Kurs:Mathematik für Anwender/Teil I/5/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 2 | 3 | 2 | 4 | 4 | 3 | 6 | 2 | 4 | 4 | 5 | 4 | 5 | 6 | 4 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Die leere Menge.
- Die Konvergenz einer reellen Folge gegen .
- Das
Maximum
der Funktion
wird im Punkt angenommen.
- Eine
Treppenfunktion
auf einem beschränkten reellen Intervall .
- Eine Linearkombination in einem -Vektorraum .
- Ein Eigenwert zu einer
linearen Abbildung
auf einem -Vektorraum .
- Unter der leeren Menge versteht man diejenige Menge, die kein Element besitzt.
- Die Konvergenz gegen bedeutet, dass es zu jedem reellen ein derart gibt, dass für alle die Abschätzung
gilt.
- Man sagt, dass in
das
Maximum annimmt,
wenn
- Eine
Funktion
heißt eine Treppenfunktion, wenn es eine Unterteilung
von derart gibt, dass auf jedem offenen Teilintervall konstant ist.
- Es sei eine Familie von Vektoren in . Dann heißt der Vektor
eine Linearkombination dieser Vektoren.
- Ein Element heißt ein Eigenwert zu , wenn es einen von verschiedenen Vektor mit
gibt.
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die Eindeutigkeit des Grenzwertes einer reellen Folge.
- Der Satz über die Differenz zwischen Stammfunktionen.
- Der Satz über die Dimension des Standardraumes.
- Eine reelle Folge besitzt maximal einen Grenzwert.
- Sei ein reelles Intervall und sei
eine Funktion. Es seien und
zwei Stammfunktionen von . Dann ist eine konstante Funktion. - Es sei ein Körper und . Dann besitzt der Standardraum die Dimension .
Aufgabe (2 Punkte)
Begründe das Beweisprinzip der vollständigen Induktion.
Wegen der ersten Voraussetzung gilt . Wegen der zweiten Voraussetzung gilt auch . Deshalb gilt auch . Deshalb gilt auch . Da man so beliebig weitergehen kann und dabei jede natürliche Zahl erhält, gilt die Aussage für jede natürliche Zahl .
Aufgabe (3 Punkte)
Zwei Personen, und , liegen unter einer Palme, besitzt Fladenbrote und besitzt Fladenbrote. Eine dritte Person kommt hinzu, die kein Fladenbrot besitzt, aber Taler. Die drei Personen werden sich einig, für die Taler die Fladenbrote untereinander gleichmäßig aufzuteilen. Wie viele Taler gibt an und an ?
Es gibt insgesamt Fladenbrote, sodass also jede Person Brote isst. Somit gibt genau Brot an ab und gibt Brote an ab. gibt also -mal soviel ab wie und bekommt daher Taler, und bekommt einen Taler von .
Aufgabe (2 Punkte)
Skizziere möglichst viele wesentlich verschiedene Konfigurationen von fünf Geraden in der Ebene, die sich insgesamt in vier Schnittpunkten treffen.
Aufgabe (4 Punkte)
Zeige durch Induktion über , dass es zu natürlichen Zahlen mit natürliche Zahlen mit und mit
gibt.
Es sei fixiert. Der Induktionsanfang ergibt sich direkt mit und . Für den Induktionsschluss sei die Aussage für bewiesen, d.h. wir haben eine Darstellung mit und müssen eine ebensolche Darstellung für finden. Wenn ist, so ist
und wegen ist dies eine gesuchte Darstellung. Ist hingegen , so ist
und dies ist eine gesuchte Darstellung.
Aufgabe (4 Punkte)
Es seien die beiden komplexen Polynome
gegeben. Berechne (es soll also in eingesetzt werden).
Aufgabe (3 Punkte)
Wir erweitern den Bruch mit () und schreiben
Dabei konvergieren und gegen und wegen konvergieren auch und gegen . Somit konvergiert die Folge gegen .
Aufgabe (6 Punkte)
Beweise den Zwischenwertsatz.
Wir beschränken uns auf die Situation und zeigen die Existenz eines solchen mit Hilfe einer Intervallhalbierung. Dazu setzt man und , betrachtet die Intervallmitte und berechnet
Bei setzt man
und bei setzt man
In jedem Fall hat das neue Intervall die halbe Länge des Ausgangsintervalls und liegt in diesem. Da es wieder die Voraussetzung erfüllt, können wir darauf das gleiche Verfahren anwenden und gelangen so rekursiv zu einer Intervallschachtelung. Sei die durch diese Intervallschachtelung gemäß Satz 8.12 (Mathematik für Anwender (Osnabrück 2020-2021)) definierte reelle Zahl. Für die unteren Intervallgrenzen gilt und das überträgt sich wegen der Stetigkeit nach dem Folgenkriterium auf den Grenzwert , also . Für die oberen Intervallgrenzen gilt und das überträgt sich ebenfalls auf , also . Also ist .
Aufgabe (2 Punkte)
Bestimme die Ableitung der Funktion
Wir verwenden die Darstellung . Aufgrund der Quotientenregel und der Kettenregel ist
Aufgabe (4 Punkte)
Bestimme die lokalen und globalen Extrema der Funktion
Die erste Ableitung ist
deren Nullstellen sind und . Die zweite Ableitung ist
sodass und ist. Daher liegt nach Korollar 15.19 (Mathematik für Anwender (Osnabrück 2020-2021)) in ein (isoliertes) lokales Minimum mit dem Wert und in ein (isoliertes) lokales Maximum mit dem Wert vor. Da für sowohl als auch positiv sind, liegt in auch das globale Minimum vor. Für wächst die Funktion hingegen gegen , sodass in kein globales Maximum vorliegt.
Aufgabe (4 Punkte)
Wir berechnen zuerst die Ableitungen, diese sind
Somit ist
Das Taylor-Polynom vom Grad zum Entwicklungspunkt ist demnach
Aufgabe (5 Punkte)
Es sei . Bestimme ein Polynom vom Grad , das in den beiden Punkten und die gleichen linearen Approximationen wie besitzt.
Die Ableitung von ist
Somit ist
Diese Daten legen die linearen Approximationen fest. Wir setzen das gesuchte Polynom als
an. Die Ableitung davon ist
Aus den Werten an der Stelle folgt direkt
und
Somit verbleiben die beiden Bedingungen
und
Die Differenz dieser beiden Gleichungen führt auf
bzw.
also
Somit ist
Das gesuchte Polynom ist also
Aufgabe (4 Punkte)
Bestimme eine Stammfunktion von .
Durch Multiplikation mit und Umstellen erhält man
Also ist
eine Stammfunktion von .
Aufgabe (5 Punkte)
Es sei die durch die Matrix (bezüglich der Standardbasis) festgelegte lineare Abbildung. Bestimme die beschreibende Matrix zu bezüglich der Basis und .
Es ist
und
Diese Bildvektoren müssen wir bezüglich der Basis ausdrücken. Der Ansatz
bzw.
führt auf
und damit auf und . Der Ansatz
bzw.
führt auf
und damit auf und . Daher ist die beschreibende Matrix von bezüglich der Basis und gleich
Aufgabe (6 (2+4) Punkte)
Es sei ein Körper, und seien -Vektorräume und
sei eine -lineare Abbildung.
a) Zeige, dass der Kern von ein Untervektorraum von ist.
b) Beweise das Injektivitätskriterium für eine lineare Abbildung.
a) Bei einer linearen Abbildung ist , also ist . Es seien . Dann ist , also . Für und ist schließlich
also . Damit ist der Kern ein Untervektorraum von .
b) Wenn die Abbildung injektiv ist, so kann es neben
keinen weiteren Vektor
mit
geben. Also ist
.
Es sei umgekehrt
und seien
gegeben mit
.
Dann ist wegen der Linearität
Daher ist
und damit
.
Aufgabe (4 Punkte)
a) Bestimme, ob die komplexe Matrix
invertierbar ist.
b) Finde eine Lösung für das
inhomogene lineare Gleichungssystem
a) Wir berechnen die Determinante der Matrix. Diese ist
Insbesondere ist die Matrix invertierbar.
b) Es ist
Daher können wir direkt eine Lösung angeben, nämlich
Es ist ja


