möglich: Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten, Tirol, Vorarlberg.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise das Lemma von Euklid für ganze Zahlen.
Wir setzen voraus, dass kein Vielfaches von ist (andernfalls sind wir fertig). Dann müssen wir zeigen, dass ein Vielfaches von ist. Unter der gegebenen Voraussetzung sind und teilerfremd. Nach dem Lemma von Bézout gibt es ganze Zahlen mit
Da ein Vielfaches von ist, gibt es ein mit
Daher ist
Also ist ein Vielfaches von .
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme das inverse Element zu in .
Der euklidische Algorithmus liefert
Somit ist
Daher ist
das inverse Element zu in .
Aufgabe (3 Punkte)
Es seien und endliche Mengen mit bzw. Elementen und sei
eine surjektive Abbildung. Wie viele Abbildungen
mit
gibt es?
Die Elemente aus seien mit bezeichnet. Zu jedem sei
und
die Anzahl der Elemente aus , die auf abgebildet werden. Wegen der Surjektivität ist stets . Da
gelten soll, muss für jedes gelten. Somit gibt es
Möglichkeiten für solche Abbildungen.
Aufgabe (7 (3+1+1+2) Punkte)
Es sei eine Äquivalenzrelation auf einer Menge und eine Äquivalenzrelation auf einer Menge , die zueinander mittels der beiden bijektiven Abbildungen
isomorph seien. Es gilt also (in ) genau dann, wenn (in ) gilt.
- Zeige, dass (und ebenso ) eine Äquivalenzklasse von in eine Äquivalenzklasse von abbildet (es gilt also ).
- Zeige, dass und jede Äquivalenzklasse von in die gleiche Äquivalenzklasse von abbildet.
- Man gebe ein Beispiel, wo ist.
- Es seien endlich. Zeige, dass die beiden Äquivalenzrelationen sogar konjugiert-isomorph zueinander sind.
- Wegen der
Reflexivität
von folgt
.
Für ein mit
ist
.
Wegen der Transitivität von ist daher
Ebenso folgt daraus mit auch
Beide Abbildungen bilden also eine jede Äquivalenzklasse in eine Äquivalenzklasse ab. Aus folgt über zunächst und dann
Das Bild einer Äquivalenzklasse ist also genau eine Äquivalenzklasse.
- Dies wurde in Teil (1) mitbewiesen.
- Es sei eine Menge mit der totalen Äquivalenzrelation , es seien also je zwei Elementen zueinander äquivalent. Dann erfüllen beliebige bijektive Abbildungen und die Voraussetzung.
- Nach Teil (1) wird die Äquivalenzklasse auf die Äquivalenzklasse abgebildet. Weil bijektiv ist, haben diese beiden Klassen die gleiche Anzahl. Daher stimmen überhaupt die Klassenanzahltupel der beiden Äquivalenzrelationen überein, und nach Lemma 15.12 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) sind die Äquivalenzrelationen zueinander konjugiert-isomorph.
Aufgabe (7 (1+1+1+2+2) Punkte)
Wir betrachten die
lineare Rekursion
.
a) Erstelle die
Rekursionsmatrix
zu dieser Rekursion.
b) Bestimme das
charakteristische Polynom
zu dieser Rekursion.
c) Bestimme die Nullstellen des charakteristischen Polynoms.
d) Bestimme die Eigenvektoren zur Rekursionsmatrix.
e) Bestimme die explizite Lösung zu dieser Rekursion für die Anfangsglieder und .
a) Die Rekursionsmatrix ist
b) Das charakteristische Polynom ist
c) Die Nullstellen des charakteristischen Polynoms sind
d) Eine Basis aus Eigenvektoren ist
und .
e) Wir schreiben
Dieses lineare Gleichungssystem besitzt die Lösung
Daher ist
gemäß Satz 16.6 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)) die explizite Lösung.
Aufgabe (4 (2+2) Punkte)
Es sei ein Graphhomomorphismus.
- Es sei injektiv. Zeige, dass für den
Grad
die Abschätzung
für jeden Punkt gilt.
- Wie sieht es aus, wenn nicht injektiv ist?
- Es seien die an anliegenden Punkte, also . Diese werden auf verschiedene Punkte abgebildet und es ist stets eine Kante von . Also liegen an zumindest Kanten an.
- Ohne die Voraussetzung injektiv ist die Aussage aus (1) nicht richtig. Betrachten wir den linearen Graphen , also mit den zwei Kanten und , und die Abbildung auf den linearen Graphen , also mit der Kante , der und auf und auf abbildet. Da Kanten auf Kanten gehen, liegt ein Graphhomomorphismus vor. Der Grad von ist aber gleich , während der Grad von gleich ist.
Aufgabe (5 (1+1+1+2) Punkte)
Wir betrachten das Kladogramm der Artiodactyla als einen binären Baum .
- Was ist die Exzentrizität der Wurzel Cetartiodactyla und was ist der Durchmesser von ?
- Was ist der Abstand zwischen einem Wal (Cetacea) und einem Schwein (Suina)?
- Zeige, dass jeder Graphautomorphismus von die Wurzel auf sich selbst oder auf die Kamele (Tylopoda) abbildet.
- Bestimme die Automorphismengruppe von .
Aufgabe (3 (1.5+1.5) Punkte)
Wir betrachten den
Spielzuggraphen
zum Läufer beim Schach auf einem -Brett wie abgebildet.
a) Zeige, dass der Spielzuggraph zum weißfeldrigen Läufer bipartit ist.
b) Zeige, dass der Spielzuggraph zum schwarzfeldrigen Läufer nicht bipartit ist.
a) Die beiden weißen horizontalen Felder (links bzw. rechts) und die beiden weißen vertikalen Felder (oben bzw. unten) bilden eine bipartite Zerlegung. Bei einem Läuferzug auf diesen weißen Feldern wird stets von einem horizontalen zu einem vertikalen Feld und umgekehrt hinübergewechselt.
b) Betrachten wir die Hauptdiagonale. Der schwarzfeldrige Läufer kann von links unten in die Mitte und dann nach rechts oben und von dort direkt wieder nach links unten ziehen. Dies ist ein
Kreis
der Länge , was es
nach Satz 23.8 (Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026))
in einem bipartiten Graphen nicht gibt.
Aufgabe (4 (1+1+1+1) Punkte)
Man gebe ein Beispiel für einen zyklischen zusammenhängenden Graphen , der die folgenden Eigenschaften erfüllt.
- ist hamiltonsch und eulersch.
- ist hamiltonsch und nicht eulersch.
- ist nicht hamiltonsch und eulersch.
- ist weder hamiltonsch noch eulersch.
- Ein Rundgang.
- Der vollständige Graph mit Knoten ist hamiltonsch, aber nicht eulersch, da die Punkte den Grad besitzen.
-
Dieser Graph ist nicht hamiltonsch, da der Kreuzungspunkt doppelt durchlaufen werden müsste.
-
Dieser Graph ist aufgrund des Blattes nicht hamiltonsch und aufgrund des Punktes mit Grad nicht eulersch.




