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Kurs:Kommutative Algebra/Teil I/Vorlesung 30

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Die Multiplikationsabbildung

Zu einer - Algebra definiert jedes Element einen - Modulhomomorphismus , , die Multiplikationsabbildung. In der folgenden Aussage wird zu einem - Modul mit der (nichtkommutative) Ring bezeichnet, der aus allen -linearen Abbildungen besteht und wobei die Multiplikation durch die Hintereinanderschaltung von Abbildungen gegeben ist. De folgende Aussage ist eine direkte Verallgemeinerung von Lemma 3.6.



Es sei ein kommutativer Ring und eine - Algebra.

Dann ist die Abbildung

ein injektiver Ringhomomorphismus.

Dies beruht auf dem Distributivgesetz von und auf

Die Injektivität ergibt sich aus .



Es sei ein kommutativer Ring, eine kommutative - Algebra und

der zugehörige Ringhomomorphismus in den Endomorphismenring. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. ist eine Einheit in .
  2. ist eine Einheit in .
  3. ist bijektiv.
  4. ist surjektiv.

Dies beruht auf Lemma 3.7, Lemma 19.3 und darauf, dass im surjektiven Fall die zum Bild gehört.


Wenn eine endlich erzeugte freie -Algebra ist, ihre additive Struktur also die Form besitzt, so wird dieser Multiplikationshomomorphismus bezüglich einer - Basis von durch eine -Matrix beschrieben, die die Multiplikationsmatrix (zu bezüglich dieser Basis) heißt. In diesem Fall kann man Konzepte der Matrixtheorie der linearen Algebra auf diese Multiplikationsabbildung anwenden. Diese Situation liegt automatisch bei einer endlichen Körpererweiterung oder einer endlichen Algebra über einem Körper vor, aber auch ein Zahlbereich ist stets nach Fakt ***** eine freie -Algebra. Aber auch wenn Integritätsbereiche sind mit endlich erzeugt als - Modul, so kann man auch im nichtfreien Fall über die Quotientenkörper die folgenden Konzepte anwenden.

Für liegt bezüglich einer beliebigen Basis die Streckungsmatrix

vor, für beliebige Elemente werden die Matrizen ziemlich kompliziert, was man teilweise durch Wahl einer geeigneten Basis korrigieren kann. Insbesondere sind Konzepte relevant, die nicht von der Wahl einer Basis abhängen.


Es sei ein kommutativer Ring und sei ein normiertes Polynom. Es sei

die zugehörige endliche freie - Algebra. Nach Lemma 18.22 bilden die Potenzen , , (wobei die Restklasse von bezeichnet) eine - Basis von . Zu einem wird die Multiplikationsabbildung

bezüglich der gegebenen Basis durch die - Matrix beschrieben, deren Spalten aus den Koordinaten zu den Produkten , , bezüglich der Basis besteht. Wegen stehen in der ersten Spalte einfach die Koordinaten von selbst. Zu ist diese Matrix gleich

beschrieben. Zu einem beliebigen Element

wird die Matrix schnell kompliziert, wir führen nur die ersten beiden Spalten an




Die Spur bei einer endlichen freien Algebra

Über diese Konstruktion bzw. Zuordnung werden Norm und Spur von erklärt.


Es sei ein kommutativer Ring und sei eine kommutative endliche freie - Algebra. Zu einem Element nennt man die Spur des - Modulhomomorphismus

die Spur von . Sie wird mit bezeichnet.



Es sei eine endliche freie Algebra vom Rang . Dann hat die Spur

folgende Eigenschaften:

  1. Die Spur ist - linear, also und für .
  2. Für ist .

Dies folgt aus den Definitionen.



Es sei ein kommutativer Ring und sei eine kommutative endliche freie - Algebra. Es sei eine - Basis von mit der Dualbasis .

Dann gilt für die Spur zu die Beziehung

Wir setzen

die Multiplikationsmatrix zu ist also . Dann ist direkt



Die Norm bei einer endlichen freien Algebra

Es sei ein kommutativer Ring und sei eine kommutative endliche freie - Algebra. Zu einem Element nennt man die Determinante des - Modulhomomorphismus

die Norm von . Sie wird mit bezeichnet.


Es sei eine Körpererweiterung, die durch die Hinzunahme einer -ten Wurzel aus einem Element entstehe. Es sei die Restklasse von . Dann wird bezüglich der - Basis von durch die Matrix

beschrieben. Somit ist die Norm von gleich (das Vorzeichen hängt davon ab, ob gerade oder ungerade ist) und die Spur ist .




Es sei eine endliche freie Algebra vom Rang . Dann hat die Norm

folgende Eigenschaften.

  1. Es ist .
  2. Für ist .
  3. ist genau dann eine Einheit, wenn eine Einheit ist.
  1. Dies folgt aus dem Determinantenmultiplikationssatz und aus Lemma 30.1.
  2. Zu einer beliebigen Basis von wird die Multiplikation mit einen Element durch die Diagonalmatrix beschrieben, bei der jeder Diagonaleintrag ist. Die Determinante ist daher nach Lemma 21.4.
  3. Dies beruht auf Lemma 30.2 und auf Korollar 22.14.


Norm und Spur sind Elemente aus .

Weitere Beschreibungen des Minimalpolynoms und der Norm und der Spur finden sich in Fakt ***** und Fakt *****.



Das Minimalpolynom

Es sei ein kommutativer Ring und eine kommutative - Algebra. Es sei ein Element. Dann heißt algebraisch über , wenn es ein von null verschiedenes Polynom mit gibt.

Wenn ein Polynom das algebraische Element annulliert (also ist), so kann man durch den Leitkoeffizienten dividieren und erhält dann auch ein normiertes annullierendes Polynom.


Es sei ein Körper und eine - Algebra. Es sei ein über algebraisches Element. Dann heißt das normierte Polynom mit , welches von minimalem Grad mit dieser Eigenschaft ist, das Minimalpolynom von .

Wenn nicht algebraisch ist, so wird das Nullpolynom als Minimalpolynom betrachtet.


Bei einer Körpererweiterung sind die Elemente trivialerweise algebraisch, und zwar ist jeweils das Minimalpolynom. Weitere Beispiele liefern über die komplexen Zahlen , etc. Annullierende Polynome aus sind dafür , , (es handelt sich dabei übrigens um die Minimalpolynome, was in den ersten beiden Fällen einfach und im dritten Fall etwas schwieriger zu zeigen ist). Man beachte, dass beispielsweise zwar ein annullierendes Polynom für ist, dessen Koeffizienten aber nicht zu gehören.




Es sei ein Körper, eine - Algebra und ein Element. Es sei das Minimalpolynom von über .

Dann ist der Kern des kanonischen - Algebrahomomorphismus

das von erzeugte Hauptideal.

Wir betrachten den kanonischen Einsetzungshomorphismus

Dessen Kern ist nach Lemma 4.6 ein Ideal und nach Korollar 5.17 ein Hauptideal, sagen wir , wobei wir als normiert annehmen dürfen (im nicht-algebraischen Fall liegt das Nullideal vor und die Aussage ist trivialerweise richtig). Das Minimalpolynom gehört zu . Andererseits ist der Grad von größer oder gleich dem Grad von , da ja dessen Grad minimal gewählt ist. Daher muss der Grad gleich sein und somit ist , da beide normiert sind.


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