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Dedekindbereich/Ganzer Abschluss/Zerlegung/Einführung/Textabschnitt

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Es sei  RS  eine endliche Erweiterung von kommutativen Ringen, sei 𝔭 ein Primideal von R und 𝔮 ein Primideal von S über 𝔭. Dann nennt man den Grad der Erweiterung der Restekörper  κ(𝔭)κ(𝔮)  den Trägheitsgrad von 𝔮 über 𝔭.

Wenn  RS  eine endliche Erweiterung von Dedekindbereichen ist und 𝔪 ein maximales Ideal von R ist und 𝔫 ein maximales Ideal von S über 𝔪, so ist der Trägheitsgrad einfach der Grad der Körpererweiterung

R/𝔪S/𝔫

(der Trägheitsgrad im Nullideal ist einfach der Grad der Erweiterung der Quotientenkörper). Wenn R und damit auch S ein Zahlbereich ist, so sind diese Körper stets endlich von gleicher Charakteristik p, und daher liegt eine Erweiterung der Form  𝔽q𝔽q  mit  q=pe  und  q=pe  vor. Dabei muss q eine Potenz von q sein, also  pe=(pe),  was bedeutet, dass e ein Vielfaches von e ist. Bei  q=p  ist das natürlich keine Einschränkung.




Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und  RS  eine endliche Erweiterung der Form  S=R[X]/(F)  mit einem normierten Polynom  FR[X]  vom Grad d. Es sei 𝔭 ein Primideal von R.

Dann ist die Summe über alle Trägheitsgrade zu Primidealen über 𝔭 durch d beschränkt.

Beweis  

Durch Übergang mittels Rκ(𝔭) kann man direkt annehmen, dass  R=K  ein Körper ist und dass das Primideal das Nullideal ist. Es liegt dann die endliche Erweiterung  KK[X]/(F)=:B  vor. Die Primideale von S oberhalb von 𝔭 entsprechen den Primidealen von B und damit den irreduziblen Teilern von F in K[X]. Sei  F=F1n1Fknk  die Primfaktorzerlegung von F in K[X]. Die relevanten Körpererweiterungen sind dann die

KK[X]/(Fj).

Die Aussage folgt daher direkt aus Gradeigenschaften von Polynomen über einem Körper.



Satz  

Es sei R ein Dedekindbereich mit Quotientenkörper K,  KL  eine Körpererweiterung vom Grad n und S der ganze Abschluss von R in L. Es sei 𝔭 ein von 0 verschiedenes Primideal von R mit der Primidealzerlegung

𝔭S=𝔮1e1𝔮kek

in S. Die Körpererweiterungen  κ(𝔭)κ(𝔮j)  haben die Trägheitsgrade fj.

Dann ist

n=j=1kejfj.

Beweis  

Nach dem chinesischen Restsatz für Dedekindbereiche ist

S/𝔭S=S/𝔮1e1××S/𝔮kek.

Wir können über dem diskreten Bewertungsring R𝔭 argumentieren, also davon ausgehen, dass R ein diskreter Bewertungsring mit dem maximalen Ideal 𝔭 ist. Die angeführten Restklassenringe ändern sich dadurch nicht. Es ist S ein freier R-Modul vom Rang n und somit ist

S/𝔭S=SRR/𝔭

ein R/𝔭-Vektorraum der Dimension n. Oben rechts steht das Produkt der R/𝔭-Vektorräume S/𝔮jej und es ist zu zeigen, dass deren R/𝔭-Dimension gleich ejfj ist. Dies zeigen wir durch Induktion über  e=ej,  wobei der Induktionsanfang für  e=1  die Definition des Trägheitsgrades fj ist. Wegen  𝔮e+1𝔮e  liegt eine kurze exakte Sequenz

0𝔮e/𝔮e+1S/𝔮e+1S/𝔮e0

vor. Dabei ist

𝔮e/𝔮e+1=𝔮eS𝔮/𝔮e+1S𝔮=S𝔮/𝔮S𝔮=S/𝔮.

Deshalb folgt die Aussage aufgrund der Additivität für die Vektorraumdimension in kurzen exakten Sequenzen.


Die in diesem Satz auftretende Gleichung nennt man auch fundamentale Gleichung. Nach Fakt liegt genau dann Verzweigung oberhalb von 𝔭 vor, wenn einer der Verzweigungsindizes ej größer als 1 ist.

Die beiden extremen Möglichkeiten für das Zerlegungsverhalten bekommen einen eigenen Namen.


Es sei R ein Dedekindbereich mit Quotientenkörper K,  KL  eine Körpererweiterung vom Grad n und S der ganze Abschluss von R in L. Ein von 0 verschiedenes Primideal 𝔭 von R heißt voll zerlegt in S, wenn es n Primideale in S oberhalb von 𝔭 gibt.

Im voll zerlegten Fall ist  ej=fj=1  für  j=1,,n.  Es liegt keine Verzweigung von und alle Restekörper stimmen mit dem Grundkörper (der Faser) R/𝔭 überein.


Es sei R ein Dedekindbereich mit Quotientenkörper K,  KL  eine Körpererweiterung vom Grad n und S der ganze Abschluss von R in L. Ein von 0 verschiedenes Primideal 𝔭 von R heißt unzerlegt in S, wenn es genau ein Primideal in S oberhalb von 𝔭 gibt.

In diesem Fall ist  n=ef


Wir betrachten die Ringerweiterung  [X][X].  Auf der Ebene der Quotientenkörper liegt die quadratische Körpererweiterung der zugehörigen Funktionenkörper  (X)(X)  vor, und [X] ist der ganze Abschluss von [X] in (X). Die Primideale 0 von [X] sind von der Form (Xa) mit  a  oder von der Form (X2+bX+c) mit einem quadratischen Polynom ohne reelle Nullstelle. Die Restekörper in diesem zweiten Fall sind isomorph zu . Die Primideale in [X] sind alle von der Form (Xa) mit  a

In der Erweiterung liegt über dem Primideal (Xa) das entsprechende Ideal, dieses Ideal ist also unzerlegt, die Verzweigungsordnung ist 1 und die Restekörpererweiterung ist  ,  der Trägheitsgrad ist also 2. Zu einem Primideal (X2+bX+c) zu einem reellen Polynom ohne reelle Nullstelle seien z und z die zueinander konjugierten komplexen Nullstellen. In [X] gilt die Idealzerlegung  (X2+bX+c)=(Xz)(Xz).  Die Verzweigungsordnungen sind also 1 und in den Restekörpern liegt ein Isomorphismus vor, die Trägheitsgrade sind also 1. Diese Primideale sind voll zerlegt.