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Kurs:Einführung in die mathematische Logik/6/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 2 1 2 5 1 2 2 8 3 4 0 10 0 4 50




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine Mersennesche Primzahl.
  2. Die (rekursiv definierte) Gültigkeit eines prädikatenlogischen S-Ausdruckes α bei einer S-Interpretation auf einer Menge M.
  3. Ein Isomorphismus
    φ:MN

    zwischen zwei S-Strukturen M und N.

  4. Die R-Aufzählbarkeit einer Teilmenge T.
  5. Das modallogische Transitivitätsaxiom.
  6. Die rekursive Definition der Gültigkeit eines modallogischen Ausdrucks α in einem modallogischen Modell (M,R,μ).


Lösung

  1. Eine Primzahl der Form 2n1 heißt Mersennesche Primzahl.
  2. Die S-Ausdrücke werden folgendermaßen als gültig charakterisiert (dabei seien s,t,t1,,tn Terme und α,β Ausdrücke).
    1. Is=t, wenn I(s)=I(t).
    2. IRt1tn, wenn (I(t1),,I(tn))RM.
    3. I¬(α), wenn nicht Iα gilt.
    4. I(α)(β), wenn Iα und Iβ gilt.
    5. I(α)(β), wenn die Gültigkeit Iα die Gültigkeit Iβ impliziert.
    6. Ixα, wenn es ein mM gibt mit Imxα.
    7. Ixα, wenn für alle mM die Beziehung Imxα gilt.
  3. φ:MN

    heißt S-Isomorphismus, wenn φ bijektiv ist und sowohl φ als auch die Umkehrabbildung φ1 ein S-Homomorphismus ist.

  4. Man sagt, dass T R-aufzählbar ist, wenn es ein Programm P für eine Registermaschine gibt, die bei Eingabe von 0 nach und nach genau die Zahlen aus T ausdruckt.
  5. Das modallogische Axiomenschema
    αα

    nennt man Transitivitätsaxiom.

  6. Die Gültigkeit wird rekursiv wie folgt definiert: Es sei der modallogische Ausdruck α schon für jeden Weltpunkt definiert. Dann setzt man für einen jeden Weltpunkt wM
    wα

    genau dann, wenn in jeder von w aus erreichbaren Welt v die Beziehung

    vα

    gilt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Auffüllung widerspruchsfreier aussagenlogischer Mengen (abzählbarer Fall).
  2. Das Koinzidenzlemma.
  3. Das Unvollständigkeitslemma.


Lösung

  1. Es sei V eine abzählbare Menge an Aussagenvariablen und ΓLV eine widerspruchsfreie Teilmenge der zugehörigen Sprache der Aussagenlogik. Dann kann man Γ durch sukzessive Hinzunahme von entweder pn oder ¬pn und durch Abschluss unter der Ableitungsbeziehung zu einer maximal widerspruchsfreien Teilmenge ΓΓ ergänzen.
  2. Es sei S ein Symbolalphabet erster Stufe und US eine Teilmenge. Es sei t ein U-Term und α ein U-Ausdruck. Es seien zwei S-Interpretationen I1 und I2 in einer gemeinsamen Grundmenge M gegeben, die auf U identisch seien. Dann gelten folgende Aussagen.
    1. Es ist I1(t)=I2(t).
    2. Es ist I1α genau dann, wenn I2α.
  3. Es sei Γ eine widerspruchsfreie, arithmetische Ausdrucksmenge, die Repräsentierungen erlaube. Die Ableitungsmenge Γ (also die Menge der zugehörigen Gödelnummern) sei schwach repräsentierbar in Γ. Dann gibt es einen arithmetischen Satz qL0Ar derart, dass weder q noch seine Negation ¬q aus Γ ableitbar ist.


Aufgabe (2 Punkte)

Ein Mann steht mit einem Wolf, einer Ziege und einem Kohl am Ufer eines Flusses und möchte diesen überqueren. Es steht ein Boot zur Verfügung, in dem neben ihm nur ein weiterer Passagier Platz hat. Wie kann er den Fluss überqueren, ohne dass dabei der Wolf die Ziege oder die Ziege den Kohl frisst?


Lösung

  1. Er fährt mit der Ziege ans andere Ufer.
  2. Er fährt allein zurück.
  3. Er fährt mit dem Wolf ans andere Ufer.
  4. Er fährt mit der Ziege zurück.
  5. Er fährt mit dem Kohl ans andere Ufer.
  6. Er fährt allein zurück.
  7. Er fährt mit der Ziege ans andere Ufer.


Aufgabe (1 Punkt)

Finde einen möglichst einfachen aussagenlogischen Ausdruck, der die folgende tabellarisch dargestellte Wahrheitsfunktion ergibt.

p q ?
w w w
w f f
f w w
f f f


Lösung

q.


Aufgabe (2 Punkte)

Beweise die aussagenlogische Tautologie

α(βαβ)

aus den aussagenlogischen Axiomen.


Lösung

Es ist

αβαβ

nach Lemma 3.11 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)) und

(αβαβ)(α(βαβ))

nach Axiom 3.8 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))   (4). Modus ponens liefert

α(βαβ).


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei  ΓLV  eine Ausdrucksmenge in der Sprache der Aussagenlogik zu einer Aussagenvariablenmenge V. Es sei Γ widerspruchsfrei, abgeschlossen unter Ableitungen und für jede Aussagenvariable pV gelte pΓ oder ¬pΓ. Zeige, dass dann Γ maximal widerspruchsfrei ist.


Lösung

Wir zeigen zuerst durch Induktion über den Aufbau der Sprache, dass für jedes  αLV  die Alternative αΓ oder ¬αΓ gilt. Daraus folgt die maximale Widerspruchsfreiheit. Für  α=p  eine Aussagenvariable ist dies Teil der Voraussetzung. Bei  α=¬β  folgt wegen ¬(¬β)β die Aussage aus der Induktionsvoraussetzung, da Γ abgeschlossen unter Ableitungen ist. Es sei nun  α=βγ.  Bei βΓ und γΓ ist wegen der Ableitungsabgeschlossenheit auch βγΓ. Wenn hingegen βΓ ist, so folgt nach der Induktionsvoraussetzung ¬βΓ. Aufgrund der Tautologie ¬β¬(βγ) ergibt sich ¬α=¬(βγ)Γ. Der Beweis für die Implikation verläuft ähnlich, siehe Aufgabe 4.16 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021)).

Zum Nachweis, dass Γ maximal widerspruchsfrei ist, sei αΓ angenommen. Nach dem, was wir eben bewiesen haben, gilt dann ¬αΓ. Dann ist aber  α,¬αΓ{α}  und somit ist diese erweiterte Menge widersprüchlich.


Aufgabe (1 Punkt)

Wir betrachten den Satz „Lucy Sonnenschein tanzt auf allen Hochzeiten“. Negiere diesen Satz durch eine Existenzaussage.


Lösung

Es gibt eine Hochzeit, auf der Lucy Sonnenschein nicht tanzt.


Aufgabe (2 Punkte)

Es seien x,y,z,w Variablen und V ein zweistelliges Funktionssymbol. Welche der folgenden Wörter sind Terme?

  1. VxyzVVw,
  2. VVxyVzw,
  3. VVxyzVw,
  4. VxVyVzw,
  5. xVyVzVw,
  6. VVVxyzw,
  7. VxyVVzw,
  8. VVxVyzw,
  9. VxyVzw,
  10. VxVyzVw,
  11. VxVVyzw,
  12. VxyVzVw.


Lösung

Terme sind 2,4,6,8,11, die anderen sind keine Terme.


Aufgabe (2 Punkte)

Man erläutere für einen Ableitungskalkül den Unterschied zwischen einer syntaktischen Grundtautologie und einer Ableitungsregel.


Lösung erstellen


Aufgabe (8 Punkte)

Es seien x,y Variablen, s,t Terme und α ein Ausdruck in einer prädikatenlogischen Sprache. Es seien u,v neue Variablen, die weder in s noch in t noch in α vorkommen. Zeige, dass

αs,tx,yαsvyxtuxyxuyv

allgemeingültig ist, wobei der Ausdruck rechts als die Hintereinanderausführung von vier Einzelsubstitutionen (von links nach rechts) zu lesen ist.


Lösung

Es sei I eine Interpretation mit

Iαs,tx,y.

Nach dem Substitutionslemma bedeutet dies

II(s),I(t)x,yα.

Von der anderen Seite her ist

Iαsvyxtuxyxuyv

mit dem Substitutionslemma äquivalent zu

II(y)vαsvyxtuxyxu.

Dies ist äquivalent zu

II(y)vII(y)v(x)uαsvyxtuxy,

und wegen  II(y)v(x)=I(x)  kann man dies als

II(y),I(x)v,uαsvyxtuxy

schreiben. Wir nennen die Interpretation links J. Mit dem Substitutionslemma ist dies äquivalent zu

JJ(tux)yαsvyx.

Nach dem Substitutionslemma für Terme ist

J(tux)=JJ(u)x(t).

Dabei ist

J(u)=(II(y),I(x)v,u)(u)=I(x)

und somit ist

JJ(u)x(t)=(II(y),I(x)v,u)I(x)x(t)=(II(y),I(x)v,u)(t)=I(t).

Zusammengefasst ist also

II(y),I(x),I(t)v,u,yαsvyx.

Die Interpretation links nennen wir wieder J. Nach dem Substitutionslemma ist

JJ(svy)xα.

Dabei ist

J(svy)=(JJ(v)y)(s)

und wir haben

J(v)=(II(y),I(x),I(t)v,u,y)(v)=I(y).

Daher ist

J(svy)=JI(y)y(s)=II(y),I(x),I(t)v,u,yI(y)y(s)=II(y),I(x),I(t)v,u,y(s)=I(s).

Also ist insgesamt

JJ(svy)x=JI(s)x=II(y),I(x),I(t)v,u,yI(s)x=II(y),I(x),I(s),I(t)v,u,x,y

und

II(y),I(x),I(s),I(t)v,u,x,yα.

Nach dem Koinzidenzlemma ist dies äquivalent zu

II(s),I(t)x,yα,

da u und v in α nicht vorkommen. Dies stimmt mit der eingangs erzielten Formulierung überein.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige

xαxβx(αβ).


Lösung

Die Alleinführung im Antezedens ergibt

xαα

und

xββ

und daraus zusammen mit Lemma 3.16 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))  (2)

xαxβαβ.

Die Variable x ist sowohl vorne als auch in x(αβ) gebunden. Daher ergibt die Alleinführung im Sukzedens

xαxβx(αβ).


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass die Vorgängereigenschaft

x(x0y(x=Ny))

aus der Menge der Peano-Axiome für den Nachfolger folgt.


Lösung

Es sei M eine Menge mit 0 und einer Abbildung N:MM, die die erststufigen Peano-Axiome für die Nachfolgerabbildung erfüllt, und es sei

α:=x0y(x=Ny).

Wir möchten xα zeigen. Dabei handelt es sich um einen erststufig mit der Symbolmenge {0,N} formulierten Ausdruck, sodass wir ihn durch Induktion beweisen können. Für  x=0  aus M ist der Vordersatz falsch und die Gesamtaussage richtig. Es sei nun  x0  und die Aussage für x richtig, d.h. es gelte y(x=Ny). Dann gilt direkt

N(x)=N(Ny))

und somit wiederum z(Nx=Nz). Die Gesamtaussage ist also auch für N(x) richtig und es ergibt sich die Gültigkeit für alle x.


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (10 Punkte)

Beweise den Fixpunktsatz der Prädikatenlogik.


Lösung

Wir betrachten die Abbildung

F:×,(m,n)F(m,n),

die durch

F(m,n):={GN(α(n)), falls m die GN eines αL1Ar ist,0 sonst,

festgelegt ist. Bei der Berechnung von F wird also zuerst geschaut, ob das erste Argument, also m, die Gödelnummer eines arithmetischen Ausdrucks mit genau einer freien Variablen ist. Falls nicht, so ist  F(m,n)=0,  unabhängig von n. Falls ja, so ist also  m=GN(α)  mit  αL1Ar.  In diesem Ausdruck wird dann die einzige freie Variable durch das zweite Argument der Abbildung, also n, ersetzt, wobei man einen Satz α(n) erhält. Dessen Gödelnummer ist nach Definition der Wert der Abbildung F(m,n). In diesem Fall ist also  F(m,n)=GN(α(n)).  Diese Erläuterungen zeigen zugleich, dass F berechenbar ist.
Da Γ nach Voraussetzung Repräsentierungen erlaubt, gibt es einen Ausdruck φ(x,y,z) mit drei freien Variablen, der diese Abbildung repräsentiert. D.h. es gilt für jede Belegung der Variablen mit natürlichen Zahlen m,n,k die Beziehungen (wir können annehmen, dass Γ widerspruchsfrei ist, da andernfalls das Resultat trivial ist)

F(m,n)=k genau dann, wenn Γφ(m,n,k),
F(m,n)k genau dann, wenn Γ¬φ(m,n,k)

und (für jede Belegung m,n für x und y)

Γ!zφ(m,n,z).

Den Fixpunkt zu einem vorgegebenen  αL1Ar  erhalten wir nun durch eine trickreiche Anwendung von φ. Wir setzen

s:=z(φ(x,x,z)α(z)).

Der Ausdruck s besitzt die Gödelnummer GN(s). Wir behaupten nun, dass der Satz

q:=sGN(s)x=z(φ(GN(s),GN(s),z)α(z))

die zu beweisende Ableitungsbeziehung Γqα(GN(q)) erfüllt.
Der Ausdruck s besitzt die einzige freie Variable x, daher gilt

F(GN(s),GN(s))=GN(sGN(s)x)=GN(q).

Aufgrund der Repräsentierungseigenschaft ist daher

Γφ(GN(s),GN(s),GN(q)).

Aus der Allaussage q erhält man durch Spezialisierung (man ersetzt die Variable z durch den Term GN(q))

q(φ(GN(s),GN(s),GN(q))α(GN(q))).

Da das Antezedens der rechten Implikation aus Γ ableitbar ist, folgt

Γqα(GN(q)).
 Dies besagt also die Ableitbarkeit der Hinrichtung.

Die aufgrund der Repräsentierbarkeit oben angeführte eindeutige Existenzaussage führt zu

Γz(φ(GN(s),GN(s),z)(z=GN(q))).

Durch Substitution ergibt sich

(z=GN(q))(α(GN(q))α(z))

und somit nach einer prädikatenlogischen Umformulierung

Γz(φ(GN(s),GN(s),z)α(GN(q))α(z)).

Da hierbei α(GN(q)) keine freie Variablen besitzt, ist auch

Γα(GN(q))(z(φ(GN(s),GN(s),z)α(z))),

und das Sukzedens ist gerade q, sodass auch die Rückrichtung ableitbar ist.


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei M ein K-modallogisches System, in dem zusätzlich das Transitivitätsaxiom gelte. Ferner sei s ein modallogischer Ausdruck, für den

M¬ss

gelte. Zeige für einen beliebigen Ausdruck p die Ableitbarkeit

M¬(p¬p)¬s.


Lösung

Aus der Fixpunkteigenschaft

M¬ss

ergibt sich insbesondere

Ms¬s.

Mit Lemma 24.5 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))  (1) folgt

Ms¬s.

Mit dem Transitivitätsaxiom und dem Kettenschluss folgt

Ms¬s.

Dies zusammen mit der Tautologie

ss

ergibt

ss¬s.

Mit Lemma 24.5 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))  (4) haben wir

Ms¬s(s¬s)

und somit

Ms(s¬s).

Für ein beliebiges p ist nun

s¬sp¬p

und somit durch Lemma 24.5 (Einführung in die mathematische Logik (Osnabrück 2021))  (1)

M(s¬s)(p¬p)

und insgesamt

Ms(p¬p),

was durch Kontraposition die Behauptung ergibt.