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Kurs:Elliptische Kurven (Osnabrück 2021-2022)/Vorlesung 23

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Elliptische Kurven in positiver Charakteristik

Wir betrachten nun elliptische Kurve über einem endlichen Körper mit Elementen. Dabei ist , wobei die Charakteristik des Körpers ist, und zu jeder Primzahlpotenz gibt es nach Satz 11.11 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) bis auf Isomorphie genau einen Körper. Die Primkörper der Charakteristik sind die Restklassenkörper . In einem Körper mit Elementen und allgemeiner in jeder -Algebra gibt es den Frobeniushomomorphismus , , der ein Ringhomomorphismus ist, der für viele Fragen in positiver Charakteristik entscheidend ist. In ist der Frobenius die Identität. Da man häufig über einem Grundkörper arbeiten möchte und dabei die Elemente des Grundkörpers als Konstanten ansehen möchte, ist es sinnvoll, neben dem Frobenius auch die linearen Fortsetzungen des Frobenius zur Verfügung zu haben. Wir erläutern den Unterschied an einem affinen Koordinantering einer elliptischen Kurve über , die durch eine Gleichung der Form mit gegeben ist. Auf der zugehörigen Algebra

bildet der Frobenius alle Koeffizienten, die ja aus stammen, auf sich selbst ab, und stimmt daher mit dem -linearen Einsetzungshomomorphismus , überein. Zu einer Körpererweiterung , man denke an oder an den algebraischen Abschluss , beschreibt die -Algebra den entsprechenden Ausschnitt aus der elliptischen Kurve . Der Frobenius auf wirkt auf dem erweiterten Koeffizientenbereich nicht identisch, es liegt also kein - Algebrahomomorphismus vor. Der -lineare Frobenius ist nun einfach die -lineare Fortsetzung des Frobenius von nach , d.h. es ist der -lineare Einsetzungshomomorphismus , . Zur Abgrenzung zum linearen Frobenius nennt man den eigentlichen Frobenius auch den absoluten Frobenius.

Diese Konzepte übertragen sich auf eine Varietät über einem endlichen Körper . Der absolute Frobenius überführt die - rationalen Punkte von in sich selbst und ist auf jeder Algebra zu einer offenen affinen Teilmenge der Frobeniushomomorphismus. Bei der Fortsetzung auf ist die -lineare Fortsetzung entscheidend, da wir den Morphismusbegriff bezogen auf einen (in der Regel algebraische abgeschlossenen) Grundkörper entwickelt haben. Siehe auch den sechsten Anhang zu dieser Vorlesung. Da bei einer elliptischen Kurve aber alles bis auf das neutrale Element in einer affinen Menge liegt, kann man einen pragmatischen Standpunkt einnehmen und immer mit dem Einsetzungshomomorphismus und der zugehörigen Punktabbildung arbeiten.



Es sei ein endlicher Körper mit Elementen und eine projektive Kurve über . Dann besitzt der -te absolute Frobenius

den Grad .

Es gibt eine endliche Abbildung

(siehe Satz Anhang 13.2 (Singularitätentheorie (Osnabrück 2019)) für die Algebraversion), sagen wir vom Grad . Das Diagramm

kommutiert. Entsprechend kommutiert das Diagramm

der Funktionenkörper. Die vertikalen Abbildungen haben den Grad . Aufgrund der Gradformel genügt es, den Grad des -ten Frobenius auf dem Körper zu bestimmen. Dieser ist als - Algebrahomomorphismus durch gegeben. Unter der Abbildung

ist (das hintere) eine freie - Algebra mit der Basis , was sich auf die Quotientenkörper überträgt. Die Dimension von über ist also .



Es sei eine Varietät über einem Körper der Charakteristik und sei der absolute Frobenius.

Dann gilt für jede Differentialform .

Wir können eine affine Situation annehmen mit dem zugehörigen - Algebra . Die Erzeuger des Kähler-Moduls werden dabei auf abgebildet.

Die vorstehende Aussage gilt ebenso für den -linearen Frobenius.



Es sei eine elliptische Kurve über dem endlichen Körper mit Elementen und es sei

der -te - lineare Frobenius.

Dann ist

genau dann separabel, wenn kein Vielfaches von ist.

Unter Verwendung von Satz 16.7, Lemma 16.9 und Lemma 23.2 gilt für jede Differentialform die Gleichheit

Bei ist dies genau dann gleich , wenn ist, was bedeutet, dass ein Vielfaches von ist. Es liegt also die Alternative vor, dass bei in der Rückzug der Differentialformen die Nullabbildung ist und bei aber surjektiv. Wegen Lemma 19.3 (Algebraische Zahlentheorie (Osnabrück 2020-2021)) entspricht dies den Fällen, dass der relative Kählermodul ungleich oder gleich ist, was nach Satz Anhang 7.10 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) die (Nicht-)separabilität der Erweiterung der Funktionenkörper charakterisiert.



Es sei eine elliptische Kurve über dem endlichen Körper mit Elementen und es sei

der -te - lineare Frobenius.

Dann ist

separabel.

Dies folgt direkt aus Lemma 23.3.

Es sei eine Varietät über einem endlichen Körper , . Eine grundlegende Idee ist, die Punkte als Fixpunkte der Morphismen aufzufassen, wobei den -ten absoluten Frobenius bezeichnet.



Es sei eine Varietät über einem endlichen Körper , . Es sei

den - lineare Frobenius des absoluten -ten Frobenius auf .

Dann gilt für einen Punkt die Beziehung genau dann, wenn von einem Punkt herrührt.

Dies kann man auf die affine Situation zurückführen, die Aussage folgt dann aus Lemma Anhang 6.9.



Es sei eine elliptische Kurve über dem endlichen Körper mit Elementen und es sei

der - lineare Frobenius des -ten absoluten Frobenius auf .

Dann gilt

Wir können die Situation direkt über auffassen, d.h. wir können annehmen. Die Punkte aus entsprechen nach Lemma 23.5 den Fixpunkten unter auf . Wegen Lemma 14.3 ist auch

eine Isogenie. Die Fixpunkte von auf sind somit der Kern von und dieser besteht insbesondere nur aus -Punkten. Diese Abbildung ist nach Korollar 23.4 separabel und daher ist die Anzahl der Elemente im Kern nach Korollar 15.10 gleich dem Grad von .



WIr betrachten die durch die Gleichung

über dem Körper gegebene elliptische Kurve . Wegen

liegt in der Tat Glattheit vor. Die über definierten Punkte sind

was nach Lemma 18.2 genau die vier Torsionspunkte zur Ordnung sind. Der Frobenius ist durch gegeben und besitzt nach Lemma 23.1 den Grad , auf der Punktebene ist es die Abbildung

Entsprechend wird die Abbildung durch

gegeben. Unter Verwendung von Satz 6.5 ist

mit . Nach Lemma 23.6 ist der Grad dieser Abbildung gleich . Diese Abbildung stimmt mit der Verdoppelungsabbildung überein, siehe Aufgabe 22.19.




Es seien und elliptische Kurven über einem Körper .

Dann ist der Grad

eine positiv definite quadratische Form (hierbei bekommt die konstante Abbildung nach den Grad ).

Die Positivität ist klar, das quadratische Verhalten bei Multiplikation mit auf ergibt sich aus Satz 14.2. Im Allgemeinen erfordert dies das Konzept der dualen Isogenie.




Die Hasse-Schranke

Es sei eine Gleichung der Form

mit einem Polynom über einem endlichen Körper mit Elementen gegeben. In einem endlichen Körper der Charakteristik besitzt die Hälfte der Einheiten eine Quadratwurzel, siehe Aufgabe 7.11 (Zahlentheorie (Osnabrück 2016-2017)). Wenn nicht zu speziell ist, so kann man die folgende heuristische Überlegung durchführen. Die Werte , , sind in „zufällig“ verteilt und daher ist es „gleichwahrscheinlich“, ob ein Quadrat oder ein Nichtquadrat getroffen wird. In Fall eines Nichtquadrats gibt es keine Lösung für , im Falle eines Quadrats gibt es zwei Lösungen für . Im „Durchschnitt“ sollte es also zu jedem Element einen Punkt der Kurve geben. Wenn man den unendlich fernen Punkt mitbedenkt, sollte man Punkte auf der Kurve mit Koordinaten in erwarten, also

Ohne weitere Bedingung an gilt dies nicht, wie einfache Beispiele zeigen.


Bei einer Gleichung der Form

über einem endlichen Körper mit Elementen, wo also ein Quadrat in ist, kann man die Umformung

durchführen. Für mit gibt es dann zwei Lösungen für , nämlich . Somit ist, wenn nicht das Nullpolynom ist, die Anzahl der Lösungen der Gleichung (wegen Nullstellen von ) ungefähr gleich .


Helmut Hasse

Die folgende Aussage heißt die Hasse-Schranke.


Es sei eine elliptische Kurve über einem endlichen Körper mit Elementen.

Dann ist

Es sei der -te absolute Frobenius und

der zugehörige - lineare Frobenius. Nach Lemma 23.6 ist

Nach Satz 22.7 ist die Gradabbildung auf dem Endomorphismenring eine positiv definite quadratische Form. Da die Identität den Grad und nach Lemma 23.1 den Grad besitzt, gilt mit Satz Anhang 5.5 die Abschätzung

Wurzelziehen ergibt die Aussage.



Wir betrachten die elliptische Kurve, die durch

gegeben ist, für verschiedene endliche Körper der Charakteristik .

Es sei . Die rechte Seite der Gleichung ist durch

gegeben. Im Körper mit Elementen besitzen Quadratwurzeln und daher sind die Lösungen der Gleichung gleich

also Stück, was genau mit übereinstimmt.

Es sei . Die rechte Seite der Gleichung ist durch

gegeben. Im Körper mit Elementen besitzen Quadratwurzeln, es kommen also nur Quadrate in der rechten Seite der Gleichung vor. Daher sind die Lösungen der Gleichung gleich

also Stück. Es ist

von der Hasse-Schranke her könnte es noch einen Punkt mehr geben, wir sind aber schon relativ nah an der oberen Schranke.

Es sei . Die rechte Seite der Gleichung ist durch

gegeben. Im Körper mit Elementen besitzen Quadratwurzeln, es kommen also nur Quadrate in der rechten Seite der Gleichung vor. Daher sind die Lösungen der Gleichung gleich

also Stück, was genau mit übereinstimmt. Von der Hasse-Schranke her, die bei kleinen Primzahlen ziemlich grob ist, wäre eine Lösungsanzahl zwischen und denkbar.



Es sei . Wir betrachten die Gleichung

über einem endlichen Körper mit Elementen, wobei die Charakteristik kein Teiler von sei. Nach Beispiel 4.10 definiert dies eine elliptische Kurve.

Es sei . Dann ist die Anzahl der -Punkte der Kurve gleich . Hier ist also der Ausdruck, für den es nach Satz 23.10 eine Schranke gibt, sogar gleich . Neben den vier Punkten der Ordnung (vergleiche Lemma 18.2) betrachten wir die Elemente . Aufgrund der Bedingung an die Charakteristik sind die herausgenommenen Punkte verschieden und ferner ist . Ferner ist . Nach Satz 9.6 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) bzw. Aufgabe 17.16 (Algebraische Zahlentheorie (Osnabrück 2020-2021)) ist kein Quadrat in . Daher ist für jedes Paar genau eines der beiden Elemente oder ein Quadrat in , was dann zu zwei Punkten auf der elliptischen Kurve führt. Dies ergibt Punkte und somit gibt es insgesamt Punkte.



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PDF-Version dieser Vorlesung

Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)