Zum Inhalt springen

Kurs:Mathematik für Anwender/Teil I/20/Klausur mit Lösungen

Aus Wikiversity



Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Punkte 3 3 1 2 2 4 1 2 4 4 6 7 7 4 1 3 6 4 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Produktmenge aus zwei Mengen L und M.
  2. Eine Verknüpfung auf einer Menge M.
  3. Die geometrische Reihe für  x
  4. Die Stetigkeit einer Funktion
    f:

    in einem Punkt x.

  5. Das Oberintegral einer nach oben beschränkten Funktion
    f:I

    auf einem beschränkten Intervall I.

  6. Das charakteristische Polynom zu einer n×n-Matrix M mit Einträgen in einem Körper K.


Lösung

  1. Man nennt die Menge
    L×M={(x,y)xL,yM}

    die Produktmenge der Mengen L und M.

  2. Eine Verknüpfung auf einer Menge M ist eine Abbildung
    :M×MM,(x,y)xy.
  3. Die Reihe
    k=0xk

    heißt die geometrische Reihe in x.

  4. Man sagt, dass f stetig im Punkt x ist,wenn es zu jedem  ϵ>0  ein  δ>0  derart gibt, dass für alle x mit  |xx|δ  die Abschätzung  |f(x)f(x)|ϵ  gilt.
  5. Das Oberintegral ist definiert als das Infimum von sämtlichen Treppenintegralen zu oberen Treppenfunktionen von f.
  6. Das Polynom
    χM:=det(XEnM)

    heißt charakteristisches Polynom von M.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über das Verhalten der Reihenglieder bei Konvergenz.
  2. Das Ableitungskriterium für konstante Funktionen.
  3. Das Injektivitätskriterium für eine lineare Abbildung.


Lösung

  1. Es sei
    k=0ak

    eine konvergente Reihe von reellen Zahlen. Dann ist

    limkak=0.
  2. Sei
    f:]a,b[

    eine differenzierbare Funktion mit  f(x)=0  für alle  x]a,b[

    Dann ist f konstant.
  3. Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und
    φ:VW
    sei eine K-lineare Abbildung. Dann ist φ injektiv genau dann, wenn kernφ=0 ist.


Aufgabe (1 Punkt)

Finde einen möglichst einfachen aussagenlogischen Ausdruck, der die folgende tabellarisch dargestellte Wahrheitsfunktion ergibt.

p q ?
w w f
w f f
f w w
f f w


Lösung

¬p.


Aufgabe (2 Punkte)

Erläutere das Beweisprinzip der vollständigen Induktion.


Lösung

Mit dem Beweisprinzip der vollständigen Induktion werden Aussagen A(n) bewiesen, die von den natürlichen Zahlen  n  abhängen. Man beweist zuerst die Aussage A(0). Ferner zeigt man, dass man für alle n aus der Gültigkeit von A(n) auf die Gültigkeit von A(n+1) schließen kann. Daraus folgt die Gültigkeit von A(n) für alle  n


Aufgabe (2 Punkte)

Zeige, dass die Gleichung

2n=1a+1b

in auch Lösungen  ab  besitzt.


Lösung

Beispielsweise ist

110+115=3+230=530=16=212.


Aufgabe (4 Punkte)

Mustafa Müller schreibt die natürlichen Zahlen

0,1,2,3,,998,999,1000

hintereinander auf. Wie oft kommen dabei die Ziffern 0,1,2,,9 vor? Wie viele Kommata setzt er?


Lösung

Er setzt 1000 Kommata. Wir überlegen uns, wie die Anzahl der Ziffern ist, wenn er jede dreistellige Zifferenkombination abc mit  a,b,c{0,1,,9}  hinschreiben würde. Davon gibt es  103=1000  Möglichkeiten, die den hingeschriebenen Zahlen (bis auf die 1000) entsprechen, wenn man die Zahlen vorne durch Nullen auffüllt. Insgesamt kommen 3000 Ziffern vor und jede Ziffer kommt gleich oft, also 300 Mal vor. Deshalb kommen die Ziffern 2,3,,9 in der Mülleraufzählung 300 Mal vor und die 1 kommt (wegen der 1000) genau 301 Mal vor. Die 0 kommt aber in der Mülleraufzählung weniger oft vor, und zwar muss man 20 Nullen für die einstelligen Zahlen und 90 Nullen für die zweistelligen Zahlen abziehen. Deshalb kommt die 0 in der Mülleraufzählung  3002090+3=193  Mal vor.


Aufgabe (1 Punkt)

Bestimme die Lösungsmenge des Ungleichungssystems

2x7

und

5x12

über .


Lösung

Es soll einerseits

x72

und andererseits

x125

sein. Wegen

72>125

ist das nicht gleichzeitig erfüllbar, die Lösungsmenge ist also leer.


Aufgabe (2 Punkte)

Es seien L,M,N Mengen und F:LM und G:MN injektive Abbildungen. Zeige, dass die Hintereinanderschaltung GF ebenfalls injektiv ist.


Lösung

Es seien  x,xL  mit

G(F(x))=G(F(x))

gegeben. Aufgrund der Injektivität von G folgt

F(x)=F(x)

und aufgrund der Injektivität von F folgt

x=x,

was die Injektivität von GF bedeutet.


Aufgabe (4 (1+1+1+1) Punkte)

Es sei (xn)n die Heron-Folge zur Berechnung von 3 mit dem Startwert  x0=1  und (yn)n die Heron-Folge zur Berechnung von 13 mit dem Startwert  y0=1

  1. Berechne x1 und x2.
  2. Berechne y1 und y2.
  3. Berechne x0y0,x1y1 und x2y2.
  4. Konvergiert die Produktfolge  zn=xnyn  innerhalb der rationalen Zahlen?


Lösung

  1. Es ist
    x1=1+32=2

    und

    x2=x1+3x12=2+322=74.
  2. Es ist
    y1=1+132=23

    und

    y2=y1+13y12=23+13232=23+122=762=712.
  3. Es ist
    x0y0=11=1,
    x1y1=223=43,

    und

    x2y2=74712=4948.
  4. Die Heron-Folge xn konvergiert in gegen 3 und die Heron-Folge yn konvergiert in gegen 13, daher konvergiert die Produktfolge xnyn gegen 1. Da dies zu gehört, konvergiert die Produktfolge auch in .


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige die Abschätzung

i=1n1i3n.


Lösung

Es sei k die größte natürliche Zahl mit  k2n.  Die Folge 1i ist fallend, deshalb können wir Glieder durch vorhergehende Glieder nach oben abschätzen. Wir erhalten

i=1n1ii=1(k+1)211i=j=1k(i=j2(j+1)211i)=j=1k(i=j2j2+2j1i)j=1k(2j+1)1j2=j=1k2j+1jj=1k3=3k3n.


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei

f:,zf(z),

ein Polynom vom Grad d2, w ein Punkt und t(z) die Tangente an f im Punkt w. Zeige die Beziehung

f(z)t(z)=(zw)2g(z)

mit einem Polynom g(z) vom Grad d2.


Lösung

Es ist

t(z)=f(w)z+f(w)f(w)w=f(w)(zw)+f(w).

Wir schreiben

f(z)=adzd+ad1zd1++a1z+a0=i=0daizi

mit ad0. Somit ist

f(z)=dadzd1+(d1)ad1zd2++a1=i=1diaizi1.

Daher ist

f(z)t(z)=f(z)f(w)f(w)(zw)=i=0daizii=0daiwif(w)(zw)=i=0dai(ziwi)f(w)(zw)=i=1dai(zw)(j=0i1zjwi1j)f(w)(zw)=(zw)(i=1dai(j=0i1zjwi1j)f(w)).

Für den rechten Faktor gilt

i=1dai(j=0i1zjwi1j)f(w)=i=1dai(j=0i1zjwi1j)i=1diaiwi1=i=1dai(j=0i1zjwi1jiwi1).

Die einzelnen Summanden (ohne die Koeffizienten ai) haben die Form

j=0i1zjwi1jiwi1=j=0i1(zjwi1jwi1)=j=1i1(zjwi1jwi1)=j=1i1wi1j(zjwj)=j=1i1wi1j(zw)(k=0j1wkzj1k).

Hier kann man also nochmal einen Faktor zw ausklammern.


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz über die Charakterisierung von Extrema mit höheren Ableitungen.


Lösung

Unter den Voraussetzungen wird die Taylor-Formel zu

f(x)f(a)=f(n+1)(c)(n+1)!(xa)n+1

mit c (abhängig von x) zwischen a und x. Je nachdem, ob f(n+1)(a)>0 oder f(n+1)(a)<0 ist, gilt auch (wegen der vorausgesetzten Stetigkeit der (n+1)-ten Ableitung) f(n+1)(x)>0 bzw. f(n+1)(x)<0 für  x[aϵ,a+ϵ]  für ein geeignetes  ϵ>0.  Für diese x ist auch  c[aϵ,a+ϵ],  sodass das Vorzeichen von f(n+1)(c) vom Vorzeichen von f(n+1)(a) abhängt.
Bei n gerade ist n+1 ungerade und daher wechselt (xa)n+1 das Vorzeichen bei  x=a  (bei x<a ist das Vorzeichen negativ und bei x>a ist es positiv). Da das Vorzeichen von f(n+1)(c) sich nicht ändert, ändert sich das Vorzeichen von f(x)f(a). Das bedeutet, dass kein Extremum vorliegen kann.
Es sei nun n ungerade. Dann ist n+1 gerade, sodass  (xa)n+1>0  für alle  xa  in der Umgebung ist. Das bedeutet in der Umgebung bei  f(n+1)(a)>0,  dass  f(x)>f(a)  ist und in a ein isoliertes Minimum vorliegt, und bei  f(n+1)(a)<0,  dass  f(x)<f(a)  ist und in a ein isoliertes Maximum vorliegt.


Aufgabe (7 (1+1+5) Punkte)

  1. Man gebe ein Beispiel für eine Gerade, die den Graphen der Exponentialfunktion in keinem Punkt schneidet.
  2. Man gebe ein Beispiel für eine Gerade, die den Graphen der Exponentialfunktion in genau einem Punkt schneidet.
  3. Zeige, dass jede Gerade den Graphen der Exponentialfunktion in höchstens zwei Punkten schneidet.


Lösung

  1. Da die Exponentialfunktion nur positive Werte annimmt, schneidet ihr Graph die x-Achse nicht.
  2. Der Graph der Exponentialfunktion schneidet (wie jeder Graph) die y-Achse in genau einem Punkt.
  3. Wenn die Gerade parallel zur y-Achse ist, so gibt es nur einen Schnittpunkt. Es sei also die Gerade der Graph einer affin-linearen Funktion  y=g(x)=ax+b.  Wir betrachten
    f(x)=exg(x)=exaxb,

    die Schnittpunkte der Graphen von g und ex sind die Nullstellen von f(x). Wir behaupten also, dass f höchstens zwei Nullstellen besitzt. Es ist

    f(x)=exa

    und dies hat (wegen der strengen Monotonie von ex) höchstens eine Nullstelle. Betrachten wir zuerst den Fall, dass f eine Nullstelle c besitzt. Unterhalb dieser Nullstelle ist f(x) negativ und oberhalb davon positiv. D.h. nach Satz 15.17 (Mathematik für Anwender (Osnabrück 2020-2021)), dass f unterhalb von c streng fallend und oberhalb von c streng wachsend ist. Daher gibt es in diesen beiden Bereichen jeweils höchstens eine Nullstelle. Wenn f keine Nullstelle besitzt, so ist f überall positiv und daher ist f streng wachsend und besitzt höchstens eine Nullstelle.


Aufgabe (4 (1+3) Punkte)

  1. Überführe die Matrixgleichung
    (3745)(xyzw)=(1001)

    in ein lineares Gleichungssystem.

  2. Löse dieses lineare Gleichungssystem.


Lösung

  1. Die einzelnen Einträge der Matrixgleichung ergeben das lineare Gleichungssystem
    3x+7z=1
    4x+5z=0
    3y+7w=0
    4y+5w=1.
  2. Aus der ersten und der zweiten Gleichung ergibt sich mittels 4I+3II die Bedingung
    43z=4

    und somit

    z=443.

    Daher ist

    x=54z=54443=543.

    Aus der dritten und der vierten Gleichung ergibt sich mittels 4III+3IV die Bedingung

    43w=3

    und somit

    w=343.

    Daher ist

    y=73w=73343=743.


Aufgabe (1 Punkt)

Beweise den Satz über die Dimension des Standardraumes.


Lösung

Die Standardbasis ei, i=1,,n, besteht aus n Vektoren, also ist die Dimension n.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei V ein K-Vektorraum und sei v1,,vn eine Familie von Vektoren in V. Zeige, dass die Familie genau dann linear unabhängig ist, wenn es einen Untervektorraum  UV  gibt, für den die Familie eine Basis bildet.


Lösung

Wenn die Familie in  UV  eine Basis bildet, so ist sie linear unabhängig (in U und in V). Wenn die Familie linear unabhängig ist, so betrachten wir den durch sie erzeugten Untervektorraum

U:=v1,,vnV.

Diese linear unabhängige Familie ist somit ein Erzeugendensystem von U und daher eine Basis von U.


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei

M=(abcdefghi)

eine invertierbare Matrix. Zeige durch zwei Matrizenmultiplikationen, dass

M1=1detM(eifhchbibfcefgdiaicgcdafdhegbgahaebd)

ist.


Lösung

Es ist

(abcdefghi)(eifhchbibfcefgdiaicgcdafdhegbgahaebd)=(a(eifh)+b(fgdi)+c(dheg)a(chbi)+b(aicg)+c(bgah)a(bfce)+b(cdaf)+c(aebd)d(eifh)+e(fgdi)+f(dheg)d(chbi)+e(aicg)+f(bgah)d(bfce)+e(cdaf)+f(aebd)g(eifh)+h(fgdi)+i(dheg)g(chbi)+h(aicg)+i(bgah)g(bfce)+h(cdaf)+i(aebd))=(aeiafh+bfgbdi+cdhcegachabi+baibcg+cbgcahabface+bcdbaf+caecbddeidfh+efgedi+fdhfegdchdbi+eaiecg+fbgfahdbfdce+ecdeaf+faefbdgeigfh+hfghdi+idhieggchgbi+haihcg+ibgiahgbfgce+hcdhaf+iaeibd)=(aeiafh+bfgbdi+cdhceg000dchdbi+eaiecg+fbgfah000gbfgce+hcdhaf+iaeibd).

In der Diagonalen steht immer der gleiche Eintrag, nämlich

aeiafh+bfgbdi+cdhceg=a(eifh)b(difg)+c(dheg)=detM.

Mit dem Vorfaktor 1detM ergibt sich also bei Multiplikation die Einheitsmatrix.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die Eigenwerte und die Eigenräume der durch die Matrix

M=(345014007)

gegebenen linearen Abbildung

φ:33,vMv.


Lösung

Aus der Matrix kann man direkt die drei Eigenwerte 3,1,7 ablesen. Daher ist die Matrix diagonalisierbar und die Eigenräume sind eindimensional.

Es ist

M3E3=(045044004)

und der zugehörige Eigenraum ist

Eig3(φ)=(100).

Es ist

M+1E3=(445004008),

es ist (110) ein Element des Kernes und somit ist der zugehörige Eigenraum

Eig1(φ)=(110).

Es ist

M7E3=(445084000),

es ist (324) ein Element des Kernes und somit ist der zugehörige Eigenraum

Eig7(φ)=(324).