Zum Inhalt springen

Kurs:Lineare Algebra/Teil I/49/Klausur mit Lösungen

Aus Wikiversity


Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Punkte 3 3 3 7 4 8 3 8 3 2 3 6 5 3 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die Vereinigung der Mengen und .
  2. Äquivalente (inhomogene) lineare Gleichungssysteme zur gleichen Variablenmenge über einem Körper .
  3. Der Kern einer linearen Abbildung

    zwischen zwei -Vektorräumen und .

  4. Ein Eigenvektor zu einer linearen Abbildung

    auf einem - Vektorraum .

  5. Das charakteristische Polynom zu einer -Matrix mit Einträgen in einem Körper .
  6. Eine baryzentrische Kombination in einem affinen Raum .


Lösung

  1. Die Menge

    heißt die Vereinigung der beiden Mengen.

  2. Zwei (inhomogene) lineare Gleichungssysteme heißen äquivalent, wenn ihre Lösungsmengen übereinstimmen.
  3. Man nennt

    den Kern von .

  4. Ein Element , , heißt ein Eigenvektor von , wenn

    mit einem gewissen gilt.

  5. Das Polynom

    heißt charakteristisches Polynom von .

  6. Zu einer Familie , , von Punkten in und einem Zahltupel , , mit

    heißt die Summe baryzentrische Kombination der .


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Dimension von Untervektorräumen für den Durchschnitt und die Summe.
  2. Der Satz über den Zusammenhang zwischen der Verknüpfung linearer Abbildungen und der Matrizenmultiplikation (genaue Formulierung mit Basen).
  3. Der allgemeine Entwicklungssatz für die Determinante.


Lösung

  1. Es sei ein Körper und ein endlichdimensionaler - Vektorraum. Es seien Untervektorräume. Dann ist
  2. Bei der Korrespondenz zwischen linearen Abbildungen und Matrizen entsprechen sich die Hintereinanderschaltung von linearen Abbildungen und die Matrizenmultiplikation. Damit ist folgendes gemeint: es seien Vektorräume über einem Körper mit Basen

    Es seien

    lineare Abbildungen. Dann gilt für die beschreibenden Matrizen von und der Hintereinanderschaltung die Beziehung

  3. Es sei ein Körper und sei eine -Matrix über . Zu sei diejenige Matrix, die entsteht, wenn man in die -te Zeile und die -te Spalte weglässt. Dann ist (bei für jedes feste bzw. )


Aufgabe (3 Punkte)

Erläutere Vor- und Nachteile des axiomatischen Aufbaus der Mathematik.


Lösung erstellen


Aufgabe (7 Punkte)

Wir betrachten die Abbildung

die einem Vierertupel das Vierertupel

zuordnet. Zeige, dass sich bei jedem Starttupel nach endlich vielen Iterationen dieser Abbildung stets das Nulltupel ergibt.


Lösung

Es sei das Maximum der beteiligten vier Zahlen . Wir zeigen, dass dieses Maximum nach endlich vielen Iterationen kleiner wird. Da wir uns innerhalb der natürlichen Zahlen befinden, folgt daraus, dass das Maximum irgendwann wird, was bedeutet, dass dann alle vier Zahlen sind. Da alle Zahlen aus sind und die nichtnegative Differenz genommen wird, wird das Maximum definitiv nicht größer bei einer Iteration. Allerdings kann das Maximum gleich bleiben. Dies kann aber nur dann sein, wenn ein Nachbar (zyklisch gedacht, die vierte Zahl ist also auch ein Nachbar der ersten Zahl) des Maximums gleich ist. Wir müssen (durch zyklisches Vertauschen und Spiegeln) nur noch die Situation anschauen, wo das Tupel die Form

mit    hat. Wenn    ist, so liefert die Abbildung

Wir müssen also nur noch die Situation anschauen, wo es höchstens zwei Nullen gibt. Bei

mit    ergibt sich im nächsten Schritt

was keine Nullen mehr hat. Bei

mit    ergibt sich im nächsten Schritt

Bei    besitzt dies nur eine Null, bei    sind wir in einem schon behandelten Fall. Es sei das Tupel jetzt

mit

Das Ergebnis ist

Bei    ist dies

mit dem Folgetupel

Bei    besitzt dies ein kleineres Maximum, bei    ist das Folgetupel gleich

und davon ist das Folgetupel

Es sei also  .  Das Folgetupel ist bei    gleich

und dessen Folgetupel ist

Allenfalls in der dritten Position könnte eine stehen, doch diese ist nicht benachbart zum einzigen Vorkommen von , sodass das Folgetupel keine Null besitzt.


Das Folgetupel ist bei    gleich

und dabei ist wieder allenfalls in der dritten Position eine , doch diese ist nicht benachbart zum einzigen Vorkommen von , sodass das Folgetupel keine Null besitzt.


Aufgabe (4 Punkte)

Löse das inhomogene lineare Gleichungssystem


Lösung

Wir eliminieren zuerst die Variable , indem wir die erste Gleichung dreimal von der zweiten Gleichung subtrahieren. Dies führt auf

Nun eliminieren wir die Variable , indem wir (bezogen auf das vorhergehende System) und ausrechnen. Dies führt auf

Mit ergibt sich

und

Rückwärts gelesen ergibt sich

und


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise die Dimensionsformel für eine lineare Abbildung


Lösung

Es sei  .  Es sei    der Kern der Abbildung und    seine Dimension (). Es sei

eine Basis von . Aufgrund des Basisergänzungssatzes gibt es Vektoren

derart, dass

eine Basis von ist. Wir behaupten, dass

eine Basis des Bildes ist. Es sei    ein Element des Bildes . Dann gibt es ein    mit  .  Dieses lässt sich mit der Basis als

schreiben. Dann ist

sodass sich als Linearkombination der schreiben lässt. Zum Beweis der linearen Unabhängigkeit der , , sei eine Darstellung der Null gegeben,

Dann ist

Also gehört zum Kern der Abbildung und daher kann man

schreiben. Da insgesamt eine Basis von vorliegt, folgt, dass alle Koeffizienten sein müssen, also sind insbesondere  


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die inverse Matrix zu


Lösung


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Satz über die natürliche Abbildung eines Vektorraumes in sein Bidual.


Lösung

Es sei    fixiert. Zuerst ist zu zeigen, dass eine Linearform auf dem Dualraum ist. Offenbar ist eine Abbildung von nach . Die Additivität ergibt sich aus

wobei wir die Definition der Addition auf dem Dualraum verwendet haben. Die Verträglichkeit mit der Skalarmultiplikation ergibt sich entsprechend mittels

Zum Beweis der Additivität der Gesamtabbildung seien  .  Es ist die Gleichheit

zu zeigen. Da dies eine Gleichheit in ist, also insbesondere eine Gleichheit von Abbildungen, sei    beliebig. Dann folgt die Additivität aus

Entsprechend ergibt sich die skalare Verträglichkeit aus

Zum Nachweis der Injektivität sei    mit    gegeben. D.h. für alle Linearformen    ist  .  Dann ist aber nach Lemma 14.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) schon

und nach dem Injektivitätskriterium ist injektiv.

Im endlichdimensionalen Fall folgt die Bijektivität aus der Injektivität und aus Korollar 13.12 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Die Knopfloch-Raute entsteht aus der Merkel-Raute (bei der die Fingerspitzen der linken Hand ihr jeweiliges natürliches (anatomisches) Gegenüber der rechten Hand berühren), indem die linke Daumenspitze auf der rechten Daumenspitze bleibt, dann die linke Hand um Grad (um die linke Unterarmachse) gedreht wird (dazu muss man den Kontakt zwischen den anderen Fingerspitzen auflösen) und dann die Fingerspitzen der linken Hand ihre im Raum (nicht anatomisch) gegenüberliegen Fingerspitzen der rechten Hand berühren lässt. Diese Knopfloch-Raute wurde von Professor Knopfloch erfunden und ist inzwischen das Erkennungszeichen der Mitglieder des Vereins zur Förderung der Permutationen von Hand und Hirn.

a) Erstelle eine Wertetabelle für die Knopfloch-Raute, aufgefasst als bijektive Abbildung von der Menge der linken Finger in die Menge der rechten Finger.


b) Bestimme die Anzahl der Fehlstände der Knopfloch-Raute (dazu muss man die Fingermenge in natürlicher Weise durchnummerieren und die Knopfloch-Raute als eine Permutation auffassen).


c) Bestimme das Signum der Knopfloch-Raute.


Lösung


a)

Wenn man die Finger durchnummeriert, sieht es so aus:


b) Die gehört nie zu einem Fehlstand, dagegen sind sämtliche Paare

ein Fehlstand. Davon gibt es Stück.


c) Das Signum ist

die Knopfloch-Permutation ist also gerade.


Aufgabe (2 Punkte)

Begründe geometrisch, dass die Wurzeln , , als Länge von „natürlichen“ Strecken vorkommen.


Lösung

Dies geht mit der Spirale des Theodorus. Wenn man die (bereits konstruierte) Quadratwurzel als eine Kathete eines rechtwinkligen Dreiecks nimmt mit einer zweiten Kathete der Länge , so erhält man eine Hypotenuse der Länge .


Aufgabe (3 Punkte)

Führe in die Division mit Rest durch “ für die beiden Polynome und durch.


Lösung

Es ist insgesamt


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei ein Körper und es seien verschiedene Elemente    und Elemente    gegeben. Zeige, dass es ein eindeutiges Polynom    vom Grad derart gibt, dass    für alle ist.


Lösung

Wir beweisen die Existenz und betrachten zuerst die Situation, wo    ist für alle    für ein festes . Dann ist

ein Polynom vom Grad , das an den Stellen den Wert hat. Das Polynom

hat an diesen Stellen ebenfalls eine Nullstelle, zusätzlich aber noch bei den Wert . Nennen wir dieses Polynom . Dann ist

das gesuchte Polynom. An der Stelle gilt ja

für    und  

Die Eindeutigkeit folgt aus Korollar 19.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)).


Aufgabe (5 (2+2+1) Punkte)

Wir betrachten die komplexe Matrix


a) Bestimme das charakteristische Polynom von .


b) Berechne und .


c) Bestätige den Satz von Cayley-Hamilton für durch eine explizite Rechnung.


Lösung


a) Das charakteristische Polynom ist


b) Es ist

Es ist


c) Es ist


Aufgabe (3 Punkte)

Eine lineare Abbildung

werde bezüglich der Standardbasis durch die Matrix

beschrieben. Finde eine Basis, bezüglich der durch die Matrix

beschrieben wird.


Lösung

Es ist

und

Der Vektor gehört nicht zum Kern von , daher kann man aus den sukzessiven Bildern davon eine Basis wie gewünscht herstellen. Es ist

und

Daher ist

eine Basis, bezüglich der die jordansche Normalform

vorliegt.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei ein Körper und seien und affine Räume über den Vektorräumen bzw. . Es sei eine Abbildung

eine lineare Abbildung

und ein Punkt    derart gegeben, dass

für alle    gilt. Zeige, dass affin-linear ist.


Lösung

Es seien und beliebig. Es ist

mit . Damit ist