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Kurs:Lineare Algebra (Osnabrück 2017-2018)/Teil I/Vorlesung 18

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„Wahr ist wahre Freundschaft doch wohl nur, wenn sie begrenzt ist.“
Bertolt Brecht



Permutationen

In dieser Vorlesung stellen wir eine weitere Beschreibung für die Determinante mit Hilfe von Permutationen vor.


Zu einer Menge nennt man die Menge

der bijektiven Selbstabbildungen die Automorphismengruppe oder die Permutationsgruppe zu .

Die Verknüpfung ist die Hintereinanderschaltung von Abbildungen und somit assoziativ, die Identität ist das neutrale Element. Das inverse Element zu einer bijektiven Abbildung ist einfach die Umkehrabbildung. Damit handelt es sich um eine Gruppe. Eine bijektive Selbstabbildung nennt man auch eine Permutation.

Für eine endliche Menge    schreibt man

Eine endliche Permutation kann man beispielsweise mit einer (vollständigen) Wertetabelle oder mit einem Pfeildiagramm beschreiben.





Es sei eine endliche Menge und eine Permutation auf . Man nennt einen Zyklus der Ordnung (oder der Länge ), wenn es eine -elementige Teilmenge    derart gibt, dass auf die Identität ist und die Elemente aus zyklisch vertauscht. Wenn    ist, so schreibt man einfach


Wir betrachten die Permutation

Man kann sie als Produkt der beiden Zyklen und schreiben.


Ein Element    mit    nennt man Fixpunkt der Permutation. Der Wirkungsbereich einer Permutation ist die Menge der Punkte aus , die keine Fixpunkte sind. Bei einem Zyklus ist der Wirkungsbereich. Jede Permutation ist ein Produkt von Zyklen, was wir hier ohne Beweis erwähnen. Eine solche Produktdarstellung heißt Zyklendarstellung.


Zu einer natürlichen Zahl nennt man die Zahl

die Fakultät von (sprich Fakultät).



Lemma  

Es sei eine endliche Menge mit Elementen.

Dann besitzt die Permutationsgruppe    genau Elemente.

Beweis  

Es sei  .  Für die gibt es mögliche Bilder, für gibt es noch mögliche Bilder, für gibt es noch mögliche Bilder, usw. Daher gibt es insgesamt

mögliche Permutationen.



Transpositionen

Eine Transposition auf einer endlichen Menge ist eine Permutation auf , die genau zwei Elemente miteinander vertauscht und alle anderen Elemente unverändert lässt.

Eine Transposition ist also ein Zykel der Länge .



Lemma  

Jede Permutation auf einer endlichen Menge

kann man als Produkt von Transpositionen schreiben.

Beweis  

Wir beweisen die Aussage durch Induktion über die Anzahl der Menge . Für    ist nichts zu zeigen, sei also  .  Die Identität ist das leere Produkt aus Transpositionen. Es sei also nicht die Identität, und sei  .  Es sei die Transposition, die und vertauscht. Dann ist ein Fixpunkt von , und man kann auffassen als eine Permutation auf  .  Nach Induktionsvoraussetzung gibt es dann Transpositionen auf mit    auf . Dies gilt dann auch auf , und daher ist  




Das Signum einer Permutation

Es sei    und sei eine Permutation auf . Dann heißt die Zahl

das Signum (oder das Vorzeichen) der Permutation .

Das Signum ist oder , da im Zähler und im Nenner die bis auf das Vorzeichen gleichen Differenzen stehen. Der Faktor im Zähler wird von aus getroffen. Es gibt für das Signum also nur zwei mögliche Werte. Bei    spricht man von einer geraden Permutation und bei    von einer ungeraden Permutation.


Es sei    und sei eine Permutation auf . Dann heißt ein Indexpaar

ein Fehlstand von , wenn    ist.



Lemma  

Es sei    und sei eine Permutation auf . Es sei    die Anzahl der Fehlstände von .

Dann ist das Signum von gleich

Beweis  

Wir schreiben

da nach dieser Umordnung sowohl im Zähler als auch im Nenner das Produkt aller positiven Differenzen steht.



Wir betrachten die Permutation

mit der Zyklendarstellung

Die Fehlstände sind

es gibt also Stück davon. Das Signum ist also    gemäß Lemma 18.10, und die Permutation ist ungerade.


Das Signum ist ein Gruppenhomomorphismus im Sinne der folgenden Definition.


Es seien und Gruppen. Eine Abbildung

heißt Gruppenhomomorphismus, wenn die Gleichheit

für alle    gilt.



Satz  

Die durch das Signum gegebene Zuordnung

ist ein Gruppenhomomorphismus.

Beweis  

Es seien zwei Permutationen und gegeben. Dann ist



Lemma  

Das Signum einer Transposition

ist .

Beweis  

Die Transposition vertausche die beiden Zahlen  .  Wenn  ,  und wenn die Transposition der Nachbarn und und die Transposition von und bezeichnet, so besteht die Beziehung

was man direkt auf den relevanten Elementen überprüfen kann. Aufgrund der Homomorphieeigenschaft gilt also  .  Daher genügt es, die Aussage für Transpositionen zu beweisen, die zwei benachbarte Elemente vertauschen. Solche Transpositionen haben aber nur einen Fehlstand, und somit folgt die Aussage aus Lemma 18.10.



Korollar  

Es sei    und sei eine Permutation auf . Es sei

als ein Produkt von Transpositionen geschrieben.

Dann gilt für das Signum die Darstellung

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 18.14 und Satz 18.13.


Es sei eine beliebige Menge mit Elementen, die nicht geordnet sein muss, und sei eine Permutation auf . Dann kann man nicht von Fehlständen sprechen und die Definition des Signums ist nicht direkt anwendbar. Man kann sich jedoch an Korollar 18.15 orientieren, um das Signum auch in dieser leicht allgemeineren Situation zu erklären. Dazu schreibt man als Produkt von Transpositionen und definiert

Um einzusehen, dass dies wohldefiniert ist, betrachtet man eine Bijektion

Die Permutation auf definiert auf die Permutation  .  Sei    eine Darstellung als Produkt von Transpositionen auf . Dann gilt

mit  .  Dies sind ebenfalls Transpositionen, sodass die Parität von durch das Signum von festgelegt ist.



Die Leibnizformel für die Determinante



Satz  

Für die Determinante einer -Matrix

gilt

Beweis  

Wir führen Induktion über  ,  wobei der Induktionsanfang klar ist. Es sei also  .  Die Menge der Permutationen    kann man aufspalten, indem man nach    sortiert und die bijektive Abbildung

als eine Permutation auf auffasst, indem man beide Mengen ordnungstreu mit identifiziert. Dies ergibt eine Bijektion  ,  wobei hier die Menge der Permutationen auf bezeichnet, die auf abbilden. Zwischen den Signa besteht dabei die Beziehung

da man Transpositionen braucht, um die -te Stelle und die erste Stelle zu vertauschen. Es besteht also insgesamt eine natürliche Bijektion

Somit gilt

wobei die Streichungsmatrix zur ersten Zeile und -ten Spalte ist (und sich die Indizierung auf diese Matrix bezieht). Für die vorletzte Gleichung geht die Induktionsvoraussetzung ein und die letzte Gleichung beruht auf der Entwicklung der Determinante nach der ersten Zeile.



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