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Kurs:Invariantentheorie (Bochum 2003)/Vorlesung 6

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Wir geben einen weiteren Beweis für den Endlichkeitssatz unter der Voraussetzung, dass der Invariantenring ein direkter Summand ist.



Lemma  

Es sei G eine Gruppe, die auf dem positiv graduierten Polynomring K[X1,…,Xn] als Gruppe von homogenen Ringautomorphismen operiere. Es sei IG das von allen homogenen Invarianten positiven Grades erzeugte Ideal in K[X1,…,Xn] und es sei f1,…,fm ein homogenes Idealerzeugendensystem dieses Ideals. Es sei vorausgesetzt, dass der Invariantenring ein homogener direkter Summand des Polynomringes ist.

Dann bilden die f1,…,fm ein Algebraerzeugendensystem des Invariantenringes, d.h. es ist

K[X1,…,Xn]G=K[f1,…,fm].

Beweis  

Aufgrund der Homogenität der Operation ist der Invariantenring selbst positiv graduiert. Wir beweisen die Inklusion

K[X1,…,Xn]G⊆K[f1,…,fm]

durch Induktion über den Grad. Wir betrachten also ein homogenes Element  f∈K[X1,…,Xn]G  von positivem Grad. Wegen  f∈IG  kann man

f=∑j=1mhjfj

mit homogenen Elementen hj von einem Grad <grad⁡(f) schreiben. Der Reynolds-Operator

ρ:K[X1,…,Xn]⟶K[X1,…,Xn]G,

angewendet auf diese Gleichung, liefert

f=ρ(f)=ρ(∑j=1mhjfj)=∑j=1mρ(hj)fj.

Dabei ist der Grad von ρ(hj) gleich dem Grad von hj und somit kleiner als der Grad von f und sie gehören zum Invariantenring, sodass die ρ(hj) nach Induktionsvoraussetzung in der von den fj erzeugten Algebra liegen.

◻



Korollar  

Es sei G eine Gruppe, die auf dem positiv graduierten Polynomring K[X1,…,Xn] als Gruppe von homogenen K-Algebraautomorphismen operiere. Es sei vorausgesetzt, dass der Invariantenring ein homogener direkter Summand des Polynomringes ist.

Dann ist der Invariantenring eine endlich erzeugte K-Algebra.

Beweis  

Es sei IG das von allen Invarianten positiven Grades erzeugte Ideal in K[X1,…,Xn]. Aufgrund des Hilbertschen Basissatzes besitzt IG ein endliches Idealerzeugendensystem. Daher folgt die Aussage aus Fakt *****.

◻


Wir kommen zum Beweis der Hinrichtung im Satz von Chevalley-Shephard-Todd, d.h. wir zeigen, dass eine Spiegelungsgruppe einen Polynomring als Invariantenring besitzt.




Wir wenden uns nun der Rückrichtung im Satz von Chevalley-Shephard-Todd zu. Zuerst erinnern wir an die Laurent-Entwicklung. Eine rationale Funktion besitzt eine Laurent-Entwicklung

Q(z)=F(z)G(z)=∑i=k∞aizi,

wobei k eine eventuell negative Zahl ist. Ist ak≠0 und k minimal und negativ, so heißt −k die Polstellenordnung (1zk hat einen Pol der Ordnung k).



Lemma  

Es sei K ein algebraisch abgeschlossener Körper der Charakteristik 0. Es sei  G⊆GLn(K)  eine endliche Untergruppe und sei r die Anzahl der Pseudoreflektionen in G.

Dann ist die Laurent-Entwicklung der Hilbert-Reihe des Invariantenringes um  z=1  gleich

ΦG(z)=1#(G)(1−z)−n+r2#(G)(1−z)−n+1+….

Beweis  

Nach der Molien-Formel ist

ΦG(z)=1#(G)∑σ∈G1det⁡(Id⁡−zσ).

Die Summanden haben die Gestalt

1#(G)⋅1det⁡(Id⁡−zσ)=1#(G)⋅1(1−zξσ,1)⋯1(1−zξσ,n),

wobei die ξσ,j die Eigenwerte (mit Wiederholungen) von σ seien. Für  σ=Id  hat der entsprechende Summand in  z=1  einen Pol der Ordnung n. Für  σ≠Id  haben die Summanden an  z=1  einen Pol von maximaler Ordnung n−1. Diese Maximalität tritt genau dann ein, wenn der Eigenwert 1 die Vielfachheit n−1 besitzt, wenn also σ eine Pseudoreflektion ist. In diesem Fall ist

1det⁡(Id⁡−zσ)=1(1−z)n−1⋅1(1−zdet⁡σ),

da bei einer Pseudoreflektion der andere Eigenwert gleich der Determinante ist. Daher ist der Koeffizient zu (1−z)−n+1 in der Laurent-Entwicklung gleich

1#(G)∑σ Pseudoreflektion11−det⁡σ

(im hinteren Faktor wird z=1 gesetzt). Das Inverse einer Pseudoreflektion ist ebenfalls eine Pseudoreflektion, daher ist

2∑σ Pseudoreflektion11−det⁡σ=∑σ Pseudoreflektion(11−det⁡σ+11−(det⁡σ)−1)=∑σ Pseudoreflektion1=r.
◻



Korollar  

Es sei K ein algebraisch abgeschlossener Körper der Charakteristik 0. Es sei  G⊆GLn(K)  eine endliche Gruppe derart, dass der zugehörige Invariantenring von n algebraisch unabhängigen homogenen Invarianten θ1,…,θn erzeugt werde. Es sei  di=grad⁡(θi)  und r die Anzahl der Pseudoreflektionen in G.

Dann ist

|G|=d1⋯dn und r=d1+⋯+dn−n.

Beweis  

Nach Fakt ***** ist

ΦG(z)=1(1−zd1)⋯1(1−zdn).

Wegen  1−zd=(1−z)(1+z+⋯+zd−1)  ist dies gleich

1(1−z)n⋅11+z+⋯+zd1−1⋯11+z+…+zdn−1.

Der Bruch 11+z+…+zd−1 hat um  z=1  die Potenzreihenentwicklung

1d−d−12d(z−1)+…,

was sich durch Einsetzen und Ableiten ergibt. Die Laurent-Entwicklung um  z=1  ist somit

ΦG(z)=1(1−z)n(1d1−d1−12d1(z−1)+…)⋯(1dn−dn−12dn(z−1)+…)=1d1⋯dn(1−z)−n+d1+⋯+dn−n2d1⋯dn(1−z)−n+1+….

Der Vergleich mit Fakt ***** ergibt die Behauptung.

◻


Wir beweisen nun die Rückrichtung des Satzes von Chevalley-Sheppard-Todd.