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Kurs:Elemente der Algebra (Osnabrück 2015)/Vorlesung 27/kontrolle

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Das Delische Problem
Die Bewohner der Insel Delos befragten während einer Pestepidemie 430 v. Chr. das Orakel von Delphi. Sie wurden aufgefordert, den würfelförmigen Altar des Apollon zu verdoppeln.

Wir kommen zur ersten Konsequenz von unserer systematischen Untersuchung der konstruierbaren Zahlen auf die klassischen Konstruktionsprobleme.


Korollar  Referenznummer erstellen

Die Würfelverdopplung mit Zirkel und Lineal ist nicht möglich.

Beweis  

Wir betrachten einen Würfel mit der Kantenlänge 1 und dem Volumen 1. Die Konstruktion eines Würfels mit dem doppelten Volumen würde bedeuten, dass man die neue Kantenlänge, also 21/3 mit Zirkel und Lineal konstruieren könnte. Das Minimalpolynom von 21/3 ist X32, da dieses offenbar 21/3 annulliert und nach Lemma 6.9 irreduzibel ist, da in keine dritte Wurzel aus 2 existiert. Nach Korollar 26.7 ist 21/3 nicht konstruierbar, da 3 keine Zweierpotenz ist.




Die Quadratur des Kreises



Satz  Referenznummer erstellen

Es ist nicht möglich, zu einem vorgegebenen Kreis ein flächengleiches Quadrat mit Zirkel und Lineal zu konstruieren.

Beweis  

Wenn es ein Konstruktionsverfahren gäbe, so könnte man insbesondere den Einheitskreis mit dem Radius 1 quadrieren, d.h. man könnte ein Quadrat mit der Seitenlänge π mit Zirkel und Lineal konstruieren. Nach Korollar 26.6 muss aber eine konstruierbare Zahl algebraisch sein. Nach dem Satz von Lindemann ist aber π und damit auch π transzendent.


Es gibt natürlich einige geometrische Methoden, die Zahl π zu erhalten, z.B. die Abrollmethode und die Schwimmbadmethode.


Die einfachste Art, die Zahl π geometrisch zu konstruieren, ist die Abrollmethode, bei der man einen Kreis mit Durchmesser 1 einmal exakt abrollt. Die zurückgeführte Entfernung ist genau der Kreisumfang, also 2π.




Man kann die Zahl π auch mit Hilfe von Schwimmbecken und einer idealen Flüssigkeit erhalten.




Einheitswurzeln

Es sei K ein Körper und  n.  Dann heißen die Nullstellen des Polynoms

Xn1

in K die n-ten Einheitswurzeln in K.

Die 1 ist für jedes n eine n-te Einheitswurzel, und die 1 ist für jedes gerade n eine n-te Einheitswurzel. Es gibt maximal n n-te Einheitswurzel, da das Polynom Xn1 maximal n Nullstellen besitzt. Die Einheitswurzeln bilden also insbesondere eine endliche Untergruppe (mit xn=1 und yn=1 ist auch (xy)n=1, usw.) der Einheitengruppe des Körpers.  Nach einem Satz, den wir nicht bewiesen haben, ist diese Gruppe zyklisch mit einer Ordnung, die n teilt.


Eine n-te Einheitswurzel heißt primitiv, wenn sie die Ordnung n besitzt.

Man beachte, dass ein Erzeuger der Gruppe der Einheitswurzeln nur dann primitiv heißt, wenn es n verschiedene Einheitswurzeln gibt. Wenn ζ eine primitive n-te Einheitswurzel ist, so sind genau die ζi mit i<n und i teilerfremd zu n die primitiven Einheitswurzeln. Insbesondere gibt es, wenn es überhaupt primitive Einheitswurzeln gibt, genau φ(n) primitive Einheitswurzeln, wobei φ(n) die eulersche φ-Funktion bezeichnet. Die komplexen Einheitswurzeln lassen sich einfach beschreiben.



Lemma  Lemma 27.7 ändern

Es sei  n+

Die Nullstellen des Polynoms Xn1 über sind

e2πik/n=cos2πkn+isin2πkn,k=0,1,,n1.

In [X] gilt die Faktorisierung

Xn1=(X1)(Xe2πi/n)(Xe2πi(n1)/n).

Beweis  

Der Beweis verwendet einige Grundtatsachen über die komplexe Exponentialfunktion. Es ist

(e2πik/n)n=e2πik=(e2πi)k=1k=1.

Die angegebenen komplexen Zahlen sind also wirklich Nullstellen des Polynoms Xn1. Diese Nullstellen sind alle untereinander verschieden, da aus

e2πik/n=e2πi/n

mit  0kn1  sofort, durch Betrachten des Quotienten,  e2πi(k)/n=1  folgt, und daraus

k=0.

Es gibt also n explizit angegebene Nullstellen und daher müssen dies alle Nullstellen des Polynoms sein. Die explizite Beschreibung in Koordinaten folgt aus der eulerschen Formel.




Kreisteilungskörper

Der n-te Kreisteilungskörper ist der Zerfällungskörper des Polynoms

Xn1

über .

Offenbar ist 1 eine Nullstelle von Xn1. Daher kann man Xn1 durch X1 teilen und erhält, wie man schnell nachrechnen kann,

Xn1=(X1)(Xn1+Xn2++X+1).

Wegen  1  ist daher der n-te Kreisteilungskörper auch der Zerfällungskörper von

Xn1+Xn2++X+1.

Es gibt auch Kreisteilungskörper über anderen Körpern, da es ja stets Zerfällungskörper gibt. Wir beschränken uns aber weitgehend auf die Kreisteilungskörper über , die wir auch mit Kn bezeichnen. Da Xn1 auf die in Lemma 27.7 beschriebene Art über in Linearfaktoren zerfällt, kann man Kn als Unterkörper von realisieren, und zwar ist Kn der von allen n-ten Einheitswurzeln erzeugte Unterkörper von . Dieser wird sogar schon von einer einzigen primitiven Einheitswurzel erzeugt. Wir erwähnen den folgenden Begriff.


Eine Körpererweiterung  KL  heißt einfach, wenn es ein Element  xL  mit

L=K(x)

gibt.



Lemma  Lemma 27.10 ändern

Es sei  n+.  Dann wird der n-te Kreisteilungskörper über

von e2πi/n erzeugt.

Der n-te Kreisteilungskörper ist also

Kn=(e2πi/n)=[e2πi/n].

Insbesondere ist jeder Kreisteilungskörper eine einfache Körpererweiterung von .[1]

Beweis  

Es sei Kn der n-te Kreisteilungskörper über . Wegen  (e2πi/n)n=1  ist  [e2πi/n]Kn.  Wegen  (e2πi/n)k=e2πik/n  gehören auch alle anderen Einheitswurzeln zu [e2πi/n], also ist  [e2πi/n]=Kn


Statt e2πin kann man auch jede andere n-te primitive Einheitswurzel aus als Erzeuger nehmen.


Beispiel  Beispiel 27. ändern

Wir bestimmen einige Kreisteilungskörper für kleine n. Bei  n=1  oder 2 ist der Kreisteilungskörper gleich . Bei  n=3  ist

X31=(X1)(X2+X+1)

und der zweite Faktor zerfällt

X2+X+1=(X+12i32)(X+12+i32).

Daher ist der dritte Kreisteilungskörper der von  3=3i  erzeugte Körper, es ist also  K3=[3]  eine quadratische Körpererweiterung der rationalen Zahlen.

Bei  n=4  ist natürlich

X41=(X21)(X2+1)=(X1)(X+1)(X2+1)=(X1)(X+1)(Xi)(X+i).

Der vierte Kreisteilungskörper ist somit  [i][X]/(X2+1),  also ebenfalls eine quadratische Körpererweiterung von .


Der Beweis der folgenden wichtigen Aussage beruht auf Überlegungen, die wir nicht entwickelt haben.


Lemma  Lemma 27.12 ändern

Es sei p eine Primzahl.

Dann ist der p-te Kreisteilungskörper gleich

[X]/(Xp1+Xp2++X1+1).

Insbesondere besitzt der p-te Kreisteilungskörper den Grad p1 über .

Beweis  



Beispiel  Beispiel 27.13 ändern

Der fünfte Kreisteilungskörper wird von der komplexen Zahl e2πi/5 erzeugt. Er hat aufgrund von Lemma 27.12 die Gestalt

K5[X]/(X4+X3+X2+X+1),

wobei die Variable X als e2πi/5 (oder eine andere primitive Einheitswurzel) zu interpretieren ist. Es sei  x=e2πi/5,  wir setzen  v=xx2x3+x4=(2x3+2x2+1).  Aus Symmetriegründen muss dies eine reelle Zahl sein. Es ist

v2=4x6+4x4+1+8x5+4x3+4x2=4x+4x4+1+8+4x3+4x2=5+4(x4+x3+x2+x+1)=5.

Es ist also  v=5  (die positive Wurzel) und somit haben wir eine Folge von quadratischen Körpererweiterungen

[5]K5.
Dies zeigt aufgrund von

Satz 26.5, dass die fünften Einheitswurzeln konstruierbare Zahlen sind.



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Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)

  1. Dies ist natürlich auch klar aufgrund des Satzes vom primitiven Element.