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Kurs:Einführung in die Algebra (Osnabrück 2009)/Vorlesung 15

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Der Hauptsatz der elementaren Zahlentheorie

Wir beweisen nun, dass sich jede natürliche Zahl in eindeutiger Weise als Produkt von Primzahlen darstellen lässt.



Satz  

Es sei p eine Primzahl und p teile ein Produkt ab von natürlichen Zahlen  a,b

Dann teilt p einen der Faktoren.

Beweis  

Die Voraussetzung bedeutet, dass

ab=0=0

in /(p) ist. Da p eine Primzahl ist, ist dieser Restklassenring nach Satz 14.13 ein Körper, sodass ein Faktor null sein muss. Sagen wir a=0. Dies bedeutet aber zurückübersetzt nach , dass a ein Vielfaches von p ist.



Satz  

Jede natürliche Zahl n, n2,

besitzt eine eindeutige Zerlegung in Primfaktoren.

D.h. es gibt eine Darstellung

n=p1pr

mit Primzahlen pi, und dabei sind die Primfaktoren bis auf ihre Reihenfolge eindeutig bestimmt.

Beweis  

Wir beweisen die Existenz und die Eindeutigkeit jeweils durch Induktion.  Für n=2 liegt eine Primzahl vor. Bei n3 ist entweder n eine Primzahl, und diese bildet die Primfaktorzerlegung, oder aber n ist keine Primzahl. In diesem Fall gibt es eine nichttriviale Zerlegung n=ab mit kleineren Zahlen a,b<n. Für diese Zahlen gibt es nach der Induktionsvoraussetzung eine Zerlegung in Primfaktoren, und diese setzen sich zu einer Primfaktorzerlegung für n zusammen. Zur Eindeutigkeit:  Für  n=2  liegt eine Primzahl vor und die Aussage ist klar. Es sei nun  n3  und seien zwei Zerlegungen in Primfaktoren gegeben, sagen wir

n=p1pr=q1qs.

Wir müssen zeigen, dass nach Umordnung die Primfaktorzerlegungen übereinstimmen. Die Gleichheit bedeutet insbesondere, dass die Primzahl p1 das Produkt rechts teilt. Nach dem Lemma von Euklid muss dann p1 einen der Faktoren rechts teilen. Nach Umordnung können wir annehmen, dass q1 von p1 geteilt wird. Da q1 selbst eine Primzahl ist, folgt, dass  p1=q1  sein muss. Daraus ergibt sich durch Kürzen, dass

p2pr=q2qs

ist. Nennen wir diese Zahl n. Da  n<n  ist, können wir die Induktionsvoraussetzung auf n anwenden und erhalten, dass links und rechts die gleichen Primzahlen stehen. 


Zu einer Primzahl p und einer positiven ganzen Zahl n ist der Exponent, also die Vielfachheit, mit der p als Primfaktor in n auftritt, eindeutich festgelegt. Dieser Exponent wird mit νp(n) bezeichnet. Die eindeutige Primfaktorzerlegung kann man auch als

n=ppνp(n)

schreiben, wobei das Produkt in Wirklichkeit endlich ist, da in der Primfaktorzerlegung nur endlich viele Primfaktoren mit einem positiven Exponenten vorkommen.



Lemma  

Es seien n und k positive natürliche Zahlen. Dann wird n von k genau dann geteilt,

wenn für jede Primzahl p die Beziehung

νp(n)νp(k)

gilt.

Beweis  

(1)(2). Aus der Beziehung  n=kt  folgt in Verbindung mit der eindeutigen Primfaktorzerlegung, dass die Primfaktoren von k mit mindestens ihrer Vielfachheit auch in n vorkommen müssen.
(2)(1). Wenn die Exponentenbedingung erfüllt ist, so ist  t=ppνp(n)νp(k)  eine natürliche Zahl mit  n=kt



Korollar  

Es seien n und m positive natürliche Zahlen mit den Primfaktorzerlegungen n=ppνp(n) und m=ppνp(m).

Dann ist

kgV(n,m)=ppmax(νp(n),νp(m))

und

ggT(n,m)=ppmin(νp(n),νp(m)).

Beweis  

Dies folgt direkt aus Lemma 15.3.




Produktringe

Um die Restklassenringe von besser verstehen zu können, insbesondere dann, wenn man n als Produkt von kleineren Zahlen schreiben kann - z.B., wenn die Primfaktorzerlegung bekannt ist -, braucht man den Begriff des Produktringes.


Es seien R1,,Rn kommutative Ringe. Dann heißt das Produkt

R1××Rn,

versehen mit komponentenweiser Addition und Multiplikation, der Produktring der Ri, i=1,,n.

Eng verwandt mit dem Begriff des Produktringes ist das Konzept der idempotenten Elemente.


Ein Element e eines kommutativen Ringes heißt idempotent, wenn  e2=e  gilt.

Die Elemente 0 und 1 sind trivialerweise idempotent, man nennt sie die trivialen idempotenten Elemente. In einem Produktring sind auch diejenigen Elemente, die in allen Komponenten nur den Wert 0 oder 1 besitzen, idempotent, also bspw. (1,0). In einem Integritätsbereich gibt es nur die beiden trivialen idempotenten Elemente: Ein idempotentes Element e besitzt die Eigenschaft

e(1e)=ee2=ee=0.

Im nullteilerfreien Fall folgt daraus e=1 oder e=0.



Lemma  

Es sei  R=R1××Rn  ein Produkt aus kommutativen Ringen.

Dann gilt für die Einheitengruppe von R die Beziehung

R×=R1×××Rn×.

Beweis  

Dies ist klar, da ein Element genau dann eine Einheit ist, wenn es in jeder Komponente eine Einheit ist.




Der Chinesische Restsatz für



Satz  

Es sei n eine positive natürliche Zahl mit kanonischer Primfaktorzerlegung

n=p1r1p2r2pkrk

(die pi seien also verschieden und ri1).

Dann induzieren die kanonischen Ringhomomorphismen /(n)/(piri) einen Ringisomorphismus

/(n)/(p1r1)×/(p2r2)××/(pkrk).

Zu gegebenen ganzen Zahlen (a1,a2,,ak) gibt es also genau eine natürliche Zahl  a<n,  die die simultanen Kongruenzen

a=a1modp1r1,a=a2modp2r2,,a=akmodpkrk

löst.

Beweis

Da die Ringe links und rechts beide endlich sind und die gleiche Anzahl von Elementen haben, nämlich n, genügt es, die Injektivität zu zeigen. Sei x eine natürliche Zahl, die im Produktring (rechts) zu null wird, also modulo piri den Rest null hat für alle i=1,2,,k. Dann ist x ein Vielfaches von piri für alle i=1,2,,k, d.h., es ist ein gemeinsames Vielfaches dieser Potenzen. Daraus folgt aufgrund von

Lemma 4.8,

dass x ein Vielfaches des Produktes sein muss, also ein Vielfaches von n. Damit ist x=0 in /(n) und die Abbildung ist injektiv.

Beispiel

Aufgabe


a) Bestimme für die Zahlen 3, 5 und 7 modulare Basislösungen, finde also die kleinsten positiven Zahlen, die in

/(3)×/(5)×/(7)

die Restetupel (1,0,0),(0,1,0) und (0,0,1) repräsentieren.


b) Finde mit den Basislösungen die kleinste positive Lösung x der simultanen Kongruenzen

x=2mod3,x=4mod5 und x=3mod7.


Lösung



a) (1,0,0): Alle Vielfachen von  57=35  haben modulo 5 und modulo 7 den Rest 0. Unter diesen Vielfachen muss also die Lösung liegen. 35 hat modulo 3 den Rest 2, somit hat 70 modulo 3 den Rest 1. Also repräsentiert 70 das Restetupel (1,0,0).

(0,1,0): Hier betrachtet man die Vielfachen von 21, und 21 hat modulo 5 den Rest 1. Also repräsentiert 21 das Restetupel (0,1,0).

(0,0,1): Hier betrachtet man die Vielfachen von 15, und 15 hat modulo 7 den Rest 1. Also repräsentiert 15 das Restetupel (0,0,1).


b) Man schreibt (in /(3)×/(5)×/(7))

(2,4,3)=2(1,0,0)+4(0,1,0)+3(0,0,1).

Die Lösung ist dann

270+421+315=140+84+45=269.

Die minimale Lösung ist dann  2692105=59



Korollar  

Es sei n eine positive natürliche Zahl mit kanonischer Primfaktorzerlegung  n=p1r1p2r2pkrk  (die pi seien also verschieden und ri1).

Dann gibt es einen kanonischen Gruppenisomorphismus

(/(n))×(/(p1r1))×××(/(pkrk))×.

Insbesondere ist eine Zahl a genau dann eine Einheit modulo n, wenn sie eine Einheit modulo piri ist für  i=1,,k

Beweis  

Dies folgt aus dem chinesischen Restsatz und Lemma 15.7.




Die Eulersche φ-Funktion



Satz  

Genau dann ist  a  eine Einheit modulo n (d.h. a repräsentiert eine Einheit in /(n)), wenn a und n teilerfremd sind.

Beweis  

Sind a und n teilerfremd, so gibt es nach Fakt ***** eine Darstellung der 1, es gibt also ganze Zahlen r,s mit

ra+sn=1.

Betrachtet man diese Gleichung modulo n, so ergibt sich  ra=1  in /(n). Damit ist a eine Einheit mit dem inversen Element  a1=r

Ist umgekehrt a eine Einheit in /(n), so gibt es ein  r/(n)  mit  ar=1  in /(n). Das bedeutet aber, dass ar1 ein Vielfaches von n ist, sodass also

ar1=sn

gilt. Dann ist aber wieder  arsn=1  und a und n sind teilerfremd.




Zu einer natürlichen Zahl n bezeichnet φ(n) die Anzahl der Elemente von (/(n))×. Man nennt φ(n) die Eulersche Funktion.

Die Eulersche Funktion φ(n) gibt also für  n1  nach Satz 15.11 an, wie viele Zahlen r, 0r<n, zu n teilerfremd sind.


Für eine Primzahl ist φ(n)=p1. Eine Verallgemeinerung des kleinen Fermat ist der folgende Satz von Euler.


Satz  

Es sei n eine natürliche Zahl.

Dann gilt für jede zu n teilerfremde Zahl a die Beziehung

aφ(n)=1modn.

Beweis  

Das Element a gehört zur Einheitengruppe (/(n))×, die φ(n) Elemente besitzt. Nach dem Satz von Lagrange ist aber die Gruppenordnung ein Vielfaches der Ordnung des Elementes.


Wir geben abschließend Formeln an, wie man die Eulersche φ-Funktion berechnet, wenn die Primfaktorzerlegung bekannt ist.



Lemma  

Es sei p eine Primzahl und pr eine Potenz davon.

Dann ist

φ(pr)=pr1(p1).

Beweis  

Eine Zahl a ist genau dann teilerfremd zu einer Primzahlpotenz pr, wenn sie teilerfremd zu p selbst ist, und dies ist genau dann der Fall, wenn sie kein Vielfaches von p ist. Unter den natürlichen Zahlen <pr sind genau die Zahlen

0,p,2p,3p,,(pr11)p

Vielfache von p. Das sind pr1 Stück, und daher gibt es

prpr1=pr1(p1)

Einheiten in /(pr). Also ist  φ(pr)=pr1(p1)



Korollar  

Es sei n eine positive natürliche Zahl mit kanonischer Primfaktorzerlegung

n=p1r1pkrk

(die pi seien also verschieden und ri1).

Dann ist

φ(n)=φ(p1r1)φ(pkrk)=(p11)p1r11(pk1)pkrk1.

Beweis  

Die erste Gleichung folgt aus Korollar 15.10 und die zweite aus Lemma 15.15.



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