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Kurs:Lineare Algebra (Osnabrück 2017-2018)/Teil I/Vorlesung 17

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„Was die Menschen verbindet, ist nicht der Glaube, sondern der Zweifel“
Peter Ustinow



Universelle Eigenschaft der Determinante

Die für die Determinante charakteristischen Eigenschaften, multilinear und alternierend zu sein und die Bedingung, dass die Determinante der Einheitsmatrix gleich 1 ist, legt die Determinante eindeutig fest.


Es sei V ein n-dimensionaler Vektorraum über einem Körper K. Eine Abbildung

:VnK

heißt Determinantenfunktion, wenn die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind.

  1. ist multilinear.
  2. ist alternierend.



Lemma  

Es sei K ein Körper und  n+.  Es sei

:Matn(K)(Kn)nK

eine Determinantenfunktion.

Dann besitzt folgende Eigenschaften.

  1. Wenn man eine Zeile von M mit  sK  multipliziert, so ändert sich um den Faktor s.
  2. Wenn in M eine Nullzeile vorkommt, so ist  (M)=0
  3. Wenn man in M zwei Zeilen vertauscht, so ändert sich mit dem Faktor 1.
  4. Wenn man zu einer Zeile ein skalares Vielfaches einer anderen Zeile dazuaddiert, so ändert sich nicht.
  5. Wenn  (En)=1  ist, so ist für eine obere Dreiecksmatrix  (M)=a11a22ann

Beweis  

(1) und (2) folgen direkt aus der Multilinearität.
(3) folgt aus Lemma 16.8.
Zu (4) betrachten wir die Situation, wo zur s-ten Zeile das a-fache der r-ten Zeile addiert wird,  r<s.  Aufgrund der schon bewiesenen Teile ist dann

(vrvs+avr)=(vrvs)+(vravr)=(vrvs)+a(vrvr)=(vrvs).

(5). Wenn ein Diagonalelement 0 ist, so sei  r=max{iaii=0}.  Zur r-ten Zeile kann man durch Hinzuaddieren von geeigneten Vielfachen der i-ten Zeilen,  i>r,  erreichen, dass aus der r-ten Zeile eine Nullzeile wird, ohne dass sich der Wert der Determinantenfunktion ändert. Nach (2) muss dieser Wert dann 0 sein. Wenn kein Diagonalelement 0 ist, so kann man durch wiederholte Skalierung erreichen, dass alle Diagonalelemente zu 1 werden, und durch Zeilenadditionen kann man erreichen, dass die Einheitsmatrix entsteht. Daher ist

(M)=a11a22ann(En)=a11a22ann.





Satz  

Es sei K ein Körper und  n+

Dann gibt es genau eine Determinantenfunktion

:Matn(K)=(Kn)nK

mit

(e1,e2,,en)=1,

wobei ei die Standardvektoren sind, nämlich die Determinante.

Beweis  

Die Determinante besitzt aufgrund von Satz 16.9, Satz 16.10 und Lemma 16.4 die angegebenen Eigenschaften.
Zur Eindeutigkeit. Zu jeder Matrix M gibt es eine Folge von elementaren Zeilenumformungen derart, dass das Ergebnis eine obere Dreiecksmatrix ist. Dabei ändert sich nach Lemma 17.2 bei einer Vertauschung von Zeilen der Wert der Determinantenfunktion mit dem Faktor 1, bei der Umskalierung einer Zeile um den Skalierungsfaktor und bei der Addition einer Zeile zu einer anderen Zeile gar nicht. Daher ist eine Determinantenfunktion durch die Werte auf einer oberen Dreiecksmatrix bzw. nach Skalierung und Zeilenaddition sogar durch den Wert an der Einheitsmatrix festgelegt.



Der Determinantenmultiplikationssatz

Wir besprechen weitere wichtige Sätze über Determinanten.



Satz  

Es sei K ein Körper und  n+

Dann gilt für Matrizen  A,BMatn(K)  die Beziehung

det(AB)=detAdetB.

Beweis  

Wir fixieren die Matrix B. Es sei zunächst  detB=0.  Dann ist nach Satz 16.11 die Matrix B nicht invertierbar und damit ist auch AB nicht invertierbar und somit wiederum  detAB=0.  Es sei nun B invertierbar. In diesem Fall betrachten wir die wohldefinierte Abbildung

δ:Matn(K)K,A(detAB)(detB)1.

Wir wollen zeigen, dass diese Abbildung gleich der Abbildung AdetA ist, indem wir die die Determinante charakterisierenden Eigenschaften nachweisen und Satz 17.3 anwenden. Wenn z1,,zn die Zeilen von A sind, so ergibt sich δ(A), indem man auf die Zeilen z1B,,znB die Determinante anwendet und mit (detB)1 multipliziert. Daher folgt die Multilinearität und die alternierende Eigenschaft aus Aufgabe 16.29. Wenn man mit  A=En  startet, so ist  AB=B  und daher ist

δ(En)=(detB)(detB)1=1.




Satz  

Es sei K ein Körper und sei M eine n×n-Matrix über K.

Dann ist

detM=detMtr.

Beweis  

Wenn M nicht invertierbar ist, so ist nach Satz 16.11 die Determinante 0 und der Rang kleiner als n. Dies gilt auch für die transponierte Matrix, sodass deren Determinante wiederum 0 ist. Es sei also M invertierbar. Wir führen diese Aussage in diesem Fall auf die entsprechende Aussage für Elementarmatrizen zurück, wofür sie direkt verifiziert werden kann, siehe Aufgabe 16.13. Es gibt nach Lemma 12.8 Elementarmatrizen E1,,Es derart, dass

D=EsE1M

eine Diagonalmatrix ist. Nach Aufgabe 4.20 ist

Dtr=MtrE1trEstr

bzw.

Mtr=Dtr(Estr)1(E1tr)1.

Die Diagonalmatrix D ändert sich beim Transponieren nicht. Da die Determinanten von Elementarmatrizen sich beim Transponieren auch nicht ändern, gilt, unter Verwendung von Satz 17.4,

detMtr=det(Dtr(Estr)1(E1tr)1)=detDtrdet(Estr)1det(E1tr)1=detDdet(Es1)det(E11)=det(E11)det(Es1)detD=det(E11Es1D)=detM.


Daraus folgt, dass man die Determinante auch berechnen kann, indem man „nach einer Zeile entwickelt“, wie die folgende Aussage, der Entwicklungssatz von Laplace, zeigt.


Korollar  

Es sei K ein Körper und sei  M=(aij)ij  eine n×n-Matrix über K. Zu  i,j{1,,n}  sei Mij diejenige Matrix, die entsteht, wenn man in M die i-te Zeile und die j-te Spalte weglässt.

Dann ist (bei  n2  für jedes feste i bzw. j)

detM=i=1n(1)i+jaijdetMij=j=1n(1)i+jaijdetMij.

Beweis  

Für  j=1  ist die erste Gleichung die rekursive Definition der Determinante. Daraus folgt die Aussage für  i=1  aufgrund von Satz 17.5. Durch Spalten- und Zeilenvertauschung folgt die Aussage daraus allgemein, siehe Aufgabe 17.12.



Die Determinante einer linearen Abbildung

Es sei

φ:VV

eine lineare Abbildung eines Vektorraumes der Dimension n in sich. Diese wird bezüglich einer Basis durch eine Matrix  MMatn(K)  beschrieben. Es liegt nahe, die Determinante dieser Matrix als Determinante der linearen Abbildung zu definieren, doch hat man hier das Problem der Wohldefiniertheit: die lineare Abbildung wird bezüglich einer anderen Basis durch eine „völlig“ andere Matrix beschrieben. Allerdings besteht zwischen den zwei beschreibenden Matrizen M und N und der Basiswechselmatrix B aufgrund von Korollar 11.12 die Beziehung  N=BMB1.  Aufgrund des Determinantenmultiplikationssatzes ist daher

detN=det(BMB1)=(detB)(detM)(detB1)=(detB)(detB1)(detM)=detM,

sodass die folgende Definition in der Tat unabhängig von der Wahl einer Basis ist.


Es sei K ein Körper und es sei V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum. Es sei

φ:VV

eine lineare Abbildung, die bezüglich einer Basis durch die Matrix M beschrieben werde. Dann nennt man

detφ:=detM

die Determinante der linearen Abbildung φ.



Adjungierte Matrix und Cramersche Regel

Zu einer quadratischen Matrix  MMatn(K)  heißt

Madj=(bij) mit bij=(1)i+jdetMji,

wobei Mji die Streichungsmatrix zur j-ten Zeile und zur i-ten Spalte ist, die adjungierte Matrix (Adjunkte) von M.

Achtung, bei der Definition der Einträge der adjungierten Matrix werden Zeilen und Spalten vertauscht.



Satz  

Es sei K ein Körper und sei M eine n×n-Matrix über K.

Dann ist

(Madj)M=(detM)En=M(Madj)

Wenn M invertierbar ist, so ist

M1=1detMMadj.

Beweis  

Es sei  M=(aij)ij.  Die Koeffizienten der adjungierten Matrix seien

bik=(1)i+kdetMki.

Die Koeffizienten des Produktes (Madj)M sind

cij=k=1nbikakj=k=1n(1)i+kakjdetMki.

Bei  j=i  ist dies detM, da es sich bei dieser Summe um die Entwicklung der Determinante nach der j-ten Spalte handelt. Es sei  ji  und es sei N die Matrix, die aus M entsteht, wenn man in M die i-te Spalte durch die j-te Spalte ersetzt. Wenn man N nach der i-ten Spalte entwickelt, so ist dies

0=detN=k=1n(1)i+kakjdetMki=cij.

Also sind diese Koeffizienten 0, und damit stimmt die erste Gleichung.
Die zweite Gleichung ergibt sich ebenso, wobei man die Entwicklung der Determinante nach den verschiedenen Zeilen ausnutzen muss.


Die folgende Aussage heißt Cramersche Regel.


Satz  

Es sei K ein Körper und

a11x1+a12x2++a1nxn=c1a21x1+a22x2++a2nxn=c2an1x1+an2x2++annxn=cn

ein inhomogenes lineares Gleichungssystem. Es sei vorausgesetzt, dass die beschreibende Matrix  M=(aij)ij  invertierbar sei.

Dann erhält man die eindeutige Lösung für xj durch  xj=det(a11a1,j1c1a1,j+1a1nan1an,j1cnan,j+1ann)detM

Beweis  

Für eine invertierbare Matrix M ergibt sich die Lösung für das lineare Gleichungssystem  Mx=c,  indem man M1 anwendet, d.h. es ist  x=M1c.  Unter Verwendung von Satz 17.9 bedeutet dies  x=1detM(Madj)c.  Für die j-te Komponente bedeutet dies

xj=1detM(k=1n(1)k+j(detMkj)ck).

Der rechte Faktor ist dabei die Entwicklung der Determinante der Matrix im Zähler nach der j-ten Spalte.



Wir lösen das lineare Gleichungssystem

(4315)(x1x2)=(27)

mit Hilfe der Cramerschen Regel. Es ist

x1=det(2375)det(4315)=1123

und

x2=det(4217)det(4315)=3023.


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