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Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2012)/Vorlesung 17

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Nachdem wir nun die Theorie hinreichend weit entwickelt haben, wenden wir uns nun einer umfassenden Beispielsklasse zu, den Monoidringen.



Monoidringe

Es sei M ein kommutatives (additiv geschriebenes) Monoid und R ein kommutativer Ring. Dann wird der Monoidring R[M] wie folgt konstruiert. Als R-Modul ist

R[M]=mMRem,

d.h. R[M] ist der freie Modul mit Basis em, mM. Die Multiplikation wird auf den Basiselementen durch

emek:=em+k

definiert und auf ganz R[M] distributiv fortgesetzt. Dabei definiert das neutrale Element  0M  das neutrale Element  1=e0  der Multiplikation.

Ein Element in einem Monoidring lässt sich eindeutig als

f=mM~amem,

schreiben, wobei  M~M  eine endliche Teilmenge ist und  amR.  Addiert wird komponentenweise und die Multiplikation ist explizit durch

fg=(mM~amem)(kM¯bkek)=M(m+k=,mM~,kM¯ambk)e

gegeben. Dies ist mit distributiver Fortsetzung gemeint. Die Menge der , über die hier summiert wird, ist endlich, und auch die inneren Summen sind jeweils endlich.

Es ist üblich, statt em suggestiver Xm zu schreiben, wobei X ein Symbol ist, das an eine Variable erinnern soll. Die Multiplikationsregel  XmXk=Xm+k  erinnert dann an die entsprechende Regel für Polynomringe. In der Tat sind Polynomringe Spezialfälle von Monoidringen, und diese Notation stammt von dort. Auch ein exakter Beweis, dass in der Tat ein Ring mit assoziativer und distributiver Multiplikation vorliegt, funktioniert wie im Fall von Polynomringen. Meistens schreibt man ein Element einfach als mMamXm, wobei fast alle  am=0  sind. Elemente der Form Xm nennt man Monome. Die Abbildung MR[M], mXm, ist ein Monoidhomomorphismus, wobei rechts die multiplikative Monoidstruktur des Monoidringes genommen wird.

Ein Monoidring ist in natürlicher Weise eine R-Algebra, und zwar sind die Elemente f aus R aufgefasst in R[M] gleich

f=f1=fX0.

Man nennt daher auch R den Grundring des Monoidringes. Monoidringe sind bereits für Grundkörper interessant.



Es sei n eine natürliche Zahl und  M=n  das n-fache direkte Produkt der natürlichen Zahlen. Ein Element  kn  ist also ein n-Tupel (k1,,kn) mit  ki.  Dies kann man auch als

(k1,,kn)=k1(1,0,0,,0)+k2(0,1,0,,0)++kn(0,0,0,,1)

schreiben. Damit lässt sich das zugehörige Monom Xk eindeutig als

Xk=X1k1X2k2Xnkn

schreiben, wobei wir  Xi=Xei=X(0,,0,1,0,,0)  für das Monom zum i-ten Basiselement geschrieben haben. Das bedeutet aber, dass der Monoidring zum Monoid n über R genau der Polynomring in n Variablen ist. Insbesondere ist  R[]=R[X].  Der Monoidring zum trivialen Monoid {0} ist der Grundring selbst.



Es sei n eine natürliche Zahl und  M=n  das n-fache direkte Produkt der ganzen Zahlen. M ist also die freie kommutative Gruppe vom Rang n. Jedes Element  kn  ist ein n-Tupel (k1,,kn) mit  ki.  Dies kann man auch als

(k1,,kn)=k1(1,0,0,,0)+k2(0,1,0,,0)++kn(0,0,0,,1)

schreiben und das zugehörige Monom Xk kann man eindeutig als

Xk=X1k1X2k2Xnkn

mit  ki  schreiben, wobei wir wie in Beispiel 17.3  Xi=Xei  geschrieben haben. Für diesen Monoidring schreibt man auch

R[M]=R[X1,,Xn,X11,,Xn1],

und dieser ist isomorph zur Nenneraufnahme des Polynomringes am Produkt der Variablen, also

R[M]=R[X1,,Xn,X11,,Xn1]=R[X1,,Xn]X1Xn,

Diesen Ring nennt man auch den Laurent-Ring in n Variablen über R.




Universelle Eigenschaft der Monoidringe



Satz  

Es sei R ein kommutativer Ring und sei M ein kommutatives Monoid. Es sei B eine kommutative R-Algebra und

φ:MB

ein Monoidhomomorphismus (bezüglich der multiplikativen Struktur von B).

Dann gibt es einen eindeutig bestimmten R-Algebrahomomorphismus

φ~:R[M]B

derart, dass das Diagramm

MR[M]B

kommutiert.

Beweis  

Ein R-Modulhomomorphismus φ~:R[M]B ist festgelegt durch die Bilder der Basiselemente Xm, mM. Das Diagramm kommutiert genau dann, wenn  φ~(Xm)=φ(m)  ist. Durch diese Bedingung ist die Abbildung also eindeutig festgelegt und ist bereits ein R-Modulhomomorphismus. Es ist zu zeigen, dass dieser Homomorphismus auch die Multiplikation respektiert. Es ist  φ~(1)=φ~(X0)=φ(0)=1.  Ferner ist

φ~(XmXk)=φ~(Xm+k)=φ(m+k)=φ(m)φ(k)=φ~(Xm)φ~(Xk).

Auf der Ebene der Monome respektiert die Abbildung also die Multiplikation. Daraus folgen für Elemente  f=mMamXm  und  g=kMbkXk  die Identitäten

φ~((mMamXm)(kMbkXk))=φ~(M(m+k=ambk)X)=M(m+k=ambk)φ()=m,kMambkφ(m)φ(k)=(mMamφ(m))(kMbkφ(k))=φ~(mMamXm)φ~(kMbkXk),

sodass die Abbildung ein Ringhomomorphismus ist.



Korollar  

Es sei R ein kommutativer Ring. Es seien M und N kommutative Monoide und sei

φ:MN

ein Monoidhomomorphismus.

Dann induziert dies einen R-Algebrahomomorphismus zwischen den zugehörigen Monoidringen

φ~:R[M]R[N],XmXφ(m).

Beweis  

Dies folgt aus Satz 17.5 angewandt auf die R-Algebra  B=R[N]  und den zusammengesetzten Monoidhomomorphismus MφNR[N].


Eine Familie von Elementen miM, iI, in einem Monoid M ergibt einen Monoidhomomorphismus (I)M, indem das i-te Basiselement ei auf mi geschickt wird. Dies ist insbesondere für endliche Indexmengen  I={1,,n}  relevant. Der Monoidhomomorphismus induziert dann nach Korollar 17.6 einen R-Algebrahomomorphismus R[n]=R[X1,,Xn]R[M] von der Polynomalgebra in den Monoidring. Diese Abbildung ist der Einsetzungshomomorphismus, der durch XiXmi gegeben ist.



Zu einem kommutativen Monoid M und einem kommutativen Ring R nennt man einen Monoidhomomorphismus

M(R,,1)

auch einen R-wertigen Punkt von M.

Ein R-wertiger Punkt eines Monoids M ist nach Satz 17.5 äquivalent zu einem R-Algebrahomomorphismus von R[M] nach R. Diese Sprechweise ist insbesondere im Fall eines Grundkörpers K üblich. Dann haben wir also

KSpek(K[M])=HomKalg(K[M],K)=Mormon(M,K)={Kwertige Punkte von M}.

Das bedeutet, dass hier das K-Spektrum bereits auf der Ebene des Monoids eine einfache Beschreibung besitzt, die rein multiplikativ ist. Das impliziert, wie wir sehen werden, dass es für die K-Spektren der Monoidringe im Allgemeinen eine viel übersichtlichere Beschreibung gibt als sonst. Man beachte allerdings, dass zur Definition der Zariski-Topologie und der Garbe der algebraischen Funktionen auf KSpek(K[M]) der Monoidring unverzichtbar ist.


Ein kommutatives Monoid wird häufig durch endlich viele Erzeuger e1,,er zusammen mit binomialen Gleichungen zwischen den Erzeugern beschrieben. Diese sind von der Form

n1e1++nrer=m1e1++mrer

mit  ni.  Ein K-wertiger Punkt φ:MK ist durch die Werte  ai=φ(ei)  eindeutig festgelegt. Dabei muss die Bedingung

a1n1arnr=a1m1armr

erfüllt sein, und zwar für jede im Monoid gültige binomiale Gleichung.




Lemma  

Es sei R ein von 0 verschiedener kommutativer Ring. Es seien M und N kommutative Monoide und sei φ:MN ein Monoidhomomorphismus.

Dann ist φ genau dann injektiv (surjektiv), wenn der zugehörige R-Algebrahomomorphismus φ~:R[M]R[N] injektiv (surjektiv) ist.

Beweis  

Es sei φ injektiv, und angenommen, dass

φ~(mMamXm)=mMamXφ(m)=0.

Da die φ(m),mM, alle verschieden sind, folgt daraus  am=0.  Ist umgekehrt φ nicht injektiv, sagen wir φ(m)=φ(k),mk, so ist auch  φ~(Xm)=φ~(Xk),  obwohl  XmXk  ist.

Ist φ surjektiv, so kann man für ein beliebiges Element nNanXn aus R[N] sofort ein Urbild angeben, nämlich nNanXmn, wobei mn ein beliebiges Urbild von n sei. Ist hingegen φ nicht surjektiv, so sei  nN  ein Element, das nicht zum Bild gehört. Dann ist das Monom Xn von 0 verschieden und kann nicht im Bild des Algebrahomomorphismus liegen.



Korollar  

Es sei R ein von 0 verschiedener kommutativer Ring. Es sei M ein kommutatives Monoid und miM,iI, eine Familie von Elementen aus M.

Dann bilden die mi genau dann ein Monoid-Erzeugendensystem für M, wenn die Xmi,iI, ein R-Algebra-Erzeugendensystem für den Monoidring R[M] bilden.

Beweis  

Die mi,iI, bilden genau dann ein Monoid-Erzeugendensystem für M, wenn der Monoidhomomorphismus (I)M surjektiv ist. Dies ist nach Lemma 17.11 genau dann der Fall, wenn der zugehörige Homomorphismus

R[Xi,iI]R[M],XiXmi,

surjektiv ist. Dies ist aber genau dann der Fall, wenn die Xmi ein R-Algebra-Erzeugendensystem bilden.



Korollar  

Es sei R ein kommutativer Ring und S eine R-Algebra. Es sei M ein kommutatives Monoid.

Dann gibt es einen natürlichen R-Algebrahomomorphismus

R[M]S[M],mMamXmmMamXm,

(die Koeffizienten aus R werden also einfach in S aufgefasst).

Beweis  

Dies folgt aus Satz 17.5, angewandt auf die R-Algebra S[M] und den Monoidhomorphismus MS[M].



Differenzengruppe zu einem Monoid

Wir interessieren uns nun für die Frage, wann ein Monoidring ein Integritätsbereich ist (was nur bei integrem Grundring sein kann) und wie man dann den Quotientenkörper beschreiben kann. Da im Quotientenkörper jedes von null verschiedene Element invertierbar sein muss, gilt das insbesondere für die Monome Tm, mM, und es liegt nahe, nach einer additiven Gruppe zu suchen, die M umfasst.


Es sei M ein kommutatives Monoid. Dann nennt man die Menge der formalen Differenzen

Γ(M)={mnm,nM}

mit der Addition

(m1n1)+(m2n2):=(m1+m2)(n1+n2)

und der Identifikation

m1n1=m2n2 falls es ein mM gibt mit m+m1+n2=m+m2+n1.

die Differenzengruppe zu M.

Wir überlassen es dem Leser als Aufgabe, zu zeigen, dass die Differenzengruppe wirklich eine Gruppe ist. Die vorstehende Konstruktion ist natürlich der Konstruktion von Quotientenkörpern bzw. Quotientenringen nachempfunden, man muss nur die multiplikative Schreibweise dort additiv umdeuten. Die Konstruktion der Differenzengruppe ist eigentlich elementarer. Die Differenzengruppe zum additiven Monoid ist natürlich . Die Elemente in einem Monoid kann man direkt im Differenzenmonoid auffassen, und zwar durch den Monoidhomomorphismus

MΓ(M),mm0.

wobei wir statt m0 einfach m schreiben. Völlig unproblematisch ist dieser Übergang aber doch nicht, da diese Abbildung im Allgemeinen nicht injektiv sein muss. Das hat damit zu tun, dass in der obigen Definition bei der Identifizierung links und rechts ein m auftreten darf (und das lässt sich auch nicht vermeiden). Natürlich will man auch diejenigen Monoide charakterisieren, für die man dieses Extra-m nicht braucht.


Man sagt, dass in einem kommutativen Monoid M die Kürzungsregel gilt (oder dass M ein Monoid mit Kürzungsregel ist), wenn aus einer Gleichung

m+n=m+k mit m,n,kM,

stets  n=k  folgt.

Für ein solches Monoid ist die Abbildung in die Differenzengruppe injektiv, siehe Aufgabe 17.5.


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