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Kurs:Körper- und Galoistheorie/18/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Punkte 3 3 2 3 3 5 5 5 4 4 9 5 13 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine endliche Körpererweiterung KL.
  2. Ein Normalteiler N in einer Gruppe G.
  3. Eine Radikalerweiterung (von Körpern).
  4. Die Charaktergruppe zu einer kommutativen Gruppe D mit Werten in einem Körper K.
  5. Die Konjugationsklassen auf einer Gruppe G.
  6. Algebraisch unabhängige Elemente  f1,,fnA  in einer R-Algebra A.


Lösung

  1. Eine Körpererweiterung KL heißt endlich, wenn L ein endlichdimensionaler Vektorraum über K ist.
  2. Eine Untergruppe
    HG

    ist ein Normalteiler, wenn

    xH=Hx

    für alle  xG  ist.

  3. Eine Körpererweiterung  KL  heißt eine Radikalerweiterung, wenn es Zwischenkörper
    KL1Ln1Ln=L

    derart gibt, dass  LiLi+1  für jedes i eine einfache Radikalerweiterung ist.

  4. Man nennt die Menge der Charaktere
    D:=Char(D,K)={χ:DK×χ Charakter}

    die Charaktergruppe von D (in K).

  5. Man nennt die Äquivalenzklassen zur Äquivalenzrelation, bei der zwei Elemente als äquivalent gelten, wenn sie durch einen inneren Automorphismus ineinander überführt werden können, die Konjugationsklassen.
  6. Die Elemente  f1,,fnA  heißen algebraisch unabhängig (über R), wenn für jedes vom Nullpolynom verschiedene Polynom  PR[X1,,Xn]  bei der Einsetzung
    P(f1,,fn)0

    gilt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Beziehung zwischen prim und irreduzibel in einem Integritätsbereich R.
  2. Der Satz über die Anzahl eines endlichen Körpers.
  3. Der Satz über die Charakterisierung von konstruierbaren n-Ecken.


Lösung

  1. In einem Integritätsbereich ist ein Primelement stets irreduzibel.
  2. Sei K ein endlicher Körper. Dann besitzt K genau pn Elemente, wobei p eine Primzahl ist und  n1
  3. Ein reguläres n-Eck ist genau dann mit Zirkel und Lineal konstruierbar, wenn die Primfaktorzerlegung von n die Gestalt
    n=2αp1pk
    hat, wobei die pi verschiedene Fermatsche Primzahlen sind.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei K ein algebraisch abgeschlossener Körper. Zeige, dass K nicht endlich sein kann.


Lösung erstellen


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei R ein kommutativer Ring und  fR.  Charakterisiere mithilfe der Multiplikationsabbildung

μf:RR,gfg,

wann f ein Nichtnullteiler und wann f eine Einheit ist.


Lösung

Die Multiplikationsabbildung ist ein Gruppenhomomorphismus, wie direkt aus dem Distributivitätsgesetz folgt. Es gilt:

f ist ein Nichtnullteiler genau dann, wenn für alle gR aus fg=0 folgt g=0. Dies ist genau dann der Fall, wenn der Kern von μf nur aus 0 besteht, was genau dann gilt, wenn μf injektiv ist.

f ist eine Einheit genau dann, wenn es ein gR gibt mit fg=1, was genau dann der Fall ist, wenn 1 zum Bild von μf gehört. Dies wiederum ist äquivalent dazu, dass μf surjektiv ist, denn aus fg=1 folgt sofort h=(fg)h=f(gh) für jedes hR.


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise den Satz, dass das Minimalpolynom zu einem algebraischen Element  fL  in einer Körpererweiterung  KL  irreduzibel ist.


Lösung

Es sei  P=P1P2  eine Faktorzerlegung des Minimalpolynoms. Dann gilt in L die Beziehung

0=P(f)=P1(f)P2(f).

Da L ein Körper ist, muss ein Faktor 0 sein, sagen wir  P1(f)=0.  Da aber P unter allen Polynomen 0, die f annullieren, den minimalen Grad besitzt, müssen P und P1 den gleichen Grad besitzen und folglich muss P2 konstant (0), also eine Einheit sein.


Aufgabe (5 (3+1+1) Punkte)

Es sei M die Menge aller Zwischenkörper zwischen und . Für Körper K1,K2M setzen wir  K1K2,  falls es einen Körper LM mit  K1L  und  K2L  endlich gibt.

  1. Zeige, dass eine Äquivalenzrelation ist.
  2. Ist  
  3. Ist  


Lösung

  1. Die Reflexivität ist klar, da man bei  K1=K2  einfach  L=K1  nehmen kann, da die Identität eine endliche Körpererweiterung ist. Die Symmetrie ist unmittelbar klar. Zum Nachweis der Transitivität seien Körper  K1,K2,K3,L1,L2  mit  K1,K2L1  und  K2,K3L2  endlich gegeben. Insbesondere sind L1 und L2 endliche Oberkörper von K2. Wir können
    L1=K2[x1,,xn]

    mit xiL schreiben, die über K2 algebraisch sind. Damit ist

    L3:=L2[x1,,xn]

    eine endliche Körpererweiterung, die L1 und L2 und damit auch K1,K2,K3 umfasst. Nach der Gradformel ist L3 endlich über diesen Körpern und daher sind auch K1 und K3 äquivalent.

  2. und sind zueinander äquivalent, da    eine endliche Körpererweiterung vom Grad 2 ist.
  3. und sind nicht zueinander äquivalent, da es in über transzendente Elemente gibt, die nicht in einer endlichen Erweiterung von liegen können.


Aufgabe (5 Punkte)

Bestimme das Minimalpolynom von

X3(2X4X)iX31+X2i(X)

über (X).


Lösung

Es ist

X3(2X4X)iX31+X2i=X3(2X4X)iX31+X2iX31X2iX31X2i=X3(X31)(2X4X)X2+(X5(2X4X)(X31))i(X31)2+X4=X6X32X6+X3+(X52X7+2X4+X4X)iX6+X42X3+1=X6+(2X7X5+3X4X)iX6+X42X3+1=X6X6+X42X3+1+2X7X5+3X4XX6+X42X3+1i.

Für ein Element a+biK[i] über einem Körper K (in dem 1 kein Quadrat ist) ist das Minimalpolynom generell gleich

T22aT+a2+b2.

Im vorliegenden Fall ist das Minimalpolynom also gleich

=T22X6X6+X42X3+1T+(X6X6+X42X3+1)2+(2X7X5+3X4XX6+X42X3+1)2=T2+2X6X6+X42X3+1T+X12+4X14+X10+9X8+X2+4X1212X11+4X86X9+2X66X5X12+X8+4X6+1+2X104X9+2X64X7+2X44X3=T2+2X6X6+X42X3+1T+4X14+5X1212X11+X106X9+13X8+X2+2X66X5X12+2X104X9+X84X7+6X6+2X44X3+1.


Aufgabe (5 Punkte)

Zeige, dass der algebraische Abschluss einer Körpererweiterung ein Körper ist.


Lösung

Wir müssen zeigen, dass M bezüglich der Addition, der Multiplikation, des Negativen und des Inversen abgeschlossen ist. Es seien  x,yM.  Wir betrachten die von x und y erzeugte K-Unteralgebra  U=K[x,y],  die aus allen K-Linearkombinationen der xiyj, i,j, besteht. Da sowohl x als auch y algebraisch sind, kann man nach Satz 10.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) gewisse Potenzen xn und ym durch kleinere Potenzen ersetzen. Daher kann man alle Linearkombinationen mit den Monomen xiyj, i<n, j<m, ausdrücken. D.h. alle Operationen spielen sich in dieser endlichdimensionalen Unteralgebra ab. Daher sind Summe, Produkt und das Negative nach Satz 10.4 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) wieder algebraisch. Für das Inverse sei  z0  algebraisch. Dann ist K[z] nach Satz 10.1 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) ein Körper von endlicher Dimension. Daher ist  z1K[z]  selbst algebraisch.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die Matrix des Frobeniushomomorphismus

Φ:𝔽27𝔽27

bezüglich einer geeigneten 𝔽3-Basis von 𝔽27.


Lösung

Das Polynom X3+2X+1 ist irreduzibel in /(3)[X], da es keine Nullstellen hat. Also ist

𝔽27/(3)[X]/(X3+2X+1),

wir nehmen 1,X,X2 als /(3)-Basis. Der Frobenius sendet 1 auf 1, X auf

X3=2X1=X+2

und X2 auf

X6=(X+2)2=X2+4X+4=X2+X+1.

Die beschreibende Matrix ist also

(121011001).


Aufgabe (4 (1+1+1+1) Punkte)

Es sei n3 und sei  α=360n.  Betrachte die im Ring der reellen 2×2-Matrizen von den Matrizen (coskαsinkαsinkαcoskα), k=0,1,,n1,

erzeugte -Unteralgebra A.
  1. Mit wie vielen Matrizen kann man A minimal erzeugen?
  2. Ist diese Algebra kommutativ?
  3. Ist diese Algebra ein Körper?
  4. Ist diese Algebra ein endlichdimensionaler -Vektorraum? Falls ja, was ist seine Dimension?


Lösung

  1. Es genügt die Drehmatrix zu  k=1,  also
    (cosαsinαsinαcosα),

    da ja

    (coskαsinkαsinkαcoskα)=(cosαsinαsinαcosα)k

    ist. Wegen  n3  kann man auf diese nicht verzichten.

  2. Es sei Kn der n-te Kreisteilungskörper über , der von
    e2πi/n=cos360/n+isin360/n=cosα+isinα

    erzeugt wird. Wir betrachten die surjektive Abbildung

    KnA,

    die durch e2πi/n(cosαsinαsinαcosα) gegeben ist. Diese ist wohldefiniert und bijektiv, da eine Summe

    i=0n1ai(cosαsinαsinαcosα)i

    genau dann 0 ist, wenn dies in der ersten Spalte gilt. Somit liegt ein -Algebraautomorphismus vor und alle Eigenschaften übertragen sich vom Kreisteilungskörper. Insbesondere ist die Algebra kommutativ

  3. und ein Körper
  4. der endlichen -Dimension φ(n).


Aufgabe (9 Punkte)

Beweise den Satz über die Beschreibung der Galoisgruppe von Kreisteilungskörpern über .


Lösung


Aufgabe (5 Punkte)

Zeige, dass man aus als Startmenge den gesamten 2 mit Zirkel und Lineal konstruieren kann.


Lösung

Die xAchse ist als Gerade aus der Startmenge konstruierbar. Die Zahlen 2 und 22 gehören zur Startmenge. Somit kann man den Nullpunkt (0,0) konstruieren, indem man den Kreis um (2,0) durch (22,0) schlägt und den Schnittpunkt mit der x-Achse nimmt. Somit kann man auch die y-Achse gemäß Lemma 24.6 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019))  (2) konstruieren. Auf der y-Achse kann man auch den Punkt (0,2) konstruieren. Der Abstand von (2,0) zu (0,2) beträgt nach dem Satz des Pythagoras 2. Da Parallelogramme konstruierbar sind, ist somit auch die Zahl 2 (also der Punkt (2,0)) konstruierbar. Damit sind aber überhaupt alle rationalen Zahlen konstruierbar und somit sind alle reellen Zahlen aus der gegebenen Startmenge konstruierbar. Diese sind auf die y-Achse übertragbar und daher sind gemäß Lemma 24.7 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) alle Punkte der Ebene konstruierbar.


Aufgabe (13 (2+2+2+1+6) Punkte)

Das Polynom  Z3X3Y3(X,Y)[Z]  ist irreduzibel und definiert daher eine endliche Körpererweiterung

(X,Y)(X,Y)[Z]/(Z3X3Y3)=:L

vom Grad 3. Es sei ζ eine primitive dritte komplexe Einheitswurzel und es sei  G={1,ζ,ζ2}  die Gruppe der komplexen dritten Einheitswurzeln.

  1. Zeige, dass durch
    XX,YY,ZζZ

    ein (X,Y)-Automorphismus auf L gegeben ist.

  2. Zeige, dass  (X,Y)L  eine Galoiserweiterung ist.
  3. Zeige, dass  (X,Y)L  eine graduierte Körpererweiterung ist.
  4. Zeige, dass durch
    XζX,YζY,Zζ2Z

    ein -Automorphismus auf L der Ordnung 3 gegeben ist.

  5. Zeige, dass der Fixkörper zum Automorphismus aus (4) isomorph zum rationalen Funktionenkörper in zwei Variablen ist.


Lösung

  1. Wir betrachten den (X,Y)-Algebrahomomorphismus
    α:(X,Y)[Z](X,Y)[Z]/(Z3X3Y3),ZζZ.

    Dieser ist offenbar surjektiv und sendet Z3 auf  ζ3Z3=Z3,  daher wird das Ideal (Z3X3Y3) auf 0 abgeildet und es wird ein Automorphismus

    (X,Y)[Z]/(Z3X3Y3)(X,Y)[Z]/(Z3X3Y3)

    induziert.

  2. Der Körper (X,Y) gehört zum Fixkörper. Als (X,Y)-Vektorraum hat L die Struktur
    L=(X,Y)(X,Y)Z(X,Y)Z2.

    Der erzeugende Automorphismus respektiert diese Zerlegung, und daher ist (X,Y) der Fixkörper. Über dem Fixkörper zu einer endlichen Gruppe liegt aber stets eine Galoiserweiterung vor.

  3. Wir betrachten die Darstellung als direkte Summe aus Teil (2). Daraus ist unmittelbar die graduierende Struktur mit der graduierenden Gruppe /(3) ablesbar. Wegen
    Z3=X3+Y3(X,Y)

    ist diese Graduierung in der Tat mit der Multiplikation verträglich.

  4. Durch XζX und YζY wird zunächst ein -Automorphismus
    [X,Y][X,Y]

    und damit auch auf dem Quotientenkörper

    (X,Y)(X,Y)

    festgelegt. Durch Zζ2Z wird sodann ein -Algebramorphismus

    (X,Y)[Z](X,Y)[Z]/(Z3X3Y3)

    festgelegt, der seinerseits wieder zu einem Automorphismus

    (X,Y)[Z]/(Z3X3Y3)(X,Y)[Z]/(Z3X3Y3)

    führt. Die dritte Iteration davon ist durch Xζ3X=X, Yζ3Y=Y, Zζ6Z=Z, bestimmt, also die Identität. Somit ist die Ordnung 3.

  5. Wir behaupten, dass der Fixkörper der rationale Funktionenkörper in den zwei Erzeugern XY und Z2Y ist. Diese beiden Elemente werden offenbar auf sich selbst abgebildet. Bezeichnen wir diesen Körper mit
    M=(XY,Z2Y).

    Zunächst gehört

    (ZY)3=(XY)3+1

    zu M. Ferner gehört auch

    ZY2=Z3Y3YZ2

    dazu. Damit gehört auch

    YZ=Z2YY2Z

    dazu. Also gehört auch

    Z3=YZZ2Y

    und damit auch Y3 und X3 dazu. Damit ist

    M(X,Y)[Z]/(Z3X3Y3)

    endlich und insbesondere sind die beiden Erzeuger XY und Z2Y algebraisch unabhängig und M ist ein rationaler Funktionenkörper in zwei Variablen. Wir behaupten, dass L über M von X erzeugt wird. Zu

    M[X]

    gehört aber direkt auch Y und Z2 und wegen Z3M gehört auch Z dazu. Also ist

    M[X]=L

    und es liegt die entsprechende Situation zu (2), (3) vor. Insbesondere ist M der Fixkörper.