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Kurs:Analysis (Osnabrück 2014-2016)/Teil II/Vorlesung 33/kontrolle

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Metrische Räume

Euklidische Räume besitzen nach Definition ein Skalarprodukt. Darauf aufbauend kann man einfach die Norm eines Vektors und den Abstand zwischen zwei Vektoren definieren. Die wichtigsten Eigenschaften dieses euklidischen Abstandes werden im Begriff der Metrik bzw. des metrischen Raumes axiomatisiert.


Es sei eine Menge. Eine Abbildung heißt Metrik (oder Distanzfunktion), wenn für alle    die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  1.    genau dann, wenn    ist (Definitheit),
  2.    (Symmetrie), und
  3.    (Dreiecksungleichung).

Ein metrischer Raum ist ein Paar , wobei eine Menge und eine Metrik ist.

Man kann leicht aus den Bedingungen folgern, dass eine Metrik nur nichtnegative Werte annimmt. Der Wert gibt den Abstand der Punkte und bezüglich an. Oft wird die Metrik nicht in der Notation erwähnt, obwohl es Situationen gibt, in denen verschiedene Metriken auf ein- und derselben Menge betrachtet werden.


Es sei ein euklidischer Vektorraum und

der zugehörige Abstand. Dieser besitzt nach Lemma 32.15 (Analysis (Osnabrück 2021-2023)) die Eigenschaften einer Metrik. Insbesondere ist im der durch

gegebene euklidische Abstand eine Metrik.


Wenn wir nichts anderes sagen, so versehen wir den und den    stets mit dem euklidischen Abstand. Insbesondere sind die reellen Zahlen und die komplexen Zahlen    mit der durch den Betrag definierten Metrik metrische Räume. Als gemeinsame Bezeichnung für und werden wir wieder verwenden.

Die Summenmetrik heißt auch Taxi-Metrik. Die grüne Linie repräsentiert den euklidischen Abstand, die anderen repräsentieren den Summenabstand.

Auf dem ist

eine Metrik, die man die Summenmetrik nennt.



Auf dem ist

eine Metrik, die man die Maximumsmetrik nennt.



Es sei ein metrischer Raum und    eine Teilmenge. Dann ist ebenfalls ein metrischer Raum, wenn man

für alle    setzt. Diese Metrik heißt die induzierte Metrik.



Zu einer beliebigen Menge kann man durch

eine Metrik definieren, die die diskrete Metrik heißt.




Teilmengen in einem metrischen Raum
Die Gestalt der Kugelumgebungen hängt von der Metrik ab.

Es sei ein metrischer Raum,    und    eine positive reelle Zahl. Es ist

die offene und

die abgeschlossene -Kugel um .

Natürlich müssen Kugeln nicht unbedingt kugelförmig aussehen, aber sie tun es in der euklidischen Norm. Für    ist einfach das beidseitig offene Intervall und ist einfach das beidseitig abgeschlossene Intervall .

Eine Teilmenge ist offen, wenn jeder Punkt darin gleich mit einer vollen Kugelumgebung drin liegt. Bei einer solchen Menge ist es entscheidend, ob die Randpunkte dazu gehören oder nicht.



Es sei ein metrischer Raum. Eine Teilmenge    heißt offen (in ), wenn für jedes    ein    mit

existiert.


Es sei ein metrischer Raum. Eine Teilmenge    heißt abgeschlossen, wenn das Komplement offen ist.

Achtung! Abgeschlossen ist nicht das „Gegenteil“ von offen. Die „allermeisten“ Teilmengen eines metrischen Raumes sind weder offen noch abgeschlossen, es gibt aber auch Teilmengen, die sowohl offen als auch abgeschlossen sind, z.B. die leere Teilmenge und die Gesamtmenge.



Es sei ein metrischer Raum und    ein Punkt.

Dann sind die offenen Kugeln offen und die abgeschlossenen Kugeln abgeschlossen.

Sei  ,  d.h. es ist  .  Wir setzen    und behaupten, dass    ist. Dazu sei  .  Dann ist aufgrund der Dreiecksungleichung

und somit  .  Für die zweite Behauptung siehe Aufgabe 33.9.



Es sei ein metrischer Raum. Dann gelten folgende Eigenschaften.

  1. Die leere Menge und die Gesamtmenge sind offen.
  2. Es sei eine beliebige Indexmenge und seien , , offene Mengen. Dann ist auch die Vereinigung

    offen.

  3. Es sei eine endliche Indexmenge und seien , , offene Mengen. Dann ist auch der Durchschnitt

    offen.

Beweis

Siehe Aufgabe 33.7.

Eine Teilmenge    eines metrischen Raumes heißt beschränkt, wenn es eine reelle Zahl mit

gibt.



Folgen in metrischen Räumen

Wir besprechen die Konvergenz einer Folge in einem metrischen Raum. Eine Folge im ist beispielsweise durch

Es handelt sich um eine Folge, die sich auf dem Einheitskreis bewegt, und zwar dreht sich der Punkt um die Bogenlänge (also um ca. Grad). Die Folgenglieder nähern sich also nicht untereinander an, sodass keine Konvergenz zu erwarten ist. Bei der Folge

bewegen sich die Glieder auf einer „gedachten Spirale“. Die Punkte drehen sich nach wie vor um den gleichen Winkel, allerdings wird der Abstand zum Nullpunkt immer kleiner, sodass man Konvergenz gegen erwarten kann.


Es sei ein metrischer Raum und sei eine Folge in . Man sagt, dass die Folge gegen    konvergiert, wenn folgende Eigenschaft erfüllt ist.

Zu jedem , , gibt es ein    derart, dass für alle    die Beziehung

gilt. In diesem Fall heißt der Grenzwert oder der Limes der Folge. Dafür schreibt man auch

Wenn die Folge einen Grenzwert besitzt, so sagt man auch, dass sie konvergiert (ohne Bezug auf einen Grenzwert), andernfalls, dass sie divergiert.

Diese Definition stimmt natürlich für    mit unserem bisherigen Begriff für konvergente Folge überein. Allerdings hatten wir, als wir diesen Begriff für angeordnete Körper einführten, die reellen Zahlen selbst noch nicht zur Verfügung. Die Bedingung kann man auch so ausdrücken, dass für    stets    ist. Da die Eigenschaft für alle positiven gilt, kann man genauso gut mit offenen Bällen arbeiten.



Lemma  Lemma 33.14 ändern

Der sei mit der euklidischen Metrik versehen und sei eine Folge in mit

Dann konvergiert die Folge im genau dann, wenn alle Komponentenfolgen in konvergieren.

Es sei die Gesamtfolge konvergent gegen  .  Wir behaupten, dass die -te Komponentenfolge gegen konvergiert. Sei (ohne Einschränkung)    und    vorgegeben. Wegen der Konvergenz der Gesamtfolge gibt es ein    mit    für alle  .  Daher ist


Es seien nun alle Komponentenfolgen konvergent, wobei die -te Folge den Grenzwert besitzen möge, und sei ein    vorgegeben. Wir setzen    und behaupten, dass die Folge gegen konvergiert. Zu gibt es für jede Komponentenfolge ein derart, dass    für alle    gilt. Dann gilt für alle

die Beziehung


Insbesondere konvergiert eine Folge von komplexen Zahlen genau dann, wenn die zugehörigen Folgen der Realteile und der Imaginärteile konvergieren, was bereits in Aufgabe 8.13 gezeigt wurde.


Es sei ein metrischer Raum und sei eine Folge in . Ein Punkt    heißt Häufungspunkt der Folge, wenn es für jedes    unendlich viele Folgenglieder mit    gibt.

Wie in besteht wieder die Beziehung, dass ein Punkt genau dann Häufungspunkt einer Folge ist, wenn es eine Teilfolge gibt, die gegen konvergiert.



Satz  Satz 33.16 ändern

Es sei ein metrischer Raum und    eine Teilmenge.

Dann ist genau dann abgeschlossen, wenn jede Folge  ,  die in konvergiert, bereits in konvergiert.

Es sei zunächst abgeschlossen und eine Folge    gegeben, die in gegen    konvergiert. Wir müssen zeigen, dass    ist. Angenommen, dies wäre nicht der Fall. Dann liegt im offenen Komplement von und daher gibt es ein    derart, dass der gesamte - Ball im Komplement von liegt. Also ist

Da die Folge aber gegen konvergiert, gibt es ein derart, dass alle Folgenglieder , , zu diesem Ball gehören. Da sie andererseits in liegen, ist dies ein Widerspruch.
  Es sei nun nicht abgeschlossen. Wir müssen eine Folge in konstruieren, die in konvergiert, deren Grenzwert aber nicht zu gehört. Da nicht abgeschlossen ist, ist das Komplement    nicht offen. D.h. es gibt einen Punkt    derart, dass in jedem -Ball von auch Punkte außerhalb von , also in liegen. Insbesondere ist also für jede natürliche Zahl    der Durchschnitt

Wir wählen aus dieser Schnittmenge ein Element und behaupten, dass die sich ergebende Folge die gewünschten Eigenschaften besitzt. Zunächst liegen nach Konstruktion alle Folgenglieder in . Die Folge konvergiert gegen , da man sich hierzu auf

beschränken kann und alle Folgenglieder , , in    liegen. Da der Grenzwert einer Folge im Falle der Existenz eindeutig bestimmt ist, und    ist, konvergiert die Folge in nicht.



Korollar  Korollar 33.17 ändern

Es sei    eine Teilmenge der reellen Zahlen. Es sei    eine in abgeschlossene Teilmenge.

Wenn das Supremum in existiert, so ist  

Es sei  .  Zu jedem    gibt es Elemente , , und mit  .  Andernfalls wäre nämlich eine kleinere obere Schranke von . Die Folge konvergiert also gegen    und aufgrund von Satz 33.16 ist  


Wenn man z.B. das offene Intervall in nimmt und    betrachtet, so ist abgeschlossen in , das Supremum dieser Menge gehört aber nicht dazu. Ein wichtiger Spezialfall ist das folgende Korollar.



Korollar  Korollar 33.18 ändern

Es sei    eine nicht leere, nach oben beschränkte, abgeschlossene Teilmenge der reellen Zahlen.

Dann gehört das Supremum zu .

Dies folgt aus Korollar 33.17 mit    und aus Satz 7.5.