Zum Inhalt springen

Kurs:Mathematik (Osnabrück 2009-2011)/Teil I/Nach/Klausur mit Lösungen

Aus Wikiversity

Aufgabe * (4 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Der Binomialkoeffizient (nk).
  2. Die Umkehrabbildung zu einer bijektiven Abbildung F:LM.
  3. Der Betrag einer komplexen Zahl  z=a+bi
  4. Die Stetigkeit einer Abbildung
    φ:

    in einem Punkt  a

  5. Die lineare Unabhängigkeit von Vektoren v1,,vn in einem K-Vektorraum V.
  6. Der Rang einer linearen Abbildung
    φ:VW

    zwischen endlichdimensionalen K-Vektorräumen V und W.

  7. Die Eulersche Zahl.
  8. Die Zahl π (gefragt ist nach der analytischen Definition).

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Der Binomialkoeffizient (nk).
  2. Die Umkehrabbildung zu einer bijektiven Abbildung F:LM.
  3. Der Betrag einer komplexen Zahl  z=a+bi
  4. Die Stetigkeit einer Abbildung
    φ:

    in einem Punkt  a

  5. Die lineare Unabhängigkeit von Vektoren v1,,vn in einem K-Vektorraum V.
  6. Der Rang einer linearen Abbildung
    φ:VW

    zwischen endlichdimensionalen K-Vektorräumen V und W.

  7. Die Eulersche Zahl.
  8. Die Zahl π (gefragt ist nach der analytischen Definition).


 


Aufgabe * (4 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Die Dimensionsformel für lineare Abbildungen.
  2. Der Satz von Cayley-Hamilton.
  3. Der Zwischenwertsatz für stetige Funktionen.
  4. Der Satz von Bolzano-Weierstraß.
  1. Es sei K ein Körper, V und W seien K-Vektorräume und

    φ:VW

    sei eine K-lineare Abbildung und V sei endlichdimensional.

    Dann gilt

    dimK(V)=dimK(kernφ)+dimK(bildφ).
  2. Es sei K ein Körper und sei M eine n×n-Matrix über K. Es sei

    χM=Xn+cn1Xn1++c1X+c0

    das charakteristische Polynom zu M.

    Dann gilt

    χM(M)=Mn+cn1Mn1++c1M+c0=0.

    Das heißt, dass die Matrix das charakteristische Polynom annulliert.

  3. Es seien  ab  reelle Zahlen und sei f:[a,b] eine stetige Funktion. Es sei  u  eine reelle Zahl zwischen f(a) und f(b).

    Dann gibt es ein  x[a,b]  mit  f(x)=u

  4. Es sei (xn)n eine beschränkte Folge von reellen Zahlen.

    Dann besitzt die Folge eine konvergente Teilfolge.


 


Aufgabe * (4 Punkte)


a) Man gebe ein Beispiel für rationale Zahlen  a,b,c]0,1[  mit

a2+b2=c2.


b) Man gebe ein Beispiel für rationale Zahlen  a,b,c]0,1[  mit

a2+b2c2.


c) Man gebe ein Beispiel für irrationale Zahlen  a,b]0,1[  und eine rationale Zahl  c]0,1[  mit

a2+b2=c2.


a) Es ist

32+42=52,

daher ist

(36)2+(46)2=(56)2,

und diese Zahlen sind rational und aus dem offenen Einheitsintervall.


b) Wir nehmen  a=36  und  b=46  und  c=16.  Die Summe ist

a2+b2=(56)2(16)2.


c) Wir setzen

a=b=122;

diese Zahl ist irrational, da 2 irrational ist. Es gilt

(122)2+(122)2=142+142=14=(12)2.

Mit  c=12  ist also ein Beispiel der gewünschten Art gefunden.


 


Aufgabe * (4 Punkte)

Beweise durch Induktion für alle  n+  die Formel

k=1n(1)k1k2=(1)n+1n(n+1)2.

Induktionsanfang. Für  n=1  kommt links nur der Summand zu  k=1  vor, und dieser ist

(1)012=1.

Rechts steht ebenfalls

(1)2122=1.

Induktionsschluss. Die Aussage sei für n bewiesen, wir schließen daraus auf die Gültigkeit für n+1. Es ist

k=1n+1(1)k1k2=k=1n(1)k1k2+(1)n(n+1)2=(1)n+1n(n+1)2+(1)n+2(n+1)(n+1)=(1)n+2n(n+1)2+(1)n+22(n+1)(n+1)2=(1)n+2n(n+1)+2(n+1)(n+1)2=(1)n+2(n+1)(n+2n+2)2=(1)n+2(n+1)(n+2)2.

Also gilt die Aussage für alle n.


 


Aufgabe * (4 Punkte)

Bestimme den Kern der durch die Matrix

M=(23014225)

gegebenen linearen Abbildung

φ:42.

Wir bestimmen den Lösungsraum des linearen Gleichungssystems

I2x+3yw=0
II4x+2y+2z+5w=0.

Es ist

III=II2I4y+2z+7w=0.

Damit haben wir Stufengestalt erreicht.

Wir wählen  w=0  und  z=2.  Dann ist  y=1  nach III und nach I ist  x=32.  Damit ist

(32120)
eine Lösung.

Wir wählen jetzt  w=1  und  z=0.  Dann ist  y=74  nach III und nach I ist

x=178.

Damit ist

(1787401)

eine weitere Lösung, die von der ersten Lösung linear unabhängig ist. Da die Matrix den Rang 2 besitzt (was aus der Stufengestalt ablesbar ist), ist der Kern zweidimensional, also ist der Kern gleich

{a(32120)+b(1787401)a,b}.


 


Aufgabe * (4 Punkte)

Zeige, dass die Reihe

n=1znnn

für jedes  z  absolut konvergiert.

Wir wenden das Quotientenkriterium an, woraus dann die absolute Konvergenz folgt. Dazu betrachten wir den Quotienten aus zwei aufeinander folgenden Gliedern  an=znnn  der Reihe (bei z=0 ist die Aussage klar, sei also z0), also

|an+1an|=|zn+1(n+1)n+1znnn|=|z|nn(n+1)n+1=|z|(nn+1)n1n+1|z|1n+1.

Zu einem gegebenen  z  gibt es ein  n0  mit

q:=|z|n0+1<1.

Dies gilt dann auch für alle  nn0,  sodass man ab n0 das Quotientenkriterium anwenden kann.


 


Aufgabe * (4 Punkte)

Bestimme das Taylor-Polynom der Ordnung 3 zur Funktion

f(x)=xsinx

im Entwicklungspunkt  a=π2

Es ist

f(π2)=π2.

Es ist

f(x)=sinx+xcosx

und daher ist

f(π2)=1.

Es ist

f(x)=cosx+cosxxsinx=2cosxxsinx

und daher ist

f(π2)=π2.

Es ist

f(x)=2sinxsinxxcosx=3sinxxcosx

und daher ist

f(π2)=3.

Das Taylor-Polynom vom Grad 3 in π2 ist somit

π2+(xπ2)π4(xπ2)212(xπ2)3.


 


Aufgabe * (5 Punkte)

Es seien M1,,Mk und N1,,Nk nichtleere Mengen und

φi:MiNi

Abbildungen für i=1,,k. Es sei M=M1××Mk, N=N1××Nk, und φ die Produktabbildung, also

φ:MN,(x1,,xk)(φ1(x1),,φk(xk)).

a) Zeige, dass φ genau dann surjektiv ist, wenn alle φi surjektiv sind.

b) Zeige, dass a) nicht gelten muss, wenn die beteiligten Mengen leer sein dürfen.

a) Es seien alle φi surjektiv und sei y=(y1,,yk)N. Zu jedem i gibt es ein xiMi mit φ(xi)=yi. Daher ist x=(x1,,xk) ein Urbild von y unter φ.

Es sei umgekehrt φ surjektiv, und sei yiNi gegeben. Da die Nj alle nicht leer sind, gibt es jeweils ein ajNj. Wir setzen

y=(a1,,ai1,yi,ai+1,,ak)N.

Dafür gibt es nach Voraussetzung ein Urbild xM. Für die i-te Komponente davon muss φi(xi)=yi gelten.

b) Es sei M1=N1=, sei φ1 die leere Abbildung und seien M2 und N2 irgendwelche (nichtleere) Mengen und sei φ2:M2N2 eine beliebige nicht surjektive Abbildung. Dann ist M=×M2= und N=×N2= und daher ist die Produktabbildung φ=φ1×φ2 ebenfalls die leere Abbildung, also surjektiv, obwohl nicht alle φi surjektiv sind.


 


Aufgabe * (6 Punkte)

Wir betrachten die lineare Abbildung

φ:33,

die bezüglich der Standardbasis durch die Matrix

A=(212+i0i1+i001+2i)

beschrieben wird.

a) Bestimme das charakteristische Polynom und die Eigenwerte von A.


b) Berechne zu jedem Eigenwert einen Eigenvektor.


c) Stelle die Matrix für φ bezüglich einer Basis aus Eigenvektoren auf.


a) Das charakteristische Polynom ist

χA=det(x212i0xi1i00x+12i)=(x2)(xi)(x+12i)=x3(1+3i)x2+(2i2(12i)i(12i))x+2i(12i)=x3(1+3i)x2+(4+5i)x+4+2i

und die Eigenwerte von A sind 2,i,1+2i.


b) Wir bestimmen für jeden Eigenwert einen Eigenvektor.

 x=2

Wir müssen ein nichttriviales Element im Kern von

(012i02i1i0032i)

bestimmen. Da gehört (100) dazu.

 x=i

Dies führt auf

(2+i12i001i001i)(abc)=(000).

Wir wählen c=0 und a=1 und erhalten b=2+i, also ist

(12+i0)

ein Eigenvektor zum Eigenwert i.

 x=1+2i

Dies führt auf

(3+2i12i01+i1i000)(abc)=(000).

Mit c=1+i und b=1+i ist die mittlere Zeile erfüllt. Die erste Zeile wird dann zu

(3+2i)a1i+(2i)(1+i)=0

und daher ist

(3+2i)a=1+i(2i)(1+i)=1+i2i+21i=22i.

Daher ist

a=(22i)(3+2i)1=(22i)32i13=10+2i13.

Somit ist

(10+2i131+i1+i)

ein Eigenvektor zum Eigenwert 1+2i.


c) Bezüglich einer Basis aus Eigenvektoren besitzt die beschreibende Matrix die Gestalt

(2000i0001+2i).


 


Aufgabe * (11 Punkte)

Es sei K ein Körper, V und W seien endlichdimensionale K-Vektorräume und sei

φ:VW

eine lineare Abbildung.

a) Zeige: φ ist genau dann surjektiv, wenn es eine lineare Abbildung

ψ:WV

mit

φψ=IdW

gibt.


b) Es sei nun φ surjektiv, es sei

S={ψ:WVψ linear,φψ=IdW}

und es sei  ψ0S  fixiert. Definiere eine Bijektion zwischen HomK(W,kernφ) und S, unter der 0 auf ψ0 abgebildet wird.

a) Es gebe eine lineare Abbildung ψ mit der angegebenen Eigenschaft φψ=IdW. Dann ist für jedes wW

w=φ(ψ(w)),

also ist ψ(w) ein Urbild für w unter φ.

Es sei w1,,wn eine Basis von W und es seien v1,,vn Urbilder unter φ, also Elemente in V mit

φ(vi)=wi für alle i=1,,n.

Wir definieren nun eine lineare Abbildung ψ:WV durch

ψ(wi):=vi für alle i=1,,n.
Da man eine lineare Abbildung auf einer Basis frei vorgeben kann, ist dadurch in der Tat eine lineare Abbildung definiert.

Für die Verknüpfung φψ und einen beliebigen Vektor w=i=1naiwi gilt

(φψ)(i=1naiwi)=φ(ψ(i=1naiwi))=φ(i=1naiψ(wi))=φ(i=1naivi)=i=1naiφ(vi)=i=1naiwi.

Also ist diese Verknüpfung die Identität.

b) Wir definieren eine Abbildung durch

HomK(W,kernφ)S,θθ+ψ0,

wobei θ+ψ0 die Addition von linearen Abbildungen von W nach V ist. Unter dieser Abbildung geht die Nullabbildung auf ψ0. Wir müssen zuerst zeigen, dass θ+ψ0 zu S gehört. Dies folgt aus

(φ(θ+ψ0))(w)=φ((θ+ψ0)(w))=φ(θ(w)+ψ0(w))=φ(ψ0(w))=w

für alle wW.

Zur Injektivität. Seien θ1 und θ2 aus HomK(W,kernφ) gegeben, die auf das gleiche Element in S abgebildet werden. Dann ist

θ1(w)+ψ0(w)=θ2(w)+ψ0(w) für alle wW
und daher
θ1(w)=θ2(w) für alle wW.

Zur Surjektivität. Es sei ψS. Wir betrachten ψψ0 und behaupten, dass dies zu HomK(W,kernφ) gehört. Dies folgt aus

φ((ψψ0)(w))=φ(ψ(w)ψ0(w))=φ(ψ(w))φ(ψ0(w))=ww=0.

Damit ist ψ=(ψψ0)+ψ0 im Bild der Abbildung.


 


Aufgabe * (9 Punkte)

Es sei Tn eine nichtleere Teilmenge, n1.

a) T sei nicht beschränkt. Zeige, dass es eine stetige Funktion

f:T

gibt, deren Bild nicht beschränkt ist.

b) T sei nicht abgeschlossen. Zeige, dass es eine stetige Funktion

f:T

gibt, deren Bild nicht beschränkt ist.

a) Wir betrachten die stetige Funktion

n,(x1,,xn)x12++xn2,
und die

(ebenfalls stetige) Einschränkung davon auf T. Da T unbeschränkt ist, gibt es für jedes k ein xT mit

d(x,0)=x12++xn2>k.
Daher ist natürlich

(bei k1) auch

f(x)=x12++xn2>k.

sodass das Bild von f nicht beschränkt ist.

b) T sei nicht abgeschlossen. Dann gibt es eine Folge Pm in T, die gegen einen Punkt Pn mit P∉T konvergiert. Es sei

P=(a1,,an).

Wir betrachten die Funktion

f:T,x1(d(P,x))2=1(x1a1)2++(xnan)2.
Diese Funktion ist auf T definiert, da sie auf n{P} definiert ist, da die Summe der Quadrate positiv ist, sobald in einer Komponente xiai ist. Diese Funktion ist stetig als Kehrwertfunktion einer nullstellenfreien stetigen Funktion.

Wir behaupten, dass diese Funktion auf T unbeschränkt ist. Dazu sei k vorgegeben und sei ϵ>0 mit (1ϵ)2k. Da die Folge Pm gegen P konvergiert, gibt es ein m mit

d(P,Pm)ϵ.

Daher ist

f(Pm)=1(d(P,Pm))21ϵ2k

und die Funktion ist auf T unbeschränkt.


 


Aufgabe * (5 Punkte)

Wir betrachten die Funktion

f:{0},xf(x)=e1x.


a) Untersuche das Monotonieverhalten dieser Funktion.

b) Zeige, dass diese Funktion injektiv ist.

c) Bestimme das Bild von f.

d) Man gebe die Umkehrfunktion auf dem Bild zu dieser Funktion an.

e) Skizziere den Funktionsgraphen von f.


a) Die Ableitung von f ist

f(x)=1x2e1x.

Dies ist stets positiv, sodass die Funktion auf den beiden Teilintervallen und + jeweils streng wachsend ist. Insgesamt ist die Funktion aber nicht wachsend, da die Werte zu negativem x stets größer als die Werte zu positivem x sind.

b) Für  x<0  ist  e1x>1,  da der Exponent positiv ist. Für  x>0  ist  e1x<1,  da der Exponent negativ ist. Daher haben insbesondere negative und positive reelle Zahlen unter f unterschiedliche Werte. Da im negativen Bereich als auch im positiven Bereich strenges Wachstum vorliegt, ist die Abbildung insgesamt injektiv.

c) Für negatives x durchläuft 1x sämtliche positiven Zahlen, sodass e1x das offene Intervall ]1,[ durchläuft. Für positives x durchläuft 1x sämtliche negativen Zahlen, sodass e1x das offene Intervall ]0,1[ durchläuft. Das Bild ist also +{1}.

d) Aus  y=e1x  folgt durch Äquivalenzumformungen  lny=1x  und damit  x=1lny,  die Umkehrabbildung ist also

+{1}{0},y1lny.


e)


 

Zur pdf-Version der Nachklausur

Zur pdf-Version der Nachklausur mit Lösungen