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Kurs:Mathematik (Osnabrück 2009-2011)/Teil I/Klausur mit Lösungen

Aus Wikiversity

Aufgabe * (4 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein angeordneter Körper.
  2. Eine Cauchy-Folge in .
  3. Die komplexe Konjugation.
  4. Die Stetigkeit einer Abbildung
    φ:

    in einem Punkt  a

  5. Die lineare Unabhängigkeit von Vektoren v1,,vn in einem K-Vektorraum V.
  6. Eine lineare Abbildung
    φ:VW

    zwischen den K-Vektorräumen V und W.

  7. Die geometrische Reihe für  x
  8. Das Taylor-Polynom vom Grad n zu einer n-mal differenzierbaren Funktion
    f:

    im Entwicklungspunkt a.

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein angeordneter Körper.
  2. Eine Cauchy-Folge in .
  3. Die komplexe Konjugation.
  4. Die Stetigkeit einer Abbildung
    φ:

    in einem Punkt  a

  5. Die lineare Unabhängigkeit von Vektoren v1,,vn in einem K-Vektorraum V.
  6. Eine lineare Abbildung
    φ:VW

    zwischen den K-Vektorräumen V und W.

  7. Die geometrische Reihe für  x
  8. Das Taylor-Polynom vom Grad n zu einer n-mal differenzierbaren Funktion
    f:

    im Entwicklungspunkt a.


 


Aufgabe * (2 Punkte)

Bestimme, welche der beiden rationalen Zahlen p und q größer ist.

p=5731234 und q=20074322.

Multiplikation liefert

5734322=2476506 und 12342007=2476638.

Daher ist

573123420074322

und damit ist

p=5731234=573123420074322=q.


 


Aufgabe * (3 Punkte)

Zeige durch vollständige Induktion, dass für jedes  n  die Zahl

6n+2+72n+1

ein Vielfaches von 43 ist.

Induktionsanfang. Für  n=0  ist

62+7=43

ein Vielfaches von 43. Induktionsschritt. Es sei nun die Aussage für n bewiesen und betrachten wir den Ausdruck für n+1. Dieser ist

6n+1+2+72(n+1)+1=66n+2+7272n+1=66n+2+(6+43)72n+1=6(6n+2+72n+1)+4372n+1=643s+4372n+1=43(6s+72n+1),

wobei im vorletzten Schritt die Induktionsvoraussetzung verwendet wurde (nämlich die Eigenschaft, dass 6n+2+72n+1 ein Vielfaches von 43 ist). Daher ist diese Zahl ein Vielfaches von 43.


 


Aufgabe * (3 Punkte)

Es sei K ein angeordneter Körper. Zeige, ausgehend von den Axiomen für einen angeordneten Körper, dass  1>0  gilt.

Es gibt nur die drei sich ausschließenden Möglichkeiten

1>0 oder 1=0 oder 1<0.

Aufgrund der Körperaxiome ist  10.  Wir müssen also nur noch die Möglichkeit  1<0  zum Widerspruch führen. Nehmen wir  1<0  an. Aufgrund der Verträglichkeit mit der Addition kann man beidseitig 1 addieren und erhält  0<1.  Aufgrund der Verträglichkeit mit der Multiplikation mit positiven Elementen kann man diese Abschätzung quadrieren und erhält

0<(1)(1)=1,

also ist zugleich  1>0,  ein Widerspruch.


 


Aufgabe * (3 Punkte)

Bestimme den Grenzwert der Folge

sinnn,n+.

Für reelles x ist immer

1sinx1.

Somit ist

1nsinnn1n

für alle  n.  Da die Folge (1n)n+ gegen 0 konvergiert und dies auch für die negative Folge (1n)n+ gilt, muss aufgrund des Quetschkriteriums auch die Folge (sinnn)n+ gegen 0 konvergieren.


 


Aufgabe * (3 Punkte)

Bestimme, für welche  x  die Matrix

(x2+xxx3+2x2+5x1x2x)

invertierbar ist.

Eine Matrix ist genau dann invertierbar, wenn ihre Determinante 0 ist. Die Determinante der Matrix ist

det(x2+xxx3+2x2+5x1x2x)=(x2+x)(x2x)+x(x3+2x2+5x1)=x4x2x4+2x3+5x2x=2x3+4x2x=x(2x2+4x1).

Dies ist gleich 0 bei  x=0,  was die Lösung  x1=0  ergibt, oder bei  2x2+4x1=0.  Diese quadratische Gleichung ist äquivalent zu  x2+2x12=0  bzw. zu

(x+1)2112=0.

Also ist

x+1=±32

und damit

x2=321 und x3=321.

Die einzigen komplexen Zahlen, bei denen die Matrix nicht invertierbar ist, sind also

0,321,321.


 


Aufgabe * (5 Punkte)

Bestimme die Eigenwerte und die Eigenräume der durch die Matrix

M=(205010805)

gegebenen linearen Abbildung

φ:33,vMv.

Das charakteristische Polynom ist

χM=det(x2050x+1080x5)=(x2)(x+1)(x5)40(x+1)=(x+1)((x2)(x5)40)=(x+1)(x27x30).

Dies ergibt zunächst den Eigenwert 1. Durch quadratisches Ergänzen (oder direkt) sieht man für den quadratischen Term die Nullstellen 3 und 10, die die weiteren Eigenwerte sind. Da es drei verschiedene Eigenwerte gibt ist klar, dass zu jedem Eigenwert der Eigenraum eindimensional ist.

Eigenraum zu 1: Man muss die Lösungsmenge von

(305000806)(xyz)=(000)

bestimmen. Eine Lösung ist offenbar der Spaltenvektor (010), sodass der Eigenraum zu 1 gleich λ(010) ist.

Eigenraum zu 3: Man muss die Lösungsmenge von

(505020808)(xyz)=(000)

bestimmen. Eine Lösung ist offenbar der Spaltenvektor (101), sodass der Eigenraum zu 3 gleich λ(101) ist.

Eigenraum zu 10: Man muss die Lösungsmenge von

(8050110805)(xyz)=(000)

bestimmen. Eine Lösung ist offenbar der Spaltenvektor (508), sodass der Eigenraum zu 10 gleich λ(508) ist.


 


Aufgabe * (6 (1+2+3) Punkte)


a) Formuliere den Satz von Cayley-Hamilton für eine n×n-Matrix.


b) Bestätige durch Nachrechnen den Satz von Cayley-Hamilton für die Matrix

(2134).


c) Beweise den Satz von Cayley-Hamilton für eine beliebige 2×2-Matrix.


a) Der Satz von Cayley-Hamilton besagt Folgendes. Es sei M eine n×n-Matrix mit dem charakteristischen Polynom χM. Wenn man dann M in χM einsetzt, so ergibt sich

χM(M)=0.


b) Das charakteristische Polynom der Matrix

M=(2134)

ist

χM=det(x213x+4)=(x2)(x+4)3=x2+2x11.

Um darin M einzusetzen berechnen wir zuerst

(2134)(2134)=(72619).

Daher ist

χM=(72619)+2(2134)11(1001)=(7+4112+26+619811)=(0000).


c) Wir setzen die 2×2-Matrix als

M=(abcd)

an. Das charakteristische Polynom davon ist

χM=det(xabcxd)=(xa)(xd)bc=x2(a+d)x+adbc.

Das Quadrat von (abcd) ist

(abcd)(abcd)=(a2+bcab+bdca+cdcb+d2).

Durch Einsetzen ergibt sich

(a2+bcab+bdca+cdcb+d2)(a+d)(abcd)+(adbc)(1001)=(a2+bcab+bdca+cdcb+d2)+((a+d)a(a+d)b(a+d)c(a+d)d)+(adbc00adbc)=(a2+bc(a+d)a+adbcab+bd(a+d)bca+cd(a+d)ccb+d2(a+d)d+adbc)=(0000).


 


Aufgabe * (7 Punkte)

Es sei V ein Vektorraum und

v1,,vn

eine Familie von Vektoren in V. Zeige, dass die Familie genau dann eine Basis von V bildet, wenn es sich um ein minimales Erzeugendensystem handelt (d.h. sobald man einen Vektor vi weglässt, liegt kein Erzeugendensystem mehr vor).

Die Familie sei zunächst eine Basis. Dann ist sie insbesondere ein Erzeugendensystem. Nehmen wir einen Vektor, sagen wir v1, aus der Familie heraus. Wir müssen zeigen, dass dann die verbleibende Familie, also v2,,vn kein Erzeugendensystem mehr ist. Wenn sie ein Erzeugendensystem wäre, so wäre insbesondere v1 als Linearkombination der Vektoren darstellbar, d.h. man hätte

v1=i=2nλivi.

Dann ist aber

v1i=2nλivi

eine nichttriviale Darstellung der 0, im Widerspruch zur linearen Unabhängigkeit der Familie.

Es sei nun die Familie ein minimales Erzeugendensystem. Um zu zeigen, dass eine Basis vorliegt, muss also lediglich gezeigt werden, dass die Familie linear unabhängig ist. Nehmen wir an, sie sei nicht linear unabhängig. Dann gibt es eine Darstellung

a1v1+a2v2++anvn=0,

wobei mindestens ein Koeffizient ai0 ist. Wir behaupten, dass dann auch die um vi reduzierte Familie noch ein Erzeugendensystem ist im Widerspruch zur Minimalität. Dazu sei vV ein beliebiger Vektor, den man als

v=b1v1++bivi++bnvn

schreiben kann. Wir können vi schreiben als

vi=a1aiv1ai1aivi1ai+1aivi+1anaivn.

Damit ist

v=b1v1++bivi++bnvn=b1v1++bi(a1aiv1ai1aivi1ai+1aivi+1anaivn)++bnvn,

woraus ablesbar ist, dass man v auch als Linearkombination der v1,,vi1,vi+1,,vn darstellen kann.


 


Aufgabe * (4 Punkte)

Es sei V der reelle Vektorraum der Polynome vom Grad 4 mit der Basis

xi,0i4.

Erstelle für die Ableitungsabbildung

φ:VV,PP,

die beschreibende Matrix bezüglich dieser Basis.

Bestimme den Kern und das Bild dieser Abbildung sowie deren Dimensionen.

Die Ableitung schickt die Basiselemente auf

x0=10,x11,x22x,x33x2,x44x3.

Daraus sind direkt die Koeffizienten der Bildvektoren bezüglich der Basis abzulesen. In der beschreibenden Matrix stehen in den Spalten die Koeffizienten der Bildvektoren. Daher lautet die Matrix

(0100000200000300000400000).

Das Bild dieser Abbildung besteht aus allen Polynomen vom Grad 3. Dieser Untervektorraum besitzt die Basis x0,x1,x2,x3 und hat demnach die Dimension 4.

Der Kern besteht aus den konstanten Polynomen mit der Basis x0, dieser Unterraum ist also eindimensional.


 


Aufgabe * (6 (4+2) Punkte)

Wir betrachten die Funktion

f:+,xf(x)=1+lnx1x.

a) Zeige, dass f eine stetige Bijektion zwischen + und definiert.

b) Bestimme das Urbild u von 0 unter f sowie f(u) und (f1)(0). Fertige eine grobe Skizze für die Umkehrfunktion f1 an.

a) Die Funktion f ist differenzierbar und die Ableitung ist

f(x)=1x+1x2.

Für  x>0  sind diese beiden Summanden positiv, sodass die Ableitung stets positiv ist und f daher streng wachsend ist. Daher ist die Abbildung injektiv. Die Funktion ist stetig, da sie differenzierbar ist. Daher genügt es für die Surjektivität, aufgrund des Zwischenwertsatzes, nachzuweisen, dass beliebig große und beliebig kleine Werte angenommen werden.

Für  0<x<1  ist  11x<0  und daher

f(x)lnx.

Da der Logarithmus für x0 beliebig kleine Werte annimmt, gilt das auch für f.

Für  x>1  ist  11x>0  und daher

f(x)lnx.

Da der Logarithmus für x beliebig große Werte annimmt, gilt das auch für f.

b) Durch Einsetzen ergibt sich  f(1)=0,  also ist  u=1  das Urbild von 0. Aufgrund der Berechnung der Ableitung oben ist  f(1)=2.  Aufgrund der Regel für die Ableitung der Umkehrfunktion gilt daher

(f1)(0)=1f(f1(0))=1f(1)=12.


 


Aufgabe * (4 Punkte)

Es seien

f,g:

zwei differenzierbare Funktionen. Es sei a. Es gelte

f(a)g(a) und f(x)g(x) für alle xa.

Zeige, dass

f(x)g(x) für alle xa gilt.

Wir betrachten die Hilfsfunktion

h:,xh(x)=f(x)g(x).

Nach den Voraussetzungen ist h differenzierbar, es ist  h(a)0  und es ist  h(x)0  für alle  xa.  Wir müssen zeigen, dass  h(a)0  für alle  xa  ist. Nehmen wir also an, dass es ein  x>a  mit  h(x)<0  gibt. Aufgrund des Mittelwertsatzes gibt es ein  c[a,x]  mit

h(c)=h(x)h(a)xa.

Da diese Zahl negativ ist, ergibt sich ein Widerspruch.


 


Aufgabe * (6 (1+2+1+2) Punkte)

Es sei M die Menge der zweimal stetig differenzierbaren Funktionen von nach . Definiere auf M eine Relation durch

fg falls f(0)=g(0),f(0)=g(0) und f(1)=g(1).


a) Zeige, dass dies eine Äquivalenzrelation ist.

b) Finde für jede Äquivalenzklasse dieser Äquivalenzrelation einen polynomialen Vertreter.

c) Zeige, dass diese Äquivalenzrelation mit der Addition von Funktionen verträglich ist.

d) Zeige, dass diese Äquivalenzrelation nicht mit der Multiplikation von Funktionen verträglich ist.


a) Wir betrachten die Abbildung

H:M3,f(f(0),f(0),f(1)).

Zwei Funktionen f und g stehen genau dann in dieser Relation zueinander, wenn ihre Bilder unter H übereinstimmen. Daher liegt eine Äquivalenzrelation vor (und H beschreibt die Äquivalenzklassenbildung).

b) Das Polynom

a+bx+c2x2

wird unter H auf (a,b,c) abgebildet, sodass dieses Polynom diese Klasse repräsentiert.

c) Es sei f1g1 und f2g2. Es ist (f1+f2)(g1+g2) zu zeigen. Dies folgt aber sofort aufgrund der Additivität der Ableitung.

d) Wir betrachten  f1=g1=x  und f2=x und g2=x33x2+x. Offenbar ist f1g1. Die relevanten Werte für f2 sind wegen f2=x,f2=1,f2=0 einfach

H(f2)=(0,1,0).

Für g2 ergibt sich g2=x33x2+x,g2=3x26x+1,g2=6x6. Daher ist

H(g2)=(0,1,0),

sodass  f2g2  ist. Wir behaupten, dass f1f2 und g1g2 nicht äquivalent sind. Es ist f1f2=x2 mit den Ableitungen (x2,2x,2) und daher ist

H(f1f2)=(0,0,2).

Für g1g2=x(x33x2+x)=x43x3+x2 hat man die Ableitungen (x43x3+x2,4x39x2+2x,12x218x+2) und daher ist

H(g1g2)=(0,0,4)H(f1f2).


 


Aufgabe * (6 Punkte)

Es sei (xn)n eine Folge in einem metrischen Raum (M,d). Es sei H die Menge aller Häufungspunkte der Folge und

A={xn:n}H.

Zeige, dass A eine abgeschlossene Teilmenge von M ist.

Wir zeigen, dass das Komplement MA offen ist. Es sei dazu ein Punkt yM, y∉A, gegeben. D.h. dass y weder ein Folgenglied noch ein Häufungspunkt der Folge ist. Da y kein Häufungpunkt ist bedeutet, dass es ein ϵ>0 derart gibt, dass es in U(y,ϵ) nur endlich viele Folgenglieder gibt. Diese Folgenglieder seien

y1=xn1,y2=xn2,,yk=xnk.

Da y selbst kein Folgenglied ist, ist yyi für alle i=1,,k. Daher ist d(y,yi)>0 für alle i=1,,k und somit

δ:=min(d(y,yi),i=1,,k)>0.

Damit ist U(y,δ) eine offene Umgebung von y, die keine Folgenglieder enthält. Dies gilt dann erst recht für U(y,δ2). Diese Menge enthält aber auch keinen Häufungspunkt der Folge. Wäre nämlich zHU(y,δ2), so würde es in U(z,δ2) unendlich viele Folgenglieder geben, was wegen

U(z,δ2)U(y,δ)U(y,ϵ)

ein Widerspruch ist. Daher haben wir eine offene Umgebung von y gefunden, die zu A disjunkt ist.


 


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