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Kurs:Elliptische Kurven (Osnabrück 2021-2022)/Vorlesung 10

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Isogenien

Es seien zwei Gitter  Γ1Γ2  gegeben, das eine Gitter sei also in dem anderen Gitter enthalten, d.h. Γ1 ist ein Untergitter von Γ2. Beispielsweise ist 2,3i ein Untergitter des Standardgitters 1,i. Wenn man ein Gitter Γ mit einer positiven natürlichen Zahl n streckt, so erhält man die Untergitterbeziehung  nΓΓ.  Hierbei sind Γ und nΓ zueinander streckungsäquivalent, es kann also durchaus sein, dass ein streckungsäquivalentes Gitter als Untergitter von sich selbst auftritt.



Lemma  

Es sei  Γ1Γ  ein Untergitter eines Gitters Γ in .

Dann gibt es  n+  derart, dass  nΓΓ1Γ  gilt.

Beweis  

Es sei  Γ=u+v  und  Γ1=w+z.  Dann gibt es  p,q,r,s  mit  w=pu+qv  und  z=ru+sv.  Da die Gitter nach Definition volldimensional sind, ist

det(pqrs)=±n0.

Somit gibt es eine weitere Matrix (abcd) mit

(pqrs)(abcd)=(n00n).

Mit diesem n gilt die Behauptung.



Lemma  

Zu Gittern  Γ1Γ2 

gibt es einen kanonischen surjektiven Gruppenhomomorphismus

/Γ1/Γ2,

dessen Kern gleich Γ2/Γ1 und insbesondere endlich ist.

Beweis  

Unter dem Gruppenhomomorphismus

π2:/Γ2

wird insbesondere auch das Untergitter  Γ1  auf 0 abgebildet, d.h. Γ1 gehört zum Kern von π2. Somit gibt es nach dem Homomorphiesatz einen induzierten Gruppenhomomorphismus

/Γ1/Γ2.

Dieser ist surjektiv, und sein Kern ist isomorph zu Γ2/Γ1. Dies ist eine endliche Gruppe.



Lemma  

Zu Gittern  Γ1Γ2 

ist der kanonische Gruppenhomomorphismus

/Γ1/Γ2

eine endliche Überlagerung, deren Fasern gleich Γ2/Γ1 sind. Die Gruppe der Decktransformationen ist isomorph zu Γ2/Γ1.

Beweis  

Es liegt das kommutative Diagramm

π1/Γ1π2π/Γ2,

wobei π1 und π2 nach Satz 8.6 Überlagerungen sind. Zu einer offenen Umgebung  PU/Γ2,  für die es in die disjunkten und zu U homöomorphen offenen Umgebungen g+U~, gΓ2, gibt, ist das Urbild π1(U) in /Γ1 die disjunkte Vereinigung der offenen Mengen π1(g+U~), [g]Γ2/Γ1, wobei

π1(g+U~)U

Homöomorphismen sind. Daher liegt eine Überlagerung vor.

Ein Element  [g]Γ2/Γ1  definiert einen stetigen Gruppenhomomorphismus

g:/Γ1/Γ1,zz+g,

derart, dass das Diagramm

/Γ1g/Γ1ππ/Γ2

kommutiert. Dabei definiert g genau dann die Identität auf /Γ1, wenn  gΓ1  ist, also wenn  [g]=[0]  in Γ2/Γ1 ist. Die Addition in Γ2/Γ1 entspricht dabei der Hintereinanderschaltung von Abbildungen.



Lemma  

Zu Gittern  Γ1Γ2 

ist der kanonische Gruppenhomomorphismus

/Γ1/Γ2

ein Homomorphismus von komplexen Lie-Gruppen.

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 10.2 und aus Lemma 10.3, da die holomorphen Strukturen auf /Γ1 bzw. /Γ2 beide von geerbt sind (siehe Satz 8.6).



Zu komplexen Tori E1 und E2 nennt man einen holomorphen Gruppenhomomorphismus φ:E1E2 eine Isogenie

Nach Lemma 10.4 ist also zu einem Untergitter  Γ1Γ2  die induzierte Abbildung /Γ1/Γ2 eine Isogenie.



Lemma  

Es sei  Γ=u,v  ein Gitter und  n+

Dann führt die Multiplikation mit n zu einem kommutativen Diagramm

n/Γ[n]/Γ.

von Gruppenhomomorphismen. Die Abbildung [n] ist eine surjektive Isogenie und der Kern von [n] wird durch die n2 Elemente

{iun+jvni,j=0,1,,n1}

repräsentiert.

Beweis  

Es liegt die Untergitterbeziehung  nΓΓ  vor, daher folgen die Aussagen aus Lemma 10.4.


Der folgende Satz charakterisiert die nichtkonstanten Isogenien.


Lemma  

Es seien  Γ1,Γ2  Gitter. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent:

  1. Es gibt ein  s×  mit  sΓ1Γ2
  2. Es gibt einen surjektiven Homomorphismus von komplexen Lie-Gruppen
    φ:/Γ1/Γ2.
  3. Es gibt einen Homomorphismus von komplexen Lie-Gruppen
    φ:/Γ1/Γ2

    mit einem endlichen Kern.

  4. Es gibt einen nichtkonstanten Homomorphismus von komplexen Lie-Gruppen
    φ:/Γ1/Γ2.

Beweis  

Von (1) nach (2), (3). Nach Satz 10.8 können wir sΓ1 durch Γ1 ersetzen, da dies den Quotienten mit seiner holomorphen Struktur nicht ändert. Die Aussage (2) und (3) folgen somit aus Lemma 10.2 und Lemma 10.4. Aus (2) bzw. (3) folgt direkt (4). Es sei also (4) erfüllt. Wir betrachten den zusammengesetzten holomorphen Gruppenhomomorphismus

π1/Γ1φ/Γ2.

Der Kern dieser Abbildung umfasst Γ1. Nach Lemma 8.15 besitzt diese Gesamtabbildung eine Faktorisierung

sπ2/Γ2

mit einer komplexen Zahl s. Somit gilt  sΓ1Γ2  und wegen der Nichtkonstanz ist  s0



Satz  

Es seien  Γ1,Γ2  Gitter.

Dann sind Γ1 und Γ2 genau dann zueinander streckungsäquivalent, wenn /Γ1 und /Γ2 als komplexe Lie-Gruppen isomorph sind.

Beweis  

Die Hinrichtung wurde in Lemma 9.11 gezeigt. Die Rückrichtung folgt aus Lemma 10.7.



Satz  

Es seien E1 und E2 komplexe Tori über und

φ:E1E2

eine nichtkonstante Isogenie.

Dann gibt es eine Isogenie

ψ:E2E1

derart, dass ψφ die n-Multiplikation auf E1 ist.

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 10.7 und Lemma 10.1.



Lemma  

Es seien E1=/Γ1 und E2=/Γ2 komplexe Tori.

Dann entsprechen die Isogenien φ:E1E2 den komplexen Zahlen  s  mit  sΓ1Γ2

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 10.7.



Lemma  

Es seien E1,E2,E3 komplexe Tori. Dann gelten folgende Aussagen

  1. Wenn φ:E1E2 und
    ψ:E2E3

    Isogenien sind, so ist auch ψφ eine Isogenie.

  2. Wenn
    φ,ψ:E1E2

    Isogenien sind, so ist auch ihre Summe φ+ψ eine Isogenie.

Beweis  

  1. Ist klar.
  2. Folgt direkt aus dem Diagramm
    E1φ,ψE2×E2+E2.



Komplexe Tori E1,E2 über heißen isogen, wenn es eine nichtkonstante Isogenie E1E2 gibt.



Endomorphismenring

Es sei  Γ  ein Gitter und  E=/Γ  der zugehörige komplexe Torus. Man nennt

End(E)={f:EEf Isogenie}

mit der Addition und der Hintereinanderschaltung von Isogenien den Endomorphismenring von E.



Lemma  

Beweis  

Bei der Korrespondenz aus Lemma 10.10 zwischen Isogenien und Multiplikationen in entsprechen sich auch die Hintereinanderschaltungen und die Summen. Dies gilt insbesondere für  Γ=Γ,  sodass sich alles innerhalb von abspielt. Es liegt also eine Unterring von vor.


Der Standardfall ist, dass der Endomorphismenring gleich ist und einfach nur aus den Multiplikationen mit ganzen Zahlen im Sinne von Lemma 10.6 besteht. Es gibt aber auch Fälle, wo der Endomorphismenring größer ist. Wenn Γ das definierende Gitter ist, so ist die entscheidende Frage, ob es komplexe Zahlen  s  gibt mit  sΓΓ.  Wenn das Gitter in der Form 1+u gegeben ist, so muss s selbst zu dem Gitter gehören, also  s=n+mu,  und es muss

su=nu+mu2Γ

gelten, also  mu2Γ.  D.h. u muss eine quadratische Gleichung über erfüllen. Daher besteht ein enger Zusammenhang zwischen elliptischen Kurven über mit „großem“ Endomorphismenring und imaginär-quadratischen Zahlbereichen.


Zum Gitter +i gibt es neben den Multiplikationen mit einer ganzen Zahl noch die Multiplikation mit i, die das Gitter in sich selbst überführt. Der Endomorphismenring der elliptischen Kurve /(+i) ist [i].



Zum Gitter  Γ=+1+3i2  gibt es neben den Multiplikationen mit einer ganzen Zahl noch die Multiplikation mit 1+3i2, die das Gitter in sich selbst überführt. Der Endomorphismenring des komplexen Torus /Γ ist [1+3i2].



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