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Kurs:Grundkurs Mathematik/Teil II/16/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 3 2 1 5 4 7 3 3 5 5 5 3 5 7 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine Linearkombination zu Vektoren v1,,vn im Km.
  2. Die Matrizenmultiplikation.
  3. Die Transitivität einer Relation R auf einer Menge M.
  4. Die Konvergenz einer Folge (xn)n in einem angeordneten Körper K gegen xK.
  5. Ein vollständig angeordneter Körper K.
  6. Die Unabhängigkeit von Ereignissen
    E,FM

    in einem endlichen Wahrscheinlichkeitsraum (M,P).


Lösung

  1. Eine Summe
    i=1nsivi

    mit Skalaren s1,,snK nennt man eine Linearkombination der gegebenen Vektoren.

  2. Es sei K ein Körper und es sei A eine m×n-Matrix und B eine n×p-Matrix über K. Dann ist das Matrixprodukt
    AB

    diejenige m×p-Matrix, deren Einträge durch

    cik=j=1naijbjk

    gegeben sind.

  3. Die Relation R heißt transitiv, wenn aus xRy und yRz stets xRz folgt.
  4. Man sagt, dass die Folge gegen x konvergiert, wenn folgende Eigenschaft erfüllt ist: Zu jedem ϵK, ϵ>0, gibt es ein  n0  derart, dass für alle  nn0  die Beziehung
    |xnx|ϵ

    gilt.

  5. Ein angeordneter Körper K heißt vollständig, wenn jede Cauchy-Folge in K konvergiert.
  6. Die Ereignisse E und F heißen unabhängig, wenn
    P(EF)=P(E)P(F)

    ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die algebraische Struktur der Restklassenringe R/𝔞 zu einem Ideal  𝔞R  in einem kommutativen Ring R.
  2. Der Satz über die Intervallschachtelung.
  3. Das Gesetz der großen Zahlen für den Münzwurf.


Lösung

  1. Es sei R ein kommutativer Ring,  𝔞R  ein Ideal und R/𝔞 die Quotientenmenge zur durch 𝔞 definierten Äquivalenzrelation auf R mit der kanonischen Projektion
    q:RR/𝔞,g[g].

    Dann gibt es eine eindeutig bestimmte Ringstruktur auf R/𝔞 derart, dass q ein Ringhomomorphismus

    ist.
  2. Es sei In, n, eine Intervallschachtelung in . Dann besteht der Durchschnitt
    nIn
    aus genau einem Punkt x.
  3. Zu jedem  α<12  konvergiert die Folge
    12n(k=0αnB12,n(k))
    gegen 0.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass das lineare Gleichungssystem

5x7y4z=02x+y3z=07x+6y2z=0

nur die triviale Lösung (0,0,0) besitzt.


Lösung

Wir rechnen

II=II25I=195y75z=0

und

III=III75I=795y+185z=0.

Somit ist

579II519III=(7791819)z=895z=0.

Daraus ergibt sich  z=0,  aus II ergibt sich  y=0  und aus I ergibt sich  x=0


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei φ:32 eine lineare Abbildung mit

φ(e1)=(57),
φ(e2)=(33)

und

φ(e3)=(411).

Berechne φ((342)).


Lösung

Es ist

φ((342))=φ(3e14e2+2e3)=3φ(e1)4φ(e2)+2φ(e3)=3((57))4((33))+2((411))=(3543+24374(3)+2(11))=(1111).


Aufgabe (1 Punkt)

Bei einem vollständigen ungerichteten Graphen mit 4 Ecken ist jede Ecke mit jeder (anderen) Ecke verbunden. Zeichne einen solchen Graphen in der Ebene ohne Überschneidungen.


Lösung


Aufgabe (5 (1+3+1) Punkte)

  1. Gibt es eine Primzahl x derart, dass auch x+6, x+12, x+18 und x+24 Primzahlen sind?
  2. Gibt es mehr als eine Primzahl x derart, dass auch x+6, x+12, x+18 und x+24 Primzahlen sind?
  3. Gibt es mehr als eine Primzahl x derart, dass auch x+6, x+12 und x+18 Primzahlen sind?


Lösung

  1. Die Zahlen 5,11,17,23,29 sind Primzahlen.
  2. Wir zeigen, dass es außer dem soeben genannten Beispiel kein weiteres Fünfertupel mit der besagten Eigenschaft gibt. Wir betrachten die Reste von x,x+6,x+12,x+18,x+24 bei Division durch 5. Wenn r der Rest von x ist, so sind die anderen Reste gleich r+1,r+2,r+3,r+4. Somit muss eine der fünf Zahlen den Rest 0 besitzen, also ein Vielfaches von 5 sein. Da  x=5  ausgeschlossen ist, können nicht alle fünf Zahlen Primzahlen sein.
  3. Die Zahlen 41,47,53,59 sind Primzahlen, es gibt also weitere Vierertupel mit der besagten Eigenschaft.


Aufgabe (4 Punkte)

Wir betrachten die Rekursionsvorschrift

x=21(x+cx)

des Heron-Verfahrens in /(5) für  c=3.  Zeige, dass für sämtliche Startglieder  x00  stets eine nichtkonstante Folge entsteht.


Lösung

Wir berechnen

f(x)=21(x+3x)=3(x+3x)=3x+4x1.

Dabei ergibt sich die Wertetabelle

x 1 2 3 4
f(x) 2 3 2 3

Egal mit welchem Startglied man beginnt, spätestens ab x1 ist man bei 2 oder bei 3 und diese beiden Zahlen wechseln sich dann ab.


Aufgabe (7 (2+2+3) Punkte)

  1. Man gebe ein Beispiel für reelle Folgen (xn)n und (yn)n,  yn0,  derart, dass xnyn gegen 1 konvergiert, aber xnyn nicht konvergiert.
  2. Man gebe ein Beispiel für reelle Folgen (xn)n und (yn)n,  yn0,  derart, dass xnyn gegen 0 konvergiert, aber xnyn nicht konvergiert.
  3. Es seien (xn)n und (yn)n reelle Folgen derart, dass xnyn gegen 0 konvergiert. Es gebe ein  a>0  mit
    yna

    für alle n. Zeige, dass xnyn gegen 1 konvergiert.


Lösung

  1. Es sei
    xn=n2+n

    und

    yn=n2

    für  n1.  Dann ist

    xnyn=n2+nn2=1+1n.

    Dies konvergiert gegen 1. Die Differenzfolge

    xnyn=n2+nn2=n

    konvergiert nicht.

  2. Es sei
    xn=1n

    und

    yn=1n2.

    Dann ist

    xnyn=1n1n2=n2n=n.

    Dies konvergiert nicht. Die Differenzfolge

    xnyn=1n1n2

    konvergiert gegen 0, da beide Folgen Nullfolgen sind.

  3. Wir schreiben
    xn=yn+zn,

    wobei zn nach Voraussetzung eine Nullfolge ist. Damit ist

    xnyn=yn+znyn=1+znyn.

    Dabei ist

    |znyn|=|zn||1yn||zn||1a|

    eine Nullfolge. Somit konvergiert die Quotientenfolge gegen 1.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die rationale Zahl, die im Dezimalsystem durch

0,142857

gegeben ist.


Lösung

Es ist

0,142857=1428570,000001=1428571999999=142857999999=529137037=4813367=37259=17.


Aufgabe (3 Punkte)

Diskutiere Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Konzepten Terme und Polynome.


Lösung erstellen


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei  z  eine reelle Zahl. Zeige, dass die folgenden Eigenschaften äquivalent sind.

  1. Es gibt ein Polynom P[X], P0, mit ganzzahligen Koeffizienten und mit  P(z)=0
  2. Es gibt ein Polynom Q[X], Q0, mit  Q(z)=0
  3. Es gibt ein normiertes Polynom  R[X]  mit  R(z)=0


Lösung

Die Implikation (1) (2) ist unmittelbar klar, da ganze Zahlen rational sind und man somit  Q=P  nehmen kann.

Es sei (2) erfüllt und sei

Q=snXn+sn1Xn1++s2X2+s1X+s0

mit si, sn0 und Q(z)=0. Wegen sn0 ist auch sn1 eine rationale Zahl. Wir multiplizieren Q mit sn1 und erhalten

R:=sn1Q=sn1(snXn+sn1Xn1++s2X2+s1X+s0)=Xn+sn1sn1Xn1++sn1s2X2+sn1s1X+sn1s0.

Dies ist ein normiertes Polynom, die Koeffizienten sind nach wie vor rational und es ist auch

R(z)=(sn1Q)(z)=sn1Q(z)=0.

Es sei nun (3) erfüllt, und

R=Xn+tn1Xn1++t2X2+t1X+t0

mit ti und R(z)=0. Es ist

ti=aibi

mit ai,bi, bi0. Wir setzen

P=b0b1bn1R=b0b1bn1(Xn+an1bn1Xn1++a2b2X2+a1b1X+a0b0)=b0b1bn1Xn+b0b1bn2an1Xn1++b0b1a2b3bn1X2+b0a1b2bn1X+a0b1bn1.

Dieses Polynom hat ganzzahlige Koeffizienten, ist nicht das Nullpolynom und es ist nach wie vor

P(z)=0.


Aufgabe (5 Punkte)

Forme die Gleichung

x4+3x35x2+2x7=0

in eine äquivalente Gleichung der Form

y4+b2y2+b1y+b0=0

mit  bi  um.


Lösung

Wir setzen  x=y34  an und drücken das Polynom bzw. die Gleichung in y aus. Es ist

x4=(y34)4=y4434y3+6916y242764y+81256=y43y3+278y22716y+81256,
3x3=3(y34)3=3(y3334y2+3916y2764)=3y3274y2+8116y8164,
5x2=5(y34)2=5(y232y+916)=5y2+152y4516

und

2x=2(y34)=2y32.

Insgesamt ergibt sich also

x4+3x35x2+2x7=y4+(2782745)y2+(2716+8116+152+2)y+(8125681644516327)=y4678y2+1038y3139256.

Eine äquivalente Gleichung ist also

y4678y2+1038y3139256=0.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei b eine positive reelle Zahl. Zeige, dass die Exponentialfunktion

f:,qbq,

stetig ist.


Lösung

Sei  b>1.  Wir zeigen zuerst die Stetigkeit im Nullpunkt. Da die Folge bn, n, gegen 1 konvergiert, und da die rationale Exponentialfunktion wachsend ist, gibt es zu jedem positiven ϵ ein positives δ mit der Eigenschaft, dass aus

|x|δ

die Abschätzung

|1bx|ϵ

folgt. Es sei nun x beliebig und ϵ vorgegeben. Wir betrachten ein δ, das zu

ϵ=ϵbx

die Stetigkeit im Nullpunkt sichert. Dann gilt unter Verwendung von Lemma 53.2 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027))  (1) für x mit

|xx|δ

die Abschätzung

|bxbx|=|bx(1bxx)|=|bx||1bxx|bxϵbx=ϵ.


Aufgabe (3 (1+2) Punkte)

Für die Eulersche Zahl e seien die Abschätzungen

2,71e2,72

bekannt.

  1. Was lässt sich über die ersten Stellen der Dezimalentwicklung von e2 sagen?
  2. Was lässt sich über die ersten Stellen der Dezimalentwicklung von e1 sagen?


Lösung

  1. Es ist
    2,712,71=7,3441

    und

    2,722,72=7,3984.

    Somit ist

    7,3441e27,3984

    und die Ziffernentwicklung von e2 beginnt mit 7,3, die zweite Nachkommaziffer liegt zwischen 4 und 9, über die weiteren Nachkommaziffern kann man keine Aussage machen.

  2. Es ist
    1:2,71=0,369...

    und

    1:2,72=0,367....

    Somit hat man die Abschätzungen

    0,367e10,370.

    Die Dezimalentwicklung von e1 beginnt also mit 0,36, (3,7 ist ausgeschlossen, da die Division durch 2,71 nicht auf die Periode 9 führt) die dritte Nachkommaziffer ist 7 oder 8 oder 9, über die folgenden Stellen kann man keine Aussage machen.


Aufgabe (5 Punkte)

Es seien a,b,x,y positive reelle Zahlen und es gelte

ax<by.

Zeige, dass es positive rationale Zahlen c,z mit

ax<cz<by

gibt.


Lösung

Es sei xn eine rationale echt fallende Folge (bei a1; bei a<1 wählen wir eine rationale echt wachsende positive Folge), die gegen x konvergiert. Wegen der Stetigkeit der Exponentialfunktion zur Basis a konvergiert auch axn gegen ax. In jedem Fall ist dies eine (bei  a1 ) echt fallende Folge. Wegen der Konvergenz gibt es ein rationales z=xn mit

axaz<by.

Die Funktion

0,aaz,

ist als Hintereinanderschaltung einer Potenz und einer Wurzel nach Korollar 51.10 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027)) und Satz 52.11 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2026-2027)) ebenfalls stetig. Somit gilt für eine rationale Folge an, die gegen a konvergiert, dass auch anz gegen az konvergiert. Wir wählen die Folge an echt fallend, sodass auch anz echt fallend ist. Für n hinreichend groß ist dann

axaz<anz<by,

und wir können  c=an  wählen.


Aufgabe (7 (2+2+3) Punkte)

In einem Kurs nehmen n Personen teil. Für die Person i ist die Wahrscheinlichkeit, bei der Klausur durchzufallen, gleich qi. Es wird eine Klausur und eine Nachklausur geschrieben, wobei sich diese Wahrscheinlichkeiten nicht ändern.

  1. Zeige, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig ausgewählte Person in der ersten Klausur durchfällt, gleich 1ni=1nqi ist.
  2. Die Nachklausur schreiben nur die Personen mit, die in der ersten Klausur durchgefallen sind. Zeige, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine aus diesem Personenkreis zufällig ausgewählte Person bei der zweiten Klausur ebenfalls durchfällt, gleich i=1nqi2i=1nqi ist.
  3. Zeige, dass die unter (2) berechnete Wahrscheinlichkeit größergleich der unter (1) berechneten Wahrscheinlichkeit ist.


Lösung

  1. Wir modellieren die Situation mit dem Wahrscheinlichkeitsraum
    M={(i,x)i=1,,n,x=f,b}={1,,n}×{f,b}

    (der erste Index i durchläuft die Personen, der zweite Index die Möglichkeiten Durchfallen oder Bestehen) mit den Wahrscheinlichkeiten

    P(i,f)=qin

    und

    P(i,b)=1qin.

    P(i,f) ist die Wahrscheinlichkeit, dass Person i betrachtet wird und dass sie durchfällt. Es sei F das Ereignis, das aus allen Paaren (i,f) besteht. Die Wahrscheinlichkeit für F ist

    P(F)=i=1nP(i,f)=i=1nqin=1ni=1nqi.
  2. Hierfür betrachten wir den Produktraum {1,,n}×{f,b}×{f,b}, wir lassen also im Modell alle Personen auch die zweite Klausur schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, ausgewählt zu werden und beide Male durchzufallen, ist 1nqiqi. Es sei F1 das Ereignis, bei der ersten Klausur durchzufallen, und F2 das Ereignis, bei der zweiten Klausur durchzufallen. Es geht dann um die bedingte Wahrscheinlichkeit für F2 unter der Bedingung F1. Diese ist
    P(F1F2)P(F1)=i=1n1nqiqi1ni=1nqi=i=1nqi2i=1nqi.
  3. Wir müssen
    i=1nqi21ni=1nqii=1nqi

    zeigen, was auf

    i=1nqi21n(i=1nqi)(i=1nqi)=1ni=1nqi2+2ni<jqiqj

    führt. Dies ist äquivalent zu

    (n1)i=1nqi22i<jqiqj

    bzw. zu

    (n1)i=1nqi22i<jqiqj0.

    Nun ist aber

    i<j(qiqj)2=i<j(qi2+qj22qiqj)=(n1)i=1nqi22i<jqiqj

    als eine Summe von Quadraten nichtnegativ.