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Kurs:Einführung in die mathematische Logik/11/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Punkte 3 3 2 1 1 3 2 3 7 1 3 5 6 4 44




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Ableitbarkeit eines Aussage αLV aus einer Aussagenmenge ΓLV in der Sprache der Aussagenlogik zu einer Aussagevariablenmenge V.
  2. Eine Ordnungsrelation auf einer Menge I.
  3. Die Erfüllbarkeit eines S-Ausdruckes αLS, wobei S ein Symbolalphabet bezeichnet.
  4. Die elementare Äquivalenz für Elemente m,nM für eine S-Struktur M.
  5. Die aufzählbare Axiomatisierbarkeit einer Theorie TL0S zu einem Symbolalphabet S.
  6. Die Gültigkeit eines modallogischen Ausdrucks α in einem modallogischen Rahmen (M,R).


Lösung

  1. Man sagt, dass α aus Γ ableitbar ist, wenn es endlich viele Ausdrücke α1,,αnΓ derart gibt, dass
    α1αnα

    gilt.

  2. Die Relation heißt Ordnungsrelation, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind.
    1. Es ist ii für alle iI.
    2. Aus ij und jk folgt stets ik.
    3. Aus ij und ji folgt i=j.
  3. Man nennt α erfüllbar, wenn es eine S-Interpretation I mit Iα gibt.
  4. Zwei Elemente m,nM heißen elementar äquivalent, wenn für jeden Ausdruck αL1S in der einen freien Variablen x und jede Variablenbelegung λ auf M die Beziehung
    Imxα genau dann, wenn Inxα

    gilt.

  5. Eine Theorie TL0S heißt aufzählbar axiomatisierbar, wenn es eine R-aufzählbare Satzmenge ΓL0S mit T=Γ gibt.
  6. Die Gültigkeit in einem modallogischen Rahmen bedeutet, dass für jede Wahrheitsbelegung μ
    (M,R,μ)α

    gilt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Das Substitutionslemma.
  2. Der Vollständigkeitssatz der Aussagenlogik.
  3. Der zweite Gödelsche Unvollständigkeitssatz.


Lösung

  1. Es sei ein Symbolalphabet S einer Sprache erster Stufe gegeben und es seien x1,,xk paarweise verschiedene Variablen und t1,,tk fixierte S-Terme. Es sei eine S-Interpretation I gegeben. Dann gelten folgende Aussagen.
    1. Für jeden S-Term s gilt
      I(st1,,tkx1,,xk)=(II(t1),,I(tk)x1,,xk)(s).
    2. Für jeden S-Ausdruck α gilt
      Iαt1,,tkx1,,xk genau dann, wenn (II(t1),,I(tk)x1,,xk)α.
  2. Es sei V eine Menge an Aussagenvariablen und ΓLV eine Teilmenge der zugehörigen Sprache der Aussagenlogik. Es sei αLV. Dann ist
    Γα genau dann, wenn Γα.
  3. Es sei Γ eine arithmetische Ausdrucksmenge, die widerspruchsfrei und entscheidbar sei und die Peano-Arithmetik umfasse. Dann ist die Widerspruchsfreiheit WF(Γ) nicht aus Γ ableitbar, d.h. es ist
    Γ⊬WF(Γ).


Aufgabe (2 Punkte)

In einer Schulklasse gibt es 32 Kinder; es wurden vier identische Pizzen bestellt, die gerecht auf die Kinder verteilt werden sollen. Es steht ein beliebig langes Messer zur Verfügung. Zeige, dass man durch 10 Schnitte die Aufteilung erreichen kann (die Pizzen dürfen nicht übereinander gelegt werden, und die Pizzen dürfen im gesamten Schneidevorgang nicht bewegt werden).


Lösung erstellen


Aufgabe (1 Punkt)

Formuliere die Kontraposition zu folgender Aussage von Professor Knopfloch: „Wenn Sie mein Schreiben vollständig gelesen und verstanden haben, dann antworten Sie mit Ihrer Uni-email“.


Lösung

Wenn Sie nicht mit Ihrer Uni-email antworten, dann haben Sie mein Schreiben nicht vollständig gelesen oder nicht verstanden.


Aufgabe (1 Punkt)

Finde einen möglichst einfachen aussagenlogischen Ausdruck, der die folgende tabellarisch dargestellte Wahrheitsfunktion ergibt.

p q ?
w w f
w f f
f w w
f f w


Lösung

¬p.


Aufgabe (3 Punkte)

Die Klasse 8c hat an jedem Wochentag eine Stunde mathematische Logik. Der Lehrer sagt am Freitag: „nächste Woche werden wir eine Klassenarbeit schreiben, und das wird eine Überraschung sein“. Begründe, dass der Lehrer lügt.


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Aufgabe (2 Punkte)

Es sei  ΓLV  eine Ausdrucksmenge in der Sprache der Aussagenlogik zu einer Aussagenvariablenmenge V. Begründe die Fallunterscheidungsregel für die Ableitungsbeziehung: Wenn Γαβ und Γ¬αβ, dann ist auch Γβ.


Lösung


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei ΓLV eine Ausdrucksmenge in der Sprache der Aussagenlogik über einer Aussagenvariablenmenge V und es seien α,βLV. Zeige, dass

Γ{α}β

zu

Γαβ

äquivalent ist.


Lösung

Die Ableitungsbeziehung

Γαβ

bedeutet, dass es Ausdrücke γ1,,γnΓ mit

γ1γn(αβ)

gibt. Aufgrund der aussagenlogischen Tautologie

(φ(ψθ))(φψθ)

ist dies äquivalent zu

γ1γnαβ.

Dies bedeutet gerade

Γ{α}β.


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz von Hamel mit dem Lemma von Zorn.


Lösung

Es sei V ein Vektorraum über einem Körper K. Es sei

M={TV Die Elemente aus T sind linear unabhängig}.

Die leere Menge gehört zu M, also ist M nicht leer. Es sei  NM  eine total geordnete Teilmenge. Wir behaupten, dass

S=TNT

ebenfalls linear unabhängig ist und daher eine obere Schranke von N in M bildet. Andernfalls gäbe es nämlich eine endliche Teilmenge  ES,  deren Elemente linear abhängig sind, und es gäbe auch ein  TN,  das E umfasst und daher selbst linear abhängig wäre. Nach dem Lemma von Zorn besitzt M also maximale Elemente, d.h. es gibt eine Teilmenge  TV,  die linear unabhängig ist und derart, dass es keine echt größere linear unabhängige Teilmenge von V gibt. Wir behaupten, dass T auch ein Erzeugendensystem von V ist. Es sei dazu  vV.  Bei  vT  sind wir fertig. Bei  vT  ist T{v} linear abhängig, d.h. es gibt eine Linearkombination

i=1nciti+cv=0

mit Elementen  tiT  und Koeffizienten  ci,cK,  die nicht alle 0 sind. Dabei kann c nicht 0 sein, da sonst eine lineare Abhängigkeit zwischen Elementen aus T vorliegen würde. Also kann man v als Linearkombination der t1,,tn ausdrücken.


Aufgabe (1 Punkt)

Wir betrachten den Satz „Kein Mensch ist illegal“. Negiere diesen Satz durch eine Existenzaussage.


Lösung

Es gibt einen Menschen, der nicht legal ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Erläutere Vor- und Nachteile des axiomatischen Aufbaus der Mathematik.


Lösung erstellen


Aufgabe (5 (2+3) Punkte)

Es sei ein Symbolalphabet S einer Sprache erster Stufe gegeben.

  1. Zeige, dass die Substitution xx für die Terme die Identität ist.
  2. Zeige, dass die Substitution xx für die Ausdrücke die Identität ist.


Lösung

  1. Wir beweisen die Aussage durch Induktion über den Aufbau der Terme. Für Variablen ist bei  yx  direkt  yxx=y  und ferner  xxx=x.  Konstanten bleiben bei jeder Substitution unverändert. Für ein n-stelliges Funktionssymbol f und Terme t1,,tn ist
    (ft1tn)xx=ft1xxtnxx=ft1tn

    nach Induktionsvoraussetzung.

  2. Wir beweisen die Aussage durch Induktion über den Aufbau der Sprache für alle Variablen gleichzeitig. Wenn α eine Identität von Termen oder eine Relationsaussage ist, so ergibt sich die Behauptung unmittelbar aus Teil (1). Der Induktionsschritt für die aussagenlogischen Junktoren ergibt sich unmittelbar aus der Definition der Substitution. Bei yβ mit  yx  kommt y nicht im substituierenden Term vor, und daher ist  v=y  und
    (yβ)xx=y(βyy)=yβ

    nach Induktionsvoraussetzung. Bei xβ ist x nicht frei in β und somit ist die relevante Termmenge leer und  v=x,  also

    (xβ)xx=x(βxx)=xβ

    nach Induktionsvoraussetzung.


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei S ein Symbolalphabet erster Stufe, α ein S-Ausdruck und x eine Variable. Zeige, dass α genau dann gilt, wenn xα gilt.


Lösung

Nach der Allquantorversion von Axiom 11.1 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) ist

xααxx,

also

xαα.

Daher folgt aus

xα

mittels Modus ponens direkt

α.

Es sei umgekehrt α gegeben. Es sei β ein beliebiger Ausdruck, in dem x nicht vorkomme. Nach Axiom 3.8 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))   (1) und Modus ponens ergibt sich

βα

und

¬βα.

Auf diese beiden abgeleiteten Ausdrücke wird nun die Allquantorversion der Existenzeinführung im Antezedens (also die Alleinführung im Sukzedens) angewendet. Dies ist möglich, da x in β überhaupt nicht und in xα nicht frei vorkommt. Man erhält

βxα

und

¬βxα.

Daraus ergibt sich mit der Fallunterscheidungsregel

xα.


Aufgabe (4 (2+2) Punkte)

Es sei M ein kommutativer Halbring und x,yM. Es sei

I:={uMabcd mit u+ax+by=cx+dy}.
  1. Zeige, dass I die folgenden drei Eigenschaften erfüllt.
    1. 0I.
    2. Wenn u,vI sind, so ist auch u+vI.
    3. Wenn uI und rM ist, so ist auch ruI.
  2. M erfülle nun die Abziehregel. Zeige, dass aus u,vI mit  u=v+z  auch zI folgt.


Lösung

Es sei M ein kommutativer Halbring und x,yM. Es sei

I:={uMabcd,u+ax+by=cx+dy}.
    1. Die Zugehörigkeit 0I ergibt sich aus  a=b=c=d=0
    2. Sei  u+ax+by=cx+dy  und  v+ax+by=cx+dy.  Dann ist durch Addition der beiden Gleichungen direkt
      u+v+(a+a)x+(b+b)y=u+v+ax+by+ax+by=cx+dy+cx+dy=(c+c)x+(d+d)y.
    3. Sei  u+ax+by=cx+dy.  Durch Multiplikation mit r ergibt sich direkt
      ru+rax+rby=rcx+rcy.
  1. Sei  u=v+z  und  u+ax+by=cx+dy  und  v+ax+by=cx+dy.  Durch Addition der beiden Gleichungen über Kreuz erhält man
    v+cx+dy+ax+by=u+ax+by+cx+dy=v+z+ax+by+cx+dy.

    Aufgrund der Abziehregel gilt

    cx+dy+ax+by=z+ax+by+cx+dy,

    was die Zugehörigkeit zI bedeutet.