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Kurs:Einführung in die Algebra (Osnabrück 2009)/Vorlesung 9



Das Signum einer Permutation

Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Dann heißt die Zahl

sgn(π)=i<jπ(j)π(i)ji

das Signum (oder das Vorzeichen) der Permutation π.

Das Signum ist 1 oder 1, da im Zähler und im Nenner die bis auf das Vorzeichen gleichen Differenzen ±(ji) stehen. Der Faktor rs im Zähler wird von ±(π1(r)π1(s)) aus getroffen. Es gibt für das Signum also nur zwei mögliche Werte. Bei  sgn(π)=1  spricht man von einer geraden Permutation und bei  sgn(π)=1  von einer ungeraden Permutation.


Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Dann heißt ein Indexpaar

i<j

ein Fehlstand von π, wenn  π(i)>π(j)  ist.



Lemma  

Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Es sei  k=#(F)  die Anzahl der Fehlstände von π.

Dann ist das Signum von π gleich

sgn(π)=(1)k.

Beweis  

Wir schreiben

sgn(π)=i<jπ(j)π(i)ji=(i,j)Fπ(j)π(i)ji(i,j)∉Fπ(j)π(i)ji=(1)k(i,j)Fπ(i)π(j)ji(i,j)∉Fπ(j)π(i)ji=(1)k,

da nach dieser Umordnung sowohl im Zähler als auch im Nenner das Produkt aller positiven Differenzen steht.



Wir betrachten die Permutation

x 1 2 3 4 5 6
σ(x) 2 4 6 5 3 1

mit der Zyklendarstellung

1,2,4,5,3,6.

Die Fehlstände sind

(1,6),(2,5),(2,6),(3,4),(3,5),(3,6),(4,5),(4,6),(5,6),

es gibt also 9 Stück davon. Das Signum ist also  (1)9=1  gemäß Lemma 18.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)), und die Permutation ist ungerade.


Das Signum ist ein Gruppenhomomorphismus im Sinne der folgenden Definition.


Es seien (G,,eG) und (H,,eH) Gruppen. Eine Abbildung

ψ:GH

heißt Gruppenhomomorphismus, wenn die Gleichheit

ψ(gg)=ψ(g)ψ(g)

für alle  g,gG  gilt.



Satz  

Die durch das Signum gegebene Zuordnung

Sn{1,1},πsgn(π),

ist ein Gruppenhomomorphismus.

Beweis  

Es seien zwei Permutationen π und ρ gegeben. Dann ist

sgn(πρ)=i<j(πρ)(j)(πρ)(i)ji=(i<j(πρ)(j)(πρ)(i)ρ(j)ρ(i))i<jρ(j)ρ(i)ji=(i<j,ρ(i)<ρ(j)π(ρ(j))π(ρ(i))ρ(j)ρ(i))(i<j,ρ(i)>ρ(j)π(ρ(j))π(ρ(i))ρ(j)ρ(i))sgn(ρ)=(i<j,ρ(i)<ρ(j)π(ρ(j))π(ρ(i))ρ(j)ρ(i))(i<j,ρ(i)>ρ(j)π(ρ(i))π(ρ(j))ρ(i)ρ(j))sgn(ρ)=k<π()π(k)ksgn(ρ)=sgn(π)sgn(ρ).



Lemma  

Das Signum einer Transposition

ist 1.

Beweis  

Die Transposition τ vertausche die beiden Zahlen  k<.  Wenn  k+1<,  und wenn ρ die Transposition der Nachbarn k und k+1 und τ~ die Transposition von k+1 und bezeichnet, so besteht die Beziehung

τ=ρτ~ρ,

was man direkt auf den relevanten Elementen k,k+1, überprüfen kann. Aufgrund der Homomorphieeigenschaft gilt also  sgn(τ)=sgn(τ~).  Daher genügt es, die Aussage für Transpositionen zu beweisen, die zwei benachbarte Elemente vertauschen. Solche Transpositionen haben aber nur einen Fehlstand, und somit folgt die Aussage aus Lemma 18.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).



Korollar  

Es sei  M={1,,n}  und sei π eine Permutation auf M. Es sei

π=τ1τr

als ein Produkt von r Transpositionen geschrieben.

Dann gilt für das Signum die Darstellung

sgn(π)=(1)r.

Beweis  


Es sei I eine beliebige Menge mit n Elementen, die nicht geordnet sein muss, und sei π eine Permutation auf I. Dann kann man nicht von Fehlständen sprechen und die Definition des Signums ist nicht direkt anwendbar. Man kann sich jedoch an Lemma 9.12 orientieren, um das Signum auch in dieser leicht allgemeineren Situation zu erklären. Dazu schreibt man π als Produkt von r Transpositionen und definiert

sgn(π)={1, falls r gerade ist,1, falls r ungerade ist.

Um einzusehen, dass dies wohldefiniert ist, betrachtet man eine Bijektion

φ:I{1,,n}.

Die Permutation π auf I definiert auf {1,,n} die Permutation  π=φπφ1.  Sei  π=τ1τr  eine Darstellung als Produkt von r Transpositionen auf I. Dann gilt

π=φπφ1=φτ1τrφ1=φτ1φ1φτ2φ1φφ1φτrφ1=τ1τ2τr

mit  τj=φτjφ1.  Dies sind ebenfalls Transpositionen, sodass die Parität von r durch das Signum von π festgelegt ist.



Die alternierende Gruppe

Für n2 ist die Signumsabbildung sgn:Sn{1,1} ein surjektiver Gruppenhomomorphismus, da ja Transpositionen auf 1 abgebildet werden. Der Kern dieses Homomorphismus besteht aus allen geraden Permutationen und ist ein Normalteiler in der Permutationsgruppe Sn. Diese Untergruppe bekommt einen eigenen Namen.


Zu  n  heißt die Untergruppe

An:={σSnsgn(σ)=1}

der geraden Permutationen die alternierende Gruppe.

Die alternierende Gruppe besitzt (n2) den Index zwei, die beiden Nebenklassen sind die geraden Permutationen und die ungeraden Permutationen.

Für n=1,2 ist die alternierende Gruppe die triviale Gruppe. Für n=3 ist A3=/(3). Die Gruppe A4 ist isomorph zur Tetraedergruppe.


Wir betrachten die alternierende Gruppe A4. Die vier Permutationen (in Zyklendarstellung)

id,1,23,4,1,32,4,1,42,3

bilden darin eine kommutative Untergruppe V, in der jedes Element id die Ordnung 2 besitzt. Sie ist isomorph zur Kleinschen Vierergruppe. Es handelt sich sogar um einen Normalteiler vom Index drei. Um dies einzusehen verwenden wir Lemma 7.8 und betrachten exemplarisch σ=1,23,4 und τ=1,2,3 mit dem Inversen τ1=1,3,2. Wir erhalten

1,2,31,23,41,3,2=1,42,3,

was wieder zu V gehört. Die Restklassengruppe A4/V muss isomorph zu /(3) sein, die beiden anderen (neben V) Nebenklassen sind einerseits die Dreierzyklus

N=2,3,4,1,4,3,1,2,4,1,3,2

und andererseits die dazu inversen Dreierzyklus

2,4,3,1,3,4,1,4,2,1,2,3.

Wenn man einen Tetraeder mit nummerierten Ecken anschaut, so entsprechen diese beiden Nebenklassen den Dritteldrehungen im Uhrzeigersinn oder entgegen dem Uhrzeigersinn um die Seiteneckachsen, wobei die Drehrichtung dadurch festgelegt ist, dass man auf den Eckpunkt schaut (welche Orientierung zu welcher Nebenklasse gehört, hängt dabei von der Nummerierung der Ecken ab).


Die Gruppe A4 besitzt also einen nicht-trivialen Normalteiler. Sie ist damit unter den alternierenden Gruppen eine Ausnahme. Es gilt nämlich, und das werden wir hier nicht beweisen, dass die alternierenden Gruppen An, n5 einfach sind im Sinne der folgenden Definition.


Eine Gruppe heißt einfach, wenn sie genau zwei Normalteiler enthält (nämlich sich selbst und die triviale Gruppe).

Für eine Primzahl p sind die zyklischen Gruppen /(p) der Ordnung p einfach, da es in diesen Gruppen aufgrund des Satzes von Lagrange überhaupt nur die triviale und die ganze Gruppe als Untergruppe gibt. In einer nicht kommutativen einfachen Gruppe gibt es im Allgemeinen sehr viele Untergruppen, aber eben keine nicht-trivialen Normalteiler. Die einfachen Gruppen sind in gewissem Sinne die einfachsten Bausteine für alle endlichen Gruppen. Die nicht einfachen Gruppen sind in einem gewissen Sinn „zusammengesetzt“, da es dort dann einen echten Normalteiler NG, N0,G gibt und damit auch eine Restklassengruppe G/N=Q. Die Gruppe G ist dann aus den kleineren Gruppen N und Q irgendwie „zusammengebastelt“, wobei allerdings N und Q nicht die Struktur von G festlegen. Die Klassifikation aller einfachen endlichen Gruppen war ein schwieriges Problem der Gruppentheorie und ist inzwischen (seit ca. 1980) gelöst.



Die Determinante

Wir erinnern noch kurz an die Determinante, die aus der Anfängervorlesung bekannt ist. Mittels Permutationen und deren Signa kann man eine geschlossene Definition für die Determinante geben. Zur Berechnung sind aber rekursive Verfahren sinnvoller.


Zu einer n×n-Matrix

M=(a11a1nan1ann)

heißt

detM=σSnsgn(σ)a1σ(1)anσ(n)

die Determinante von M.



Der Satz von Cayley


Zu einer Gruppe G und einem Element gG nennt man die Abbildung

Lg:GG,xgx

die Linksmultiplikation mit g. Das ist in aller Regel kein Gruppenhomomorphismus, allerdings ist es eine bijektive Abbildung der Menge G in sich. Dieser Zusammenhang wird nun kurz thematisiert.


Lemma  

Es sei G eine Gruppe und Perm(G) die Gruppe der Bijektionen auf G.

Dann ist die Abbildung, die einem Gruppenelement die Linksmultiplikation zuordnet, also

GPerm(G),gLg,

ein injektiver Gruppenhomomorphismus.

Beweis  

Die Linksmultiplikation ist eine Bijektion auf G, da aus gx=gy durch Multiplikation von links mit g1 sofort  x=y folgt. Wegen  ex=x  geht das neutrale Element auf die Identität. Ferner ist für jedes  xG 

Lgg~(x)=(gg~)x=g(g~x)=g(Lg~(x))=Lg(Lg~(x))=(LgLg~)(x),

was Lgg~=LgLg~ bedeutet. Daher ist die Zuordnung ein Gruppenhomomorphismus. Zum Nachweis der Injektivität verwenden wir das Kernkriterium. Es sei also Lg=id. Dann ist aber sofort

g=ge=Lg(e)=id(e)=e.



Satz  

Jede Gruppe lässt sich als Untergruppe einer Permutationsgruppe realisieren. Jede endliche Gruppe lässt sich als Untergruppe einer endlichen Permutationsgruppe realisieren.

Beweis  

Dies folgt sofort aus Lemma 5.12.


Es gilt sogar, dass mit Ausnahme der Identität jede Linksmultiplikation fixpunktfrei ist. D.h. die Untergruppe der Permutationen, die isomorph zur vorgegebenen Gruppe ist, besitzt außer der Identität nur fixpunktfreie Abbildungen. Dies folgt aus  gx=Lg(x)=x  durch Multiplikation mit x1 von rechts.



Es sei  G=/(n)  eine zyklische Gruppe, repräsentiert durch die Elemente {0,1,,n1}. Das Einselement 1 erzeugt die Gruppe, das muss dann auch für die zu G isomorphe Untergruppe von Sn gelten. Die Linksaddition mit 1 ist die Zuordnung

01,12,23,,n2n1,n10.

Das ist also ein Zyklus der Ordnung n. Das Element k geht auf die k-fache Hintereinanderausführung dieses Zyklus.




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