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Kurs:Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)/Teil I/Vorlesung 16

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Vorli mag so ziemlich alles. Nur Handies findet sie blöd. Sie sind definitiv nix zum Fressen. Aber auch nix zum Spielen, da sie ablenken, ohne zu zerstreuen.




Die Determinante

Kann man einer quadratischen n×n-Matrix „auf einen Blick“ ansehen, ob sie invertierbar ist? Gibt es einen Ausdruck in den n2 Einträgen der Matrix, mit dem man dies entscheiden kann? Diese Frage wird positiv durch die Determinante beantwortet.


Es sei K ein Körper und sei  M=(aij)ij  eine n×n-Matrix über K. Zu  i{1,,n}  sei Mi diejenige (n1)×(n1)-Matrix, die entsteht, wenn man in M die erste Spalte und die i-te Zeile weglässt. Dann definiert man rekursiv die Determinante von M durch

detM={a11,falls n=1,i=1n(1)i+1ai1detMi für n2.

Die Determinante ist nur für quadratische Matrizen definiert. Die in der Definition auftretenden Matrizen nennt auch Streichungsmatrizen. Für kleine n kann man die Determinante einfach ausrechnen.


Für eine 2×2-Matrix

M=(abcd)

ist

det(abcd)=adcb.

Als Merkregel für eine 3×3-Matrix verwendet man die Regel von Sarrus. Man wiederholt die erste Spalte als vierte Spalte und die zweite Spalte als fünfte Spalte. Die Produkte der durchgezogenen Diagonalen werden positiv genommen, die Produkte der gestrichelten Diagonalen negativ.

Für eine 3×3-Matrix  M=(a11a12a13a21a22a23a31a32a33)  ist

det(a11a12a13a21a22a23a31a32a33)=a11a22a33+a12a23a31+a13a21a32a13a22a31a11a23a32a12a21a33.

Dies nennt man die Regel von Sarrus.




Lemma  

Für eine obere Dreiecksmatrix

M=(b10b200bn100bn)

ist

detM=b1b2bn1bn.

Insbesondere ist für die Einheitsmatrix  detEn=1

Beweis  

Dies folgt mit einer einfachen Induktion direkt aus der Definition der Determinante.



Multilineare und alternierende Abbildungen

Wir führen zwei Begriffe ein, die wir im Moment hauptsächlich zum weiteren Verständnis der Determinante brauchen.


Es sei K ein Körper und seien V1,,Vn und W Vektorräume über K. Eine Abbildung

Φ:V1××VnW

heißt multilinear, wenn für jedes  i{1,,n}  und jedes (n1)-Tupel (v1,,vi1,vi+1,,vn) mit  vjVj  die induzierte Abbildung

ViW,viΦ(v1,,vi1,vi,vi+1,,vn),

K-linear ist.

Bei  n=2  spricht man auch von bilinear. Beispielsweise ist die Multiplikation in einem Körper K, also die Abbildung

K×KK,(x,y)xy,

bilinear. Ebenso ist zu einem K-Vektorraum V mit Dualraum V die Auswertungsabbildung

V×VK,(v,f)f(v),

bilinear.



Es sei K ein Körper und seien V1,,Vn und W Vektorräume über K. Es sei

Φ:V1××VnW

eine multilineare Abbildung und es seien  vi1,,vimiVi  und  aijiK  zu  i=1,,n  und  ji=1,,mi

Dann ist

Φ(j=1m1a1jv1j,,j=1mnanjvnj)=(j1,,jn){1,,m1}××{1,,mn}a1j1anjnΦ(v1j1,,vnjn).

Beweis

Siehe Aufgabe 16.17.



Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und sei  n.  Eine multilineare Abbildung

Φ:Vn=V××Vn-malW

heißt alternierend, wenn Folgendes gilt: Falls in  v=(v1,,vn)  zwei Einträge übereinstimmen, also  vi=vj  für ein Paar  ij,  so ist

Φ(v)=0.

Bei einer alternierenden Abbildung muss an jeder Stelle der gleiche Vektorraum stehen.



Lemma  

Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und sei  n.  Es sei

Φ:Vn=V××Vn-malW

eine alternierende Abbildung.

Dann gilt

Φ(v1,,vr1,vr,vr+1,,vs1,vs,vs+1,,vn)=Φ(v1,,vr1,vs,vr+1,,vs1,vr,vs+1,,vn).

D.h. wenn man zwei Vektoren vertauscht, so ändert sich das Vorzeichen.

Beweis  

Aufgrund der Definition von alternierend und Lemma 16.6 gilt

0=Φ(v1,,vr1,vr+vs,vr+1,,vs1,vr+vs,vs+1,,vn)=Φ(v1,,vr1,vr,vr+1,,vs1,vs,vs+1,,vn)+Φ(v1,,vr1,vs,vr+1,,vs1,vr,vs+1,,vn).



Die Determinante ist eine alternierende Abbildung

Wir wollen zeigen, dass die rekursiv definierte Determinante eine multilineare und alternierende Abbildung ist, wenn man die Identifizierung

Matn(K)(Kn)n

vornimmt, bei der einer Matrix das n-Tupel der Zeilen der Matrix zugeordnet wird. Wir fassen also im Folgenden eine Matrix als ein Spaltentupel

(v1vn)

auf, wobei die einzelnen Einträge vi Zeilenvektoren der Länge n sind.



Satz  

Es sei K ein Körper und  n+

Dann ist die Determinante

Matn(K)=(Kn)nK,MdetM,

multilinear.

D.h., dass für jedes  k{1,,n},  für je n1 Vektoren  v1,,vk1,vk+1,,vnKn  und für  u,wKn  die Gleichheit

det(v1vk1u+wvk+1vn)=det(v1vk1uvk+1vn)+det(v1vk1wvk+1vn)

und für  sK  die Gleichheit

det(v1vk1suvk+1vn)=sdet(v1vk1uvk+1vn)

gilt.

Beweis  

Es seien

M:=(v1vk1uvk+1vn),M:=(v1vk1wvk+1vn) und M~:=(v1vk1u+wvk+1vn),

wobei wir die Einträge und die Streichungsmatrizen analog bezeichnen. Insbesondere ist also  u=(ak1,,akn)  und  w=(ak1,,akn).  Wir beweisen die Aussage des Satzes durch Induktion nach n, wobei der Fall  n=1  klar ist. Für  ik  ist  a~i1=ai1=a'i1  und

detM~i=detMi+detM'i

nach Induktionsvoraussetzung. Für  i=k  ist  Mk=Mk=M~k  und es ist  a~k1=ak1+a'k1.  Insgesamt ergibt sich

detM~=i=1n(1)i+1a~i1detM~i=i=1,ikn(1)i+1ai1(detMi+detM'i)+(1)k+1(ak1+a'k1)(detM~k)=i=1,ikn(1)i+1ai1detMi+i=1,ikn(1)i+1ai1detM'i+(1)k+1ak1detMk+(1)k+1a'k1detMk=i=1n(1)i+1ai1detMi+i=1,ik,n(1)i+1ai1detM'i+(1)k+1a'k1detMk=i=1n(1)i+1ai1detMi+i=1n(1)i+1a'i1detM'i=detM+detM. 

Die Verträglichkeit mit der skalaren Multiplikation beweist man ähnlich, siehe Aufgabe 16.22.



Satz  

Es sei K ein Körper und  n+

Dann ist die Determinante

Matn(K)=(Kn)nK,MdetM,

alternierend.

Beweis  

Wir beweisen die Aussage durch Induktion über n, wobei es für  n=1  nichts zu zeigen gibt. Es sei also  n2  und  M=(v1vn)=(aij)ij.  Die relevanten Zeilen seien vr und vs mit  r<s.  Nach Definition ist  detM=i=1n(1)i+1ai1detMi.  Nach Induktionsvoraussetzung sind dabei  detMi=0  für  ir,s,  da ja dann zwei Zeilen übereinstimmen. Damit ist

detM=(1)r+1ar1detMr+(1)s+1as1detMs,

wobei  ar1=as1  ist. Die beiden Matrizen Mr und Ms haben die gleichen Zeilen, allerdings tritt die Zeile  z=vr=vs  in Mr als die (s1)-te Zeile und in Ms als die r-te Zeile auf. Alle anderen Zeilen kommen in beiden Matrizen in der gleichen Reihenfolge vor. Durch insgesamt sr1 Vertauschungen von benachbarten Zeilen kann man Mr in Ms überführen. Nach der Induktionsvoraussetzung und Lemma 16.8 unterscheiden sich daher die Determinanten um den Faktor (1)sr1, also ist  detMs=(1)sr1detMr.  Setzt man dies oben ein, so erhält man

detM=(1)r+1ar1detMr+(1)s+1as1detMs=ar1((1)r+1detMr+(1)s+1(1)sr1detMr)=ar1((1)r+1+(1)2sr)detMr=ar1((1)r+1+(1)r)detMr=0.


Durch die Eigenschaft, alternierend zu sein, vereinfacht sich das Berechnen der Determinante. Insbesondere kann man gut überblicken, wie sich die Determinante bei elementaren Zeilenumformungen verhält. Wenn man eine Zeile mit einer Zahl s multipliziert, so muss man die Determinante auch mit s multiplizieren. Wenn man Zeilen vertauscht, so ändert sich das Vorzeichen der Determinante. Wenn man eine Zeile (oder ein Vielfaches davon) zu einer anderen Zeile hinzuaddiert, so ändert sich die Determinante nicht.



Satz  

Es sei K ein Körper und sei M eine n×n-Matrix über K. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent.

  1. Es ist  detM0
  2. Die Zeilen von M sind linear unabhängig.
  3. M ist invertierbar.
  4. Es ist  rangM=n

Beweis  

Die Beziehung zwischen Rang, Invertierbarkeit und linearer Unabhängigkeit wurde schon in Korollar 12.16 gezeigt. Es seien die Zeilen linear abhängig. Wir können nach Zeilenvertauschungen annehmen, dass  vn=i=1n1sivi  ist. Dann ist nach Satz 16.9 und Satz 16.10

detM=det(v1vn1i=1n1sivi)=i=1n1sidet(v1vn1vi)=0.

Es seien nun die Zeilen linear unabhängig. Dann kann man durch Zeilenvertauschungen, Skalierung und Addition einer Zeile zu einer anderen Zeile die Matrix sukzessive zur Einheitsmatrix transformieren. Dabei ändert sich die Determinante stets durch einen von 0 verschiedenen Faktor. Da die Determinante der Einheitsmatrix nach Lemma 16.4 gleich 1 ist, muss auch die Determinante der Ausgangsmatrix 0 sein.


Bei  K=  steht die Determinante in einer engen Beziehung zu Volumina von geometrischen Objekten. Wenn man im n Vektoren v1,,vn betrachtet, so spannen diese ein Parallelotop auf. Dieses ist definiert als

P:={s1v1++snvnsi[0,1]}.

Es besteht also aus allen Linearkombinationen der Vektoren, wobei aber die Skalare auf das Einheitsintervall beschränkt sind. Wenn die Vektoren linear unabhängig sind, so handelt es sich wirklich um einen „voluminösen“ Körper, andernfalls liegt ein Objekt von niedrigerer Dimension vor. Es gilt nun die Beziehung

volP=|det(v1,,vn)|,

d.h. das Volumen des Parallelotops ist der Betrag der Determinante derjenigen Matrix, die entsteht, wenn man die aufspannenden Vektoren hintereinander schreibt.


Für einen Beweis der eben genannten Beziehung zwischen Determinante und Volumen siehe Satz 7.2 (Maß- und Integrationstheorie (Osnabrück 2022-2023)).


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