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Kurs:Elliptische Kurven (Osnabrück 2021-2022)/Vorlesung 22

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Die Höhe unter Morphismen



Satz  

Es sei

φ:11

ein Morphismus, der durch teilerfremde Polynome  f,g[X]  gegeben ist. Es sei d das Maximum der Grade der Polynome.

Dann gibt es eine positive Konstante C derart, dass die absolute Höhe die Abschätzung

H(φ(P))CH(P)d

für jeden Punkt  P1  erfüllt.

Beweis  

In der homogenen Realisierung des Morphismus seien F0,F1 die teilerfremden homogenen Polynome vom Grad d in den Variablen X0,X1. Aufgrund der Teilerfremdheit erzeugen F0 und F1 in [X,Y] das maximale Ideal bis auf das Radikal, d.h. es gibt mit dem Hilbertschen Nullstellensatz ein  ed  und Polynome  Aij[X,Y]  mit

X0e=A00F0+A01F1

und

X1e=A10F0+A11F1.

Hierbei können wir direkt Aij als homogen vom Grad ed annehmen. Ferner können wir durch eine endliche Körpererweiterung annehmen, dass alle Polynome über K definiert sind.

Es sei  vMK  ein Betrag, wobei wir im nichtarchimedischen Fall  δ=0  und im archimedischen Fall  δ=1  setzen. Es sei  P=(x0,x1)K1  ein Punkt. Es gilt dann

|x0|ve=|A00(P)F0(P)+A01(P)F1(P)|v2δmax(|A00(P)F0(P)|v,|A01(P)F1(P)|v)=2δmax(|A00(P)|v|F0(P)|v,|A01(P)|v|F1(P)|v)2δmax(|A00(P)|v,|A01(P)|v)max(|F0(P)|v,|F1(P)|v)

und entsprechend für x1e, was wir zu

max(|x0|ve,|x1|ve)2δmax(|Aij(P)|v|ij)max(|F0(P)|v,|F1(P)|v)

zusammenfassen.

Wir setzen

Av=max(|a|v|a ist Koeffizient von einem Aij).

Da die Aij alle den Grad ed besitzen, kommt in ihnen eine bestimmte Anzahl, sagen wir m an Monomen vor. Es gilt dann

|Aij(P)|v|μaij,μx0μ0x1μ1|vmδmax(|aij,μx0μ0x1μ1|v|μ)mδAvmax(|x0ed|v,|x1ed|v).

Einsetzen der zweiten Abschätzung in die erste ergibt

max(|x0|ve,|x1|ve)2δmδAvmax(|x0ed|v,|x1ed|v)max(|F0(P)|v,|F1(P)|v)

Multiplikation mit der positiven Zahl max(|x0|v,|x1|v)de ergibt die Abschätzungen

max(|x0|vd,|x1|vd)2δmδAvmax(|F0(P)|v,|F1(P)|v)

Es gibt nur endlich viele archimedische Beträge, für die nichtarchimedischen Beträge werden die Faktoren 2δmδ zu 1 und bis auf endlich viele Beträge ist auch  Av=1,  da die Koeffizienten aller Aij jeweils nur für endlich viele Beträge 1 sind. Die Abschätzungen bleiben erhalten, wenn man die Potenzen zu den Exponenten nv nimmt und man kann dann das Produkt über alle Beträge nehmen. Schließlich geht man durch Wurzelziehen zur absoluten Höhe über.



Zu  Pm()  nennt man

h(P):=lnH(P),

wobei H(P) die absolute Höhe von P bezeichnet, die logarithmische Höhe von P.

Für die logarithmische Höhe schreibt man also ein kleines h. Die Werte von h liegen in 0. Wegen der strengen Monotonie des natürlichen Logarithmus gilt Satz 20.10 entsprechend.



Die Höhenfunktion auf einer elliptischen Kurve

Es sei

E=V+(F)=K2

eine über einem Zahlkörper K definierte elliptische Kurve, gegeben durch eine kurze Weierstraßgleichung  y2=x3+ax+b.  Wir wollen auf den Punkten von E eine Höhenfunktion definieren, die im Beweis des Satzes von Mordell-Weil helfen soll. Dazu muss sie gewisse Eigenschaften bezüglich der Addition erfüllen. Wir arbeiten (statt mit der durch die Einbettung gegebene Höhe) mit der Abbildung

EK1,(x,y,z)(x,z).

Affin wird also ein Punkt (x,y) einfach auf x projiziert.



Lemma  

Es sei E eine elliptische Kurve über einem Zahlkörper K und sei  P=(x,y,1)E  ein fixierter Punkt aus E(K).

Dann gibt es eine Konstante C derart, dass für jeden Punkt  QE(K)  die absolute Höhe die Abschätzung

H(P+Q)CH(Q)2

erfüllt.

Beweis  

Wir können annehmen, dass die x-Koordinate von P gleich 0 ist, die Gleichung habe die Form

y2=x3+rx2+sx+t

(durch die Verschiebung können wir nicht davon ausgehend, dass r=0 ist), es ist also  P(0,y1,1)=.  Es sei  Q=(x2,y2,1)E(K),  dessen Höhe ist also nach Definition die absolute Höhe von (x2,1). Es geht darum, eine Höhenabschätzung für x3 zu zeigen, wobei

P+Q=(x3,y3,1)

ist. Die expliziten Formel für die Koordinaten der Summe liefern

x3=α2rx2=(y2y1x2)2rx2=x23+rx22+sx2+t2y1y2+y12x22rx2,

siehe Aufgabe 6.20. Die Summanden im Bruch haben die Form x2,r,sx21,cx22 und dy2x22, es ist ja y1 fixiert. Die Höhe dieser ersten Terme kann man wegen Lemma 21.8 jeweils durch eine Konstante mal H(x2)2 nach oben abschätzen. Vom zuletzt genannten Term betrachten wir das Quadrat, also

y22x24=x23+rx22+sx2+tx24,

und es geht wieder darum, die Höhe dieser Summanden nach oben abzuschätzen. Da die Summanden bis auf Konstanten die Form x2i mit  i=1,2,3,4  besitzen, haben wir insgesamt eine Abschätzung nach oben der Form CH(x2)4. Durch Ziehen der Quadratwurzel erhalten wir wieder eine Abschätzung der gewünschten Form.


De folgende Satz besagt, dass bei einer elliptischen Kurve über einem Zahlkörper die über die x-Projektion auf die projektive Gerade definierte logarithmische Höhe eine schwache Höhenfunktion ist.



Satz  

Es sei E eine elliptische Kurve über einem Zahlkörper K mit einer Weierstraßgleichung

y2=x3+ax+b

und zugehöriger Projektion E1, (x,y,z)(x,z). Dann erfüllt die zugehörige logarithmische Höhe die folgenden Eigenschaften.

  1. Zu jedem Punkt  PE(K)  gibt es eine Konstante C derart, dass für jeden Punkt  QE(K)  die Abschätzung
    h(P+Q)2h(Q)+C

    erfüllt ist.

  2. Es gibt eine Konstante D derart, dass für alle  PE(K)  die Abschätzung
    h(2P)4h(P)D

    gilt.

  3. Zu jeder Schranke S ist
    {PE(K)h(P)S}

    endlich.

Beweis  

  1. Das ist die logarithmische Version von Lemma 22.3.
  2. Dies folgt über den Logarithmus aus Satz 22.1 und der expliziten Formel für die x-Koordinate bei der Verdoppelung, siehe Korollar 6.7.
  3. Dies folgt aus Satz 21.10, da die Abbildung E1 den Grad 2 besitzt.



Der Satz von Mordell-Weil



Satz  

Es sei E eine elliptische Kurve über einem Zahlkörper K.

Dann ist E(K) endlich erzeugt.

Beweis  

Dies folgt mit Lemma 20.3 (für m=2) aus Satz 19.8 und aus Satz 22.4.


Der Satz bedeutet also, dass die Gruppe E(K) der K-rationalen Punkte die Form

E(K)T×r

besitzt, wobei T die endliche Torsionsuntergruppe und r der endliche Rang der elliptischen Kurve ist. Es ist im Allgemeinen schwierig, zu einer gegebenen elliptischen Kurve die Gruppenstruktur und insbesondere den Rang zu bestimmen. Wir erwähnen einige Beispiele.


Auf der durch  y2=x32x  gegebenen elliptischen Kurve gibt es über die beiden Torsionspunkte (0,0),𝔒. Daneben gibt es noch den Punkt (1,1), der den torsionsfreien Teil erzeugt. Die Gruppenstruktur ist

E()/(2)×

und (1,1) ist ein Erzeuger der torsionsfreien Komponente.



Auf der durch  y2=x3+17  gegebenen elliptischen Kurve gibt es über die beiden unabhängigen Punkte (2,3) und (2,5). Hier ist

E()×

und die angegebenen Punkte sind Erzeuger, der Rang ist also 2.



Auf der durch  y2=x3(231119)2x  gegebenen elliptischen Kurve gibt es über neben den 2-Torsionspunkten, die den Nullstellen des kubischen Polynoms in x entsprechen (siehe Lemma 18.2 und Satz 25.7), die drei unabhängigen Punkte (98,12376),(1650,43560) und (109554,36258840). Hier ist

E()/(2)×/(2)×3,

der Rang ist also 3.


Man vermutet, dass es keine allgemeine Schranke für den Rang einer elliptischen Kurve über gibt. Es ist aber schwierig, elliptische Kurven mit großen Rang anzugeben, der derzeitige Rekord liegt bei Rang 28.


Der Satz von Mordell-Weil gilt auch für abelsche Varietäten über einem Zahlkörper K, d.h. auch in diesem Fall ist die Gruppe der K-rationalen Punkte A(K) endlich erzeugt.

Auf der projektiven Geraden (Geschlecht 0), die ja die Vereinigung der affinen Geraden mit dem unendlich fernen Punkt ist, gibt es, egal über welchem Zahlkörper man sich bewegt, stets einen rationalen Punkt mehr als im Körper. Hier gibt es also keine interessanten Fragen über die Existenz oder die Verteilung von rationalen Punkten. Bei Geschlecht 1, also den elliptischen Kurven, wird die Frage nach den rationalen Punkten grob durch den Satz von Mordell-Weil beantwortet, auch wenn die Frage nach dem Rang in jedem Einzelfall schwierig bleibt. Im Fall von höherem Geschlecht hat Mordell vermutet, dass es da stets zur endlich viele rationale Punkte gibt. Dies wurde um 1983 von Gerd Faltings bewiesen. Der Beweis geht weit über diese Vorlesung hinaus, er benutzt aber wesentlich abelsche Varietäten.


Satz

Es sei C eine projektive glatte Kurve vom Geschlecht  g(C)2  über einem Zahlkörper K.

Dann ist die Menge der K-rationalen Punkte K(C) endlich.

Dies kann man beispielsweise für jede glatte ebene Kurve vom Grad 4 anwenden.


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