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Alternierende Multilinearform/Dachprodukt/Einführung/Textabschnitt

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Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und  n.  Wir konstruieren das sogenannte n-te Dachprodukt von V mit sich selbst, geschrieben nV. Dazu betrachten wir die Menge S aller Symbole der Form

(v1,,vn) mit viV

und die zugehörige Menge der e(v1,,vn). Wir betrachten den Vektorraum

H=K(S),

das ist die Menge aller (endlichen) Summen

a1es1++akesk mit aiK und siS,

die es bilden eine Basis. Dies ist mit der natürlichen Addition und der natürlichen Skalarmultiplikation ein Vektorraum, und zwar ein Untervektorraum des Abbildungsraumes Abb(S,K) (es handelt sich bei H um die Menge derjenigen Vektoren, die für fast alle Elemente  sS  den Wert 0 haben). In H betrachten wir den Untervektorraum U, der von den folgenden Elementen erzeugt wird (die man die Standardrelationen des Dachprodukts nennt).

e(v1,,vi1,v+w,vi+1,,vn)e(v1,,vi1,v,vi+1,,vn)e(v1,,vi1,w,vi+1,,vn)

für beliebige  v1,,vi1,vi+1,,vn,v,wV

e(v1,,vi1,av,vi+1,,vn)ae(v1,,vi1,v,vi+1,,vn)

für beliebige  v1,,vi1,vi+1,,vn,vV  und  aK

e(v1,,vi1,v,vi+1,,vj1,v,vj+1,,vn)

für  i<j  und beliebige  v1,,vi1,vi+1,,,vj1,vj+1,,vn,vV

Dabei ist der Leitgedanke, die Regeln, die für eine alternierende multilineare Abbildung gelten müssen, dadurch zu erzwingen, dass man die obigen Terme zu 0 macht. Der erste Typ repräsentiert die Additivität in jedem Argument, die zweite die Verträglichkeit mit der skalaren Multiplikation, die dritte die alternierende Eigenschaft.

Man setzt nun

nV:=H/U,

d.h. man bildet den Restklassenraum von H modulo dem Unterraum U.



Lemma  

Es sei K ein Körper und V ein K-Vektorraum. Dann gelten für die äußeren Potenzen folgende Aussagen.

  1. Die Elemente der Form v1vn mit  viV  bilden ein Erzeugendensystem von nV.
  2. Die Abbildung
    VnnV,(v1,,vn)v1vn,

    ist multilinear und alternierend.

  3. Es ist
    v1vi1vwvi+2vn=v1vi1wvvi+2vn.
  4. Es seien  u1,,umV  gegeben und seien
    vj=i=1maijui

    für  j=1,,n.  Dann ist

    v1vn=(i1,,in){1,,m}n(j=1naijj)ui1uin=1i1<<inm(πSnsgn(π)j=1naiπ(j)j)ui1uin.

Beweis  

(1) folgt direkt aus der Konstruktion.
(2). Es liegt die zusammengesetzte Abbildung

VnHK(Vn)H/U
vor, wobei (v1,,vn) auf e(v1,,vn) und dies auf die Restklasse v1vnabgebildet wird. Dabei sichert die Definition des Unterraums U, dass jeweils die Eigenschaften einer multilinearen alternierenden Abbildung erfüllt sind.

(3) gilt nach Fakt für jede alternierende Abbildung.
(4). Die erste Gleichung gilt nach Fakt für jede multilineare Abbildung. Wenn sich in dem Indextupel (i1,,in) ein Eintrag wiederholt, so ist  ui1uin=0  wegen alternierend. Wir müssen also nur noch Tupel betrachten, wo alle Einträge verschieden sind. Diese können nach Umordnen auf die Form  1i1<<inm  gebracht werden. Bei einem fixierten aufsteigenden Indextupel ist die Summe über alle dazu permutierten Indextupel gleich

πSnj=1naiπ(j)juiπ(1)uiπ(n)=πSnsgn(π)j=1naiπ(j)jui1uin.



Korollar  

Es sei K ein Körper und V ein K-Vektorraum und seien v1,,vn und w1,,wn Vektoren in V, die miteinander in der Beziehung

(v1vn)=M(w1wn)

stehen, wobei M eine n×n-Matrix bezeichnet.

Dann gilt in nV die Beziehung

v1vn=(detM)w1wn.

Beweis  

Mit  M=(bjk)  ist  vj=k=1nbjkwk  und mit der transponierten Matrix  Mtr=(aij)  ist  vj=i=1naijwi.  Damit sind wir in der Notation von Fakt  (4) und es gilt

v1vn=1i1<<inn(πSnsgn(π)j=1naiπ(j)j)wi1win=πSnsgn(π)j=1naπ(j)jw1wn,

da dann  ij=j  sein muss. Daher folgt die Aussage aus der Leibniz-Formel für die Determinante.



Satz  

Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und  n.  Es sei

ψ:VnW

eine alternierende multilineare Abbildung in einen weiteren K-Vektorraum W.

Dann gibt es eine eindeutig bestimmte lineare Abbildung

ψ~:nVW

derart, dass das Diagramm

VnnVW

kommutiert.

Beweis  

Wir verwenden die Notation aus Fakt. Durch die Zuordnung

e(v1,,vn)ψ(v1,,vn)

wird nach Fakt eine K-lineare Abbildung

ψ¯:HW

definiert. Da ψ multilinear und alternierend ist, wird unter ψ¯ der Untervektorraum  UH  auf 0 abgebildet. Nach Fakt gibt es daher eine K-lineare Abbildung

ψ~:H/UW,

die mit ψ¯ verträglich ist.
Die Eindeutigkeit ergibt sich daraus, dass die v1vn ein Erzeugendensystem von nV bilden und diese auf ψ(v1,,vn) abgebildet werden müssen.



Korollar  

Es sei K ein Körper, V ein K-Vektorraum und  n

Dann gibt es eine natürliche Isomorphie

(nV)Altn(V,K),ψ((v1,,vn)ψ(v1vn)).

Beweis  

Die Abbildung ist einfach die Verknüpfung ψψδ, wobei δ:V××VnV die kanonische Abbildung bezeichnet. Die Linearität der Zuordnung ergibt sich aus den linearen Strukturen des Dualraumes und des Raumes der alternierenden Formen. Die Bijektivität der Abbildung folgt aus Fakt, angewendet auf  W=K



Satz  

Es sei K ein Körper und V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum der Dimension m. Es sei v1,,vm eine Basis von V und es sei  n

Dann bilden die Dachprodukte

vi1vin mit 1i1<<inm

eine Basis von nV.

Beweis  

Wir zeigen zuerst, dass ein Erzeugendensystem vorliegt.  Da die Elemente der Form w1wn nach Fakt  (1) ein Erzeugendensystem von nV bilden, genügt es zu zeigen, dass man diese durch die angegebenen Elemente darstellen kann. Für jedes wj gibt es eine Darstellung  wj=i=1maijvi,  daher kann man nach Fakt  (4) die w1wn als Linearkombinationen von Dachprodukten der Basiselemente darstellen, wobei allerdings jede Reihenfolge vorkommen kann. Es sei also vk1vkn gegeben mit  kj{1,,m}.  Durch Vertauschen von benachbarten Vektoren kann man nach Fakt  (3) (unter Inkaufnahme eines anderen Vorzeichens) erreichen, dass die Indizes (nicht notwendigerweise streng) aufsteigend geordnet sind. Wenn sich ein Index wiederholt, so ist nach Fakt  (2) das Dachprodukt 0. Also wiederholt sich kein Index und diese Dachprodukte sind in der gewünschten Form.

Zum Nachweis der linearen Unabhängigkeit zeigen wir unter Verwendung von Fakt, dass es zu jeder n-elementigen Teilmenge  I={i1,,in}{1,,m}  (mit i1<<in) eine K-lineare Abbildung

nVK

gibt, die vi1vin nicht auf 0 abbildet, aber alle anderen in Frage stehenden Dachprodukte auf 0 abbildet. Dazu genügt es nach Fakt, eine alternierende multilineare Abbildung

:VnK

anzugeben mit  (vi1,,vin)0,  aber mit  (vj1,,vjn)=0  für jedes andere aufsteigende Indextupel. Es sei U der von den vi, iik, erzeugte Untervektorraum von V und  W=V/U  der Restklassenraum. Dann bilden die Bilder der vik, k=1,,n, eine Basis von W, und die Bilder von allen anderen n-Teilmengen der gegebenen Basis bilden dort keine Basis, da mindestens ein Element davon auf 0 geht. Wir betrachten nun die zusammengesetzte Abbildung

:VnWn(Kn)ndetK.

Diese Abbildung ist nach Fakt multilinear und nach Fakt alternierend. Nach Fakt ist  (z1,,zn)=0  genau dann, wenn die Bilder von zi in W keine Basis bilden.


Bei V=Km mit der Standardbasis e1,,em nennt man die ei1ein mit i1<<in die Standardbasis von nKm.



Korollar  

Es sei K ein Körper und V ein endlichdimensionaler K-Vektorraum der Dimension m.

Dann besitzt das n-te äußere Produkt nV die Dimension

(mn).

Beweis  

Dies folgt direkt aus Fakt und Fakt.

Insbesondere ist die äußere Potenz für n=0 eindimensional (es ist 0V=K) und für n=1 m-dimensional (es ist 1V=V). Für n=m ist mV eindimensional, und die Determinante induziert (nach einer Identifizierung von V mit Km) einen Isomorphismus

mVK,(v1,,vm)det(v1,,vm).

Für n>m sind die äußeren Produkte der Nullraum und besitzen die Dimension 0.