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Riemannsche Fläche/Holomorphe Differentialform/Einführung/Textabschnitt

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Eine holomorphe Differentialform auf einer riemannschen Fläche X ist ein holomorpher Schnitt im Kotangentialbündel TX.

Eine holomorphe Differentialform ω ordnet also jedem Punkt  PX  einen Vektor ω(P) im Kotangentialraum TPX zu, also eine komplexwertige Linearform auf dem Tangentialraum TPX. Wenn  vTPX  ein Tangentialvektor ist, so versteht man unter ω(P,v) diejenige komplexe Zahl, die sich ergibt, wenn man die Linearform ω(P) auf den Vektor v anwendet. Wir beschreiben zuerst die holomorphen Differentialformen auf einer offenen Menge von , was dann auch die lokale Beschreibung für die holomorphen Differentialformen auf einer beliebigen riemannschen Fläche ergibt.



Lemma  

  1. Auf einer offenen Teilmenge  U  besitzt jede holomorphe Differentialform ω eine eindeutige Darstellung  ω=fdz  mit einer holomorphen Funktion f.
  2. Zu einer holomorphen Funktion f ist
    df=fdz

    eine holomorphe Differentialform.

Beweis  

  1. Den Tangentialbündel zu U können wir mit U× und das Kotangentialbündel können wir entsprechend mit
    U×Hom(,)U×

    identifizieren. Die Differentialform dz ist diejenige Differentialform, die jedem Punkt die Identität zuordnet, was der konstanten 1 bei der natürlichen Identifizierung entspricht. Jeder Schnitt im Kotangentialbündel kann man daher eindeutig als fdz schreiben. Dabei liegt genau dann ein holomorpher Schnitt und damit eine holomorphe Differentialform vor, wenn f eine holomorphe Funktion ist.

  2. Die Gleichung  df=fdz  folgt mit Fakt  (1) aus
    (df)P=TPf=(Df)P=f(P)Id=f(P)dz.

    Die Holomorphie von f folgt aus (1) und Fakt.



Lemma  

Auf einer riemannschen Fläche X

gelten die folgenden Aussagen.

  1. Die Summe ω1+ω2 von holomorphen Differentialformen ω1 und ω2 ist wieder eine holomorphe Differentialform.
  2. Zu einer holomorphen Funktion f ist df ist eine holomorphe Differentialform.
  3. Zu einer holomorphen Funktion f und einer holomorphen Funktion ist auch fω eine holomorphe Differentialform.

Beweis  

Sowohl die Eigenschaft, ein Schnitt im Kotangentialbündel zu sein als auch die Eigenschaft, holomorph zu sein, sind lokal. Ebenso sind die in den Aussagen vorkommenden Operationen lokal. Daher folgen die Aussagen aus Fakt.


Eine holomorphe Differentialform ω auf einer riemannschen Fläche wird häufig in der Form Ui,fidzi gegeben, wobei  U=iIUi  eine offene Überdeckung mit Kartengebieten, zi ein lokaler Parameter und fi eine holomorphe Funktion auf Ui ist, wobei die fidzi auf den Kartenüberlappungen zusammenpassen müssen.




Die Garbe der holomorphen Differentialformen auf einer riemannschen Fläche X wird mit ΩX bezeichnet. Es ist also Γ(U,ΩX) der Vektorraum aller holomorphen Differentialformen auf U und speziell Γ(X,ΩX) der Vektorraum der globalen holomorphen Differentialformen. Insbesondere für kompakte riemannschen Flächen ist es eine wichtige Frage, wie viele globale holomorphe Differentialformen es gibt. Es handelt sich im kompakten Fall um einen endlichdimensionalen Vektorraum, dessen Dimension auch das differentielle Geschlecht der riemannschen Fläche heißt, siehe hierzu Fakt, Fakt, Bemerkung und vor allem Fakt, Fakt und Fakt.

Man nennt die holomorphe Differentialform df auch die Ableitung zu f und ebenso nennt man die Abbildung

d:Γ(X,𝒪X)Γ(X,ΩX),fdf,

Ableitung oder den Ableitungsoperator. Man beachte, dass es keine Ableitung in dem Sinne gibt, dass einer holomorphen Funktion wieder eine holomorphe Funktion zugeordnet wird. Dies lässt sich zwar lokal definieren, passt aber global nicht zusammen. Um einen sinnvollen Ableitungsprozess zu bekommen, muss man die Ableitung als eine Differentialform verstehen.



Lemma  

Auf einer riemannschen Fläche X

liegt die kurze exakte Garbensequenz

0𝒪XdΩX0

vor, wobei hier die Garbe der lokal konstanten Funktionen mit Werten in bezeichnet.

Beweis  

Dies ist eine lokale Aussage, die auf einer Kreisscheibe aus den entsprechenden Aussagen der Funktionentheorie folgt: Eine holomorphe Funktion ist genau dann konstant, wenn ihre Ableitung gleich 0 ist, und eine holomorphe Differentialform besitzt auf einer Kreisscheibe eine Stammfunktion, da man zu einer Potenzreihe direkt eine Stammreihe angeben kann, die den gleichen Konvergenzradius besitzt.


Im Allgemeinen ist die globale Auswertung

d:Γ(X,𝒪X)Γ(X,ΩX),fdf,

nicht surjektiv. Wenn eine holomorphe Differentialform ω von der Form df ist, so heißt f eine Stammfunktion der Form. Die Surjektivität der globalen Auswertung ist also äquivalent dazu, dass jede holomorphe Differentialform eine Stammfunktion besitzt. Siehe u. A. Aufgabe und Aufgabe.



Lemma  

Auf der riemannschen Sphäre  S21 

ist die Nullform die einzige globale holomorphe Differentialform.

Beweis  

Die Projektive Gerade ist nach Beispiel bzw. Fakt die Verklebung von den beiden komplexen Zahlebenen ,z und ,w entlang der Identifizierung  z=w1  auf ×. Nach Fakt ist eine holomorphe Differentialform auf dem ersten gleich f(z)dz mit einer holomorphen Funktion f auf . Diese kann man in w wegen Aufgabe auf × als

f(z)dz=f(w1)dw1=f(w1)1w2dw

schreiben. Dabei ist außer bei  f=0  die beschreibende Funktion in w sicher nicht holomorph auf .



Lemma  

Es sei  f[Z]  ein Polynom vom Grad m ohne mehrfache Nullstelle und sei  V={(z,w)w2=f(z)}2  die zugehörige riemannsche Wurzelfläche.

Dann sind zjdzw für  j=0,,m32  holomorphe Differentialformen auf V.

Beweis  

Aus  w2=f(z)  ergibt sich die algebraische Relation  2wdw=f(z)dz.  Daher ist

zjwdz=2zjf(z)dw

und da w und f(z) keine gemeinsame Nullstelle haben, ist eine solche Differentialform überall definiert.


Dieses Argument würde auch bei allgemeiner angesetzten Differentialformen durchgehen, allerdings bilden die angegebenen Formen auf dem projektiven Abschluss schon eine Basis.