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Mannigfaltigkeit/Tangentialbündel/Einführung/Textabschnitt

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Zu jedem Punkt  PM  einer Mannigfaltigkeit gehört der Tangentialraum TPM. Der Tangentialraum ist ein n-dimensionaler Vektorraum, wobei n die Dimension der Mannigfaltigkeit ist. Seine Elemente sind die Tangentenvektoren, das sind „infinitesimale Richtungen“ an diesem Punkt. Solche Tangenten-Richtungen an zwei verschiedenen Punkten haben zunächst einmal nichts miteinander zu tun, da ihre präzise Definition jeweils nur von beliebig kleinen offenen Umgebungen der Punkte abhängt, und da diese aufgrund der Hausdorff-Eigenschaft disjunkt gewählt werden können.

Dem steht radikal die Vorstellung gegenüber, die sich mit einer offenen Menge  Vn  verbindet. Dort kann man für jeden Punkt  QV  den Tangentialraum TQV mit dem umgebenden Vektorraum n in natürlicher Weise identifizieren, indem man dem Vektor  vn  den Tangentenvektor zuordnet, der durch die lineare Kurve tQ+tv definiert wird. Da diese Identifizierung für jeden Punkt gilt, besteht zwischen den Tangentialräumen zu  QVn  eine direkte Parallelität.

Da eine Mannigfaltigkeit durch offene Mengen überdeckt wird, die diffeomorph zu offenen Mengen in einem euklidischen Raum sind, liegt die Vermutung nahe, dass die verschiedenen Tangentialräume doch nicht völlig isoliert dastehen. Das Konzept des Tangentialbündels vereinigt alle Tangentialräume und ermöglicht es, die lokale Verbundenheit der Tangentialräume wiederzuspiegeln.

Zwei Visualisierungen des Tangentialbündels einer Kreislinie. Oben wird zu jedem Punkt P des Kreises der Tangentialraum an den Kreis „tangential“ angelegt und als eindimensionaler affiner Unterraum im umgebenden 2 realisiert. Diese Einbettung führt zu Überschneidungen, die es im Tangentialbündel aber nicht gibt, da der Basispunkt P mitbedacht werden muss. Unten werden zu jedem Punkt des Kreises die Tangentialräume parallel angeordnet und es ergibt sich ein Zylinder.



Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit. Dann nennt man die Menge

TM=PMTPM,

versehen mit der Projektionsabbildung

π:TMM,(P,v)P,

das Tangentialbündel von M.

Ein Punkt  uTM  in einem Tangentialbündel besitzt also stets einen Basispunkt  PM  und ist ein Element im Tangentialraum TPM. Man schreibt einen solchen Punkt zumeist als (P,v) mit  PM  und  vTPM.  Für eine offene Menge  Vn  ist  TV=V×n,  also ein Produktraum. Dies gilt im Allgemeinen nicht für eine beliebige Mannigfaltigkeit. Das Tangentialbündel bringt zunächst einmal nur die verschiedenen Tangentialräume disjunkt zusammen, ohne dass verschiedene Tangentialräume miteinander identifiziert würden; allerdings entsteht durch die Topologie, die wir auf dem Tangentialbündel gleich einführen werden, eine zusätzliche „Nachbarschaftsstruktur“ zwischen den Tangentialräumen.


Es seien M und N differenzierbare Mannigfaltigkeiten und

φ:MN

eine differenzierbare Abbildung. Es seien TM und TN die zugehörigen Tangentialbündel. Dann versteht man unter der Tangentialabbildung

T(φ):TMTN

die disjunkte Vereinigung der Tangentialabbildungen in den einzelnen Punkten, also

T(φ)=PMTP(φ).


Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit und

α:UV

eine Karte mit  Vn  offen. Dann induziert die Karte eine natürliche Bijektion

T(α1):TV=V×nTU,(Q,v)(α1(Q),[sα1(Q+sv)]).

Dabei bewegt sich  sI  in einem reellen Intervall derart, dass  Q+svV  ist (vergleiche Fakt). Da V×n ein Produkt von topologischen Räumen ist, ist  TV=V×n  selbst ein topologischer Raum, und es liegt nahe, diese Topologie auf TU zu übertragen und daraus insgesamt eine Topologie auf dem Tangentialbündel TM zu konstruieren.



Es sei M eine differenzierbare Mannigfaltigkeit der Dimension n und

TM=PMTPM

das Tangentialbündel, versehen mit der Projektionsabbildung

π:TMM,(P,v)P.

Das Tangentialbündel wird mit derjenigen Topologie versehen, bei der eine Teilmenge  WTM  genau dann offen ist, wenn für jede Karte

α:UV

die Menge (T(α))(Wπ1(U)) offen in V×n ist.

Insbesondere ist für jede offene Menge  UM  das Urbild  π1(U)=TUTM  offen, d.h. die Projektion π ist stetig.



Lemma  

Es seien M und N differenzierbare Mannigfaltigkeiten und es sei

φ:MN

eine differenzierbare Abbildung. Es sei

T(φ):TMTN

die zugehörige Tangentialabbildung. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Es gibt ein kommutatives Diagramm
    TMT(φ)TNππMφN.
  2. Für eine Karte
    α:UV

    zu  UM  offen und mit  Vm  offen gibt es ein kommutatives Diagramm

    TUT(α)TV=V×mUαV.
  3. Wenn Mm und Nn offene Teilmengen sind und die Tangentialbündel mit M×m bzw. N×n identifiziert werden, so ist die Tangentialabbildung gleich
    M×mN×n,(P,v)(φ(P),(Dφ)P(v)).
  4. Wenn L eine weitere Mannigfaltigkeit und
    ψ:LM

    eine weitere differenzierbare Abbildung ist, so gilt

    T(φψ)=T(φ)T(ψ).
  5. Die Tangentialabbildung T(φ) ist stetig.
  6. Wenn φ ein Diffeomorphismus ist, so ist T(φ) ein Homöomorphismus.

Beweis  

(1) folgt unmittelbar aus der Definition der Tangentialabbildung.
(2) folgt aus (1) unter Verwendung der natürlichen Identifizierung  TV=V×n  für eine offene Menge im n.
(3) folgt aus Fakt  (1).
(4) folgt aus Fakt  (4).
(5). Zu einer offenen Menge

VN

ist  TV=π1VTN  offen und daher ist  (T(φ))1TV=Tφ1(V)TM  offen. Es genügt die Stetigkeit von

Tφ1(V)TV

nachzuweisen. Dabei kann man V als ein Kartengebiet ansetzen und φ1(V) durch Kartengebiete überdecken. Dann genügt es, die Stetigkeit

TUTV

für Kartengebiete UM und VN zu zeigen. Es gibt dann ein kommutatives Diagramm

TUT(φ)TVU×mV×n,
wobei die vertikalen Abbildungen Homöomorphismen sind. Für die untere horizontale Abbildung sind wir in der unter (3) beschriebenen Situation. Wir müssen also die Stetigkeit der Abbildung
U×mV×n,(P,v)(φ(P),(Dφ)P(v)),

beweisen, wobei wir nur die hintere Komponente, also (Dφ)P(v), betrachten müssen. Die j-te Komponente davon ist

i=1mviφjxi(P),

und dies sind nach der C1-Differenzierbarkeits-Voraussetzung stetige Abbildungen.
(6) folgt aus (5).