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Kurs:Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2011)/Vorlesung 10/kontrolle

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Endliche Untergruppen der Einheitengruppe eines Körpers

Wir wollen zeigen, dass die Einheitengruppe von /(p), p Primzahl, zyklisch ist. Dafür brauchen wir einige gruppentheoretische Vorbereitungen.



Lemma  Lemma 10.1 ändern

Es sei G eine kommutative Gruppe und  x,yG  Elemente der endlichen Ordnungen n=ord(x) und m=ord(y), wobei n und m teilerfremd seien.

Dann hat xy die Ordnung nm.

Beweis  

Es sei  (xy)k=1.  Wir müssen zeigen, dass k ein Vielfaches von nm ist. Es ist

1=(xkyk)n=xknykn=ykn,

da ja n die Ordnung von x ist. Aus dieser Gleichung erhält man, dass kn ein Vielfaches der Ordnung von y, also von m sein muss. Da n und m teilerfremd sind, folgt aus Lemma 3.17, dass k ein Vielfaches von m ist. Ebenso ergibt sich, dass k ein Vielfaches von n ist, sodass k, wieder aufgrund der Teilerfremdheit, ein Vielfaches von nm sein muss.



Der Exponent exp(G) einer endlichen Gruppe G ist die kleinste positive Zahl n mit der Eigenschaft, dass  xn=1  für alle  xG  ist.



Lemma  Lemma 10.3 ändern

Es sei G eine endliche kommutative Gruppe und sei  exp(G)=ord(G),  wobei exp(G) den Exponenten der Gruppe bezeichnet.

Dann ist G zyklisch.

Beweis  

Es sei

n=ord(G)=p1r1pkrk

die Primfaktorzerlegung der Gruppenordnung. Der Exponent der Gruppe ist

exp(G)=kgV(ord(x):xG).

Es sei pi ein Primteiler von n. Wegen

exp(G)=ord(G)

gibt es ein Element  xG,  dessen Ordnung ein Vielfaches von piri ist. Dann gibt es auch (in der von x erzeugten zyklischen Untergruppe) ein Element xi der Ordnung piri. Dann hat das Produkt  x1xkG  nach Lemma 10.1 die Ordnung n.



Satz  Satz 10.4 ändern

Es sei  UK×  eine endliche Untergruppe der multiplikativen Gruppe eines Körpers K.

Dann ist U zyklisch.

Beweis  

Es sei  n=ord(U)  und  e=exp(U)  der Exponent dieser Gruppe. Dies bedeutet, dass alle Elemente  xU  eine Nullstelle des Polynoms Xe1 sind. Nach Korollar Anhang 1.5 ist die Anzahl der Nullstellen aber maximal gleich dem Grad, sodass  n=e  folgt. Nach Lemma 10.3 ist dann U zyklisch.



Satz  Satz 10.5 ändern

Es sei K ein endlicher Körper.

Dann ist die Einheitengruppe K× eine zyklische Gruppe.

Beweis  

Dies folgt direkt aus Satz 10.4.



Satz  Satz 10.6 ändern

Es sei p eine Primzahl.

Dann ist die Einheitengruppe (/(p))× zyklisch mit der Ordnung p1.

Es gibt also Elemente g mit der Eigenschaft, dass die Potenzen gi, i=0,1,,p2, alle Einheiten durchlaufen.

Beweis  

Dies folgt unmittelbar aus Satz 10.4, da /(p) ein endlicher Körper ist.




Eine Einheit  u(/(n))×  heißt primitiv (oder eine primitive Einheit), wenn sie die Einheitengruppe erzeugt.


Beispiel  Beispiel 10.8 ändern

Wir betrachten die Einheitengruppe des Restklassenkörpers /(23). Nach Satz 10.6 ist sie zyklisch und es gibt daher Erzeuger der Einheitengruppe, also primitive Elemente. Wie kann man diese finden? Man ist hierbei prinzipiell auf Probieren angewiesen, man kann dies allerdings deutlich vereinfachen. Man weiß, dass die Einheitengruppe 22 Elemente besitzt, als Ordnung von Elementen dieser Gruppe kommen also nur 1,2,11 und 22 in Frage. Es gibt genau ein Element mit der Ordnung 1, nämlich 1, und ein Element mit der Ordnung 2, nämlich  1=22.  Alle anderen Elemente haben also die Ordnung 11 oder 22, und genau die letzteren sind primitiv. Der erste Kandidat ist 2. Wir müssen also

211mod23

ausrechnen. Es ist  25=32=9  und daher ist

211=992=122=24=1.

Die Ordnung ist also 11, und die 2 ist nicht primitiv. Betrachten wir die 3. Es ist  33=27=4  und daher ist

311=4449=189=162=1,

also wieder nicht primitiv. Der nächste Kandidat 4 muss nicht gecheckt werden, denn wegen  4=22  ist sofort  411=222=1  (diese Beobachtung gilt für alle Quadratzahlen, und zwar auch für diejenigen Zahlen, die nur modulo 23 ein Quadrat sind). Betrachten wir also 5. Es ist  52=2.  Damit ist

511=255=95=45=11.

Daher hat 5 die Ordnung 22 und ist ein primitives Element.

Man kann diesen Sachverhalt auch so ausdrücken, dass die Abbildung

/(22)(/(23))×,k5k,

einen Gruppenisomorphismus definiert. Dieser übersetzt die Addition in die Multiplikation, daher spricht man von einer diskreten Exponentialfunktion und nennt die Umkehrabbildung auch einen diskreten Logarithmus. Solche Abbildungen spielen eine wichtige Rolle in der Kryptologie. Wenn man wie in diesem Beispiel einen solchen Isomorphismus gefunden hat, so kann man viele Eigenschaften der Einheitengruppe in der „einfacheren“ Gruppe entscheiden. Z.B. sind in /(22) alle ungeraden Elemente außer 11 ein Gruppenerzeuger, daher sind in der Einheitengruppe alle Elemente der Form

5u,u ungerade,u11,

primitiv.




Primitive Einheitswurzeln

Die Menge der n-ten Einheitswurzeln in einem Körper K bilden eine endliche Untergruppe von K×, die wegen Satz 10.4 zyklisch ist.


Eine n-te Einheitswurzel heißt primitiv, wenn sie die Ordnung n besitzt.

Man beachte, dass ein Erzeuger der Gruppe der Einheitswurzeln nur dann primitiv heißt, wenn es n verschiedene Einheitswurzeln gibt. Wenn ζ eine primitive n-te Einheitswurzel ist, so sind genau die ζi mit i<n und i teilerfremd zu n die primitiven Einheitswurzeln.[1]



Endliche Körper

Ein Körper heißt endlich, wenn er nur endlich viele Elemente besitzt.

Über die Anzahl der Elemente in einem endlichen Körper gilt folgende wichtige Bedingung.


Lemma  Referenznummer erstellen

Es sei K ein endlicher Körper.

Dann besitzt K genau pn Elemente, wobei p eine Primzahl ist und  n1

Beweis  

Der endliche Körper kann nicht die Charakteristik 0 besitzen, und als Charakteristik eines Körpers kommt ansonsten nach Lemma 13.9 (Einführung in die Algebra (Osnabrück 2009)) nur eine Primzahl in Frage. Diese sei mit p bezeichnet. Das bedeutet, dass K den Körper /(p) enthält. Damit ist aber K ein Vektorraum über /(p), und zwar, da K endlich ist, von endlicher Dimension. Es sei n die Dimension,  n1.  Dann hat man eine /(p)-Vektorraumisomorphie

K(/(p))n

und somit besitzt K gerade pn Elemente.


Die vorstehende Aussage gilt allgemeiner für endliche Ringe, die einen Körper enthalten. Es sei schon jetzt erwähnt, dass es zu jeder Potenz pn bis auf Isomorphie genau einen Körper mit pn Elementen gibt. Dies werden wir in der nächsten Vorlesung beweisen. Für einige Beispiele siehe auch die Aufgaben.


Wir konstruieren einen Körper mit  232=529  Elementen und knüpfen dabei an Beispiel 10.8 an. Da die  5/(23)  primitiv ist, folgt, dass das Polynom  X25/(23)[X]  irreduzibel ist. Andernfalls müsste es eine Nullstelle haben und dann wäre  5=a2  ein Quadrat mit  a/(23).  Doch dann wäre  511=a22=1,  was nicht der Fall ist.

Es folgt nach Satz 7.6, dass

K=/(23)[X]/(X25)

ein Körper ist. Dieser hat 232 Elemente, da man jede Restklasse auf genau eine Weise als ax+b mit a,b/(23) schreiben kann (x bezeichne die Restklasse von X). Dieser Körper enthält /(23), und die Ordnungen dieser Elemente ändern sich nicht (und sie sind insbesondere nicht primitiv im größeren Körper).

Wir möchten eine primitive Einheit in diesem Körper finden und orientieren uns an Lemma 10.1. Die Ordnung von K× ist  528=16311.  Wir müssen für jede dieser Primzahlpotenzen ein Element mit dieser Ordnung finden. Die 2 hat die Ordnung 11. Das Element 11x hat die Ordnung 3, es ist nämlich

(11x)3=121113121x+33x2x3=6636x+505x=11623x=1.

Um ein Element der Ordnung 16 zu finden, ziehen wir sukzessive Quadratwurzeln aus 1. Es ist

(3x)2=9x2=45=1.

Eine Quadratwurzel aus 3x ist 14+19x, wegen

(14+19x)2=196+3615+21419x=12+165+519x=3x.

Um eine Quadratwurzel für 14+19x zu finden, setzen wir  (a+bx)2=14+19x  an, was zum Gleichungssystem a2+5b2=14 und 2ab=19 über /(23) führt. Es ist dann

a=21b1,

was zu  4b2+5b2=14  bzw. zur biquadratischen Gleichung

5b4+9b2+4=0

führt. Normieren ergibt  b4+11b2+10=0Quadratisches Ergänzen führt zu

(b2+17)2=17210=49.

Daher ist  b2=13  und somit b=6 und a=15, also ist 15+6x ein Element der Ordnung 16. Damit ist insgesamt

2(11x)(15+6x)=2(16530+51x)=2(20+5x)=17+10x

eine primitive Einheit nach Lemma 10.1.




Satz  Satz 10.13 ändern

Es sei K ein endlicher Körper.

Dann ist das Produkt aller von 0 verschiedenen Elemente aus K gleich 1.

Beweis  

Die Gleichung  x2=1  hat in einem Körper nur die Lösungen 1 und 1, die allerdings gleich sein können. Das bedeutet, dass für  x1,1  immer  xx1  ist. Damit kann man das Produkt aller Einheiten als

1(1)x1x11xkxk1

schreiben. Ist  11,  so ist das Produkt 1. Ist hingegen  1=1,  so fehlt in dem Produkt der zweite Faktor und das Produkt ist  1=1


Die folgende Aussage heißt Satz von Wilson.


Korollar  Referenznummer erstellen

Es sei p eine Primzahl.

Dann ist  (p1)!=1modp

Beweis  

Dies folgt unmittelbar aus Satz 10.13, da ja die Fakultät durch alle Zahlen zwischen 1 und p1 läuft, also durch alle Einheiten im Restklassenkörper /(p).




Fußnoten
  1. Insbesondere gibt es, wenn es überhaupt primitive Einheitswurzeln gibt, genau φ(n) primitive Einheitswurzeln, wobei φ(n) die eulersche φ-Funktion bezeichnet. Siehe Vorlesung 19.


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Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)