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Kurs:Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2016-2017)/Teil II/Vorlesung 34

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Unterräume

Es sei K ein Körper und  n.  Eine Teilmenge  UKn  heißt Untervektorraum, wenn die folgenden Eigenschaften gelten.

  1. Es ist  0U
  2. Mit  u,vU  ist auch  u+vU
  3. Mit  uU  und  sK  ist auch  suU

Eine Familie von Vektoren  v1,,vkU  heißt wieder ein Erzeugendensystem von U, wenn man jeden Vektor aus U als eine Linearkombination  u=i=1ksivi  schreiben kann, und eine Basis von U, wenn darüber hinaus diese Darstellung eindeutig ist. Mit einem Erzeugendensystem kann man einen Untervektorraum U in der Form

U={i=1ksivisiK}

beschreiben. Umgekehrt definiert dabei die rechte Seite stets einen Untervektorraum, der der von den Vektoren v1,,vk erzeugte Untervektorraum heißt. Er wird mit v1,,vk bezeichnet.



Es sei K ein Körper und

a11x1+a12x2++a1nxn=0a21x1+a22x2++a2nxn=0am1x1+am2x2++amnxn=0

ein homogenes lineares Gleichungssystem über K.

Dann ist die Menge aller Lösungen des Gleichungssystems ein Untervektorraum des Kn (mit komponentenweiser Addition und Skalarmultiplikation).

Beweis

Siehe Aufgabe 34.5.


Für einen Untervektorraum  UKn  gibt es grundsätzlich zwei Beschreibungsmöglichkeiten: Als Lösungsraum eines homogenen linearen Gleichungssystems und als ein von Vektoren erzeugter Untervektorraum. Durch das Lösen eines linearen Gleichungssystems wird die zuerst genannte Darstellungsmöglichkeit in die zweite Darstellungsmöglichkeit umgewandelt.

Man nennt zu einem homogenen linearen Gleichungssystem Lösungen v1,,vk Basislösungen, wenn man jede Lösung eindeutig als Linearkombination dieser Basislösungen darstellen kann. Wenn ein solches System in den Variablen x1,,xn gegeben ist, und wenn man die freien Variablen xi1,,xik identifiziert hat, so erhält man Basislösungen, wenn man diese freien Variablen an einer Stelle mit 1 und sonst mit 0 belegt und die anderen Einträge der abhängigen Variablen jeweils ausrechnet.



Es sei K ein Körper und  n+.  Eine Teilmenge  SKn  heißt affiner Unterraum, wenn (S leer ist oder) es einen Untervektorraum  UKn  und einen Punkt  PKn  mit

S=P+U={P+vvU}

gibt.

Statt von einem affinen Unterraum spricht man manchmal schlicht von einem Unterraum. Der Punkt P heißt ein Aufpunkt des Raumes und U heißt der zugehörige Untervektorraum. Ein affiner Unterraum ist ein in eine bestimmte Richtung parallel verschobener Untervektorraum, wobei der Aufpunkt den Verschiebungsvektor bezeichnet.



Lemma  

Es sei K ein Körper und

a11x1+a12x2++a1nxn=c1a21x1+a22x2++a2nxn=c2am1x1+am2x2++amnxn=cm

ein inhomogenes lineares Gleichungssystem über K.

Dann ist die Menge S aller Lösungen des Gleichungssystems ein (affiner) Unterraum des Kn. Dabei kann man jede Lösung  PS  als Aufpunkt nehmen, und der zugehörige Untervektorraum ist der Lösungsraum zum zugehörigen homogenen linearen Gleichungssystem.

Beweis  

Es sei die Lösungsmenge S nicht leer und sei  P=(p1pn)S  ein beliebig gewählter Punkt. Es sei U der Lösungsraum zum zugehörigen homogenen linearen Gleichungssystem, der nach Lemma 34.2 ein Untervektorraum von Kn ist. Wir müssen die Mengengleichheit  S=P+U  zeigen. Wenn  v=(v1vn)U  ist, so bedeutet dies

j=1naijvj=0

für alle  i=1,,m.  Für  P+v=(p1+v1pn+vn)  ist dann

j=1naij(pj+vj)=j=1naijpj+j=1naijvj=c+0=c,

also ist dieser Punkt eine Lösung des inhomogenen Gleichungssystems und somit ist  P+vS.  Wenn umgekehrt  Q=(q1qn)S  eine Lösung ist, so ist

QP=(q1p1qnpn)

und diese Differenz erfüllt

j=1naij(qjpj)=j=1naijqjj=1naijpj=cc=0.

Also ist  QPU  und somit  Q=P+(QP)P+U


Wenn man also die Lösungsmenge eines inhomogenen Gleichungssystems beschreiben möchte, so nimmt man eine spezielle Lösung als Aufpunkt und eine Basis des Lösungsraumes des zugehörigen homogenen Gleichungssystems.

Der leere Raum und jeder einzelne Punkt ist für sich ein affiner Unterraum. Richtig interessant wird es mit Geraden.


Unter einer Geraden (in Punktvektorform) versteht man einen affinen Unterraum  GKn  der Form

G=P+Kv={P+svsK}

mit einem von 0 verschiedenen Vektor  vKn  und einem Aufpunkt  PKn

Man spricht auch von der Punktrichtungsform oder der Parameterdarstellung der Geraden, wobei das s als Parameter bezeichnet wird. Für eine Gerade gibt es stets die bijektive Abbildung

KG,sP+sv,

die auch eine Parametrisierung der Geraden heißt.



Geraden in der Ebene

Wir besprechen die vorstehenden Begriffe und Aussagen in niedrigen Dimensionen.

Wir betrachten Geraden in der Ebene K2. Unter der Gleichungsform einer Geraden in der Ebene versteht man eine lineare Gleichung der Form

ax+by=c

mit  (a,b)(0,0).  Es ist einfach, aus der Gleichungsform eine Punktrichtungsform zu erhalten.


Korollar  

Es sei K ein Körper und sei

ax+by=c

eine lineare Gleichung in zwei Variablen über K mit  (a,b)0

Dann ist die Lösungsmenge eine Gerade in K2. Als Richtungsvektor kann man den Vektor (ba) nehmen.

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 34.5, da (ba) eine Basislösung der zugehörigen homogenen linearen Gleichung  ax+by=0  ist.




Es seien im K2 zwei Geraden G und H in Gleichungsform durch

ax+by=c

bzw.

rx+sy=d

(mit (a,b)(0,0) und (r,s)(0,0)) gegeben.

Dann ist der Durchschnitt GH der beiden Geraden die Lösungsmenge des linearen Gleichungssystems, das aus diesen beiden Gleichungen besteht. Dabei gibt es die drei Möglichkeiten:

  1. Es ist  G=H
  2. Es ist  GH=
  3. Der Durchschnitt besteht aus einem einzigen Punkt.

Beweis

Siehe Aufgabe 34.15.

Im zweiten Fall (manchmal auch im ersten Fall) spricht man von parallelen Geraden. Der dritte Fall tritt genau dann ein, wenn zwischen (a,b) und (r,s) keine Vielfachheitsbeziehung besteht.


Wir berechnen zu den durch

4x7y=13

bzw.

5x8y=9

gegebenen Geraden den Durchschnitt. Wenn man von der zweiten Gleichung das 54-fache der ersten Gleichung abzieht, so erhält man

(8+547)y=95413,

also

34y=1014

und somit

y=1013

und

x=1673.

Der Durchschnitt besteht also aus einem einzigen Schnittpunkt mit den Koordinaten (1673,1013).




Geraden und Ebenen im Raum

Unter einer Ebene (in Punktvektorform oder Parameterform) versteht man einen affinen Unterraum  EKn  der Form

E=P+Kv+Kw={P+sv+tws,tK}

mit zwei Vektoren  v,wKn,  die keine Vielfachen voneinander[1] sind, und einem Aufpunkt  PKn

Dabei heißen hier die Zahlen s,t die Parameter. Für eine Ebene gibt es stets die bijektive Abbildung

K2G,(s,t)P+sv+tw,

die auch eine Parametrisierung der Ebene heißt. Die Bijektivität beruht dabei darauf, dass keine Vielfachheitsbeziehung zwischen den Richtungsvektoren v und w besteht.



Lemma  

Es sei K ein Körper und sei

ax+by+cz=d

eine lineare Gleichung in drei Variablen über K mit  (a,b,c)0

Dann ist die Lösungsmenge eine Ebene im K3. Wenn  a0  ist, so kann man als Richtungsvektoren die beiden Vektoren (ba0) und (c0a) nehmen.

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 34.5 und daraus, dass die beiden angegebenen Vektoren offenbar Lösungen der zugehörigen homogenen linearen Gleichung sind, die wegen  a0  kein Vielfaches voneinander sind. Man kann auch jede Lösung als Linearkombination dieser beiden Lösungen schreiben, es ist nämlich

(xyz)=ya(ba0)za(c0a).

Also handelt es sich um Basislösungen.



Wir betrachten die Menge

E={(xyz)35xy+3z=0}.

Nach Lemma 34.11 hat diese Ebene in Punktrichtungsform die Beschreibung

E={r(305)+s(150)r,s}.


Wir betrachten die beiden Mengen

E={(xyz)35xy+3z=0}

(aus Beispiel 34.12) und

F={(xyz)34x+2y7z=0}

und interessieren uns für den Durchschnitt

G:=EF={(xyz)35xy+3z=0 und 4x+2y7z=0}.

Ein Punkt liegt genau dann im Durchschnitt, wenn er simultan beide Bedingungen, also beide Gleichungen (nennen wir sie I und II), erfüllt. Gibt es eine „einfachere“ Beschreibung dieser Durchschnittsmenge? Ein Punkt, der die beiden Gleichungen erfüllt, erfüllt auch die Gleichung, die entsteht, wenn man die beiden Gleichungen miteinander addiert oder die Gleichungen mit einer Zahl  s  multipliziert. Eine solche Linearkombination der Gleichungen ist beispielsweise

4I5II=14y+47z=0.

Daher ist

G={(xyz)35xy+3z=0 und 4x+2y7z=0}={(xyz)35xy+3z=0 und 14y+47z=0},

da man aus der neuen zweiten Gleichung die alte zweite Gleichung zurückkonstruieren kann und daher die Bedingungen links und rechts insgesamt äquivalent sind. Der Vorteil der zweiten Beschreibung ist, dass man die Variable x in der neuen zweiten Gleichung eliminiert hat. Daher kann man nach y auflösen und erhält

y=4714z

und für x muss dann

x=15y35z=154714z35z=4770z4270z=114z

sein. Auch diese beiden aufgelösten Gleichungen sind zusammen äquivalent zu den beiden ersten und somit ist

G={(114z4714zz)z}.

Diese Beschreibung liefert einen expliziteren Überblick über die Menge G.


Wir besprechen ein geometrisches Beispiel ähnlich zu Beispiel 34.13, wobei jetzt die Gleichungen nicht homogen sein müssen.


Zwei Ebenen im Raum, die sich in einer Geraden schneiden.

Im 3 seien zwei Ebenen

E={(x,y,z)34x2y3z=5}

und

F={(x,y,z)33x5y+2z=1}

gegeben. Wie kann man die Schnittgerade  G=EF  beschreiben? Ein Punkt  P=(x,y,z)  liegt genau dann auf der Schnittgerade, wenn er die beiden Ebenengleichungen erfüllt; es muss also sowohl

4x2y3z=5 als auch 3x5y+2z=1

gelten. Wir multiplizieren die erste Gleichung mit 3 und ziehen davon das 4-fache der zweiten Gleichung ab und erhalten

14y17z=11.

Wenn man  y=0  setzt, so muss  z=1117  und  x=1317  sein. D.h. der Punkt  P=(1317,0,1117)  gehört zu G. Ebenso findet man, indem man  z=0  setzt, den Punkt  Q=(2314,1114,0).  Damit ist die Schnittgerade die Verbindungsgerade dieser Punkte, also

G={(1317,0,1117)+t(209238,1114,1117)t}.



Fußnoten
  1. D.h. dass weder v noch w der Nullvektor ist und dass der eine Vektor nicht ein Vielfaches des anderen Vektors ist.


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